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Regina Kostrzewa: Alkohol und Drogen in der Familie

Rezensiert von Sina Rade, 08.06.2022

Cover Regina Kostrzewa: Alkohol und Drogen in der Familie ISBN 978-3-17-037659-5

Regina Kostrzewa: Alkohol und Drogen in der Familie. Präventionswissen für Eltern und pädagogische Fachkräfte. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2022. 247 Seiten. ISBN 978-3-17-037659-5. D: 28,00 EUR, A: 28,80 EUR.
Reihe: Praxiswissen Erziehung
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Thema

Das Werk behandelt den Umgang mit Alkohol und Drogen im Familienkontext. Insbesondere die Erziehung wird als besonderer Präventionsfaktor hervorgehoben. Neben dem großen Baustein der offenen und altersgerechten Kommunikation werden auch elterliche Regeln zum Konsumverhalten der Kinder und Jugendlichen sowie der Umgang mit Krisen und problematischem Verhalten zum Gegenstand gemacht. Darüber hinaus werden praktische Handlungsempfehlungen für pädagogische Fachkräfte vorgestellt.

Autorin

Regina Kostrzewa lehrt nach 25 Jahren Tätigkeit in der Suchtarbeit als anerkannte Präventionsexpertin an der IU Internationale Hochschule in Bremen.

Aufbau

Das Werk besteht aus verschiedenen Abschnitten, die fließend ineinander übergehen. Zunächst werden die theoretischen Grundlagen kurz, jedoch präzise und anschaulich dargestellt. Hierzu gehören neben dem gesellschaftlichen Umgang mit Alkohol, Tabak, Cannabis und illegalen Drogen auch die kindliche Entwicklung sowie das Konsumverhalten vom Kleinkindalter bis zur Adoleszenz. In letzteres werden neben dem theoretischen Überbau praktische Beispiele (z.T. auch in Form von persönlichen Anekdoten und/oder Ausschnitten aus Leitfadeninterviews) zur altersgerechten Kommunikation und damit verbunden altersgerechte Regeln zum Kommunikationsverhalten eingeflochten. Dies bildet den Hauptteil des Werkes.

Das Werk schließt mit einem Verweis auf professionelle Unterstützung in schwierigen Zeiten sowie praktischen Handlungsempfehlungen in Form von Projekten für unterschiedliche Altersklassen und Lebensphasen für pädagogische Fachkräfte.

Inhalt

Zu Beginn des Werkes werden zunächst die theoretischen Grundlagen erläutert, auf die die Autorin im weiteren Verlauf immer wieder zu sprechen kommt. Hier steht der gesellschaftliche Umgang mit Alkohol, Tabak, Cannabis und anderen illegalen Drogen im Vordergrund. Dadurch, dass insbesondere Alkohol in der Gesellschaft eine Sonderrolle einnimmt und gesellschaftlichen zu vielen Anlässen akzeptiert oder sogar gewünscht ist, muss der Umgang damit erlernt und eine eigene Einstellung hierzu geformt werden. Dies geschieht bereits im Elternhaus durch die Erziehung und das Vorbildverhalten der Eltern.

Daher werden im weiteren Verlauf des Werkes die unterschiedlichen Altersklassen genauer beleuchtet. Im Kleinkindalter spielen beispielsweise erste Bindungserfahrungen eine große Rolle. Sicher gebundene Kinder erlernen leichter den adäquaten Umgang mit der Spannbreite der Emotionen und somit auch der Kompensation derer. Mit dem Grundschulalter rückt dann das Vorbildverhalten der Eltern sowie erste Familienregeln zum Umgang mit Suchtmitteln weiter in den Vordergrund. Eine gelungene und altersgerechte Kommunikation kann zur Umsetzung dieser Regeln einen entscheidenden Beitrag liefern. Die Pubertät, oder wie die Autorin es nennt, die „Großbaustelle im Gehirn“ bringt neue Herausforderungen mit sich. Da in diese Zeit meist der erste Kontakt mit Suchtmitteln fällt, müssen gemeinsame Vereinbarungen zum Suchtmittelkonsum getroffen und im Zweifel Gespräche bei Regelverstößen geführt werden. Das Erlernen des Führens dieser Gespräche erhält für die Adoleszenz eine wichtige Rolle; hier wird aufgegriffen, wie Problemgespräche eingeleitet werden können und warum das Loslassen immer dem Fallenlassen vorgezogen werden sollte.

In allen Altersstufen greift die Autorin die Antwort auf die Frage auf, wie Erziehung gute Prävention werden kann: der autoritative Erziehungsstil. Dieser ermöglicht etwa die Befriedigung kindlicher Bedürfnisse durch eine positive Familienatmosphäre, eine Autonomieentwicklung durch selbstbestimmte Entscheidungen und eigenverantwortliches Handeln zur Entwicklung von Selbstbewusstsein sowie ein konsistentes Erziehungsverhalten mit moderater elterlicher Kontrolle. Durch die Balance zwischen verstehender Einfühlung und Führung kann eine Konsumkompetenz ermöglicht werden. In jedem Fall sind die Eltern als Vorbild zu sehen. Denn nur, wenn es ihnen gelingt, den Kindern ein selbstbestimmtes, genussvolles und sinnerfülltes Leben vorzuleben, können die Kinder hiervon im positiven Sinne lernen.

Deutlich wird immer wieder, dass für einen gesunden Umgang mit Alkohol und anderen Suchtmitteln neben einem sozialen Netzwerk, das die Sozialkompetenz fördert und in schwierigen Zeiten unterstützend zur Seite steht, die Kommunikation eine entscheidende Rolle spielt. Beispielsweise wird, auch mit vielen Beispielen, dargestellt, dass eine gute und altersgerechte Gesprächsführung eine unverzichtbare Grundlage für eine gute Eltern-Kind-Beziehung ist. Nur so kann eine vertrauensvolle Atmosphäre geschaffen werden, in der offen und ehrlich Probleme angesprochen werden, anstatt diese durch Ersatzbefriedigungen wie z.B. den Alkoholkonsum zu verdrängen.

Kommt es in (suchtbelasteten) Familien hingegen doch zu Krisen, sollte nicht gezögert werden, professionelle Beratung einzuholen oder sich an Selbsthilfegruppen zu wenden.

Diskussion

Insgesamt handelt es sich um ein gelungenes Werk für alle Menschen, die sich im pädagogischen Bereich mit dem Thema Alkohol- bzw. Substanzmittelgebrauch im Familienkontext auseinandersetzen möchten. Aufgrund der gleichbleibenden Aktualität des Themas im Kontext verschiedener Suchtmittel eignet sich die Lektüre für eine vorwiegend fachliche Leserschaft oder fachlich interessierte Eltern.

Insbesondere für pädagogische Fachkräfte interessant ist das letzte Kapitel des Werkes, in dem verschiedene bereits sehr erfolgreiche Projekte für unterschiedliche Altersklassen bzw. Zielgruppen vorgestellt werden und somit ein Bogen zu den zuvor genannten Methoden gespannt wird.

Das Werk ist nicht zuletzt durch die Einbeziehung namenhafter Institutionen und Autor:innen wie der DHS, dem fdr oder Harten sowie Petermann oder Oerter und Dreher theoretisch fundiert erstellt. Mithilfe vieler Fallbeispiele und Zitaten aus Interviews oder persönlichen Anekdoten gelingt es der Autorin jedoch, die Theorie greifbarer für die Praxis zu gestalten, wodurch die Umsetzung des neu gewonnenen Wissens trotz möglicher Probleme erleichtert wird. Insofern ist es für die o.g. Leserschaft eine empfehlenswerte Lektüre.

Fazit

Regina Kostrzewa gibt in ihrem Werk praktische Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Alkohol und Drogen in der Familie. Dabei werden Möglichkeiten zur Prävention durch Erziehung in der Familie diskutiert, Probleme erörtert und mögliche Methoden genannt, diesen altersgerecht zu begegnen. Hierzu zieht die Autorin Konzepte wie elterliche Regeln zum Konsumverhalten, die Vorbildfunktion der Eltern sowie Anregungen zur Gesprächsführung heran.

Es wird deutlich, dass es nicht die eine „goldene Regel“ geben kann, mit der alle Eltern erreicht und die Erziehungskompetenz gestärkt werden kann, sondern dass Prävention durch Erziehung immer ein Zusammenspiel vielfältiger Methoden, einer altersgerechten Auseinandersetzung mit dem Thema sowie der Ressourcen aller Beteiligten ist, um die Kinder und Jugendlichen zu selbstbestimmten und resilienten Persönlichkeiten zu erziehen.

Durch die praktischen Beispiele und persönlichen Anekdoten wird der zunächst schwierig wirkende Spagat zwischen Theorie und Praxis kleiner und verschwindet mithilfe der zuletzt vorgestellten Projekte fast gänzlich, da hier deutlich wird, wie spielerisch Prävention und Erziehung zusammen wirken können.

Rezension von
Sina Rade
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Es gibt 2 Rezensionen von Sina Rade.

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Zitiervorschlag
Sina Rade. Rezension vom 08.06.2022 zu: Regina Kostrzewa: Alkohol und Drogen in der Familie. Präventionswissen für Eltern und pädagogische Fachkräfte. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2022. ISBN 978-3-17-037659-5. Reihe: Praxiswissen Erziehung. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29360.php, Datum des Zugriffs 27.11.2022.


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