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Ruth Seliger: Systemische Beratung der Gesellschaft

Rezensiert von Dr. Jana Swiderski, 07.07.2022

Cover Ruth Seliger: Systemische Beratung der Gesellschaft ISBN 978-3-8497-0400-1

Ruth Seliger: Systemische Beratung der Gesellschaft. Strategien für die Transformation. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2022. 226 Seiten. ISBN 978-3-8497-0400-1. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.
Reihe: Systemische Horizonte
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Thema

Die Autorin vertritt die These, man müsse durch neue Formen der Kommunikation zu neuen Formen gesellschaftlicher Kooperation und Transformation finden, um die drängenden Probleme in Bezug auf Ökonomie, Ökologie und Demokratie lösen zu können. Dazu müsse man nicht mehr kausal, sondern systemisch denken. Ziel sind gesellschaftliche Transformationsprozesse, die sowohl ein Weiterbestehen der Gesellschaft als auch ein gutes Leben ermöglichen. Diese Transformationsprozesse basieren auf drei Faktoren: dem Systemischen Denken als personenbezogener wie auch gesellschafts- und organisationsübergreifender Methode, wirkungsvollen Organisationen und Führung (195) sowie dem Schaffen von Rahmenbedingungen für gesellschaftliche Kooperationen. Seliger stellt die Veränderung gesellschaftlicher Kommunikations- und Kooperationsformen ins Zentrum ihrer Überlegungen. Wenn Gesellschaft sich verändern soll – so die These – bedarf es „immer Veränderungen der Kommunikation, das Bilden neuer Verbindungen und Allianzen“ (195). Neue Kooperationen können entstehen, wenn alte Denkmuster aufgegeben werden, wenn ein Paradigmenwechsel in Bezug auf ökonomische, ökologische und demokratietheoretische und -praktische Fragen stattfindet. Seliger nennt dies „Musterveränderungen der Kommunikation“ (24). Diese Prozesse methodisch anzuregen und anzuleiten, ist Anliegen des Buches. Zahlreiche Verweise auf aktuelle Literatur zu den besprochenen gesellschaftspolitischen Themen untermauern ihre Argumentation.

Autorin

Dr. Ruth Seliger hat Pädagogik, Wirtschafts- und Sozialgeschichte studiert. Sie ist Systemische Beraterin für Führung und Change Management, Gründerin von train consulting und Mitbegründerin der NGO „Community for Change“. Außerdem wirkt sie als Autorin u.a. zu Fragen von Führung und Großgruppenmethoden.

Entstehungshintergrund

Als Organisationsberaterin unterstützte die Autorin viele Jahre lang Organisationen beim Umgang mit gesellschaftlichen Veränderungen und Anforderungen. Der Blickwinkel geht nun in die umgekehrte Richtung. Die Autorin fragt, wie Organisationen ihrerseits zu gesellschaftlichen Veränderungen beitragen können. Dabei greift sie auf Erfahrungen in der Beratung von kleinen Start-ups bis zu lokalen Niederlassungen globaler Konzerne, von mittelständischen Unternehmen bis zu NGOs mit unterschiedlichen Anliegen sowie gesellschaftlichen Institutionen oder wissenschaftlichen Einrichtungen zurück. Seliger nutzt ihre Beratungserfahrung, um Transformationsprozesse in der Gesellschaft methodisch begründet anzuregen und so „an einer guten Entwicklung der Gesellschaft mitzuwirken“ (11). Das Buch richtet sich an alle, die sich für den gesellschaftlichen Wandel engagieren, wie Menschen, die in NGOs, Unternehmen, Initiativen oder Bewegungen aktiv sind oder sein wollen (12).

Aufbau und Inhalt

Das erste Kapitel diskutiert tradierte und neue Denkmuster für die Gestaltung von Transformationsprozessen der Gesellschaft: das technische Modell, in dem die Gesellschaft als eine funktionierende bzw. zu reparierende Maschine betrachtet wird, das dialektische Konzept, das die Bearbeitung von Widersprüchen, aber auch deren Auflösung anstrebt (18 ff.) und das systemische Konzept, das „Prozesse in lebenden Systemen“ (21) zum Gegenstand hat, sogenannte Musterwechsel und eine veränderte Kommunikation begründen will (23 f.). Ein viertes Modell der Transformation verbindet das dialektische mit dem systemischen Konzept.

Das zweite Kapitel klärt, wie Gesellschaft ein „Kunde“ von Beratung sein kann (29). Ausgangspunkt für alle weiteren Überlegungen sind vier Thesen, denen zufolge Kommunikation konstitutiv für Gesellschaft und ihre kommunikative Selbstreflexion ist (30 f.). Der Blick auf einige ausgewählte historische Erklärungen für Veränderungen der Gesellschaft leitet zur Klärung des Auftrags für die Beratung der Gesellschaft über.

Das dritte Kapitel beschreibt die Probleme der Gesellschaft und die großen Herausforderungen – die ökonomische Krise, die ökologische Krise und die Demokratiekrise – und begründet den Auftrag für die Transformation der Gesellschaft und ihre Beratung von den nachwachsenden Generationen her.

Das vierte Kapitel bildet den methodischen Kern des Beratungskonzepts. Es formuliert die sogenannte Change-Formel (56):

D x V x R x F = E

D steht für den „Driver“, den Treiber der Veränderung, also Motive oder Gründe, sich verändern zu wollen. V steht für eine „Vision“, also ein konkretes Bild von dem, was erreicht werden soll. R steht für „Ressourcen“, also die Kraftquellen und Mittel für die Veränderung. F sind die „First Steps“, die ersten Schritte. Und wenn all das miteinander multipliziert wird, dann entsteht E -Energie für den Veränderungsprozess (56 ff.). Seliger visualisiert die Change-Formel in einem Kompass, der in den folgenden Kapiteln jeweils den Stand der Orientierung anzeigen wird.

Im fünften und umfangreichsten Kapitel werden diese Faktoren konkretisiert. Als Treiber (D) benennt die Autorin die dringlichsten Probleme der Gegenwart. Sie kritisiert das neoliberale Wirtschaftsmodell als Ursache von Entsolidarisierung, Vorherrschaft des Marktes, eines ökonomistischen Menschenbildes, Wachstumsgläubigkeit, Grenzenlosigkeit, Konsumorientierung und wachsender ökonomischer Ungleichheit. Dies geht einher mit der Abwertung von Arbeit und der Aufwertung von Geld, der „Selbst-Entmündigung“ von Politik (75) und der Degradierung von Menschen zu Humankapital. Die Autorin sieht in diesem Modell den Ausdruck der ökonomischen Krise und prognostiziert das Ende dieses Modells.

Die ökologische Krise versteht sie im Zusammenhang mit der ökonomischen Krise, da eine ungebremste Konsum- und Wachstumsorientierung letztlich den Grund der ökologischen Krise darstellt (89). Auch für die dritte große Krise, die Krise der Demokratie, sieht die Autorin letztlich die neoliberale Ideologie verantwortlich: „Entmachtung des Staates, die Konstruktion eines individualisierten Menschenbildes und die Abwertung der Gemeinschaft“ (91). In der neoliberalen Ideologie besteht für Seliger das überholte Denkmuster, das es abzulösen gilt. Demgegenüber beobachtet sie, dass sich Alternativen herausbilden: zivilgesellschaftliche Bewegungen, die Bedeutung der Wissenschaft oder die wachsende Bedeutung des Nachhaltigkeitsdenkens (109f).

Der nächste Abschnitt begründet die Notwendigkeit von Visionen für Ökonomie, Ökologie und Demokratie, verstanden als konstruktiver Zukunftsbilder, die Zuversicht geben und mobilisieren. Visionen sind daher nicht als „realitätsferne Kinderträume“ (113) zu verstehen, sondern als „Musterbrüche“, die in einen „neuen Raum“ führen (115). Entscheidend ist, „vergemeinschaftete Visionen, Zukunftsbilder“ (114) zu schaffen. Durch Visionen sei es möglich, die Sprache des Neoliberalismus zu überwinden und „eine neue Grammatik zu entwickeln“ (117). Die Autorin zeichnet die Vision einer Gesellschaft, die durch Kooperation getragen wird und damit einen radikalen Gegenentwurf zum neoliberalen Menschenbild darstellt (119). Ihre Zukunftsbilder von Ökonomie, Ökologie und Demokratie zielen auf eine grundsätzlich veränderte Gesellschaft. Dabei bezieht sie sich auf vorhandene reale Ansätze: in der Ökonomie wie Degrowth, Gemeinwohlökonomie, Donut-Ökonomie, eine menschengerechte Ökonomie oder Glücksökonomie. In der Ökologie bezieht sie sich auf die Prinzipien Gesundheit und Nachhaltigkeit, stellt aber fest, dass es auf diesem Gebiet „nur wenige positive Zukunftsbilder“ (130) gibt. In Bezug auf demokratische Visionen nennt sie die radikale Demokratie, die partizipative Demokratie, die deliberative oder die konsensuelle Demokratie.

Um Visionen und Ziele zu verwirklichen, werden Ressourcen benötigt, also Mittel, auf die man tatsächlich bauen kann. Ressourcen ermöglichen „Handeln“ (139). Es stellen sich zwei Fragen: wer die Ressourcen nutzen soll und mit welchem Ziel (140)? D. h., wer sind die Akteure und Akteurinnen der Transformation und was wollen sie erreichen? (ebd.) Ressourcen können gefunden werden, indem danach gefragt wird, was im System gut funktioniert (143). Ressourcen erschließen sich mit Blick auf positive Erfahrungen, durch Wertschätzung, Wünsche und Zukunftsfragen – immer mit Blick darauf, welchen Beitrag der Einzelne oder die Organisation leisten kann (144). Nicht im Kampf, sondern im Ausnutzen von Situationen sieht die Autorin ein Mittel zur Erschließung von Ressourcen (148).

Die First Steps, die ersten Schritte, sind der konkrete Weg in eine veränderte Realität. Hier geht es um „Interventionen und eine tiefgreifende gesellschaftliche Musterveränderung“ (153). Diese versteht die Autorin als „eine spezielle Form von Kommunikation“ (ebd.), als Kommunikationsprozesse „mit ungewissem Ausgang“ (154) – auf der Ebene der Person, der Organisation und der Gesellschaft. Als First Steps nennt die Autorin das Systemische Denken, das Einrichten wirkungsvoller Organisationen und Führung (195) sowie das Schaffen von Rahmenbedingungen für Kooperationen auf gesellschaftlicher und globaler Ebene (196).

Das systemische Denken beruht auf drei Prinzipien: der Kybernetik, dem Konstruktivismus und der Systemtheorie (157), deren wissenschaftstheoretische Grundlagen kurz, aber verständlich skizziert werden. Demzufolge kann Gesellschaft „als ein soziales bzw. Kommunikationssystem“ (165) verstanden werden. So sei es möglich, die „Transformation des Systems“ durch „Transformation der Kommunikation“ zu begründen (166). Dies soll zu neuen gesellschaftlichen Wirklichkeitskonstruktionen führen als „Voraussetzungen für neues Handeln und für neues Kooperieren“ (167). Da gesellschaftliche Transformation organisiert werden muss, kommt den Organisationen als Mittler zwischen Individuen und Gesellschaft eine wesentliche Bedeutung zu. Sie sind „rund um ihre Aufgabe organisierte Kommunikationssysteme“ (177). Die Aufgaben, der Sinn, die Rollen, der Aufbau, die Formen und die Führung von Organisationen werden ausführlich diskutiert. Auch auf der Ebene der Gesellschaft werden „Veränderungen der Kommunikation, das Bilden neuer Verbindungen und Allianzen“ (195) notwendig, wenn nämlich „Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft strategische Allianzen eingehen“ (198). Auch dafür liege die Voraussetzung in einer „neuen Gestaltung der gesellschaftlichen Kommunikation“ (201).

Ein abschließendes Kapitel thematisiert emotionale Erlebnisse, die Veränderungsprozesse begleiten können: Angst, Wut, Trauer, Freude, Lust und Liebe sowie Interesse und Neugier. Darüber hinaus sieht die Autorin in der Erfahrung von Sinn eine wichtige Bedeutung für Transformationsprozesse. Sie verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und hält es für möglich, vorsichtig in die Zukunft zu schauen und zu fragen, was wir tun sollten, was lieber lassen, was bewahren, worauf verzichten und was neu beginnen (212).

Diskussion

Die Autorin greift zentrale Problemstellungen für die gesellschaftliche Transformation auf: die Kritik am neoliberalen Wirtschafts- und Denkmodell, dessen Auswirkungen auf Ökologie und Demokratie sowie gesellschaftliche Visionen und Alternativen. Neu ist ihre zeitgemäße, an organisationstheoretischen Modellen orientierte Sprache, um bekannte Probleme aus anderer Perspektive zu beschreiben. Sie denkt vom Ganzen her, also umfassend – ohne aber einen neuen Systementwurf auszuarbeiten. Ihr Bezug auf Kooperation und Kommunikation formuliert die tradierte philosophische Idee der Aufklärung neu und erweitert die Gegenüberstellung von Individuum und Gesellschaft um den Bezug auf wirkungsmächtige Organisationen.

Das Buch wirft aber auch grundsätzliche Fragen auf:

  • Das Interesse von Individuen und auch von Organisationen widerspricht oftmals den Interessen der Gesamtgesellschaft. Wie können grundsätzliche Interessensgegensätze kommunikativ vermittelt werden?
  • Die Kritik am neoliberalen Paradigma wirft inhaltliche Fragen auf, wie z.B.: Wie kann Freiheit neu definiert werden? Was bedeutet Wohlstand? Kann Wachstum anders als bisher ausgelegt werden? Usw.
  • Macht liegt oftmals bei den Vertretern und Vertreterinnen des neoliberalen Paradigmas. Wie können Machtverhältnisse durch deren Kritiker verändert werden? Und: Kann dies durch Kommunikation und Kooperation realisiert werden?
  • Eigentumsverhältnisse, ökonomische und soziale Ungleichheit sind ein wesentlicher Ursprung von Interessensgegensätzen und Machtgefällen. Welche Möglichkeiten gibt es, trotzdem in Sinne gemeinsamer Ziele zu kommunizieren und zu kooperieren?
  • Wie kann sich trotz antagonistischer Beurteilungsweisen eine gemeinsam geteilte Sicht auf gesellschaftliche und globale Problemlagen herausbilden?
  • Kooperation und Kommunikation sind gesellschaftlich, organisational wie individuell Bildungsaufgaben. Wer kann diese Aufgabe wie didaktisch und methodisch umsetzen – bzw. als Selbstbildung verstanden, wie kann diese realisiert werden?

Die Autorin regt mir ihren Untersuchungen sowohl zum konstruktiven Umgang mit den globalen Problemen an als auch zum Weiterdenken in Bezug auf die Umgestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse und unsere Bereitschaft und unsere Fähigkeiten zu Kommunikation und Kooperation. Letztlich stellt sich die Frage, ob man gesellschaftliche Herausforderungen prinzipiell in Fragen von Kommunikation und Kooperation auflösen kann. Kann die Veränderung gesellschaftlicher Strukturen und Verhältnisse ausschließlich über eine Veränderung der Denkgewohnheiten und der Kommunikation erfolgen? Dass diese Veränderung notwendig ist, begründet die Autorin eindrücklich. Ließen Interessengegensätze, Macht, Zwang und Gewalt sich tatsächlich durch Kommunikation und Kooperation überwinden, stünde die Menschheit wahrscheinlich vor einer neuen Stufe ihrer evolutionären Entwicklung.

Das hieße zunächst, dass Kommunikation selbst sich verändern müsste. Wenn Kommunikation zum Mittel der Kooperation werden soll, müssen wir uns fragen: Wie kann eine Kommunikationskultur entstehen, die nicht nur im gegenseitigen Austauschen von Standpunkten besteht, wie es vielfach geschieht? Sondern wie entwickeln wir die Bereitschaft, unsere Standpunkte zu reflektieren, zu überprüfen und ggf. zu revidieren mit dem Bestreben, einen für alle tragbaren Konsens zu finden? Sind wir bereit, eigene Interessen zurückzustellen und im Interesse eines gemeinsamen Ganzen uns ggf. einzuschränken oder zu verzichten? Wenn Kommunikation ein Mittel gesellschaftlicher Veränderung werden soll, statt Kampf, Krieg und Revolution, dann muss Kommunikation selbst neu gedacht werden – nicht als ein Mittel zur Durchsetzung partikularer Interessen, sondern als Medium der Verständigung über gemeinsame Ziele und Visionen. Das bedeutet auch, dass Dissens und Kritik als Bestandteil von Kommunikation und Kooperation verstanden werden müssen und nicht als Ursache von Spaltung und Antagonismen. Ein neues Verständnis von Kommunikation wäre dann insbesondere für die Organisationen als Protagonisten des gesellschaftlichen Wandels wichtig.

Damit weist das Buch weit über dessen eigentliche Fragestellung hinaus – auf grundlegende Fragen gesellschaftlicher Veränderung, ein neues Verständnis von Kommunikation und Kooperation sowie auf die gesellschaftlichen Einflussmöglichkeiten und Aufgaben zukunftsfähiger und wirkungsmächtiger Organisationen.

Anliegen des Buches ist es, gesellschaftliche Transformationsprozesse in drei Kernbereichen methodisch zu unterstützen: Ökonomie, Ökologie und Demokratie. Die Autorin wendet den Ansatz der systemischen Beratung auf gesellschaftliche Problemstellungen an. Mit einer grundsätzlichen Kritik des Neoliberalismus stellt sie alte Denkmuster in Frage. Die sogenannte „Change-Formel“ soll zu neuen Betrachtungsweisen verhelfen. Das bedeutet, dass die Energie zu gesellschaftlichen Veränderungen das Produkt aus den Treibern, d.h. den drängenden Problemen, den Visionen, den Ressourcen und den First Steps, den ersten Schritten in eine neue Realität, ist. Die Autorin betont die zentrale Bedeutung von neuen Kommunikations- und Kooperationsformen für gelingende gesellschaftliche Transformation. Besondere Bedeutung dafür kommt wirkungsmächtigen Organisationen als Mittlern zwischen Individuen und Gesellschaft zu.

Offen bleiben Fragen nach der kommunikativen Bewältigung von Interessensgegensätzen, Machtgefällen und gesellschaftlichen Strukturen, die aus ökonomischer und sozialer Ungleichheit resultieren. Offen bleibt auch die Frage, wie gesellschaftliche, organisationale und individuelle Bildungsprozesse neue Formen von Kommunikation und Kooperation fördern können. Und offen bleibt die Frage, wie eine neue Kultur von Kommunikation und Kooperation, die sich auf gemeinsame gesellschaftliche und globale Ziele richtet, überhaupt aussehen kann. Dass diese jedoch notwendig und möglich ist, dafür plädiert die Autorin in überzeugender Weise.

Fazit

Um die drängenden Probleme der Gegenwart in Bezug auf Ökonomie, Ökologie und Demokratie bewältigen zu können, plädiert die Autorin für eine systemische Sichtweise. Das bedeutet, alte Denkmuster zu überwinden und neue Formen der Kommunikation und Kooperation zu entwickeln. Den Organisationen als Mittlern zwischen Individuum und Gesellschaft kommt dabei grundlegende Bedeutung zu. Trotz aller globaler Gefährdungen ließen sich so tragfähige gesellschaftliche Perspektiven und Wege in eine lebenswerte Zukunft finden. Systemische Beratung der Gesellschaft versteht sich als Beitrag für ein gutes Leben für uns alle.

Rezension von
Dr. Jana Swiderski
Erziehungswissenschaftlerin, Arbeitsvermittlerin, Fallmanagerin und derzeit Berufsberaterin bei der Bundesagentur für Arbeit
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Es gibt 4 Rezensionen von Jana Swiderski.

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Zitiervorschlag
Jana Swiderski. Rezension vom 07.07.2022 zu: Ruth Seliger: Systemische Beratung der Gesellschaft. Strategien für die Transformation. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2022. ISBN 978-3-8497-0400-1. Reihe: Systemische Horizonte. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29430.php, Datum des Zugriffs 11.08.2022.


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