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Marion Willems: Empowerment von Mitarbeitern und Teams in Organisationen

Rezensiert von Harieth Mielke, 14.10.2022

Cover Marion Willems: Empowerment von Mitarbeitern und Teams in Organisationen ISBN 978-3-662-65197-1

Marion Willems: Empowerment von Mitarbeitern und Teams in Organisationen. Ein systemischer Ansatz. Springer (Berlin) 2022. 56 Seiten. ISBN 978-3-662-65197-1. D: 14,01 EUR, A: 15,41 EUR, CH: 17,00 sFr.
Reihe: essentials.

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Thema

Marion Willems betrachtet Empowerment aus verschiedenen Perspektiven: aus Sicht der Mitarbeitenden, aus Sicht der Führungskraft und aus Sicht der Organisationen. Die Lesenden finden eine Anleitung, wie Mitarbeitende und Teams aus systemischer Sicht befähigt werden können selbstwirksam ihre eigenen Ziele zu mehr Selbstbestimmung, Selbstbeeinflussung und Sinn verfolgen können. Ebenso stellt die Autorin ein Rahmenwerk für das Gelingen von Empowerment vor sowie agile Methoden und Tools zur Umsetzung.

Autorin

Die Autorin Marion Willems ist Diplom-Kauffrau und begleitet und unterstützt als Unternehmensberaterin, Trainerin und systemische Coachin und zertifizierte Moderatorin Organisationen, Teams und Individuen in Veränderungsprozessen. Im Jahr 2005 gründete sie die Unternehmensberatung MCW Consulting. Sie ist in der Fachszene bekannt, da sie mittelständische und börsendotierte Unternehmen und Banken im Internal Audit und bei Prozessoptimierungen berät. Zu ihrer Expertise trägt ebenso bei, dass sie Lehrbeauftragte an der Hochschule Darmstadt für Beratung von Organisationen und Teams, Coachings und Trainings in Veränderungsprozessen und Konfliktmanagement sowie Konfliktprävention ist.

Entstehungshintergrund

In der Einleitung lässt sich die Motivation der Autorin zum Verfassen des Buches erkennen, indem sie auf 2 Umfragen aus dem Jahr 2020 verweist, die einerseits belegen, dass nur 17 % der Mitarbeitenden sich emotional mit ihrem Unternehmen verbunden fühlen und andererseits 83 % der Vertreter*innen der Generation Z Wert auf Autonomie am Arbeitsplatz legen. Dies und ihre Erfahrungen aus verschiedenen Projekten und Workshops mit Mitarbeitenden waren für sie Anlass, um in ihrem Werk die Relevanz von Empowerment und Tools zur Förderung von Empowerment aus systemischer Sicht vorzustellen. Da empowerte Mitarbeitende eine hohe Jobzufriedenheit und eine bessere Arbeitsleistung haben und ebenso die Teamperformance gesteigert wird, sieht die Autorin die Notwendigkeit, der Leserschaft ein Instrumentarium aufzuzeigen, mit welchem Teamleiter, Coaches oder Führungskräfte ihre Mitarbeitenden empowern können.

Aufbau

Das Werk besteht neben der Einleitung aus 4 Kapiteln, die eine strukturierte Vorgehensweise zu Empowerment beschreiben:

  • Definitionen der Begriffe Empowerment und systemischer Ansatz/​systemisches Coaching
  • Schaffung eines Rahmenwerkes für Empowerment
  • Empowerment umsetzen
  • Skalierung über Netzwerke und Ökosysteme

Inhalt

Zunächst definiert Marion Willems im zweiten Kapitel Empowerment im psychosozialen Kontext als „Selbstbefähigung und die Stärkung von Autonomie und Eigenmacht“ und im wirtschaftlichen Kontext als „Praktiken, bei denen Macht, Information, Wissen und Belohnungen innerhalb von Organisationen umverteilt werden“ (S. 3). Als wissenschaftlichen Bezugspunkt wählt sie die Psychologie und die psychologische Perspektive des Empowermentbegriffes, da hier der Mensch im Mittelpunkt steht.

Die Autorin beschreibt systemisches Coaching als eine Problemlösungsmethode und schlägt hier die Brücke zu Empowerment, da beide eigenständige Lösungen für gesetzte Ziele anstreben und alte Muster im Verhalten und Denken aufdecken und bewusst machen wollen, um sie anschließend zu durchbrechen.

Im 3. Kapitel beschreibt Marion Willems die Rahmenbedingungen für Empowerment, zu denen unter anderem gehören:

  • Schaffung einer vertrauensvollen Arbeitsumgebung
  • Mindset
  • Transformational Leadership

Marion Willems geht im 4. Kapitel darauf ein, wie Empowerment umgesetzt werden kann. Hier findet sich ein guter Praxisbezug für die Lesenden, da die Autorin unter anderem mit dem Journaling eine Methode beschreibt, wie mit systemischen Fragen ein Raum geöffnet und eine Vision formuliert werden kann. Hierzu führt sie auch hilfreiche Beispielfragen auf. Sie geht nun weiter, indem sie aufzeigt, wie Visionen greifbar gemacht und in einzelne Ziele heruntergebrochen werden können. Um dabei ein förderliches Gesprächsklima herzustellen, stellt sie verschiedene Kommunikationsmodelle vor.

Die Zielsetzung besteht also darin, Führungskräfte zu befähigen, Mitarbeitende in einer vertrauensvollen Atmosphäre mit entsprechenden Führungsmethoden, Wertschätzung und Empathie zu einem höheren Motivationsniveau zu führen, bei dem sie ihr Leben selbstwirksam mitgestalten können.

Diskussion

Es ist positiv hervorzuheben, dass Marion Willems in ihrem Werk die Aktualität der bestehenden Diskurse zum Thema Empowerment spiegelt. Empowerment wird in aktuellen Diskursen zum einen mit Individualisierung verknüpft, die eines Subjektes bedarf, das auf Identitätskapital wie Ich-Stärke, Lebenssinn und kritische Denkfähigkeit zurückgreifen kann. Ein weiterer Diskurs beschäftigt sich mit der Abkehr von einer grundlegenden Defizitorientierung des Menschen dazu, den Menschen als Experten in eigener Sache zu sehen, auf Attribute einer bevormundenden Fürsorglichkeit zu verzichten und Verantwortung gleich zu verteilen. Ein dritter Diskurs vollzieht sich im Zusammenhang mit Antidiskriminierung und Stigmatisierung und verfolgt das Ziel, Spiralen von Entmachtung zu durchbrechen, unterdrückende Fremdkonstruktionen zu durchbrechen und Sprachlosigkeit zu überwinden. Diese aktuellen Diskurse finden sich inhaltlich in dem vorliegenden essential wieder.

Das Layout des Buches ist übersichtlich gestaltet und der inhaltliche Aufbau ist stimmig. Die Vorgaben der Einleitung, sich zu „power to empower“ (S. 2) inspirieren zu lassen, werden im Hauptteil übertroffen, da es einen starken Praxisbezug gibt, der den Lesenden zu mehr Verständnis und Nachvollziehbarkeit verhilft. Der Sprachstil ist leicht verständlich, Fachtermini werden erklärt und die Texte sind flüssig zu lesen, auch für Lesende ohne Vorkenntnisse im Bereich Empowerment.

Kritisch zu sehen ist allerdings der Faktor Zeit, den es für Führungskräfte und Mitarbeitende braucht, um von wirklich ermächtigender Führung zu sprechen. Dieser Aspekt wird von der Autorin nicht behandelt. Manchmal werden Entscheidungen wichtig und dringend sein und es wird kein dazu qualifiziertes Teammitglied für die Delegation geben. Ebenso braucht es Zeit für ermächtigende Instrumente und manche Projekte oder Deadlines geben diese Zeit nicht her.

Der Führungsstil „Empowering Leadership“ ist ein notwendiger, aber kein hinreichender Erfolgsfaktor bei der Agilisierung von Unternehmensstrukturen und -prozessen. Er stellt hohe Anforderungen gleichermaßen an die Führungskräfte und die Mitarbeitenden. So reicht es beispielsweise nicht, den Mitarbeitenden mehr Kompetenzen zu übertragen, sondern sie müssen für die neuen Verantwortungsbereiche auch qualifiziert werden. Zusätzlich benötigen sie Orientierung, denn empowermentorientierte Führung ist keine Laissez-faire-Führung. Empowerment heißt nicht zuletzt regelmäßiger Kontakt zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden und wechselseitige Beratung über alle anstehenden Fragen, wobei die Führungskräfte bei manchen Fragen, bei denen sie erkennbar mehr Erfahrung haben, eine Coaching- oder Mentorenrolle einnehmen.

Das Buch von Marion Willems spricht eine breite Leserschaft aus der Fachpraxis an von Führungskräften, Teamleiter*innen, Gründer*innen, Personalleiter*innen und Change Manager*innen bis Coaches. Empowerment bezeichnet einen Arbeitsansatz, der Menschen ermutigt, Regie über das eigene Leben zu führen und Lebenssouveränität zu erstreiten. Die Förderung von Selbstgestaltung und Handlungsmächtigkeit hinterlässt dort, wo sie erfolgreich ist, psychische und soziale Spuren. Die stärkende Erfahrung von Selbstwirksamkeit, Autonomie und Bewältigungskompetenz kräftigt und erweitert das Kapital der psychischen Ressourcen des Einzelnen – sie führt zu Gesundheit und einem umfassenden psychosozialen Wohlbefinden. Liegt die alleinige Entscheidungsbefugnis auf Ebene der Führungskräfte, werden entweder falsche Entscheidungen getroffen, weil das zur Verfügung stehende Wissen zwangsläufig eingeschränkt ist oder die Entscheidungen zu lange dauern. Der Führungsstil „Empowering Leadership“ bedeutet in der Praxis folglich, dass Führungskräfte in der Lage sind, ihren Mitarbeitenden die Wichtigkeit ihrer Arbeitsaufgaben im Zusammenhang mit einer übergeordneten Vision zu verdeutlichen. Dadurch soll ihnen die Bedeutung ihrer Arbeit erlebbar gemacht werden. Um dies zu gewährleisten, sind ein regelmäßiger Kontakt und eine wertschätzende Kommunikation zwischen den Führungskräften und ihren Mitarbeitern wichtig. Die Mitarbeiter sollen unterstützt, informiert und ernst genommen werden. Letztlich steht vor allem die Unternehmensleitung in der Verantwortung, das Empowerment der Belegschaft sicher zu stellen. Sie sollten den nachgeordneten Führungsebenen als Vorbild dienen und partizipativ führen. Die Autorin stellt sowohl das dafür nötige Rahmenwerk als auch hilfreiche Tool zur Umsetzung von Empowerment zur Verfügung.

Fazit

Die Verantwortung soll im Sinne von Empowerment auf alle Schultern verteilt werden und Entscheidungen sollen dort getroffen werden, wo auch das meiste Wissen zu dem jeweiligen Thema sitzt. Das Buch ist empfehlenswert, weil es aufzeigt, wie gleichzeitig für die Ziele eines Teams gearbeitet werden kann und auch selbstwirksam die eigenen Ziele der Mitarbeitenden verfolgt werden können und Marion Willems verdeutlicht, dass Empowerment wirklich etabliert werden kann. 

Rezension von
Harieth Mielke
Bachelor in Sozialwissenschaften für Bildung und Erziehung, Sozialpädagogin, Leitung einer Inobhutnahme- und Diagnostikgruppe in der stationären Kinder- und Jugendhilfe.
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Es gibt 1 Rezension von Harieth Mielke.

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Zitiervorschlag
Harieth Mielke. Rezension vom 14.10.2022 zu: Marion Willems: Empowerment von Mitarbeitern und Teams in Organisationen. Ein systemischer Ansatz. Springer (Berlin) 2022. ISBN 978-3-662-65197-1. Reihe: essentials. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29495.php, Datum des Zugriffs 29.11.2022.


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