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Jürgen Zerth (Hrsg.): Leben und Versorgung gestalten nach Corona

Rezensiert von Prof. Dr. Paul Brandl, 09.08.2022

Cover Jürgen Zerth (Hrsg.): Leben und Versorgung gestalten nach Corona ISBN 978-3-17-041066-4

Jürgen Zerth (Hrsg.): Leben und Versorgung gestalten nach Corona. Lernen und Lehren aus der Krise. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2022. 203 Seiten. ISBN 978-3-17-041066-4. 39,00 EUR.
Reihe: Versorgung gestalten - 4
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Die Herausgeber

Jürgen Zerth, lehrt Wirtschaftswissenschaften und Gesundheitsökonomie an der SRH Wilhelm Löhe;

Elmar Nass bekleidet den Lehrstuhl für christliche Sozialwissenschaften und gesellschaftlicher Dialog an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie;

Michael Garkisch lehrt Sozialmanagement an der Fachhochschule Erfurt;

sowie weitere 21 AutorInnen.

Thema und Zielsetzung

Die 13 Artikel sind vor dem jeweiligen Interessenshintergrund der Autoren zu verstehen. 13 verschiedene Zugänge mit eigenständigen Positionen wurden in einem Sammelband von 21 AutorInnen zu drei Kapiteln zusammengefasst:

1. Grundlegende Gedanken und Fragen an eine gesellschaftliche „Resilienz“ durch Corona

Im ersten Beitrag eröffnet Peter Schallenberg mit der Titelsetzung „Leben-Gesundheit-Staat“ einen weiten Bereich. Werteorientiert geht Elmar Nass in die Corona-Ethik, wobei dem Thema Triage großer Raum gewidmet wird. Mit der Irenik – Gegenstück zur Polemik – geht Werner Schönig mit einem Stresstest auf die bedingte Resilienz der bundesdeutschen Sozialordnung ein. Schließlich wagt Hannes Jännert noch einen Blick in die Zukunft hin zu einem Neustart nach Corona. Er sieht die Bürgergesellschaft im Wandel.

2. Handlungsfelder der Corona-Politik

Welche Lehren zieht Andreas Mayert aus der Auseinandersetzung zwischen wirtschaftlicher Freiheit und Effizienz einerseits und solidarischer Absicherung andererseits. Er fokussiert dabei auf Homeoffice. Anschließend setzen sich Knöpfler/​Zerth mit der Impfpriorisierung und Impfpflicht auseinander – dies vor dem Hintergrund einer integrativen Medizinethik. Felix Heider setzt sich mit der Geldpolitik der EZB in der Coronakrise auseinander – ein kontrafaktisches Gedankenexperiment. Fleischmann/​Kleining/​Brakmann/Glätzer nehmen die pharmazeutischen Innovationen nach Covid in den Mittelpunkt ihres Artikels.

3. Ausgewählte Anwendungsbeispiele

Einen Anwendungsbereich stellen Förster/​Duchek/​Geithner vor: Resilienz von Führungskräften –, ein weiterer die hybride Führung als Beschleuniger für eine neue Führungskultur von Depew. Das Studieren während der Pandemie ist ein Beispiel für eine explorative Bestandsaufnahme von Scholz/​Stang und ein Statusbericht aus der IT von Weigele/​Prins/​Ristok nimmt deren aktuelle und zukünftige Herausforderungen in den Fokus. Abgeschlossen wird das dritte Kapitel mit dem Covid-Schock (Werkmeister/​Oppelt) als Katalysator von Filialeinsparunge der gesetzlichen Krankenhaussen diskutiert wird.

Diskussion

13 Beiträge, 3 Herausgeber, 21 AutorInnen klingt zunächst nach einem breiten Meinungsspektrum, das in drei Foki zusammengefasst ist – werteorientiert. Zunächst werden grundlegende Gedanken und Fragen an eine gesellschaftliche „Resilienz“ durch Corona gestellt, indem der Bogen vom Leben über die Gesundheit zum Staat weit aufgespannt wird. Auch ein Kompass der Corona-Ethik kommt nicht zu kurz – incl. der christlichen Orientierung. Dabei wird die Notwendigkeit eines Wertebezugs mehrfach betont, wobei auf die naheliegenden Prinzipien der Medizinethik nicht wirklich eingegangen wird. Auch die Irenik wird bemüht, wenn es um einen ‚Stresstest und die bedingte Resilienz der bundesdeutschen Sozialordnung geht. Schließlich wird Digitalisierung als Beschleunigungsschub dargestellt wird – mit Folgen für die Bürger- und Zivilgesellschaft. Auch die „Future Skills“ würdrden auf der Suche nach einem neuen Demokratieverständnis nicht helfen. Die Chancen der Digitalisierung wären auch noch zu sehen. Was helfen würde bleibt unklar.

Als zweiter Fokus werden die Handlungsfelder der Corona-Politik zu einem Kapitel zusammengefasst. Ökonomische Lehren, Impfpriorisierung und -pflicht, die Geldpolitik der EZB und pharmazeutische Innovationen haben die Herausgeber als Themen ausgewählt. Die Auswirkungen von Corona etwa auf die vulnerablen Gruppen und die Bevölkerung, insbesondere auf die finanziell schlecht ausgestatteten Mitbürger, findet sich nur indirekt in diesem Kapitel wieder – ebenso die wertorientierten Handlungsbedarfe. Dies gilt damit auch für Lösungsansätze.

Das dritte Kapitel kann auf Grund des Umfangs der Publikation nur auf fünf Anwendungsbereiche eingehen: Die Resilienz von Führungskräften in pandemischer Zeit, die hybride Führung als Beschleuniger für eine neue Führungskultur, eine explorative Bestandsaufnahme zum Studieren mit praktischen Implikationen, die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen für die IT in der Altenhilfe. Der IT respektive den Trägerorganisationen wird dabei ein hoher Aufholbedarf konstatiert. Den Abschluss bildet ein Artikel zum Covid-Schock als Katalysator von Filialeinsparungen gesetzlicher Krankenkassen.

Eine Aneinanderreihung von Artikeln mit bemerkenswert wenig Information zu den AutorInnen und leider auch zu den Herausgebern. Auffällig ist die Wertorientierung, die für sich genommen auch sehr wichtig ist, da daran auch die Arbeitsabläufe und die IT ausgerichtet werden sollen.

Fazit

Die Breite der AutorInnen ist durchaus spannend, wo zumindest zwei Themenbereiche in Zeiten von Covid eines größeren Tiefganges entlang der Werteorientierung eine wertvolle Unterstützung für die LeserInnen sein könnten: Die Ethik mit den 4 Prinzipien der Medizinethik einerseits und ein Ausblick auf die Transformation der sozialen Dienstleister durch eine agile IT andererseits. So bleiben es wertorientierte Beiträge mit Möglichkeiten zum Weiterdenken für die LeserInnen. Eine Zusammenfassung oder eine Zusammenschau bleibt ebenfalls den LeserInnen überlassen.

Rezension von
Prof. Dr. Paul Brandl
war Professor für Organisationsentwicklung und Prozessmanagement, Berater für die Optimierung von Prozessen bei sozialen Dienstleistungen und Neugestaltung von sozialen Dienstleistungen insbesondere aus Sicht der KlientInnen und der Digitalisierung sowie dem prozessbasierten Qualitätsmanagement (pQMS extended®)
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Es gibt 102 Rezensionen von Paul Brandl.

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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 09.08.2022 zu: Jürgen Zerth (Hrsg.): Leben und Versorgung gestalten nach Corona. Lernen und Lehren aus der Krise. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2022. ISBN 978-3-17-041066-4. Reihe: Versorgung gestalten - 4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29531.php, Datum des Zugriffs 26.09.2022.


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