Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Kristina Lühr, Christine Zens u.a.: Therapie-Tools Posttraumatische Belastungsstörung

Rezensiert von Dr. Jürgen Beushausen, 01.06.2022

Cover Kristina Lühr, Christine Zens u.a.: Therapie-Tools Posttraumatische Belastungsstörung ISBN 978-3-621-28521-6

Kristina Lühr, Christine Zens, Meike Müller-Engelmann: Therapie-Tools Posttraumatische Belastungsstörung. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2021. 371 Seiten. ISBN 978-3-621-28521-6. D: 44,95 EUR, A: 46,50 EUR.
Reihe: Therapie-Tools
Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand
Kaufen beim Verlag

Thema

Der Verlag kündigt das Buch wie folgt an: „Für die Psychotherapie einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) liegen inzwischen hoch effektive Behandlungskonzepte vor – dennoch erleben viele Psychotherapeut_innen insbesondere die traumafokussierte Arbeit mit belastenden Erinnerungen als Hürde. Die Konsequenz ist, dass viele Betroffene trotz eines oft sehr hohen Leidensdrucks keine adäquate Unterstützung erhalten und die Störung weiter chronifiziert.“

Vorgestellt wird ein Therapie-Tools-Band mit über 190 Arbeits- und Informationsblättern aus verschiedenen Bereichen der Traumatherapie. Diese Instrumente und Übungen stammen aus verschiedenen psychotherapeutischen Ansätzen, neben klassischen verhaltenstherapeutischen Techniken kommen auch solche aus DBT, ACT oder Schematherapie zum Einsatz. Zudem ergänzen Audiomaterialien die Materialiensammlung.

Autorinnen

Kristina Lühr ist Dipl.-Psych. und Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltens-therapie) und Traumatherapeutin. Sie arbeitet seit 2012 bei der Opferhilfe Hamburg – Beratung bei Gewalt und Trauma.

Christine Zens ist Diplompsychologin und tätig als Dozentin für Verhaltenstherapie, Supervisorin, Selbsterfahrungsleiterin für Verhaltenstherapie und Dozentin für Schematherapie. Zudem leitet sie das Institut für Schematherapie Hamburg.

Dr. Meike Müller-Engelmann ist Dipl.-Psych., sie ist tätig an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. in der Abteilung für Klinische Psychologie und dem Zentrum für Psychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in sieben Kapitel mit anschließenden Hinweisen zum Arbeitsmaterial und einem Literaturverzeichnis. Es beinhaltet die Kapitel Diagnostik, äußere Sicherheit, Psychoedukation, Stabilisierung, Traumabearbeitung, Integration und Rückfallprophylaxe und Psychohygiene. Der Aufbau der Kapitel ist jeweils ähnlich, beginnend mit einer Einleitung, zum Beispiel mit einer Definition oder einer Einführung oder einem Beispiel und einer Aufzählung der im Anschluss zur Verfügung gestellten Arbeitsmaterialien. Zwischendurch finden sich allgemeine Hinweise, wie z.B. über die Bestandteile diagnostischer Prozesse, den Umgang mit selbstschädigenden Verhalten in der Therapie oder zusätzliche Literaturhinweise.

Inhalt

Das Inhaltsverzeichnis beinhaltet eine ausführliche Übersicht der einzelnen Arbeits- und Informationsblätter, dem schließt sich ein kleines Geleitwort von Prof. Dr.med. Ingo Schäfer, ein kurzes Vorwort und eine kurze Einleitung mit Hinweisen über den Aufbau des Buches und der Verwendung der Arbeitsmaterialien mit folgenden Icons: Hinweise für die Therapeut*in, die Patient*in, Hintergrundinformationen, Handlungsanweisungen und Beispiele wörtlicher Rede als beispielhafte Formulierungen für Therapeut*innen.

  • Das erste Kapitel behandelt die Diagnostik. Nach der Einführung werden verschiedenste Materialien wie zum Beispiel Checklisten für die Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD-11, Tipps zur Beziehungsgestaltung im diagnostischen Prozess bei Traumafolgestörungen oder eine Ressourcenlandkarte vorgestellt.
  • Die äußere Sicherheit wird im zweiten Kapitel thematisiert, hier zum Beispiel mit Hinweisen über die Gestaltung der Sicherheit, professionelle und ehrenamtliche Unterstützungsangebote für Betroffene von Gewalt/​Straftaten oder Anmerkungen darüber, was eine gleichberechtigte Paarbeziehung ausmacht.
  • Im dritten Kapitel über die Psychoedukation finden sich u.a. Hilfen wie Vermeidungsverhalten identifiziert werden kann oder ein Notfallplan für Krisensituationen.
  • Im umfassenden vierten Kapitel thematisieren die Autorinnen die Stabilisierung, einführend werden dysfunktionale Bewältigungsstrategien thematisiert, zudem finden sich beispielsweise Hilfen beim Gedankenkreisen, über die Förderung der Achtsamkeit und einer verbesserten Atmung. Zudem finden sich eine Reihe von Imaginationsübungen oder Hinweise zum Umgang mit selbstschädigendem Verhalten. Ebenfalls werden mögliche Stolpersteine während der Übung angesprochen und der Umgang mit Dissoziationen oder mit Schlafproblemen.
  • Im fünften Kapitel thematisieren die Autorinnen die Traumabearbeitung. Vorgestellt werden kognitive Techniken, der Umgang mit traumabezogenen Gefühlen, die Vorbereitung und die Durchführung der Exposition, ein Diskriminationstraining, mit dem die Patienten angeleitet werden eine bewusste Unterscheidung zwischen den heutigen Bedingungen und denen während des Traumas vorzunehmen. Abschließend wird ein Imagery Rescripting Training vorgestellt, mit dem Patient*innen erkennen sollen, ob ihre Bedürfnisse und Emotionen situationsgerecht sind. Das Ziel dieses Trainings besteht in der Veränderung der mit der traumatischen Situation verknüpften impliziten Bedeutung, bzw. der damit verbundenen dysfunktionalen Kognitionen und Emotionen. Vorgestellt wird zudem ein ausführliches Beispielgespräch.
  • Das sechste Kapitel befasst sich mit dem Thema Integration und Rückfallprophylaxe und stellt nach der Einführung Materialien z.B. über Fantasiereisen, den Energiehaushalt, über Traumatisierung und Sexualität oder zur Rückfallprophylaxe vor.
  • Das Kapitel sieben beinhaltet Arbeitsmaterialien und Hinweise zur Psychohygiene der Therapeut*innen.

Abschließend finden sich nochmals Hinweise zum Arbeitsmaterial und das Literaturverzeichnis.

Diskussion

In dieser Rezension kann die Vielfalt der vorgestellten Übungen und Hinweise nur angedeutet werden. Den Leser*innen wird mit diesem Band sehr kompakt eine umfassende Darstellung geboten. Der verhaltenstherapeutische Zugang wird nicht dogmatisch, sondern integrativ umgesetzt.

Manche Themen wirken etwas willkürlich ausgeführt, bzw. die Auswahl dessen wird nicht begründet, wenn z.B. Stallking thematisiert wird aber nicht selbstverletzendes Verhalten. Ausgeführt hätte werden können, nach welchen Kriterien die Inhalte ausgewählt wurden und es hätte deutlich werden können, dass das Buch sich auf das klassische erwachsene Klientel bezieht. Nicht thematisiert werden z.B. Klient*innen mit speziellen Komorbitäten (außer Sucht) oder geistigen Beeinträchtigungen. Nicht fokussiert wird auch die Bedeutung sequenzieller Traumatisierung und der mehrgenerationale Einfluss und dessen Bedeutung für traumatisierte Menschen. Mir fehlen zudem weitergehende Reflektionen über die Beziehungen zu den Klient*innen und der Einfluss sozialer Faktoren (Ausnahmen finden sich z.B. in den Kapiteln über Täterkontakte und Partnerschaften).

Fazit

Den Leser*innen wird sehr kompakt eine umfassende Darstellung geboten. Das Buch kann Mut machen Übungen anzuwenden und Themen zu bearbeiten, auch wenn man als Psychotherapeut kein Traumaexperte ist. Auch für die Traumaberatung finden sich viele nützliche Hinweise und Interventionsvorschläge. Der hier besprochene Band ist sehr übersichtlich und durch die Arbeits- und Infoblätter sehr praxisnah.

Rezension von
Dr. Jürgen Beushausen
lehrt als Studiendekan im Masterstudiengang „Psychosoziale Beratung in Sozialer Arbeit“ an der Diploma Hochschule. Er ist zudem als Supervisor und in der Weiterbildung tätig.
Website
Mailformular

Es gibt 57 Rezensionen von Jürgen Beushausen.

Lesen Sie weitere Rezensionen zum gleichen Titel: Rezension 28516

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Jürgen Beushausen. Rezension vom 01.06.2022 zu: Kristina Lühr, Christine Zens, Meike Müller-Engelmann: Therapie-Tools Posttraumatische Belastungsstörung. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2021. ISBN 978-3-621-28521-6. Reihe: Therapie-Tools. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29338.php, Datum des Zugriffs 04.07.2022.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht