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Hanna Grubhofer, Sigrun Eder: Was brauchst du? Mit der Giraffensprache und Gewaltfreier Kommunikation Konflikte kindgerecht lösen

Rezensiert von Beate Sonsino, 18.11.2022

Cover Hanna Grubhofer, Sigrun Eder: Was brauchst du? Mit der Giraffensprache und Gewaltfreier Kommunikation Konflikte kindgerecht lösen ISBN 978-3-99082-101-5

Hanna Grubhofer, Sigrun Eder: Was brauchst du? Mit der Giraffensprache und Gewaltfreier Kommunikation Konflikte kindgerecht lösen. edition Riedenburg e.U. (Salzburg) 2022. 84 Seiten. ISBN 978-3-99082-101-5. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 35,50 sFr.
Reihe: SOWAS! - 20b.

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Thema und Entstehungshintergrund

Das Buch „Was Brauchst Du?“ ist zweisprachig in deutscher und ukrainischer Sprache verfasst. Gedacht ist es für Kinder ab dem späten Kindergarten- und Grundschulalter und ist auch für den Zweisprachenunterricht geeignet. Es möchte Kindern helfen, Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen, um dazu passende Lösungen zu finden. Es geht um gewaltfreie Kommunikation und Konfliktlösung (vgl. www.sigruneder.com). Das Kind lernt verschiedene Tiere kennen und erfährt, wie diese in Streit geraten, wie sie sich fühlen und was sie brauchen könnten, um wieder miteinander klar zu kommen. Junge Leser*innen sollen lernen, sich selbst und andere besser zu verstehen. Das Buch gehört zu der Reihe: Sowas! aus der Edition Riedenburg.

AutorInnen

Mag. Hanna Grubhofer ist Mutter von sieben Kindern, Psychologin, Trainerin für gewaltfreie Kommunikation, Mediatorin, Familiencoach und Autorin. Schon als Kind faszinierten sie besonders die Giraffen im Zoo (vgl. www.hannagrubhofer.at).

Mag. Sigrun Eder hat 2008 bei der edition riedenburg die Buchreihe „Sowas!“ gegründet. Sie ist Klinische Psychologin, Systemische Familientherapeutin, Säuglings-, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin am Uniklinikum Salzburg.

Barbara Weingartshofer ist Grafikerin und Illustratorin und verantwortlich für die bildliche Gestaltung des Buches (vgl. S. 75).

Aufbau

Das Buch ist zweisprachig angelegt, deutsch und ukrainisch. Die Akteure sind verschiedene Tiere, die mit verschiedenen Bedürfnissen in einer Situation dargestellt werden. Bevor es zu einem Konflikt kommt, erscheint Gino Giraffe und hilft, dass die beiden Parteien zu einer friedlichen Lösung kommen. Es wird anhand von Fragen, Erläuterungen und Bezug zu den Gefühlen des Kindes eine Lösung angestrebt, die für die einzelnen Bedürfnisse Verständnis weckt und Rücksicht nimmt. Der Text, der die verschiedenen Bedürfnisse beschreibt, wird begleitet durch bunte Tierzeichnungen. In dem folgenden Mit-Mach-Teil sind nur schwarz-weiß Zeichnungen vorhanden, hier kann das Kind selbst Stifte nehmen und bunt ausmalen.

Inhalt

Auf der ersten Seite wird der/die kindliche Leser*in in das Buch eingeführt. Die Giraffe Gino stellt sich vor. Giraffen sollen die allergrößten Herzen haben, dabei können sie besonders gut spüren, wie es anderen geht und was diese brauchen. Das lesende Kind selbst wird in seiner Eigenschaft mit dem Herz fühlen zu können, angesprochen. Gefühle, wie glücklich, zufrieden, lustig, müde, munter, traurig, nachdenklich, gekränkt, wütend, nervös, unglücklich, neugierig und erstaunt, tauchen in den Tiergeschichten auf und werden in Verbindung zu dem Kind gebracht.

Hier soll nur exemplarisch auf einige Geschichten eingegangen werden.

Die erste Geschichte handelt von dem geselligen Erdmännchen Emil, das unbedingt mit seiner ganzen Familie und der Freundin, dem Chamäleon Carla, zu einem Beerenbusch gehen möchte, um Früchte zu genießen. Hier bahnt sich ein Konflikt an, denn Chamäleon Carla, versteht nämlich gar nicht, dass Emil mit der ganzen Familie gehen möchte. Sie will lieber alleine sein, sie traut niemandem. Das kann Emil nicht verstehen, denn die Erdmännchen schützen sich in der Gruppe. Da kommt die Giraffe Gino hinzu und klärt über die beiden Bedürfnisse auf, Carla, die sich alleine gut fühlt und Emil, der mit der gesamten Familie den Ausflug machen möchte und dazu die Freundin Carla auch noch dabeihaben möchte (vgl. S. 4 ff.). Die Giraffe bietet dann im Mit-Mach-Teil zwei verschiedene Möglichkeiten an, wie beide Tiere unter der Berücksichtigung der verschiedenen Bedürfnisse zusammenkommen könnten. Die Lösungsvorschläge sind zum Auswählen und Ankreuzen und eine Lösungsmöglichkeit kann sich das Kind auch selbst ausdenken und aufschreiben oder malen. Danach gibt es die Aufforderung an das Kind, aufzuschreiben oder zu malen, wann es selbst, so wie Erdmännchen Emil, mit anderen zusammen sein will und wann es, wie Chamäleon Carla, lieber alleine sein möchte (vgl. S. 38 ff.).

In der zweiten Geschichte geht es um die Maus Mia und den Bär Balduin. Der Bär möchte bei heranziehendem Gewitter mit der Maus in die schützende Höhle, um nicht von einem Blitz getroffen zu werden. Die Maus Mia möchte aber die Blitze sehen und den Donner hören, sie sucht Abenteuer und Spannung. Die Giraffe Gino kommt hinzu und erklärt die unterschiedlichen Bedürfnisse der beiden Tiere (vgl. 8 ff.). Im Mit-Mach-Teil werden wieder zwei Möglichkeiten zur Konfliktlösung zum Auswählen für das Kind zum Ankreuzen oder Malen aufgezeigt und eine Möglichkeit für einen eigenen Lösungsvorschlag geboten. Anschließend wird das Kind wieder animiert, Situationen im eigenen Leben zu schildern oder zu malen, wo es, wie Mia Maus das Bedürfnis nach Abenteuer und wann das Bedürfnis nach Sicherheit hat, wie der Bär Balduin (vgl. 41 ff.).

Die vierte Geschichte handelt von dem Katzenkind Katrin, das traurig ist, da es seine Mama vermisst, eigentlich von ihr getröstet werden möchte und mit ihr kuscheln will. Suchend trifft das Katzenkind auf die Schnecke Stefanie und schmiegt sich an sie. Diese wiederum ist traurig und möchte alleine sein. Der Bauer hat den Salat mitgenommen und die Schnecke hat jetzt kein Mittagessen. Als das Katzenkind die Schnecke trösten möchte, weist die Schnecke die Tröstende ab, denn sie will alleine sein. Die Giraffe Gino erklärt den beiden, dass jede von ihnen traurig ist und doch jede etwas anderes braucht (vgl. S. 16 ff.). Im Mit-Mach-Teil gibt es wieder zwei angebotene Lösungen zum Ankreuzen oder Malen und die Möglichkeit für das Kind, sich eine eigene Lösung auszudenken. Anschließend soll das Kind wieder beschreiben oder malen, wann es das Bedürfnis zum Kuscheln, wie das Katzenkind, und wann es das Bedürfnis nach Ruhe, wie die Schnecke Stefanie, hat (vgl. S. 47 ff.).

Die letzte und siebte Geschichte handelt von dem Hahn Hansi, der jeden Morgen schon sehr früh kräht, während alle anderen Tiere noch fest schlafen und er weckt sie alle damit. Kolibri Kora schimpft mit dem Hahn. Für sie gibt es noch nichts zu tun, Die Blütenkelche sind so früh noch geschlossen und sie kann noch nichts essen und noch keine Blüten bestäuben. Für den Hahn ist es aber nicht zu früh, für ihn ist es Zeit zum Aufstehen und Arbeiten. Auch hier kommt Giraffe Gino hinzu und will aufklären. Das Bedürfnis des Hahnes ist sich an Regeln zu halten und pünktlich zu krähen, das sieht er als seine Aufgabe an (vgl. S. 28 ff.). Im Mit-Mach-Teil kann das Kind wieder eine der vorgeschlagenen Konfliktlösungen auswählen oder eine eigene Lösung suchen. Anschließend soll das Kind wieder eigene Bedürfnisse beschreiben, wann es ihm wie dem Hahn geht, der sich an Regeln halten will und wann es lieber selbstbestimmt handeln möchte, wie Kolibri Kora (vgl. S. 56 ff.).

Diskussion

Das kleine Buch, gedacht für Kindergarten und frühes Schulalter, stellt kurze Tiergeschichten vor, in denen Konflikte zwischen den verschiedenen Tieren und deren unterschiedlichen Bedürfnissen entstehen. Die Szenen sind sehr bunt und kindgerecht illustriert. Es kommt dann immer die Giraffe Gino hinzu, die die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Tiere zu erklären versucht, auch hier ist der Text wieder begleitet durch eine passende Zeichnung. Diese Zeichnungen sind sehr ansprechend und drücken teilweise sehr schön die emotionale Seite der Geschichte aus.

Besonders ansprechend ist der Mit-Mach-Teil, wo das Kind selbst aktiv werden kann, mit Schreiben eigener Lösungen oder Malen derselben zu den einzelnen Geschichten. Am Ende des Buches gibt es zu jedem Tier der Geschichten eine Karte, auf der das Tier angemalt werden kann. Alle Karten können dann ausgeschnitten und auf Karton geklebt werden. Sie sollen dem Kind dann vor oder nach eigenen Konflikten helfen, die Bedürfnisse besser auszudrücken.

Als nur kleine Kritik möchte ich anmerken, dass teilweise die Wortwahl für kleinere Kinder nicht durchgängig kindgerecht ist. Ein Kleinkind wird zum Beispiel mit dem Begriff Bedürfnis nicht wirklich viel anfangen können. Für das Wort Konflikt wäre das Wort Streit vielleicht auch kindgerechter und geeigneter. Überhaupt denke ich, dass Kleinkinder nicht ohne Anleitung, alleine mit dem Buch arbeiten sollten. Im Kindergarten, in der Grundschule oder in Familien ist das Buch mit Begleitung Erwachsener sehr schön einsetzbar. Über die Tier Geschichten lässt sich das Gespräch sehr gut auf die eigenen Gefühle und Bedürfnisse des Kindes lenken.

Auch wenn kleinere Schulkinder den Text schon selbst lesen können, sollte eine Begleitung in Form einer Anleitung und eines Austausches mit einem Erwachsenen stattfinden. Das Buch ist abwechslungsreich mit den Tiergeschichten, dem Mit-Mach-Teil und den Karten am Ende. Das Kind kann sich sehr gut selbst mit seinen eigenen Gefühlen einbringen, wird über die einzelnen Tiere, langsam an die eigenen Gefühle und Bedürfnisse herangeführt. Auch Kinder, die nicht so gut über eigene Gefühle reden können, sind über die Tierfiguren erreichbar. Aber auch das Sich Hineinversetzen in Andere kommt nicht zu kurz.

Fazit

Eltern, Erzieher*innen und Lehrer*innen bietet dieses Buch über das Vorlesen einen schönen Einstieg, um mit kleineren Kindern über Konflikte, Gefühle und Konfliktlösung ins Gespräch zu kommen. Der zweisprachige Text in Deutsch und Ukrainisch kann gerade momentan, wo es so viele ukrainische Kinder in Deutschland gibt, die vor Krieg fliehen mussten, traumatische Erlebnisse erfahren haben und hier sicher sehr viel Emotionales verarbeiten und sich in eine neue Umgebung einfinden müssen, hilfreich sein.

Rezension von
Beate Sonsino
M.A. - Tätig in der Aus- und Fortbildung von Lehrern und pädagogischem Fachpersonal
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Es gibt 20 Rezensionen von Beate Sonsino.

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Zitiervorschlag
Beate Sonsino. Rezension vom 18.11.2022 zu: Hanna Grubhofer, Sigrun Eder: Was brauchst du? Mit der Giraffensprache und Gewaltfreier Kommunikation Konflikte kindgerecht lösen. edition Riedenburg e.U. (Salzburg) 2022. ISBN 978-3-99082-101-5. Reihe: SOWAS! - 20b. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29512.php, Datum des Zugriffs 04.12.2022.


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