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Henrik Kessler: Kurzlehrbuch medizinische Psychologie und Soziologie

Rezensiert von Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke, 28.07.2022

Cover Henrik Kessler: Kurzlehrbuch medizinische Psychologie und Soziologie ISBN 978-3-13-244173-6

Henrik Kessler: Kurzlehrbuch medizinische Psychologie und Soziologie. Georg Thieme Verlag (Stuttgart) 2021. 4., überarbeitete Auflage. 296 Seiten. ISBN 978-3-13-244173-6. D: 34,99 EUR, A: 36,00 EUR.
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Thema

Der Titel des Buches beschreibt Thema und Zielsetzung bereits klar und unmissverständlich: Es handelt sich um ein „Kurzlehrbuch“ auf dem Feld „Medizinische Psychologie und Soziologie“.

Dabei greift der Autor die entsprechenden (Lehr-)Inhalte des medizinischen (vorklinischen) Faches „Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie“ in Gänze und gleichzeitig kurz und prägnant auf. Kesslers Ziel ist es, Studierende auf die entsprechenden Prüfungen in Medizinischer Psychologie und Soziologie vorzubereiten, indem er die Inhalte des Prüfungskataloges komplett und kompakt adressiert.

Autor

Henrik Kessler ist außerplanmäßiger Professor an der Ruhr-Universität Bochum. Er hat Medizin und Philosophie in Ulm studiert, in Medizin promoviert und war viele Jahre an der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Ulm unter Horst Kächele tätig, bevor er in Ulm habilitierte und seine Laufbahn an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bonn in Forschung und Lehre fortsetzte. Bevor er 2013 als Oberarzt an die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums der Ruhr-Universität Bochum wechselte, war er stellvertretender Direktor der Abteilung für Medizinische Psychologie in Bonn.

Entstehungshintergrund

Die erste Auflage des Buches wurde von Julia Schüler und Franziska Dietz erstellt. Ihnen folgte Simone Rothgangel. Der aktuelle Autor hat das Buch dann im Jahre 2015 in die dritte und schließlich 2021 in die vierte Auflage geführt, nachdem Studierende in einer Umfrage Henrik Kessler mehrheitlich als Wunschautoren angegeben hatten.

Aufbau und Inhalt

Das Buch enthält ein Extraheft, den sog. „Faktentrainer“. Letzterer enthält die wichtigsten Definitionen in Kurzform und verweist auf die ausführliche Darstellung der jeweiligen Sachverhalte im Buch mit der Nennung der entsprechenden Seiten. Darüber hinaus sind elektronische Supplements enthalten, die über einen Freischaltcode vom Leser/​Besitzer des Buches aktiviert werden können.

Das Buch gliedert sich in zwölf Kapitel, von denen jedes mit einer kleinen Einleitung in Form einer Fallvignette beginnt. Die Kapitel sind durchzogen von Merkkästen und hervor gehobenen „Check-up“- und „Lerncoach“-Markierungen.

Das Buch beginnt nach einem kurzen Vorwort und dem sehr kleinschrittigen Inhaltsverzeichnis mit einem Kapitel über die „Bezugssysteme von Gesundheit und Krankheit“. In diesem Kapitel werden grundsätzliche Begriffsdefinitionen und -erklärungen geliefert. Dabei geht es zunächst um die zentralen Begriffe Gesundheit und Krankheit, bevor sich der Autor dem Patienten und seiner Wahrnehmung widmet, um dann „Die Medizin als Wissens- und Handlungssystem“ zu beleuchten und das Kapitel mit einem Blick auf das Gesundheits- und Sozialsystem (und weitere Aspekte) abzuschließen.

Im zweiten Kapitel stehen „Gesundheits- und Krankheitsmodelle“ im Vordergrund. Dabei beleuchtet Henrik Kessler mehrere teilweise durchaus unterschiedliche Modelle und beginnt mit den Verhaltensmodellen. Darauf folgend beschäftigt er sich mit psychobiologischen Modellen und kommt darüber zu psychodynamischen Modellen, sozialpsychologischen Modellen und schließlich zu soziologischen Modellen. Die Modelle werden jeweils kurz und knapp aber mit dem „Blick für's Wesentliche“ dargestellt und entsprechend mit Schaubildern illustriert. Das größte Gewicht bzw. die ausführlichste Darstellung entfällt dabei auf die psychodynamischen Modelle.

„Methodische Grundlagen“ werden im dritten Kapitel gelegt. Hier lernt der Leser im wahrsten Sinne des Wortes „Grundlegendes“ über die in den Gesundheitswissenschaften und der Medizin relevanten methodischen Vorgehensweisen. Dabei beginnt Henrik Kessler mit der Erklärung, wie man Hypothesen bildet und diese bearbeitet. Dieses Unterkapitel wird gefolgt von einem Unterkapitel über wissenschaftliche Konstrukte und Operationalisierungen. Auch die Frage der Testdiagnostik mit einem Blick für Normierungen und Gütekriterien bleibt nicht unbeantwortet. Sodann wendet sich der Autor der Planung bzw. Konzeption von Studien zu und erklärt dem Leser dabei verschiedene Begriffe. Schließlich erklärt er dem Leser verschiedene Möglichkeiten der Stichprobenziehung. Auch über sozialwissenschaftliche und psychobiologische Methoden (zur Datengewinnung) gibt der Autor Auskunft. Am Ende des dritten Kapitels kommt er schließlich auf die Datenauswertung und Ergebnisbewertung zu sprechen.

Das vierte Kapitel legt „Theoretische Grundlagen“, wobei Henrik Kessler in diesem sehr ausführlichen Kapitel zahlreiche in der Psychologie hoch relevante Aspekte bzw. Begriffe wie z.B. Lernen, Kognition, Emotion, Motivation anspricht aber auch soziologische Aspekte wie z.B. die Sozialisation und die Entwicklung im Lebenslauf sowie die (Sozio-) Demographie nicht außer Acht lässt.

Ein kurzes aber zentrales Kernkapitel ist das Kapitel über die „Arzt-Patienten-Beziehung“. Hier stehen Rollenbegriffe wie die Arztrolle und die Patientenrolle im Fokus aber auch verbale sowie non-verbale Aspekte der Kommunikation (zwischen Arzt und Patient) bleiben keineswegs unerwähnt.

Kapitel sechs widmet sich der ärztlichen „Urteilsbildung und Entscheidung“ auf der Basis von diagnostischen Aspekten und Aspekten der Urteilsqualität.

„Interventionsformen“ stehen im Zentrum des siebten und recht kurzen Kapitels, das vom achten Kapitel über „Besondere medizinische Situationen“ gefolgt wird. Hier wendet sich der Autor bestimmten (ärztlichen) Handlungs- und Beratungssettings zu und thematisiert beispielsweise die Intensiv-, Notfall- aber auch Transplantationsmedizin und lässt auch weitere mitunter „heikle“ aber sicherlich oftmals schwierige Bereiche wie die humangenetische Beratung und die Sexualmedizin nicht aus. Dieses Kapitel beendet er mit Ausführungen über den Sterbeprozess, den Tod und Trauer.

Mit dem neunten Kapitel über „Patient und Gesundheitssystem“ schafft Henrik Kessler den Übergang vom Individuum zu einem größeren institutionellen Kontext in den darauf folgenden Kapiteln. Im neunten Kapitel wendet sich der Autor aber erst einmal dem Prozess des Hilfesuchens des Patienten im Gesundheitssystem zu und klärt im Anschluss über Bedarfe und Bedürfnisse sowie über sog. „Patientenkarrieren“ im Versorgungssystem auf. Auch „Das Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen“ bleibt nicht unberücksichtigt.

In den Kapiteln zehn und elf nähert Henrik Kessler sich den Gesundheitswissenschaften an und verlässt die Kerngebiete der Medizin. Im zehnten Kapitel klärt er den Leser über die verschiedenen Arten der Prävention (prim., sek., tert.) auf. Im letzten inhaltlichen Kapitel stellt er dann verschiedene „Maßnahmen“ dar; dabei beginnt er diese Darstellung mit Ausführungen über Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung und wechselt dann auf das Feld der Verhaltensänderungen als gewissermaßen Adressat von Maßnahmen bzw. Interventionen. Dieses Kapitel schließt er mit einer Betrachtung über „Die Rehabilitation, die Sozialtherapie, die Selbsthilfe und die Pflege“ ab.

Kapitel 12 enthält dann zunächst einen Link bzw. QR-Code zu Videos über besondere Arzt-Patienten-Gespräche und enthält noch ein Stichwortverzeichnis. Ein Quellenverzeichnis sucht der Leser in der gedruckten Fassung des Buches vergebens.

Zielgruppe

Die Zielgruppe des Buches ist eng definiert: Es sind (primär) Studierende der Medizin im vorklinischen Abschnitt, die sich im Rahmen des ersten Abschnittes der ärztlichen Prüfung (Physikum) der Prüfung in Medizinische Psychologie und Medizinischer Soziologie stellen müssen. Für diese Zielgruppe ist das Buch spezielle konzipiert.

Aber auch weitere Personenkreis, die mit Patienten und/oder Klienten interagieren haben sicherlich einen erheblichen Mehrwert von der Lektüre.

Diskussion

Das Buch enthält die Essenz der Medizinischen Psychologie und Soziologie. Diese Engführung geht zwar zu Lasten einer gewissen Ausführlichkeit und Tiefe der Betrachtung der verschiedenen Betrachtungsgegenstände, sie ermöglicht dem Leser aber einen zeitsparenden Ein- und Überblick. Der Leser erhält den Blick für das Wesentliche und letztendlich auch für den Gegenstandskatalog der Prüfung im Fach der Medizinischen Psychologie und Soziologie. Somit würde der nicht gerade vom Prüfungsstress und Zeitmangel geplagte Leser sich sicherlich oftmals ausführlichere Informationen, Darstellungen und Ausführungen wünschen; für die Prüfungsvorbereitung von unter Zeitmangel und Prüfungsstress stehenden Studierenden der Medizin ist das Buch aber sicherlich ein optimaler Begleiter.

Fazit

Henrik Kessler ist es gelungen, die Medizinische Psychologie und Soziologie verständlich und kompakt auf den Punkt zu bringen. Das ist sicherlich keine leichte Aufgabe in einem Fach bzw. einer Disziplin mit eher unscharfen Grenzen. Der Autor bewegt sich dabei in den Grenzen des Gegenstandskataloges für die Studierenden der Medizin, was gewissermaßen die Abgrenzung nach „Außen“ leichter macht. Dabei schafft er es gekonnt, prägnant und präzise, sich in diesem Gegenstandskatalog zu bewegen und die durchaus sehr unterschiedlichen und vielgestaltigen Inhalte kurz und klar zu erklären. Somit schafft er es, die Inhalte der Medizinischen Psychologie und Soziologie dem vom Prüfungsstress geplagten (studierenden) Leser rasch eingängig zu machen. Insbesondere für Studierende der Medizin ist die Lektüre dieses (Kurz-) Lehrbuches daher ein echter Gewinn.

Rezension von
Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Professur für Medizin in Sozialer Arbeit, Bildung und Erziehung. Hochschule der Bundesagentur für Arbeit Mannheim
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Es gibt 69 Rezensionen von Andreas G. Franke.

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Zitiervorschlag
Andreas G. Franke. Rezension vom 28.07.2022 zu: Henrik Kessler: Kurzlehrbuch medizinische Psychologie und Soziologie. Georg Thieme Verlag (Stuttgart) 2021. 4., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-13-244173-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29559.php, Datum des Zugriffs 11.08.2022.


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