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Yvonne Ferreira, Simone Kauffeld (Hrsg.): Arbeitszufriedenheit

Rezensiert von Patricia Großmann, 30.09.2022

Cover Yvonne Ferreira, Simone Kauffeld (Hrsg.): Arbeitszufriedenheit ISBN 978-3-17-035122-6

Yvonne Ferreira, Simone Kauffeld (Hrsg.): Arbeitszufriedenheit. Grundlagen, Anwendungsfelder, Relevanz. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2020. 229 Seiten. ISBN 978-3-17-035122-6. 29,00 EUR.
Reihe: Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie.

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Thema

Wenn von Arbeitszufriedenheit gesprochen wird, dann verbinden viele Menschen damit Motivation, Engagement, Gesundheit und Freude an ihrem Job. Auch Arbeitgeber versprechen sich von diesem Begriff attraktive Arbeitsplätze, motivierte Mitarbeitende und geringe Fehlzeiten. Doch was steckt hinter dem Begriff der Arbeitszufriedenheit? Aufgrund von technologischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen ist die Arbeitswelt einem stetigen Wandel unterzogen. Diese Veränderungen beeinflussen das Handeln und Erleben jedes Einzelnen und einer gesamten Organisation. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigt sich die Forschung, vor allem die Wirtschaftspsychologie mit dem Thema der Arbeitszufriedenheit.

Das Buch vermittelt einen Überblick in die Grundlagen und Anwendungsfelder der Arbeitszufriedenheit. Es beleuchtet die Geschichte der Arbeitszufriedenheit und nennt Argumente, die für oder gegen das Konzept sprechen. Es werden kurz und knapp Theorien sowie Erhebungsmethoden vorgestellt und Möglichkeiten aufgezeigt, wie Arbeitszufriedenheit sinnvoll und effektiv umgesetzt werden kann. Es wird dargestellt, wie sich der Begriff von anderen aktuellen Begriffen wie z.B. Commitement und Flowerleben abgrenzt, und welche personellen und situativen Faktoren die Arbeitszufriedenheit beeinflussen können. Ebenso werden Auswirkungen beschrieben, die einen Effekt auf das Arbeitsergebnis darstellen.

AutorIn oder HerausgeberIn

Prof. Dr. Yvonne Ferreira ist Professorin an der FOM Hochschule in Frankfurt und lehrt Wirtschaftspsychologie und ist Redakteurin der Zeitschrift für Arbeitswissenschaft.

Entstehungshintergrund

Während ihrer Tätigkeit am Institut für Arbeitswissenschaft in Darmstadt stieg ihr Interesse für das Thema der Arbeitszufriedenheit. Dieses und andere Themenfelder wie beispielsweise psychische Belastung, Personalentwicklung und Organisationsklima bearbeitete sie in der Theorie und in der beruflichen Praxis. Bis heute forscht sie zum Thema Arbeitszufriedenheit und lehrt als Privatdozentin an der TU Darmstadt.

Aufbau

Das Buch umfasst insgesamt 229 Seiten. Es besteht aus einem Vorwort zur Buchreihe, einer Danksagung und sieben Kapiteln sowie dem Literatur- und Stichwortverzeichnis. Zu Beginn des Buches wird die Autorin kurz vorgestellt. Innerhalb der Kapitel finden sich Grafiken, Fallbeispiele und eingerahmte Felder, die Prägnante Informationen beinhalten.

Kapitelübersicht:

  1. Grundlagen der Arbeitszufriedenheit
  2. Modelle und Theorien der Arbeitszufriedenheit
  3. Erhebungsmethoden
  4. Abgrenzung zu anderen Konzepten
  5. Personelle und situative Einflüsse auf Arbeitszufriedenheit
  6. Betriebliche Auswirkungen
  7. Ausblick

Inhalt

Das Buch ist Teil einer Buchreihe, die einen Einblick in verschiedene Forschungs- und Anwendungsfelder der Arbeits- Organisations- und Wirtschaftspsychologie bietet.

Das erste Kapitel umfasst die Grundlagen der Arbeitszufriedenheit. Hierbei geht es darum zu klären, was das Thema überhaupt so interessant macht. Es wird die Forschungsgeschichte betrachtet und deutlich, dass das Konzept der Arbeitszufriedenheit aufgrund des hohen Forschungsinteresses zu wertvollen und nachhaltigen Forschungsbemühungen führte, aber dennoch bis heute nicht vollumfänglich erforscht wurde. Um das Konstrukt möglichst umfassend darzustellen, wird ein Einblick in die Definitionsversuche und Ansätze der Kategorisierung von Arbeitszufriedenheit gegeben.

Anhand des breiten Fundus an wissenschaftlichen Materialien und Studien im Bereich der Arbeitszufriedenheit handelt das zweite Kapitel von Modellen und Theorien, die sich daraus ergeben und eine breite Zustimmung in der wissenschaftlichen Community erfahren. Dazu wird im ersten Schritt das Modell vorgestellt und mit Tabellen sowie Grafiken nachvollziehbar dargestellt. Anschließend folgt eine kurze Beschreibung zur Übertragung der Theorie auf die Arbeitswelt und eine Bewertung der Autorin über die inhaltlichen Aspekte des Modells. Abschließend werden die Modelle einem Fazit unterzogen, in der die Theorie zusammengefasst und Besonderheiten herausgestellt werden. Das Zürcher Modell wurde 2009 von Ferreira selbst empirisch gestützt und erweitert.

Über folgende Modelle wird berichtet:

  1. Maslows hierarchisches Modell der Motivation (1943)
  2. Herzbergs Zwei-Faktoren-Theorie (1959)
  3. Hackmans und Oldhams Job Characteristics Model (1975)
  4. Affective Events Theory (AET) nach Weiss und Cropanzano
  5. Zürcher Modell der Arbeitszufriedenheit und Zurich Model Revisited (1974/2009)

In Kapitel drei werden Erhebungsmethoden vorgestellt. Dazu wird im Einführungstext kurz beschrieben, dass aus Mangel an qualitativen Messungen sich primär auf Fragebögen bezogen wird. Es wird erklärt, wozu Fragebögen im Bereich der Arbeitszufriedenheit eingesetzt werden und welches Ziel die Messungen verfolgen. Anschließend folgt eine exemplarische Darstellung der Verfahren, welche die Arbeitszufriedenheit erfassen. Dabei wird sich einerseits auf Instrumente bezogen, die in der Forschung Anwendung finden und andererseits sich in der betrieblichen Praxis bewährt haben. Bei der Vorstellung der Erhebungsmethoden wird das theoretische Fundament der Instrumente erläutert und der Fragebogen anhand von Grafiken beispielhaft dargestellt. Anschließend findet eine Bewertung der Instrumente im Hinblick auf dessen Konzepte und dessen Eignung für die Forschung und Praxis statt. Der letzte Punkt des Kapitels hält Hinweise und allgemeine Empfehlungen von Neuberger (1980) für die Praxis bereit, die bei der Messung von Arbeitszufriedenheit in den Unternehmen und Betrieben angewendet werden können.

Im Kapitel vier wird eine wissenschaftliche Abgrenzung des Konzepts der Arbeitszufriedenheit zu anderen verwandten Ansätzen vorgenommen. Dazu werden die ähnlichen Konzepte kurz definiert und erläutert. Danach folgt eine Beschreibung, wie sie messbar gemacht werden können und sich von dem Konstrukt der Arbeitszufriedenheit unterscheiden. Einige Ansätze werden mithilfe von Tabellen und Grafiken dargestellt, um einen zusammenfassenden Überblick zu ermöglichen. Andere beinhalten zusätzlich den Punkt ‘Gründe und Konsequenzen‘, bei dem die Autorin das Konzept kritisch bewertet.

Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit den situativen und personellen Einflüssen auf die Persönlichkeit, da die Bewertung der Arbeitszufriedenheit abhängig von der Einschätzung der Personen ist. Begonnen wird in diesem Kapitel mit einem Exkurs zum Thema Emotionen, da diese den treibenden Motor für die Motivation darstellen. Dazu wird auf die Definition, Ursachen und Funktionsweise von Emotionen eingegangen und der Zusammenhang zwischen Emotionen und Arbeitszufriedenheit erläutert. Anschließend werden Ansätze beschrieben, welche die Persönlichkeit erfassen und beschreiben. Diese werden nachfolgend kurz erläutert und in Zusammenhang mit Arbeitszufriedenheit gestellt. Es werden beispielsweise Ansätze wie Core Self-Evaluations, Selbstregulation, Big Five oder Coping vorgestellt.

Arbeitszufriedenheit hat eine große Bedeutung in der betrieblichen Praxis. Arbeitnehmer und Arbeitgeber versprechen sich dadurch positive Effekte auf das Arbeitsergebnis. Kapitel sechs greift die Auswirkungen auf die Arbeitszufriedenheit auf, die einen Effekt auf das Arbeitsergebnis haben. Es werden Auswirkungen wie Leistung, Fehlzeiten, Fluktuation und innere Kündigung näher erläutert.

Im Ausblick (Kapitel 7) wird die Relevanz des Themas mit Blick auf die Zukunft herausgestellt. Es wird deutlich, dass die Betrachtung auf Arbeitszufriedenheit in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen hat. Es wird auf den Forschungsbedarf verwiesen, da in der betrieblichen Praxis neue Impulse benötigt werden. Wichtige Themen, die bisher noch nicht in Verbindung mit Arbeitszufriedenheit empirisch untersucht wurden, sind z.B. Lebensalter, kulturelle Gegebenheiten und psychische Belastung aber auch zukunftsorientierte Themen wie die Rolle der Digitalisierung und Datenpflege für Prognosen. Auf dem Fundament der Arbeitszufriedenheitsforschung kann aufgebaut werden, jedoch sollte sich die Wissenschaft darum bemühen, einheitliche Konzepte, Erhebungsverfahren und Definitionen zu entwickeln.

Diskussion

Wie bereits im Titel angekündigt, gibt das Buch einen Überblick in das Forschungs- und Anwendungsfeld der Arbeitszufriedenheit. Es ist übersichtlich gegliedert und folgt einem logischen Aufbau. Es enthält viele theoretische Ansätze und Forschungsbeiträge, die erkennen lassen, welche Ergebnisse bereits zu dem Thema gewonnen wurden. Aufgrund der vielfältigen Kapitelauswahl werden unterschiedliche Perspektiven auf Arbeitszufriedenheit ermöglicht. Das Buch ist abwechslungsreich gestaltet und enthält neben den theoretischen Bezügen auch Bewertungen und Stellungnahmen der Autorin. Die Grafiken und Informationen in Kästchen lockern die Theorie etwas auf und ermöglichen eine höhere Nachvollziehbarkeit. Die Kapitel sind kurz und prägnant beschrieben und beinhalten nur die Themen der Überschrift. Der Text beinhaltet hin und wieder Fremdwörter und an einigen Stellen wird die Komplexität der Theoriebeschreibungen deutlich, die nicht einfach zu lesen ist. Während die Theorie umfänglich beschrieben ist, lässt der Praxisbezug an der einen oder anderen Stelle zu wünschen übrig.

Das Buch richtet sich vor allem an Studierende der (Wirtschafts-) Psychologie und fachnahen Bereiche wie Pädagogik und Soziologie. Ebenfalls wendet es sich an erwerbstätige Personen aus dem Personalbereich (z.B. Beratende, Coaches) und an Jene, die sich weiterbilden oder es in Zukunft tun möchten.

Fazit

Arbeitszufriedenheit ist ein mehrdeutiger Begriff, der trotz großem Forschungsinteresse noch nicht vollumfänglich erforscht wurde. Es wird deutlich, dass aufgrund von gesellschaftlichen Entwicklungen unterschiedliche Faktoren von Arbeitszufriedenheit im Vordergrund stehen. Für die Leser, die sich einen ersten Einblick ins Thema verschaffen wollen, ist dieses Fachbuch geeignet. Die Kapitel bauen nicht aufeinander auf, sodass direkt auf die einzelnen Punkte zugegriffen werden kann.

Rezension von
Patricia Großmann
B.A. in Erziehung und Bildung im Kindesalter, zurzeit im M.A. Kindheits- und Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Management und Beratung in Koblenz, Erzieherin und Kindheitspädagogin, Fachkraft für Sprachbildung
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Es gibt 1 Rezension von Patricia Großmann.

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Zitiervorschlag
Patricia Großmann. Rezension vom 30.09.2022 zu: Yvonne Ferreira, Simone Kauffeld (Hrsg.): Arbeitszufriedenheit. Grundlagen, Anwendungsfelder, Relevanz. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2020. ISBN 978-3-17-035122-6. Reihe: Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29560.php, Datum des Zugriffs 29.11.2022.


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