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Harald Ansen: Das Recht auf Unterstützung

Rezensiert von Jutta Harrer-Amersdorffer, 22.07.2022

Cover Harald Ansen: Das Recht auf Unterstützung ISBN 978-3-17-036700-5

Harald Ansen: Das Recht auf Unterstützung. Sozialanwaltschaft als Auftrag der Sozialen Arbeit. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2022. 168 Seiten. ISBN 978-3-17-036700-5. D: 28,00 EUR, A: 28,80 EUR.
Reihe: Soziale Arbeit in der Gesellschaft
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Thematischer Hintergrund

Das Buch ist in der Reihe „Soziale Arbeit in der Gesellschaft“ im Kohlhammer Verlag erschienen. Mit der Veröffentlichungsreihe wird die Zielsetzung verfolgt, die Perspektiven der Sozialen Arbeit zu erweitern und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und sozialstaatlichen Grundsätze näher in den Blick zu nehmen. Der Autor stellt im Vorwort des Werkes heraus, dass ihn v.a. die Gespräche mit Praktiker*innen zum Schreiben des Werkes motiviert haben. Er geht darauf ein, dass im gegenwärtigen Theoriediskurs die Unterstützung der Adressat*innen bei der Verwirklichung ihrer Rechte auf Dienst-, Sach- und Geldleistungen gegenwärtig wenig beleuchtet wird.

Autor

Prof. Dr. Harald Ansen ist Diplom-Sozialpädagoge und Hochschullehrer für Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Er lehrt und forscht in den Bereichen Armut und soziale Teilhabe sowie Beratung in der Sozialen Arbeit (Angaben vom Verlag übernommen).

Aufbau

Das Werk ist in vier Hauptkapitel sowie je ein Kapitel mit einleitenden sowie abschließenden Gedanken gegliedert. Ausgehend von einer umfänglichen Einleitung widmet sich Ansen zunächst dem sozialwirtschaftlichen Verständnis von Unterstützung. Dabei stellt er zunächst die Themenstellung Armut ins Zentrum und stellt weiterführend eine Verbindung zwischen Armut und sozialer Teilhabe heraus. Ausgehend von diesen einführenden Gedanken und Definitionen geht der Autor im dritten Hauptkapitel auf die Themenstellung Unterstützungsleistungen im Sozialstaat ein und greift hier u.a. die Instrumentalisierung der Empowermentidee auf. Im vierten Kapitel öffnet Ansen verschiedene sozialarbeitstheoretische Perspektiven, um den Anspruch auf Unterstützung auch theoretisch zu begründen. Im fünften und letzten Hauptkapitel greift Ansen sozialanwaltliche Dimensionen der Sozialen Arbeit auf. Hier geht er u.a. auf die Ambivalenzen zwischen sozialanwaltlichem Handeln und das Risiko zum Paternalismus ein.

Inhalt

Das Buch von Harald Ansen folgt einer klar strukturierten Argumentationslinie. Zur Übersicht sind die einzelnen Kapitel zu Beginn überblicksartig zusammengefasst, was eine gute Orientierung im Buch ermöglicht. Der Autor stellt eingangs sehr allgemein Daten und Begrifflichkeiten zur Themenstellung Unterstützung zusammen. Nach der Einleitung steht im zweiten Kapitel das Thema Armut im Zentrum. Der Autor differenziert zwischen absoluter und relativer Armut und unterstreicht diese Begriffe mit zeitgemäßen Daten. Weiter geht er auch auf sozialstaatliche Grundbegriffe, wie den Anspruch auf Grundsicherung ein. Zentrale Definitionen und Begrifflichkeiten werden im gesamten Buch durch eine graphische Absetzung hervorgehoben und ermöglichen dadurch eine angenehme Leser*innenführung. Inhaltlich ist das Werk sehr gut verständlich. Durch die klare Rückbindung an die gegenwärtige Datenlage sind die angeführten Inhalte sehr gut einzuordnen.

Im dritten Kapitel greift der Autor die Infragestellung des Rechts auf Unterstützung im aktivierenden Sozialstaat auf. Sehr analytisch werden hier zunächst rechtliche Grundlagen und historische Entwicklungslinien dargelegt. Auch in diesem Kapitel ist durch die hervorgehobenen Begriffsdefinitionen ein sehr leichter Zugang zum Thema gegeben. Besonders interessant ist das Kapitel 3.2, bei dem Ansen die Grundideen des Empowerments nachzeichnet und die inflationäre Verwendung und dessen gesellschaftliche Verzweckung im Sinne einer Verantwortungsverschiebung auf den Einzelnen kritisch diskutiert und reflektiert.

Kapitel 4 zeichnet sich durch seinen Umfang und die Vielfältigkeit aus. Ansen begründet den Anspruch auf Unterstützung aus acht verschiedenen sozialarbeitstheoretischen Perspektiven. Er zeichnet hier einzelne Entwicklungslinien nach und beleuchtet inhaltliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den jeweiligen Theorieansätzen. Der Aufbau des Kapitels besticht durch die klare Definition einzelner Begrifflichkeiten, um eine bessere Annäherung an die kompakte Darstellung der Theorie zu ermöglichen. So bietet das Kapitel einen Überblick über die divergierenden Erklärungs- und Begründungsmöglichkeiten und bleibt dennoch auch inhaltlich präzise.

Im fünften, inhaltlich abschließenden Kapitel definiert der Autor sozialanwaltschaftliche Dimensionen der Sozialen Arbeit. Auch diese werden von verschiedenen Begrifflichkeiten und Definitionen gestützt. So greift Ansen beispielsweise auf den Begriff der Anwaltschaft oder Advocacy zurück und stellt hier die Ausrichtung an den Klient*innen und deren Ansprüche an die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ins Zentrum. Zusätzlich werden im Kapitel kritische Aspekte der Idee der Anwaltschaft aufgegriffen und reflektiert. Ansen geht umfänglich auf die Risiken des Paternalismus im Zuge einer anwaltschaftlichen Vertretung der Klient*innen ein. Das Kapitel wird durch das Aufgreifen von methodischen Ansatzpunkten abgerundet. Hier verweist der Autor u.a. auf das Konzept der Structural Social Work und verdeutlicht daran konkrete Handlungsschritte für eine anwaltschaftliche Praxis in der Sozialen Arbeit.

Im Ausblick plädiert der Autor für ein kritisches Selbstverständnis und die Schaffung eines umfassenden Bewusstseins für sozialstaatliche Zusammenhänge in der Sozialen Arbeit.

Diskussion

Das knapp 170 Seiten starke Buch eröffnet auf vielfältige Weise den Zugang zu einem kritisch reflektierten und methodisch durchdachten Sozialarbeitsverständnis. Gerade im Kontext der akademischen Ausbildung ist das Buch ein großer Gewinn. Durch die klare Argumentationsführung und die präzise definierten Begriffe bietet das Buch auch für Studierende einen guten Ein- und Überblick über gegenwärtige Diskussionsstränge und eröffnet Perspektiven für eine kritische Auseinandersetzung mit den Aufträgen und Mandaten Sozialer Arbeit.

Fazit

Das Buch „Das Recht auf Unterstützung. Sozialanwaltschaft als Auftrag der Sozialen Arbeit“ widmet sich der Fragestellung nach einem anwaltschaftlichen Mandat der Sozialen Arbeit gegenüber den Klient*innen. Da beispielsweise durch Armut vielen Personen der Zugang zu grundlegenden, rechtsstaatlichen Rechten verwehrt bleibt, muss hier – laut Autor – die Soziale Arbeit ansetzen. Als Argumentationsgrundlage geht Harald Ansen zunächst auf zentrale Fragestellungen des aktivierenden Sozialstaats ein und führt daran anknüpfend eine große Vielfalt an verschiedenen sozialarbeitswissenschaftlichen Theoriesträngen an. Daraus leitet der Autor den klaren Auftrag des anwaltschaftlichen Handelns der Sozialen Arbeit ab.

Rezension von
Jutta Harrer-Amersdorffer
Professorin für Theorie und Handlungslehre der Sozialen Arbeit unter besonderer Berücksichtigung der Kinder- und Jugendhilfe, Hochschule Coburg
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Es gibt 11 Rezensionen von Jutta Harrer-Amersdorffer.

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Zitiervorschlag
Jutta Harrer-Amersdorffer. Rezension vom 22.07.2022 zu: Harald Ansen: Das Recht auf Unterstützung. Sozialanwaltschaft als Auftrag der Sozialen Arbeit. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2022. ISBN 978-3-17-036700-5. Reihe: Soziale Arbeit in der Gesellschaft. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29305.php, Datum des Zugriffs 11.08.2022.


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