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Ralph-Christian Amthor, Brigitta Goldberg u.a. (Hrsg.): Kreft/Mielenz Wörterbuch Soziale Arbeit

Rezensiert von Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt, 11.07.2022

Cover Ralph-Christian Amthor, Brigitta Goldberg u.a. (Hrsg.): Kreft/Mielenz Wörterbuch Soziale Arbeit ISBN 978-3-7799-3869-9

Ralph-Christian Amthor, Brigitta Goldberg, Peter Hansbauer, Benjamin Landes, Theresa Wintergerst (Hrsg.): Kreft/Mielenz Wörterbuch Soziale Arbeit: Aufgaben, Praxisfelder, Begriffe und Methoden der Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. 1167 Seiten. ISBN 978-3-7799-3869-9. D: 78,00 EUR, A: 80,20 EUR.
Reihe: Edition Sozial
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Thema

Es lässt sich fragen, ob ein Wörterbuch, wie das vorliegende, über die Verständigung zum Gegenstand hinaus einen eigenen thematischen Rahmen, der zum (Selbst-) Verständnis und dem Verstehen einer Profession oder Disziplin beitragen kann? 1979 schrieben Ingrid Mielenz und Dieter Kreft als Herausgeber/in dazu im Vorwort zur ersten Auflage ihres Wörterbuchs, materielle und immaterielle (gesellschaftliche) Selektionsmechanismen (z.B. Arbeitslosigkeit, Leistungs- und Konkurrenzdruck) erzeugten „Probleme, die für Sozialarbeit/​Sozialpädagogik unmittelbar spürbar werden. In dieser Situation darf sich Sozialarbeit/​Sozialpädagogik nicht auf Defizitausgleich und Hilfen im Einzelfall beschränken“. Ihre Aufgabe sei es also, „unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Bedingungen sozialer Ungleichheit Partei (zu) ergreifen und über traditionelle Arbeitsgelder hinauswirken, um zur Verbesserung von Sozialisations- und Lebensbedingungen beizutragen“. Schon damals stand ein auf Integration abzielender Aspekt für die Stichwortsammlung leitend im Vordergrund. Von „einem offensiven Anspruch und Selbstverständnis abgeleitet“ und von der Erkenntnis getragen, dass eine auf sich bezogene, sich mit sich selbst beschäftigende Sozialarbeit/​Sozialpädagogik kaum wirksame Hilfe zu leisten vermag“, gehe es nicht um Abgrenzung, „sondern Integration pädagogischer sozialer Arbeit in Aufgabenbereiche wie z.B. Gesundheitswesen, Arbeit und berufliche Bildung, Schule u.a. m.“ In diesem „gesellschafts- und fachpolitischen Bezugsrahmen“ wollte das Wörterbuch also immer schon einen Beitrag leisten und „in kritischer Auseinandersetzung mit den historischen Entwicklungen, theoretischen, methodischen und rechtlichen Grundlagen, den Zielen, Aufgaben und Perspektiven Studenten und Praktiker informieren und anregen.“

Das Wörterbuch steht damit seit 1980, als es erstmals erschien, für eine offensive, einmischungsorientierte Sozialarbeit und Sozialpädagogik, die sich schließlich im Begriff von der „Sozialen Arbeit“ zusammenfindet.

Das „Wörterbuch Soziale Arbeit“ liegt in neunter Auflage vor. Im Pressematerial des Verlages heißt es dazu: „Das ausbildungs- und praxisbezogene Standardwerk informiert seit mehr als vier Jahrzehnten zuverlässig über Ziele, Aufgaben, Arbeitsfelder und Methoden der Sozialen Arbeit – von A bis Z. Dargestellt werden die fachlichen, ethischen, rechtlichen, historischen und strukturellen Grundlagen in den Kernbereichen der Sozialen Arbeit unter Berücksichtigung von aktuellen Entwicklungen in Forschung und Lehre. Im Mittelpunkt stehen die Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit, also insbesondere die Kinder- und Jugendhilfe, die Familien- und Altenhilfe, die Hilfen für Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung, die Gesundheits-, Suchtkranken- und Straffälligenhilfe sowie die sozialen Hilfen bei Armut, Arbeitslosigkeit, Bildungsbenachteiligung, Migration und Flucht, einschließlich deren Sozialmanagement. Zudem werden wichtige Nachbarbereiche einbezogen, u.a. Arbeit, Ausbildung, Bildung, Entwicklungszusammenarbeit, Medien, Ökologie, Ökonomie, Politik, Stadtplanung, Wohnen u.a. m.“ Fast wirkt der Band in dieser Beschreibung wie ein Gemischtwarenladen, der alles erfasst, was für die Soziale Arbeit von Bedeutung sein mag. Eine solche Vermutung, das schon vorweg, wird dem Wörterbuch freilich in keinster Weise gerecht.

Herausgeberinnen und Herausgeber

Mit der 8. Auflage (2016) endet die originäre Herausgeberschaft durch Dieter Kreft und Ingrid Mielenz; das Wörterbuch wird aber im Titel mit ihrem Namen fortgeführt (und bleibt somit bis auf Weiteres „der Kreft/​Mielenz“). Das neue Herausgeber*innen-Kollektiv besteht aus

  • Dr. Ralph-Christian Amthor, Professor für Grundlagen der Sozialen Arbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg;
  • Dr. Brigitta Goldberg, Professorin für Jugendhilferecht, (Jugend-)Strafrecht und Kriminologie an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum;
  • Dr. Peter Hansbauer, Professor für Soziologie an der Fachhochschule Münster;
  • Benjamin Landes, Direktor des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.; und
  • Dr. Theresia Wintergerst, Professorin für Werte, Normen und Sozialpolitik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg.

Inhalt

Konzeptuell heben auch die neuen Herausgeber*innen des Wörterbuchs darauf ab, mit der neunten Auflage eine „Gesamtsicht“ zur Sozialen Arbeit zu ermöglichen, wobei Begriffe aus der Sozialen Arbeit in Praxis, Profession, Lehre und Forschung „die eigentliche Mitte“ des Wörterbuchs bilden. So wollen sie einen Beitrag leisten, „dass ein sozial geprägtes, reformorientiertes Politikverständnis durch kompetentes Handeln wirksam wird.“ Anspruch ist es eine „abgerundete Auswahl von Stichwörtern“ vorzulegen, „bei der jeder Begriff für sich, aber vor allem in der gebündelten Zusammenfassung mit Nachbarbegriffen zu einer qualifizierten Erstinformation führt, die zur vertiefenden Weiterarbeit befähigt“. Die Beiträge sollen „einen ersten Überblick zu einem bestimmten Thema“ geben und „den aktuellen Forschungsstand und neue Trends“ abbilden (S. 16).

Die ursprüngliche Grundidee, dass Soziale Arbeit von ihrer Funktion und Aufgabe als Querschnittsaufgabe zu denken ist, wird dabei – bei allen Änderungen im Verhältnis zur vorherigen Ausgaben – auch in der neunten Ausgabe beibehalten. Daher werden nicht nur die „klassischen“ Gegenstände, Aufgaben und Problemstellungen der Sozialen Arbeit behandelt, sondern auch Bezug genommen auf die Referenzdisziplinen wie Soziologie, Erziehungs- und Politikwissenschaft, Psychologie, Recht, Kommunikations-, Gesundheits- und Wirtschaftswissenschaften. Damit liegen auf 1.167 Seiten (die 8. Auflage war 1.191 Seiten umfangreich) fast 350 (statt bisher 299) Beiträge mit einem Manuskriptstand Frühjahr 2021 vor (wobei die Literaturlage ganz überwiegend bis 2020 abgebildet ist).

„Bei der Auswahl der Stichwörter wird traditionell darauf geachtet, dass die Bereiche theoretische und historische Grundlagen, Rechtsgrundlagen, Zielgruppen, Praxisfelder, Methoden, Sozialadministration, Institutionen, Politik, Aus- und Weiterbildung gleichberechtigt berücksichtigt werden. Ergänzt wird diese Mitte durch Begriffe aus der Medizin, Psychologie, Soziologie, Philosophie, Theologie, Politik-, Rechts- und Verwaltungswissenschaft sowie Ökonomie, die als wichtige Bezugspunkte für den Alltag einer sich einmischenden Sozialen Arbeit unverzichtbar sind“. Die Stichwörter beziehen sich zunächst auf den deutschsprachigen Raum, berücksichtigen aber („wo immer das möglich und sinnvoll erscheint“) auch die internationale Perspektive (S. 16).

In ihrem Vorwort verweisen die Herausgeber*innen darauf, dass das Wörterbuch verschiedene „fachliche Änderungen“ berücksichtigt, was zum Beispiel „Stichwörter zum konkreten professionellen Handeln von Fachkräften und hierauf bezogene Methoden und Handlungskonzepte für die direkte Arbeit mit den Adressatinnen und Adressaten“ betriff (S. 16). Hervorzuheben sind hier drei Bereiche:

  • Kinder- und Jugendhilfe: „Im zurückliegenden Jahrzehnt ist dort vor allem die Phase der (frühen) Kindheit stärker in den Fokus gerückt, sowohl mit ihren Gefährdungen (Kinderschutz) als auch mit ihren besonderen Bedarfen (Frühe Hilfen). Gleichzeitig ist die Kinder- und Jugendhilfe von gesellschaftlichen Entwicklungen unmittelbar betroffen: Wenn sich beispielweise in Gesellschaft und Familien Macht zunehmend polyzentrisch verteilt und überkommene Hierarchien an Bedeutung verlieren, dann hat dies nicht nur Auswirkungen auf Handlungskonzepte in der Kinder- und Jugendhilfe, die zunehmend partizipativ ausgestaltet werden (müssen), um junge Menschen angemessen auf ein Leben nach der Jugendhilfe vorzubereiten, sondern sie selbst gewinnt als Teil der sozialen Infrastruktur an Gewicht. (…) Mit seiner neunten Auflage versucht das Wörterbuch diese Veränderungen sowohl auf Seiten der Jugendhilfe als auch auf gesellschaftlicher Ebene erneut in den Blick zu nehmen.“
  • Ethik der Sozialen Arbeit: „Es geht auf das zunehmende Selbstverständnis als menschenrechtsorientierte Profession ein und geht auch der berufsethischen und berufspolitischen Frage um das anwaltschaftliche Handeln nach. Autonomie als Fähigkeit, selbstständig Entscheidungen über die eigene Lebensführung treffen zu können, wird in seiner handlungsleitenden Bedeutung untersucht. Normativ handlungsleitend ist die gesteigerte Sensibilisierung dafür, nicht-diskriminierend mit Verschiedenheit umgehen zu wollen und daher mit Diversität umgehen zu können. Die gestiegenen Herausforderungen, mit weltanschaulicher Vielfalt umzugehen, führen dabei zu Überlegungen über religionssensible Soziale Arbeit. Ethisches Denken soll insgesamt nicht reduktionistisch verstanden werden, deshalb befasst sich das Wörterbuch auch mit dem Thema der Emotionen und wie diese in den reflektierten Wahrnehmungsprozess und die Urteilsbildung einbezogen werden können. Soziale Arbeit wird auch in den Kontext des globalen Wertediskurses über Nachhaltigkeit gestellt. An dieser Stelle sei zudem darauf hingewiesen, dass das Ziel der Forschungsförderung durch die Entwicklung einer Forschungsethik für die Soziale Arbeit flankiert wird“ (S. 17).
  • Recht der Sozialen Arbeit: „In einigen neuen Beiträgen geben wir darüber hinaus einen Überblick über zusammenhängende Rechtsgebiete, die bislang unabhängig voneinander im Wörterbuch enthalten waren. Wesentliche Änderungen betrafen das Behindertenrecht (Bundesteilhabegesetz), das Migrationsrecht (mit etlichen Verschärfungen als Spätfolgen der „Flüchtlingswelle“ 2015/16) und das Datenschutzrecht (die seit 2018 geltende EU-Datenschutzgrundverordnung zog Anpassungen in sämtlichen Datenschutzregelungen anderer Gesetze nach sich). Kurz vor Erscheinen des Wörterbuchs gab es dann noch zwei lange erwartete und ersehnte Rechtsänderungen, die soweit möglich in die verschiedenen Beiträge eingearbeitet wurden: Das Vormundschafts- und Betreuungsrecht wurde umfassend reformiert und mit dem Kinder- und Jugendstärkungsgesetz ist u.a. die Zusammenführung der Eingliederungshilfe für alle Kinder und Jugendlichen ab 2028 beschlossen“ (S. 18).

Ein Wörterbuch lässt sich im Unterschied zu einer Monografie oder einer traditionellen Sammlung hinsichtlich des Inhalts jenseits dieser großen Linien en detail kaum darstellen; daher an dieser Stelle nur folgende Hinweise zur Aktualisierung des Inhalts: Weggefallen sind Stichwörter wie z.B. V. „Alkoholismus“, „Angst“, „Anpassung“, „Ausreißer“ oder „Trebegänger, „Normalität“, und auch die „Nürnberger Schule“ hat keinen Platz mehr in dem so ganz nicht mehr dieser „Schule“ zuzurechnenden Neufassung gefunden. Diese und andere Streichungen sind als Anpassungen zu verstehen, die dem veränderten Selbstverständnis der Sozialen Arbeit Rechnung tragen. Allerdings fehlt nun auch ein so bedeutungsvolles Stichworte wie „Theorie-Praxis-Transfer“, während – meines Erachtens selbstverständlich – solche wie „Lebensweltorientierung“, „Handlungskonzepte“, „Zwang und Zwangskontexte in der Sozialen Arbeit“, „Haltung“ oder „Autonomie“ Eingang in den Begriffskorpus gefunden haben. Andere firmieren nun aktueller und dichter an der alltäglichen Praxis der Sozialen Arbeit, z.B. „HIV/Aids“ (statt bisher getrennt behandelt worden zu sein) oder „Kindertageseinrichtungen“ (statt Tageseinrichtungen für Kinder), während andere ergänzt wurden, z.B. „Täter-Opfer-Ausgleich“ um „Konfliktvermittlung im Strafrecht“ oder „Adoption“ um „Adoptionsvermittlung“. Die überkommene Differenzierung von Theorien der Sozialarbeit und der Sozialpädagogik wurde durch ein Stichwort „Theorien der Sozialen Arbeit“ ersetzt. Diese eher zufälligen Beispiele machen deutlich, dass der „Kreft/​Mielenz“ mit dem neuen Herausgeber*innen-Kollektiv in einen Prozess des Aufräumens (und auch Entstaubens) eingetreten ist, der mit einer weiteren Auflage sicher fortgesetzt wird. Dies mag insbesondere für den Bereich der Ethik der Sozialen Arbeit gelten, eine Aufgabe, die mit der Aufnahme einer ausgewiesenen Sozialethikerin in das Herausgeber*innen-Kollektiv freilich bereits eingeleitet erscheint (auch wenn, nach wie vor, z.B. ein so wichtiges Stichwort „Capability Approach“ vermisst werden kann).

Zwei, wie die Herausgeber*innen schreiben, „Metathemen“ der 2010er Jahre haben Eingang in das Wörterbuch:

  • einerseits ergeben sich für die Soziale Arbeit aufgrund des Zuzugs von Migrant*innen und Geflüchteten (und der gesellschaftlichen Reaktion hierauf) neue Anforderungen, weshalb verschiedene (neue) Beiträge einen Einstieg in relevante soziale Entwicklungen und Bezüge zur Sozialen Arbeit erlauben, und
  • andererseits ist die digitale Transformation – zuletzt auch durch die Pandemie verstärkt – in vielen Arbeitsfeldern und ihren alltäglichen Abläufen spürbar, vor allem aber in den Lebenswelten vieler Adressat*innen. Neue Begriffe helfen, diese Entwicklungen darzustellen und zu strukturieren: So weist das Wörterbuch nun z.B. ein Stichwort „Corona-Pandemie und Soziale Arbeit“ auf (das freilich nur eine Momentaufnahme darstellen kann, denn es wurde schon verfasst, als sich die Weiterungen der Pandemie längst noch nicht in der Deutlichkeit und auch sozialpolitischen Schärfe absehen ließen, wie das bereits heute – 27. März 2022 – ersichtlich ist).

Diskussion

In der Bilanz heißt das: Die Übersicht der 180 Stichwort-Verfasser*innen (S. 1106-1123) verdeutlicht, dass auch an der neunten Auflage des Wörterbuchs nicht nur eine große Zahl an Autor*innen mitgewirkt hat, die in der Sozialen Arbeit „Rang und Namen“ haben, sie macht auch deutlich, dass der Kreis an Autor*innen auch diese Differenzierungen in der fachlichen Entwicklung Sozialer Arbeit abbildet. Das Wörterbuch besticht zudem durch (im Verhältnis zur 8. Auflage grundlegend neustrukturierten) Anlagen in Form von Kurzcharakteristiken, Adresslisten und Link-Verweisen (S. 1114-1158) zu den Organisationen und Netzwerken zur Sozialen Arbeit (S. 1009-1040), zu professionellen und wissenschaftlichen Organisationen und Netzwerken (S. 1041-1053), zur Sozialen Arbeit in Europa und weltweit (S. 1054-1062), zu Fachzeitschriften zur Sozialen Arbeit, sowohl in Print-, Online und Open-Access-Formaten (S. 1063-1093), sowie zur Berichterstattung des Bundes, worunter unter anderem die Kinder- und Jugendberichte, die Teilhabeberichterstattung und die Armutsberichte gefasst sind (S. 1094-1102). Dieser von Ralph-Christian Amthor zusammengetragene Serviceteil trägt damit auch der Kritik an der 8. Auflage Rechnung, dass der Überblick zur Sozialen Arbeit im Internet noch weiter ausgebaut werden kann. Neu ist auch, dass dem Wörterbuch ein Code beigefügt ist, der zum einmaligen Download des Wörterbuchs als E-Book berechtigt.

Der „Kreft/​Mielenz“ bleibt ein gedrucktes Buch, das (unbeschadet anderer Werke, v.a. dem vom Deutschen Verein herausgebrachten „Fachlexikon der Sozialen Arbeit“) aufgrund der Breite der versammelten Begriffe und der begrenzten Ausführlichkeit konkurrenzlos bleibt – einstweilen jedenfalls. Ein virtuelles Lexikon zur Sozialen Arbeit, das die Chance bietet, sich auch rasch zu aktualisieren, ist bei socialnet.de zwar im Aufbau, doch dieser Aufbau erfolgt erkennbar organisch und damit im Erscheinen einzelner Lexikonbeiträge unsystematisch und ungeordnet und auch mit unterschiedlicher Artikelqualität. Hier bleibt das Wörterbuch bis auf Weiteres ein Solitär auf dem Markt, der die fehlende virtuelle Aktualisierungschance durch die überwiegende Qualität seiner Beiträge derzeit mehr als wett macht.

In meiner Rezension zur 8. Auflage (https://www.socialnet.de/rezensionen/​22900.php) habe ich abschließend formuliert: Das Wörterbuch „stellt in seiner begrifflichen Vielfalt und Tiefe eine unverzichtbare Grundlage für die Praxis und die akademische Lehre der Sozialen Arbeit dar, das in jeder Fachbibliothek von Hochschulen unverzichtbar ist und auch im Fachbuchbestand der Träger der Sozialen Arbeit nicht fehlen darf“ – daran hat sich (angesichts der jetzt vorliegenden so gründlichen Überarbeitung des Wörterbuchs) nichts geändert. Bis auf Weiteres wird es die zentrale Quelle darstellen, auf die sich – bei Bedarf des verdichteten Zugriffs auf grundlegende Informationen – sowohl Praktiker*innen, Wissenschaftler*innen, Lehrende als auch Student*innen der Sozialen Arbeit beziehen können (und beziehen werden).

Fazit

Der „Kreft/​Mielenz“ ist und bleibt (auch unter der Ägide der neue Herausgeberinnen und Herausgeber) das Nachschlagewerk der Sozialen Arbeit. Sehen wir also mit großem Interesse, was die Herausgeber*innen in der zehnten Auflage aktualisiert, angepasst und neu entwickelt haben werden. Auf dem richtigen Pfad sind sie jedenfalls.

Rezension von
Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt
Professur für Grundlagen und Methoden der Sozialen Arbeit an der Hochschule Magdeburg
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Zitiervorschlag
Peter-Ulrich Wendt. Rezension vom 11.07.2022 zu: Ralph-Christian Amthor, Brigitta Goldberg, Peter Hansbauer, Benjamin Landes, Theresa Wintergerst (Hrsg.): Kreft/Mielenz Wörterbuch Soziale Arbeit: Aufgaben, Praxisfelder, Begriffe und Methoden der Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-7799-3869-9. Reihe: Edition Sozial. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29364.php, Datum des Zugriffs 13.08.2022.


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