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Agentur für soziale Perspektiven (Hrsg.): Versteckspiel. [...] (neonazistische und extrem rechte Gruppen)

Agentur für soziale Perspektiven (Hrsg.): Versteckspiel. Lifestyle, Symbole und Codes von neonazistischen und extrem rechten Gruppen. Agentur für soziale Perspektiven e.V. (Berlin) 2005. 38 Seiten. 3,00 EUR.

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An ihren Zeichen sollt ihr sie erkennen!

Es gibt eine rechte Bedrohung in Deutschland! Und weil Rassismus kein Spiel oder eine intellektuelle oder auch primitiv-alltägliche Denkungsart ist, sondern eine Gefährdung für ein friedliches, interkulturelles und demokratisches Zusammenleben in der Gesellschaft, bedarf es einer intellektuellen und alltäglichen Auseinandersetzung mit dem Problem von Extremismen jeder Spielart, ob rechts oder links, ob weltanschaulich oder fundamentalistisch. Für alle Formen extremen Denkens und Handelns lässt sich ein Begriff formulieren: "Rassismus". Weil Rassismus auf den Willen zur Vorherrschaft von Menschen und Ideologien über Menschen und Weltbilder beruht, wie Karin Priester dies in ihrem Buch "Rassismus. Eine Sozialgeschichte" 2003 (siehe die Rezension), zum Ausdruck bringt. Mit der rassistischen Denkungsweise sind immer auch verbunden: Hass und Gewalt, als gewalttätige Ablehnung gegen Anders Denkende, Anders Aussehende und anderer Herkunft. Rechtsextremismus ist deshalb ein gesellschaftliches Problem (vgl. dazu die Rezension zu: Eberhard Jung (Hrsg.), Rechtsextremismus als gesellschaftliches Problem, 2003); und die Auseinandersetzung ist mit aufklärerischen und pädagogischen Mitteln gefordert (vgl. dazu die Rezension zu: Norbert Huppertz, Hg., Rechtsextremismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit - Was tun!?, 2004).

Inhalt

In der Reihe "antifaschistische Texte" (rat) bringt die ASP soeben die aktualisierte Ausgabe eines Heftes heraus, in dem Symbole, geheime Zeichen und Codes von rechtsextremen Gruppen dargestellt und in den jeweiligen Zusammenhang gebracht werden. Die rechte Szene hat sich längst auf die im Strafgesetzbuch ausgewiesenen Verbote des Tragens und Zeigens von neonazistischen und rechtsextremen Darstellungen eingestellt und hat, auch über die deutsche Szene hinaus, Geheimcodes entwickelt, die den Außenstehenden erst einmal nichts Negatives sagen, für die Insider jedoch Zeichen der Zugehörigkeit, der Sympathie und der Zustimmung zu rechtem und rassistischem Gedankengut sind. Dabei werden die nationalsozialistischen Symbole, wie Hakenkreuz, die doppelte Sig-Rune, die schwarze Sonne oder das Zahnrad nicht einfach nur graphisch etwas anders dargestellt oder verbrämt, wie die Triskele als Kennzeichen für den ehemals keltischen Siedlungsraum und eines dreiarmigen Hakenkreuzes, sondern auch rassistische Symbole aus anderen Ländern übernommen, wie etwa das KKK-Kreuz des amerikanischen Ku Klux Klan oder das Hammerskin-Symbol der internationalen Neonazi-Skinhead-Bewegung. Zeichen mit germanisch-heidnischem Bezug, wie etwa die altnordischen Runen oder der Thorshammer, sind gewissermaßen geheime Erkennungsmerkmale in der rechten Szene. In den letzten Jahren haben sich bei rechten Jugendgruppen Zahlenkombinationen und Abkürzungen durchgesetzt, die nur Zugehörige kennen und deuten können; wie z. B. die Zahlencodes 168:1, als Hinweis auf den antisemitischen Sprengstoffanschlag 1995 in Oklahoma/USA, bei dem 168 Menschen ums Leben kamen; oder die Zahl 18, die für "Adolf Hitler" steht; oder 28, als Übersetzung der im September 2000 verbotenen Organisation "Blood & Honour"; oder 88 für "Heil Hitler". Kennzeichen sind auch Dresscodes und Bekleidungsmarken, wie von "Alpha Industries", die umgedeutet werden auf das verbotene Zeichen der SA, Bomberjacken; oder die in der amerikanischen Bekleidungsmarke CONSDAPLE enthaltenen Buchstaben NSDAP; oder die englische Schuhmarke DocMartens, die traditionell schwere Arbeiterschuhe mit Stahlkappen herstellt; oder Pitbull, Masterrace Europe, Lonsdale, u.a. Besondere Bedeutung hat in der rechten Szene auch die Musik mit Gruppen wie R.A.C. (Rock Against Communism), der Punkrock der Oi-Szene, Black Metal, Hatecore, Wicking-Rock, NDH ("Neue Deutsche Härte"), u.a. Zahlreiche Publikationen, als Bücher, Zeitschriften und so genannten Aufklärungsschriften, und nicht zuletzt und in letzter Zeit besonders bei rechten Mädchen- und Frauengruppen beliebte Internetseiten (vgl. dazu die Rezension des Buches des Antifaschistischen Frauennetzwerkes "Braune Schwestern", 2005), ergänzen die rechtsextremen Aktivitäten.

Fazit

Das "Versteckspiel" der rechtsextremen Szene ist auch deshalb gefährlich und bedarf der gesellschaftlichen Aufklärung, weil Uninformierte und nicht den Gruppen Zugehörige über diese Aktivitäten nicht Bescheid wissen und sie nicht deuten können. Dadurch erhalten sie für Jugendliche den Touch des Geheimnisvollen und Inspirativen. Für die Öffentlichkeit sollen solche Kennmarken aber auch den Eindruck vermitteln, es handele sich hier um "harmlose" Zuordnungen und Identifikationen, vielleicht sogar als Zeichen für ein besonderes Engagement für das Gemeinsame. Dem tritt die ASP mit ihrem Heft entschieden dagegen. Das ist gut und förderungswürdig, besonders für die schulische und außerschulische Jugend- und Bildungsarbeit!


Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 02.08.2005 zu: Agentur für soziale Perspektiven (Hrsg.): Versteckspiel. Lifestyle, Symbole und Codes von neonazistischen und extrem rechten Gruppen. Agentur für soziale Perspektiven e.V. (Berlin) 2005. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2959.php, Datum des Zugriffs 07.12.2021.


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