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Armin Schneider, Alexandra Gottschalk u.a.: Nachhaltige Kita-Sozialräume - gemeinschaftlich entwickeln

Rezensiert von Anne Bohn, 04.08.2022

Cover Armin Schneider, Alexandra Gottschalk u.a.: Nachhaltige Kita-Sozialräume - gemeinschaftlich entwickeln ISBN 978-3-8029-7607-0

Armin Schneider, Alexandra Gottschalk, Marina Swat: Nachhaltige Kita-Sozialräume - gemeinschaftlich entwickeln. Ein Wegweiser für kompetente Beteiligung. WALHALLA Fachverlag / metropolitan Verlag (Regensburg) 2021. 296 Seiten. ISBN 978-3-8029-7607-0. 39,95 EUR.
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Thema

In diesem Sammelband haben sich über 20 Fachleute rund um das Thema Sozialraumorientierung zusammengefunden, um dem Leser die verschiedenen Ansätze und Perspektiven zur gemeinschaftlichen Entwicklung nachhaltiger Kita-Sozialräume an die Hand zu geben.

HerausgeberInnen

Für die Herausgabe dieses Buches sind drei Personen verantwortlich.

Dr. phil. Armin Schneider ist Professor für Empirische Sozialforschung und Sozialmanagement und Dekan des Fachbereichs Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz sowie Direktor des Institutes für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit/​Rheinland-Pfalz (IBEB).

Dr. phil. Marina Swat ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in den regionalen Projekten „Nachhaltige Kita-Sozialräume – gemeinschaftlich entwickeln“ im Institut für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit/​Rheinland-Pfalz (IBEB).

Alexandra Gottschalk hat ihren Master in Bildungswissenschaften an der TU in Darmstadt absolviert und ist ebenfalls wissenschaftliche Mitarbeiterin in den regionalen Projekten „Nachhaltige Kita-Sozialräume – gemeinschaftlich entwickeln“ im Institut für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit/​Rheinland-Pfalz (IBEB).

Entstehungshintergrund

Mit dem Inkrafttreten des „Gute-Kita-Gesetzes“ im Dezember 2018 wurden einheitlichere Bildungschancen und Kita-Qualität in Deutschland angestrebt. Um den Bedarfen von Kindern und Familien hierbei gerecht zu werden, soll sich die Arbeit der sozialpädagogischen Fachkräfte an den Bedürfnissen des jeweiligen Sozialraums orientieren. „Um diese Entwicklungen zielführend anzutreiben, empfahl der Deutsche Verein bereits 2001, einen ganzheitlichen und umfassenden Planungsprozess zu organisieren“ (S. 19).

Dieses Praxishandbuch soll dem Leser als Arbeitshilfe dienen und als praxistauglicher Standard für ein homogenes Vorgehen in der gemeinsamen Weiterentwicklung von nachhaltigen, sozialräumlichen Konzepten fungieren. Laut der Herausgeberin Alexandra Gottschalk sollen stabile Strukturen geschaffen, bestehende Vernetzungen gestärkt und neue Fäden gesponnen werden, indem ein umfassender Einblick in angrenzende Themengebiete verdeutlicht sowie Entwicklungsprozesse zielführend gesteuert werden (vgl. S. 17 ff.).

Aufbau

Der Aufbau dieses Sammelbandes wird zur besseren Übersicht für den Leser unterschieden in eine Schnellübersicht der Kapitel sowie eine darauffolgende Gesamtinhaltsübersicht. Beide erweisen sich in der Erarbeitung des Werkes als sinnvoll, da das Buch die verschiedenen Ansätze und Perspektiven der Autoren zu vereinen versucht und die Texte daher von vielfältigen Schreibstilen geprägt sind. Um die Intention der Publikation eines fortlaufenden Prozesses einer nachhaltigen und gemeinschaftlichen Kita-Sozialraumentwicklung zu ermöglichen, weisen die Autoren zu Anfang auf ein Schema für richtungsweisende Handlungsleitlinien hin, welches diesen Prozess darstellen soll (vgl. S. 24).

Nach der Beschreibung der „Zielsetzung einer gemeinschaftlichen Entwicklung nachhaltiger Kita-Sozialräume“ werden die „Perspektiven auf Kita-Sozialräume“ vorgestellt.

Daraufhin werden in drei voneinander abgegrenzten Praxiskapiteln folgende Themenbereiche erarbeitet: „Partizipation und Transparenz“; „Analyse der Ausgangslage“; „Zusammenführung, Interpretation, Fortschreibung und Evaluation“.

Die AutorInnen legen in einem weiteren Kapitel „konzeptionelle Schwerpunkte als Wegweiser für kompetente Beteiligung“ fest und führen „Impulse einer gemeinschaftlichen und nachhaltigen Kita-Sozialraum-Entwicklung“ aus. Im Anschluss widmen sich die AutorInnen dem Kapitel „Grundsätzliches, Rechtliches und für einen bundesweiten Kontext Interessantes in Sachen Sozialraumorientierung und Sozialraumbudget“. Die HerausgeberInnen stellen außerdem die „sozialräumliche Entwicklung als Motor organisationaler Lernprozesse/​Organisationsentwicklung“ vor, bevor Armin Schneider mit einem „Ausblick“ abschließt.

Inhalt

Im ersten Kapitel geht Alexandra Gottschalk auf die Zielsetzung des Buches ein. Sie stellt eine Verbindung zum „Gute-Kita-Gesetz“ her und beschreibt die damit einhergehende Notwendigkeit von „institutionellen Anpassungen und Weiterentwicklung im Sinne der übergreifenden Zusammenarbeit im kommunalen Raum“ (S. 19). Gottschalk stellt „Handlungsleitlinien für regionale Praxisprojekte zum Sozialraumbudgets des IBEB“ vor. Mithilfe dieser Leitlinien soll es gelingen, einen „Wegweiser zur kompetenten Beteiligung“ zu verfassen (S. 22). Die Handlungsleitlinien stellen den roten Faden der Publikation dar und lauten wie folgt:

Nachhaltige

o Handlungsfähigkeiten der Regionen stärken

o Nachhaltigkeit des Gesamtprozesses stärken

Kita-Sozialräume

o Bedarfe und Ressourcen berücksichtigen

o Methodenmix anwenden

Gemeinschaftlich

o Partizipatives, diskursives, transparentes Vorgehen

Entwickeln

o Ganzheitlichkeit berücksichtigen

o Individualität schätzen (vgl. S. 24).

Im zweiten Kapitel werden die unterschiedlichen Perspektiven auf Kita-Sozialräume und deren Einfluss analysiert. Anna Battke widmet sich zunächst den Kindern im Sozialraum, Andreas Winheller schließt daran an mit der Perspektive der Eltern. Michael Noak erörtert die Funktion des Raums für Kitas und Familien und Armin Schneider versucht die „Tücken einer Kategorisierung“ (vgl. ebd. S. 63) von Regionen aufzuzeigen. Mithilfe einiger Praxisanregungen gelingt es Lara Schindler, die digitalen Elemente im Sozialraum mit einem bedarfsgerechten Einsatz zu verbinden. Dolf Mehring stellt einen Bezug zur Kommunalpolitik her und Ullrich Deinet rundet das Kapitel schließlich in Zusammenarbeit mit Heike Gumz ab, indem sie sich der Kita als Ort im Sozialraum zuwenden.

Das dritte Kapitel ist das erste von drei Praxiskapiteln und wurde verfasst zum Baustein Partizipation und Transparenz. Die Möglichkeiten und der Gewinn beider Auffassungen werden verdeutlicht. Sabrina Bläser berichtet von den „rechtlichen Grundlagen und Steuerungsperspektiven in Anbetracht einer sozialräumlichen Steuerung“, während Elisabeth Bahner die „Gemeinwesenarbeit in nachhaltigen Kita-Sozialräumen“ vorstellt. Martina Pokoi beschäftigt sich mit den Herausforderungen einer „transparenten, diskursiven und partizipativen Kita-Sozialraumentwicklung“.

Im vierten Kapitel werden mithilfe der Analyse der Ausgangslage „methodische Zugänge zum Kita- Sozialraum“ von Steffen Kröhnert erläutert. Die „Zugänge zu sozialräumlich relevanten Daten“ werden von Jaqueline Brossart beschrieben. Marina Swat und Andy Schieler stellen ein Modell der „partizipativen Planung und Methodenhandling in fünf Phasen“ vor.

Das fünfte Kapitel soll dem Leser die Zusammenführung, Interpretation, Fortschreibung und Evaluation in der Praxis erleichtern. In diesem Rahmen legt Daniela Menzel ihren Schwerpunkt auf „handlungspraktische Empfehlungen zur Zusammenführung und Interpretation von sozialräumlichen Erhebungen“ und Andy Schieler erklärt ein Verfahren zu „Evaluation sozialräumlicher Konzeptionen“.

Die Praxiskapitel „verdeutlichen mithilfe von theoretischem Hintergrund sowie der Benennung von Beispielen die Notwendigkeit der Berücksichtigung der vorgestellten [Handlungsleitlinien]“ (S. 97).

Im sechsten Kapitel werden konzeptionelle Schwerpunkte als Wegweiser für kompetente Beteiligung festgelegt. Anika Reifenhäuser berichtet „von den Chancen und Herausforderungen der Kita-Sozialarbeit“ und auch Thomas Drößler stellt die Kita-Sozialarbeit als „Versuch einer Verortung im Feld der Kindertagesbetreuung“ vor. Michael Tobaben, Sylke Bilz und Vera Pelzer beschäftigen sich mit der Thematik „von der Kindertageseinrichtung zum Kinder- und Familienzentrum“ und der Fragestellung, „wie Kitas zu Orten der integrierten Leistungserbringung für Familien im Sozialraum werden“.

Das siebte Kapitel nutzt Armin Schneider, um dem Leser Impulse einer gemeinschaftlichen und nachhaltigen Kita-Sozialraum-Entwicklung mitzugeben. Auch in diesem Kapitel liegt der Schwerpunkt auf den Werten der Nachhaltigkeit und der Beteiligung der verschiedenen agierenden Personen. Nachhaltigkeit charakterisiert Schneider als eine Haltung, bei der zukünftige Generationen Berücksichtigung im aktuellen Handeln finden (vgl. S. 215).

Im achten Kapitel widmen sich Xenia Roth und Sissi Westrich dem Grundsätzlichem, Rechtlichem und für einen bundesweiten Kontext Interessantes in Sachen Sozialraumorientierung und Sozialraumbudget. Hierbei greifen sie unter anderem Inklusion als Anspruch auf, knüpfen an Erfahrungen aus anderen Programmen des Landes Rheinland-Pfalz an, wie etwa den Spiel- und Lernstuben oder Kita!Plus, und benennen – „ganz praktisch“- Erfolgselemente der Sozialraumorientierung. Unter Beachtung des „Leitgedanken zum sozialen Ausgleich“ und der „rechtlichen Ausgestaltung des Sozialraumbudgets“, behalten die beiden Autorinnen „Beteiligungsprozesse“ im Blick und gehen schließlich auf die „ersten Schritte in der Umsetzung des Sozialraumbudgets“ ein.

Die Autorinnen beenden ihren Beitrag mit dem Abschnitt „Perspektiven“, der den Leser final zum neunten Kapitel leitet, in welchem Armin Schneider die sozialräumliche Entwicklung als Motor organisationaler Lernprozesse beschreibt. Neben den Individuen eines Sozialraums ist es ebenso bedeutend für die Sozialraumorientierung, die Organisationen zu berücksichtigen. Auch in diesen müssen Lernprozesse und Organisationsentwicklung erfolgen, um die vorhandenen Ressourcen optimal nutzen zu können (vgl. S. 241 ff.).

In einem Ausblick erhofft sich Armin Schneider, „mit dem Buch einen Beitrag dazu geleistet zu haben“, zu einem Aufbruch zur Umsetzung der Erkenntnisse, der nun „vonseiten der Praxis, Wissenschaft und der politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen möglich ist“ (S. 248).

Diskussion

Die VerfasserInnen erarbeiteten eine Publikation, die alle an der Entwicklung der Sozialraumorientierung Interessierten anspricht. Sie zeigen die Entwicklungsbedarfe in der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Politik deutlich auf und gehen genauso auf schon vorhandene Ressourcen ein und geben Impulse, wie diese genutzt werden können.

Die HerausgeberInnen selbst haben einen biografischen Bezug zur Thematik und haben zu Recht erkannt, dass aktuelle Fachliteratur zum Themenfeld der Sozialraumorientierung wenig vorhanden ist. Sie stellen die These auf, dass zur Umsetzung der von der Politik geforderten Sozialraumorientierung, diese und vor allem alle sozialräumlich tätigen professionellen Akteure einer Konzeptentwicklung bedürfen (S. 11).

Obwohl die Texte, wie die HerausgeberInnen bereits im Vorwort selbst ankündigen, nicht „aus einem Guss“ sind, gelingt ihnen eine umfassende und aufschlussreiche Auseinandersetzung auf dem Weg zu einer nachhaltigen und gemeinschaftlichen Entwicklung der Kita-Sozialräume (S. 15). Der Leser erhält die Möglichkeit, je nach Interesse selbst zu wählen, mit welchen Kapiteln und Schwerpunkten er sich intensiver beschäftigt, ohne dabei den Gesamtüberblick zu verlieren. Die verschiedenen Schreibstile und Herangehensweisen der AutorInnen erhöhen die Motivation, sich intensiv mit der Lektüre auseinander zu setzen.

Die zu Beginn vorgestellten Handlungsleitlinien sind durchweg und anschaulich in den Gliederungspunkten wieder zu finden und vermitteln dem Lesenden eine klare und stimmige Haltung der VerfasserInnen. Die Werte der Nachhaltigkeit und der kompetenten Beteiligung verweben die Inhalte der Publikation plausibel und überzeugend. Das Ziel des Buches, dem Leser die verschiedenen Ansätze und Perspektiven zur gemeinschaftlichen Entwicklung nachhaltiger Kita-Sozialräume an die Hand zu geben, konnten die AutorInnen somit gut umsetzen. Als Teil des Prozesses der Handlungsleitlinien wurden wertvolle Hinweise für ein langfristiges Gelingen gegeben und der Praxisbezug abgerundet.

Fazit

„Nachhaltige Kita-Sozialräume – gemeinschaftlich entwickeln. Ein Wegweiser für kompetente Beteiligung“ von Armin Schneider, Marina Swat und Alexandra Gottschalk nimmt die Entwicklung von Kita-Sozialräumen in den Blick und dient dem Lesenden als Arbeitshilfe hierbei. Die HerausgeberInnen legen in diesem Sammelband ihren Schwerpunkt auf eine nachhaltige und gemeinschaftliche Auseinandersetzung, wobei die Herangehensweisen der unterschiedlichen AutorInnen so vielfältig wie die Thematik selbst ausfallen. Es ist ihnen gelungen, dem Lesenden Impulse für die Praxis an die Hand zu geben, um die Sozialraumorientierung vor Ort langfristig und kompetent zu gestalten.

Rezension von
Anne Bohn
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Zitiervorschlag
Anne Bohn. Rezension vom 04.08.2022 zu: Armin Schneider, Alexandra Gottschalk, Marina Swat: Nachhaltige Kita-Sozialräume - gemeinschaftlich entwickeln. Ein Wegweiser für kompetente Beteiligung. WALHALLA Fachverlag / metropolitan Verlag (Regensburg) 2021. ISBN 978-3-8029-7607-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29532.php, Datum des Zugriffs 11.08.2022.


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