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Reza Razavi: Die Magie der Transformation

Rezensiert von Prof. Dr. Paul Brandl, 03.06.2022

Cover Reza Razavi: Die Magie der Transformation ISBN 978-3-648-15763-3

Reza Razavi: Die Magie der Transformation. Wie wir Zukunft in Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam gestalten. Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (Freiburg) 2022. 224 Seiten. ISBN 978-3-648-15763-3. D: 29,95 EUR, A: 29,40 EUR.
Reihe: Haufe Fachbuch
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Der Autor

Razavi Reza beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Transformation. Nach Studien in Hamburg widmete er sich im Management Zentrum St. Gallen den Themen Kultur, Management und Strategie. Bei der BMW Group war er als Senior Expert für Kultur und Transformation verantwortlich und beriet als Inhouse Consultant Führungskräfte und Mitarbeitende. Er setzte sich für einen kulturellen Wandel in Richtung einer proaktiven, kreativen und innovativen Denkweise ein. Heute ist er selbstständiger Berater und Redner zum Thema Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Mit dem Imago-Prinzip macht er Transformation trotz Komplexität begreifbar. Mit einem offenen Blick, viel Leidenschaft, der Liebe zu Bildern und Geschichten sowie vernetztem Denken schafft er ein umfassendes Gesamtbild von Transformation.

Thema und Zielsetzung

Das Buch ist eine Inspiration für alle, die Transformation aktiv mitgestalten möchten und nach Verbündeten für ihre Ideen suchen, – das Motto: Zukunft gemeinsam gestalten. Die Hauptthemen sind aufbauend die Magie der Metamorphose, der nachhaltige Wandel, die Transformation der Schlüsselindustrie, das gemeinsame Anliegen und die Imago-Bewegung, die Transformation als Gemeinschaftsprojekt begreift. Das Buch wird von diesen fünf Punkten getragen.

Inhaltlicher Überblick

Inhaltlich gliedert sich das Buch in die nachfolgenden 10 Kapitel:

1. Das Imago-Prinzip

Die Magie der Metamorphose ist gleichzusetzen mit der nicht linearen Veränderung des Eis zur Raupe, zur Puppe und weiter zum Schmetterling. Dieser wird in diesem Buch aufgrund seiner vielfältigen Eigenschaften zum Vorbild für Transformation: Da sind zum einen die Vielfalt der Schmetterlinge und ihre Überlebensfähigkeit seit der Kreidezeit und zum anderen die Verbundenheit als gebende Wesen, die zum Erhalt vieler Tierarten beiträgt sowie ihr strategisches Talent hinsichtlich der Überlebensstrategien. Sie sind der Inbegriff von Leichtigkeit und Agilität. Zudem haben sie eine hohe Anpassungsfähigkeit vom Ei bis zum Schmetterling.

Es reicht bei Veränderungen in Unternehmen nicht, eher unbeholfen und oberflächlich an der Veränderung in mechanischer Weise mitzuwirken. Es braucht ein kollektives Verständnis und ein gemeinsames Verändern.

2. Nachhaltiger Wandel

Hier wird Change als Optimierung des Bestehenden begriffen und erst die Transformation schafft Neues und anderes. Veränderung fällt schwer und braucht tunlichst eine kollektive Beteiligung an der Beteiligung. Es braucht die Einsicht, dass es nicht nur Optimierung des Bestehenden braucht, sondern einen nachhaltigen Wandel … und es braucht eine Übergangszeit in den Unternehmen, aber auch in der Gesellschaft. Diesen Wandel gilt es zu fördern.

3. Vorbild Renaissance

Es wird der Frage nachgegangen, was der Sprung vom Mittelalter in die Neuzeit lehrt. Prägend für das Mittelalter war einerseits die statische Gemeinschaftsbindung und andererseits die Religion. 3/4 der Menschen lebten gemeinsam auf dem Lande, bestimmt vom Rhythmus der Jahreszeiten, der Naturwissenschaft und der Tradition. Bestehendes und die Tradition wurden nicht infrage gestellt. Selbstständiges und kritisches Denken wurden genauso wenig geschätzt wie eine Vision des erfüllten menschlichen Lebens. Kriege, Verwüstungen und Seuchen prägten den Übergang. Die Pest kostete insbesondere der ärmeren Bevölkerung das Leben, insbesondere weil unterernährt und zu wenig hygienisch. Die Kunst war ein Träger der Wiedergeburt des antiken Geistes und Wiederaufblühens der Kunst – von Michelangelo über da Vinci in der Kunst bis zu den Medicis und Machiavelli. Der transformationale Charakter der Renaissance kann folgend beschrieben werden:

  1. Transformation ist eine Bewegung
  2. Transformation braucht ein gemeinsames Anliegen
  3. Transformation ist träge
  4. Transformation braucht prominente Unterstützer
  5. Transformation benötigt Metanoia, eine Änderung der eigenen Lebensauffassung
  6. Transformation zeigt sich in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen
  7. Transformation verändert Bilder
  8. Transformation braucht eine andere Haltung.
  9. Transformation braucht Vorboten
  10. Transformation wird von großen Persönlichkeiten beeinflusst
  11. Transformation wird durch eine Basisinnovation gefördert

4. Von Bell zu Jobs

Zunächst werden die Triebkräfte der Industrialisierung dargestellt auf dem Weg von der ständischen Agrargesellschaft zur bürgerlichen Industriegesellschaft. Am Beispiel einer Schlüsselindustrie wird hier den prägenden Veränderungen nachgegangen. 1. Die zunehmende Autonomie des Denkens 2. Rationalismus und analytische Wissenschaft

  1. Die Erfindung der Erfindung

Besonders werden die drei Phasen der Telekommunikation mit den daraus resultierenden Möglichkeiten fokussiert:

  1. Die Geschichte des Telefons
  2. Die Geschichte des Mobiltelefons
  3. Die Geschichte des Smartphones

Des Weiteren wird auch den sechs Gründen des Scheiterns nachgegangen. Es wird dargestellt, warum es die Marktführer Siemens, Nokia und Motorola nicht geschafft haben, im Wettbewerb weiter zu bestehen:

  1. Kreativität ist ein Baby, das zu wenig gefördert wird und vom täglichen Kampf im Alltag zerrieben wird.
  2. Das Fehlen einer Streit- und Dialogkultur.
  3. Je weiter weg vom tatsächlichen Geschehen, desto verwässerter die Informationen.
  4. Die Powerpoint-Catwalks bringen Vorrang von Form statt Inhalt.
  5. Die vermeintliche Weisheit der Wenigen: Berater sollen es hier oft richten.
  6. Das Kartell der Klone hat viele Nachahmer und wenig wirkliche Innovation

Aus der Beobachtung heraus wurden die sieben Vs identifiziert, die zur Verhinderung des Wandels beitragen:

  1. Verstecken
  2. Versteifen
  3. Verbieten
  4. Verunmöglichen
  5. Verschlafen
  6. Verdrängen
  7. Verschätzen

Insgesamt sind es jene Erfindungen, die das menschliche Grundbedürfnis nach Verbundenheit und Zugehörigkeit sowie nach Wachstum, Autonomie und Freiheit am meisten befriedigen können.

5. Unser gemeinsames Anliegen

Transformation braucht (gemeinsame) Orientierung und führt zu der Frage nach der Mobilisierung von Imagos. Was ist es, was diese motiviert und Sinn stiftet? Die Imagos sind intrinsisch motiviert, also setzen sich selbst ein Ziel. Es genügt die Beschäftigung mit einer Aufgabe und einem Ziel, nicht primär die externe Belohnung. Es sollte darum gehen, dass – man etwas erleben kann – etwa schöpferisches gelingt – es die Einstellungen sind, die einen treiben

Das alles liefert den Treibstoff für die Imagos: d.s. etwa 15 % der Menschen lt. Gallup-Index. Sie sind für neue Möglichkeiten offen und denken in die Zukunft. Sie gilt es zu gewinnen.

6. Der Wert der Haltung Auf etwa 20 Seiten werden hier verschiedene Bilder dargestellt: dazu gehören etwa das Menschenbild, das Leistungsbild, das Fortschrittsbild, das Strategiebild, das Kundenbild, das Organisationsbild, das Führungsbild und das Weltbild.

7. Die Zukunft erinnern

Es erinnert an die lösungsorientierte Beratung: Aus dem Morgen die Gegenwart lenken oder aus der Zukunft in die Gegenwart gehen. Alle Organisationen beschäftigt die Frage der Zukunftsfähigkeit. Wie kann es gelingen, dass wir Menschen in die Zukunft mitnehmen. Es braucht Visionen und Geschichten, um Orientierung schaffen zu können. Es braucht Utopie, Dystopie, Retropie, Praesentopie und Heterotopie für die Zukunft.

8. Metanoia

Der altgriechische Begriff „Metanoia“ beschreibt ein Umdenken bzw. eine Neuorientierung, bei der das gesamte Denken und Handeln auf eine neue Grundlage gestellt wird. Eine Redefigut, bei der der Redner ausdrückt, dass er nicht auf seiner Meinung beharrt, sondern um Wahrheit bemüht ist. Das Denken wird anders, weil man neu über das Denken nachdenkt. Wie eine gelungene Metanoia verläuft, kann man von den Schmetterlingen mit ihren Stadien beginnend beim Ei lernen.

9. Kultur

Wenn aus Spuren Wege werden … Dazu braucht es ein Verstehen der Unternehmenskultur als Beitrag zum geistigen und körperlichen Zustand. Hilfreich ist das Verständnis von Unternehmenskultur nach Kühl von drei Seiten aus:

  1. Die Schauseite zur internen und externen Selbstdarstellung – in der Regel ein geschöntes Bild der Organisation
  2. Die formale Seite mit den verbindlichen Regeln (standardisierte Abläufe, Kommunikationswege, Hierarchien und Zuständigkeiten und Produktionsvorgaben incl. der Vertriebsziele)
  3. Die informale Seite: hier zeigt sich wie das Unternehmen tatsächlich tickt.

Diese drei Seiten stehen nur lose miteinander in Beziehung. Die faktische Unternehmenskultur bildet sich hauptsächlich durch das Wiederholen bewährter Praktiken im Arbeitsalltag.

Kulturwandel braucht daher ein Ritual der Kulturreflexion, eine Culture Map nach Sagmeister zum Entwickeln eines gemeinsamen Verständnisses, ein Workshop-Konzept „From Now to Nextland“ in Anlehnung an die Beratergruppe Neuwaldegg und den Prozess der TransKooption® zum Messen und stärken des Kooperationsverhaltens. Es gilt auch die formalen Strukturen zu bearbeiten, neue Erfahrungsräume zu schaffen, Systemlogiken zu hinterfragen sowie eine gute Dialog- und Feedbackkultur zu entwickeln.

10. Die Imago-Bewegung

Transformation wird als Gemeinschaftsprojekt gesehen, da nur ein gemeinsames Verständnis aufgrund der zunehmenden Komplexität, der Dynamik, der Beschleunigungs- und Steigerungslogik, der Wettbewerbs- und Leistungslogik sowie der Selbstoptimierungs- und Maschinenlogik zum Erfolg führt. Nur so können Probleme gemeinsam gelöst werden. Imagos haben daher mehrere Funktionen vom Hofnarren über den Imagineur und dem Narrateur bis hin zum Archäologen mit dem Galeristen. Letztlich braucht es zur Magie des Miteinander-Gestaltens entsprechende Imago-Dialoge und -Räume incl. der entsprechenden Bewegungen.

Diskussion

Im Buch wird ein interessanter Bogen der Veränderung gespannt. Er geht vom Wesen der Veränderung aus und zeigt an Hand von Vorbildern, dass es eine gemeinsame Vorgangsweise auf Basis eines gemeinsamen Verständnisses sein muss. Nur dieses gemeinsame Verständnis vermag die immer komplexer werdenden Probleme zu lösen, da die gemeinsamen Anstrengungen hin auf eine gemeinsame Orientierung erfolgen. Ein Motivationsbuch lädt zum anschließenden Transformationsprojekt ein.

Fazit

Man spürt die Überzeugung des Autors, der diese Art der Veränderung den Leser*innen nahezubringen versucht. Das Hinausgehen über das Optimieren hin zum Neugestalten ist dabei der wesentliche Ansatz. Es geht nicht nur darum, ein Ei zu einer Raupe weiterzuentwickeln, sondern letztlich gemeinsam einen Schmetterling daraus zu kreieren. Dazu reicht das Umdenken einer Person nicht aus, sondern es ist ein gemeinsames Umdenken möglichst aller am Transformationsprojekt beteiligten Personen erforderlich, ohne dem es keine gemeinsame Weiterentwicklung gäbe. Es gilt mit einer anderen Metapher gesprochen, den Beteiligten das Fischen zu lernen. Dazu sind die Kapitel inhaltlich und in der Reihenfolge gut gesetzt. Das Mitgehen der Beteiligten ist für den Erfolg des Transformationsprojektes es unbedingt erforderlich.

Rezension von
Prof. Dr. Paul Brandl
war Professor für Organisationsentwicklung und Prozessmanagement, Berater für die Optimierung von Prozessen bei sozialen Dienstleistungen und Neugestaltung von sozialen Dienstleistungen insbesondere aus Sicht der KlientInnen und der Digitalisierung sowie dem prozessbasierten Qualitätsmanagement (pQMS extended®)
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Es gibt 99 Rezensionen von Paul Brandl.

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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 03.06.2022 zu: Reza Razavi: Die Magie der Transformation. Wie wir Zukunft in Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam gestalten. Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (Freiburg) 2022. ISBN 978-3-648-15763-3. Reihe: Haufe Fachbuch. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29418.php, Datum des Zugriffs 04.07.2022.


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