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Elisa König, Miriam Rassenhofer u.a.: Hanna und die graue Wolke

Rezensiert von Wolfgang Schneider, 14.03.2024

Cover Elisa König, Miriam Rassenhofer u.a.: Hanna und die graue Wolke ISBN 978-3-86739-260-0

Elisa König, Miriam Rassenhofer, Ulrike Hoffmann, Jörg M. Fegert, Rosa (Illustrator) Linke: Hanna und die graue Wolke. über sexuellen Missbrauch sprechen. Balance Buch + Medien Verlag (Köln) 2022. 72 Seiten. ISBN 978-3-86739-260-0. D: 20,00 EUR, A: 20,60 EUR.
Reihe: Kids in Balance. .

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Thema

Dieses Lesebuch soll dazu dienen, mit der Geschichte von Hanna darüber aufzuklären, welche therapeutischen Behandlungssettings und Methoden es eigentlich für Kinder und Jugendliche gibt, die sexualisierte Gewalt erlebt haben und sie mit diesen vertraut machen. Denn das Wissen darum, dass Heilung möglich ist, stärkt auch die Hoffnung auf Besserung. Außerdem soll das Buch dabei helfen, Gespräche über sexuellen Missbrauch zu erleichtern.

AutorInnen

Elisa König ist Psychologische Psychotherapeutin und wissenschaftliche Mitarbeiterin und an der Erstellung und Evaluierung mehrerer Fortbildungsangebote für Fachkräfte im Bereich Kinderschutz beteiligt. Prof. Jörg M. Fegert ist ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm und einer der deutschen Top-Fachleute für (medizinischen) Kinderschutz. Er hat zahlreiche Artikel, Manuale und Bücher zum Kinderschutz veröffentlicht. Dr. Ulrike Hoffmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und leitet die Arbeitsgruppe „Wissenstransfer, Dissemination, E-Learning“, die zahlreiche Fortbildungsangebote für Fachkräfte im Bereich Kinderschutz entwickelt und evaluiert. Prof. Miriam Rassenhofer ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und leitende Psychologin, die eine Juniorprofessur zum Thema Kinderschutz im Rahmen des Kompetenzzentrums Kinderschutz der Medizin innehat. Die Illustrationen stammen von Rosa Linke, die freiberuflich als Illustratorin und Grafikerin im Bereich Kindermedien tätig ist.

Entstehungshintergrund

Die Autor*innen sind allesamt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Ulm tätig und also solche in Wissenschaft und Praxis eng mit der Thematik der sexualisierten Gewalt gegen Kinder und Jugendliche verbunden.

Aufbau und Inhalt

Den Hauptteil des Büchleins nimmt Hannas Geschichte ein, zum Ende findet sich ein kurzer Abriss mit Hinweisen und Erläuterungen für Eltern und andere Erwachsene.

Die Bilder- und Lesegeschichte erzählt von Hanna, die im Ferienlager von einem Betreuer sexuell missbraucht wurde. Und seitdem ist für das Mädchen nichts mehr so, wie es einmal war. Sie ist ängstlich, wütend und fühlt sich wie in einer dichten, grauen Wolke, die keine Sonne mehr durchlässt. Aber es gelingt Hanna, sich ihren Eltern zu offenbaren, die handeln und familiäre Unterstützung in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie suchen. Und hier entdeckt Hanna, dass es Menschen und Methoden gibt, die ihr beim Umgang mit dem Trauma helfen können. Und so lichtet sich die graue Wolke am Ende der Geschichte.

Diskussion

Die Autor*innen sind ausgewiesene Fachleute für den Kinderschutz und verfügen über größtmögliche Kompetenzen sowohl in der Praxis als in der Wissenschaft. Da liegt es nah, dass sie versuchen, ihr Wissen dafür zu nutzen, jungen und erwachsenen Menschen die Angst vor Gesprächen über sexualisierte Gewalt und die Hoffnung auf Besserung zu vermitteln. Nun ist es für den Rezensenten naturgemäß schwierig, aus der Sicht von Betroffenen über die Wirkung der Texte und Bilder zu sinnieren, da er eben nicht Opfer von sexualisierter Gewalt ist. Aber aus objektiver Sicht hält das Buch das Versprechen. Hannas Geschichte ist nachvollziehbar, ihre Ängste und Empfindungen kommen gut herüber. Natürlich ist es fast zu schön, um wahr zu sein, dass die Eltern sofort das Richtige tun, aber schließlich geht’s diesbezüglich nicht um Plausibilität, sondern das Vorankommen der Geschichte. Und so gelingt es, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch Hoffnung zu machen. Hoffnung darauf, dass es eben auch für schlimme seelische Verletzungen Mittel und Wege gibt, sie zu heilen. Kinder und Jugendliche – wie natürlich auch Erwachsene – sind den Folgen sexualisierter Gewalt eben nicht zwangsläufig hilflos und ohnmächtig ausgesetzt, ganz im Gegenteil. Hilfe ist möglich und realistisch. Und so macht das Büchlein durchaus Hoffnung.

Der Teil für die Erwachsenen ist wohltuend kurzgehalten und beschränkt sich auf einige wenige Informationen, die völlig ausreichend in diesem Zusammenhang sind. Wer mehr wissen will, kann sich über die Homepage des Verlages weiteres Material downloaden. Und auch das ist – wer hätte es bei dieser Autor*innenschaft auch anders erwartet – qualitativ hochwertig und inhaltlich wertvoll.

Fazit

Dieses Buch kann helfen, Hoffnung zu machen – sowohl für junge Menschen als auch für Erwachsene. Die ausführlichen Texte in gut zu lesender Sprache und die angemessen erklärenden Illustrationen sind nicht immer leichte Kost, aber das bringt das Thema mit sich. Es wäre auch den realen Opfern sexualisierter Gewalt zu wünschen, dass ihre erwachsenen Bezugspersonen so umsichtig und helfend handeln wie Hannas Eltern im Buch.

Rezension von
Wolfgang Schneider
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Es gibt 48 Rezensionen von Wolfgang Schneider.

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Zitiervorschlag
Wolfgang Schneider. Rezension vom 14.03.2024 zu: Elisa König, Miriam Rassenhofer, Ulrike Hoffmann, Jörg M. Fegert, Rosa (Illustrator) Linke: Hanna und die graue Wolke. über sexuellen Missbrauch sprechen. Balance Buch + Medien Verlag (Köln) 2022. ISBN 978-3-86739-260-0. Reihe: Kids in Balance. . In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29592.php, Datum des Zugriffs 14.04.2024.


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