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Andrea Klein: Mit Freude lehren

Rezensiert von Olga Aleyt, 25.11.2022

Cover Andrea Klein: Mit Freude lehren ISBN 978-3-8252-5744-6

Andrea Klein: Mit Freude lehren. Was eine coachende Haltung an der Hochschule bewirkt. UTB (Stuttgart) 2022. 143 Seiten. ISBN 978-3-8252-5744-6. D: 14,90 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 19,90 sFr.

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Thema

In diesem Werk von Andrea Klein geht es darum Freude in der Lehre wiederzufinden oder weiterzuentwickeln. Der Resignation in der Ausübung des lehrenden Berufes soll mit dem Aufbau einer neuen coachenden Haltung entgegengewirkt werden. Dieses Buch verdeutlicht dem Lesenden den Begriff Coaching, den Nutzen der coachenden Haltung in der Lehre sowohl für die Lehrenden als auch für die Studierenden. Ganz praktisch können sich Leser:innen mit Instrumenten wie Zuhören, Fragen stellen, Vier-Phasen-Modell des Lernens sowie Impulssetzung in der Lehre auseinandersetzen. Die Autorin weist unter anderem auf die Grenzen der coachenden Haltung in der Lehre und bei der Begutachtung studentischer Arbeiten hin. Solche Grenzen können durch psychischen Zustand oder kritische Lebensphasen der Studierenden entstehen. Der Rollenwechsel vom Betreuer zum Bewerter wird von der Autorin angesprochen.

Autorin

Andrea Klein ist Dozentin, Coach und Autorin. Promovierte BWL-in, die Anglistik, Politikwissenschaft und Psychologie studierte, gibt ihr bisher persönlichstes Buch heraus. Autorin fand ihre Berufung in der Zielverwirklichung anderer Menschen in der Lehre. Bei diesem Buch geht es nicht um die Freude in der Lehre selbst, sondern um die persönliche Haltung der Autorin dazu. Bisher schrieb sie Bücher zum wissenschaftlichen Arbeiten wie “Wissenschaftliches Arbeiten im dualen Studium”, “Wissenschaftliche Arbeiten schreiben'', „Praktischer Leitfaden mit über 100-Software-Tipps” sowie “Mein Start in die Hochschullehre. Ratgeber für Erstlehrende.”

Aufbau

Das Buch erstreckt sich über 143 Seiten. Nach einer Einleitung folgen sechs Kapitel. Jedes Kapitel beginnt mit einer kleinen Einführung, die neugierig auf den Inhalt des Kapitels macht. Es werden Impuls- oder Wichtig-Blöcke für die Leser:innen eingesetzt. Gleichwohl werden Blöcke mit Beispielen aus der Lehre, Interviewausschnitte oder Aussagen von Experten integriert. Die Schriftart ist klar und gut lesbar. Die Aufteilung in Absätze oder Hervorhebungen durch Einzug, Kursivschrift oder farbliche Hervorhebungen erscheint optisch harmonisch und sinnvoll. Mit einem Nachwort, Literaturverzeichnis, Literaturempfehlungen, einem Register sowie Informationen zur Autorin endet das Buch.

Inhalt

Einleitung

In der Lehre an der Hochschule kommen die Lehrenden oft an ihre Grenzen. Sie wünschen sich, dass Lehre mehr Freude und weniger Belastung mit sich bringt. Einige haben gänzlich resigniert und glauben kaum noch an eine Möglichkeit mit Freude lehren zu können. Einen Weg zum besseren Verständnis und letztendlich besserer Erreichbarkeit der Studierenden sowie eigener Weiterentwicklung möchte die Autorin mit diesem Werk aufzeigen. Sie verwirft den Gedanken, dass weitere Didaktik-Tools und -Methoden Lehrende voranbringen. Eher stellt sie mit den Inhalten dieses Buches eine tiefergehende Beschäftigung mit der eigenen Haltung gegenüber sich selbst, gegenüber den Studierenden und gegenüber der Lehre in den Mittelpunkt. Sie geht auf das Prinzip des pädagogischen Doppeldeckers ein und stellt eine Grundsatzhypothese auf: „Was Sie selbst erfahren oder lernen bzw. wie Sie selbst sich entwickeln, wirkt indirekt auf Ihre Studierenden. Erst wenn Sie selbst die Hebel gefunden haben, mit denen Sie Ihre eigene Welt ändern können, sind Sie auch in der Lage, mit den Studierenden in ähnlicher Weise zu arbeiten und sie gut anzuleiten.“ (S. 12) Hier bestimmt die Autorin die Zielgruppe des Werkes. Es sind Lehrende der Hochschulen, die Ihre Lehre qualitativ verbessern wollen; Lehrende an Hochschulen, die bereits positive und/oder negative Erfahrungen gesammelt haben und dennoch das Gefühl haben auf der Stelle zu treten oder Ihre Motivation und Freude verloren haben; Lehrende an Hochschulen, die erst wenig gelehrt haben und Einsteiger:innen, die von vornherein ihre Haltung zur Lehre reflektieren wollen. Außerdem stellt sie die Inhalte des Buches kurz vor. Sie weist daraufhin, dass das Buch keinen wissenschaftlichen Anspruch hat, vielmehr widmet sie sich der handlungsrelevanten Seite der angesprochenen Themen.

Im ersten Kapitel unter dem Titel „Gute Lehre“ begibt sich die Autorin auf die Suche nach der Antwort, was ist gute Lehre? Sie definiert Raum, Zeit und Ruhe als drei wesentlichen Faktoren eines gelungenen Lern- und Lehrvorgangs. Sie grenzt Freude und Spaß im Kontext der Lehre voneinander ab. Die Perspektive aus der das Buch geschrieben wurde, ist eine persönliche Reflexion der Erfahrungen bei der ein Zusammenhang von Freude und coachenden Haltung in der Lehre hergestellt wird.

Im zweiten Kapitel „Coaching: Ablauf und Ansätze“ wird Coaching als Begriff erklärt. Dem Leser:innen wird Ablauf eines Coachingprozesses sowie seine zwei Ansätze, der autonome und der autoritäre, vorgestellt. Der autonome Coaching-Ansatz sieht vor, dass der Coachee im Mittelpunkt des Prozesses steht und mit der Begleitung des Coaches das Anliegen aus mehreren Perspektiven betrachtet und analysiert, sodass neue Handlungsinitiativen entstehen. Beim autoritären Coaching-Ansatz wird erst die Diagnose durch den Coach gestellt. Der Coach übernimmt hierbei die Verantwortung sowohl für die korrekte Diagnose als auch für das Ergebnis. Hier wird direktive Beratung erkennbar. Der autonome Coaching- Ansatz spiegelt die Perspektive der Autorin auf die Lehre wider. Selbstcoaching beschreibt sie als umständlich.

Konstruktivismus, systemisches Denken sowie lethologische Haltung, die eine Haltung des bewussten Nicht-Wissens bezeichnet, werden im dritten Kapitel „Die coachende Haltung“ als Bausteine der coachenden Haltung vorgestellt. Hier erfahren Leser:innen welchen Nutzen diese Haltung bringt und wie sie erlangt werden kann. Verantwortung für das Lernen, Gestaltung der Lehrmöglichkeiten und Eigeninteresse der Studierenden sind hier die zentralen Begriffe. Das eigene Menschenbild, Verständnis von Lehre, Rollenklärung, die verschiedenen Arten von Expertise und die Änderung der ungünstigen Denkmuster bilden Grundlage zur Erlangung der coachenden Haltung. Die Autorin greift den Fachbegriff des pädagogischen Doppeldeckers auf und entwickelt zehn Haltungsthesen, die den Lehrenden dazu anregen können, neue Entwicklungsziele für sich zu definieren.

Im vierten Kapitel „Die coachende Haltung in der Lehre“ geht es um die praktische Umsetzung der coachenden Haltung in der Lehre. Die Lehre findet Co-Kreativ statt, wenn aus der coachenden Haltung herausgearbeitet wird. Gute Fragen, als zentrales Instrument des Coachings, werden in die Lehre prozessbegleitend impliziert. Das Zuhören, den nächsten Schritt erkennen und Impulse setzen, werden gleichwohl hier als grundlegende Fähigkeiten thematisiert. Diese Fähigkeiten können auch ohne eine abgeschlossene Coaching-Ausbildung angewandt werden.

Im Kapitel fünf zeigt die Autorin die Grenzen in der Arbeit mit einer coachenden Haltung in der Lehre und bei der Begutachtung studentischer Arbeiten. Solche Grenzen können durch psychischen Zustand oder kritische Lebensphasen der Studierenden entstehen. Hier ist die reflektierte professionelle Abgrenzung des Lehrenden von Bedeutung, da durch die coachende Haltung eine vertrauensvolle Beziehung zu den Studierenden aufgebaut wird. Der Wechsel der Rolle des vertrauensvollen Begleiters zum Begutachter wird von der Autorin als ein Spannungsfeld der neuen Haltung erläutert.

Das sechste Kapitel unter dem Namen „Entwicklung? Entwicklung!“ hebt Wichtigkeit der persönlichen Reflexionsfähigkeit und der Offenheit für die eigene Weiterentwicklung des Lehrenden hervor. „Wenn ich offen für meine Eigenentwicklung bin, kann ich anderen besser beim Lernen und bei ihrer Entwicklung helfen.“ (S. 75) Dem Lernen am Modell, einer Wertschätzung im Umgang mit Studierenden, einer Atmosphäre, wo einander zugehört, kluge Fragen gestellt werden und Irritationen entstehen und ausgehalten werden können, wird von der Autorin eine entwicklungssichere Zukunft zugeschrieben. Die Autorin schließt hier den Bogen zum Anfang des Buches und beschreibt zusammengefasst die weitere Vorgehensweise auf dem Weg zur Freude in der Lehre.

Diskussion

Die Wichtigkeit des eigenen Vorbilds wird in diesem Buch stark thematisiert, genauso wie die systemische Perspektive auf die Lehre. Die Themen der intrinsischen Motivation und der systemischen Sicht sind, meiner Meinung nach, in ihrer Aktualität und Zeitrelevanz gut in diesem Buch erläutert.

Das Buch regt zum Reflektieren der eigenen Haltung an. Es motiviert, indem es hilft neue Entwicklungsziele zu definieren und somit die Lehre und die Zusammenarbeit mit Studierenden positiv und ergebnisreich für beide Seiten zu gestalten. Die Abhängigkeiten und Zusammenhänge zwischen Freude und produktivem Lernen sowie den Methoden des Coachings werden plausibel erklärt.

Die Ableitung von Haltungsthesen des „Doppeldeckers“ weckt das Interesse zur Umsetzung. Für die Zielgruppe des Werkes ist das Lesen dieses Buches sinnvoll. Dennoch stellt sich für mich die Frage, ob einer Resignation in der Lehre entgegengewirkt werden kann, wenn die Haltung verändert wird. Dafür müsste für mich als Erstes das Ausmaß der Resignation bestimmt werden. Interessenten dieses Buches, die bereits eine systemische oder coachende Vorbildung haben, werden keine signifikant neuen Erkenntnisse aus diesem Buch ziehen.

Fazit

Andrea Klein definiert Raum, Zeit und Ruhe als Wesentlich für eine gelungene Lehre. Es wird ein Zusammenhang zwischen Freude und coachenden Haltung hergestellt. Das eigene Menschenbild, Verständnis von Lehre, Rollenklärung, die verschiedenen Arten von Expertise sowie Arbeit an eigener Haltung bilden die Grundlagen einer coachenden Haltung. Die Autorin entwickelt zehn Haltungsthesen, die die Lehrenden dazu anregen können, neue Entwicklungsziele für sich zu definieren. Das Werk verschafft einen Einblick in das Coaching und gibt einige wichtige Werkzeuge für die Arbeit mit Studierenden zur praktischen Umsetzung und Einübung an die Hand. Grenzen der coachenden Haltung werden aufgezeigt. Die Autorin hebt die Wichtigkeit der persönlichen Reflexionsfähigkeit und der Offenheit für eigene Weiterentwicklung des Lehrenden hervor. Sie macht auf das Arbeiten an der eigenen coachenden Haltung und der systemischen Sicht in der Lehre neugierig. Das Buch soll als Einsteigerwerk in diese Thematik verstanden werden. Interessenten dieses Buches, die bereits eine systemische oder coachende Vorbildung haben, werden keine signifikant neuen Erkenntnisse aus diesem Buch ziehen. Dennoch können die Methoden, die hier vorgestellt wurden, gut in die Praxis integriert werden.

Rezension von
Olga Aleyt
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Es gibt 1 Rezension von Olga Aleyt.

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Zitiervorschlag
Olga Aleyt. Rezension vom 25.11.2022 zu: Andrea Klein: Mit Freude lehren. Was eine coachende Haltung an der Hochschule bewirkt. UTB (Stuttgart) 2022. ISBN 978-3-8252-5744-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29529.php, Datum des Zugriffs 30.11.2022.


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