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Sigrid Pape, Marie-Luise Langenbach: Ambulante tiefenpsychologisch fundierte Gruppentherapie

Rezensiert von Dipl.-Psych. Laslo Scholtze, 07.12.2022

Cover Sigrid Pape, Marie-Luise Langenbach: Ambulante tiefenpsychologisch fundierte Gruppentherapie ISBN 978-3-608-89307-6

Sigrid Pape, Marie-Luise Langenbach: Ambulante tiefenpsychologisch fundierte Gruppentherapie (Leben Lernen, Bd. 335). Das Praxisbuch. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2022. 280 Seiten. ISBN 978-3-608-89307-6. D: 30,00 EUR, A: 30,90 EUR.
Reihe: Leben lernen - 335. .

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Thema

Gruppenpsychotherapie wird bei der Behandlung eines breiten Spektrums von psychischen Störungsbildern an Bedeutung gewinnen. Dafür sprechen sowohl das therapeutisch-beziehungsdynamische Potenzial von Gruppen wie auch das ökonomische Argument, dem hohen Bedarf an Psychotherapie mithilfe von Gruppen besser entsprechen zu können. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) als oberstes Gremium ist der Auffassung, dass Gruppentherapie zu wenig genutzt wird und will ihr einen höheren Stellenwert in der psychotherapeutischen Versorgung verschaffen. Forschungsbefunde bestätigen, dass die Versorgung mit Gruppenpsychotherapie im ambulanten Bereich noch zu wenig realisiert ist und verweisen auf die mehrheitlich positiven Erfahrungen sowohl auf Behandler- wie auch auf Patientenseite (Mattke & Pröstler, 2020). Der Wille und hoffentlich zunehmend auch die Grundlagen für mehr ambulante Gruppentherapie scheinen also vorhanden zu sein.

Die tiefenpsychologische Gruppentherapie wurzelt mit ihren Grundannahmen in der Psychoanalyse, insofern sie die affektive Beziehungsdimension psychischen Erlebens, geprägt von einem dynamisch wirkenden Unbewussten, hervorhebt. Sie grenzt sich allerdings als eigenständiges Psychotherapieverfahren hinsichtlich Methodik, Setting und spezieller Theorieaspekte ab und nimmt für sich in Anspruch, damit ein Spektrum an Interventionsansätzen – klassisch deutend, fokusorientiert bzw. antwortend-interaktionell – für Patienten unterschiedlicher psychischer Reifegrade anbieten zu können (Trautmann-Voigt, 2012).

Sigrid Pape und Marie-Luise Langenbach legen nun ein „Praxisbuch“ für die ambulante tiefenpsychologische Gruppentherapie vor, mit dem sie einen umfassenden Überblick über die praxisrelevanten Aspekte des Themas geben wollen, um Gruppentherapeut:innen prozess- und handlungsorientiert in ihrer Arbeit mit Gruppen zu orientieren.

Autorinnen

Sigrid Pape, Dipl.-Psych., und Marie-Luise Langenbach, Dr. phil., Dipl.-Psych., sind tiefenpsychologisch fundierte Einzel- und Gruppentherapeutinnen aus Hamburg, sind tätig als Supervisorinnen und Lehrtherapeutinnen mit entsprechend langjähriger Erfahrung in ambulanter Gruppenpsychotherapie.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich nach der Einleitung in zwölf Kapitel plus Anhang. Es beginnt mit einem kurzen Überblick über die theoretischen Hintergründe der psychodynamischen Gruppenpsychotherapie. Daran schließt eine kompakte Betrachtung der formalen und inhaltlichen Rahmenbedingungen und Parameter an, die zur Planung einer ambulanten Gruppe wesentlich sind. Der weitere Aufbau orientiert sich am Verlauf einer Gruppentherapie: Planung und Beginn der Gruppe, prototypischer Ablauf von Sitzungen, schließlich das Ende einer Gruppentherapie. Besondere Gewichtung erhält die Erörterung der Fragen:

  • wie und worauf die Gruppenleitung ihren Fokus der Aufmerksamkeit ausrichtet,
  • wie psychodynamische Interventionen in der Gruppe gestaltet werden können,
  • wie gruppenbezogene Steuerung funktioniert,
  • welche zusätzlichen therapeutischen Werkzeuge und Techniken erlebnisaktivierend oder auch Kohärenz fördernd eingesetzt werden können, um dadurch innere Prozesse behandelbar zu machen
  • wie mit speziellen Problemen und Herausforderungen im Gruppenprozess umgegangen werden kann

1 Grundsätzliche Überlegungen

Gruppentherapie bietet, im Gegensatz zur Einzeltherapie, einen sozialen Mikrokosmos. Dieses soziale Gefüge ist strukturell ähnlich den Bedingungen unseres Aufwachsens in sozialen Kontexten sowie den sozialen Bezügen unseres Alltags. Prägungen im Sinne von Interaktionsmustern, die früher eventuell sinnvoll waren, heute aber dysfunktional sind, können sich im geschützten Raum der Gruppe zeigen und dort bearbeitet werden. Die Mitpatient:innen sind dabei „antwortende“ Dialogpartner, die Resonanz und Feedback bieten. Psychodynamisch zeigen sich hierbei auch die Abwehr und die abgewehrten Affekte. Erkenntnisse können im „Hier und Jetzt“ der Gruppe in neuen Formen des Sich-Mitteilens und der Beziehungsgestaltung probeweise umgesetzt werden.

Gruppentherapeut:innen sollten neben der Freude an der Komplexität der sich entfaltenden Gruppendynamik insbesondere innere Toleranz gegenüber Ambivalenzen, Ambiguitäten, Unsicherheit und mitunter dem Gefühl von Kontrollverlust mitbringen. Und sich zudem damit anfreunden können, dass sie als Menschen mit Stärken und Schwächen sichtbarer werden als in der Einzeltherapie.

2 Theoretische Orientierung

Die Autorinnen beschreiben sehr knapp ihre therapeutisch-humanistische Haltung basierend auf Ganzheitlichkeit, Ressourcenorientierung, Augenhöhe und Authentizität. Unter Letzterem verstehen sie u.a. das „Prinzip Antwort“ von Heigl-Evers & Heigel (1994), das insbesondere für Patienten mit Defiziten im Bereich der strukturellen Ich-Funktionen entwickelt wurde und selektive Offenbarung von Reaktionen und Gefühlen der Therapeutin miteinschließt. Letztlich, so wird betont, verbleibe die Verantwortung für Entscheidungen und Veränderungen stets bei den Patienten und könne nicht durch Initiative oder Aktivität der Therapeut:in ersetzt werden.

Es folgen wiederum aufs Wesentlichste reduzierte Darstellungen von:

  • Psychodynamischer Psychotherapie: Fokus auf der unbewussten Wiederholung verinnerlichter Beziehungsmuster in der Gruppe (affektiv als Übertragungs-Gegenübertragungs-Dynamik erlebbar.)
  • Foulkes‘ Gruppenmatrix: psychische Störungen als Phänomene im multipersonalen Netzwerk verstehen
  • Yaloms Wirkfaktoren der Gruppentherapie: u.a. Hoffnung, Universalität des Leidens, altruistisches Selbstwirksamkeitserleben, Gruppenkohäsion und Gruppenkultur/​-normen
  • den Gruppenphasen nach Tuckman: Forming, Storming, Norming, Performing, Adjourning
  • Schindlers rangdynamischem Positionsmodell (Alpha, Beta, Gamma, Omega)

3 Eine Gruppe in Planung

Die Autorinnen gehen kurz auf formale Rahmenbedingungen wie Gruppengröße, Sitzungsfrequenz, Vergütung und die Kombination von Einzel- und Gruppentherapien sowie auf Vorgespräche/Probatorik ein. Fragen der Gruppenzusammenstellung sowie der Indikation und Kontraindikation behandeln sie etwas ausführlicher.

4 Die Gruppentherapie beginnt

Der Beginn einer Therapiegruppe ist meist von Neugier und aufgeregter Erwartung bestimmt, aber auch von großer kollektiver Unsicherheit. Während die dadurch geförderte Regression auf frühe Beziehungsmuster psychoanalytisch gewollt wäre, wird in der tiefenpsychologischen Gruppe die Regression begrenzt: Die Leitung greift strukturierend ein, gibt Hinweise auf die Arbeitsweise und antwortet „mitschwingend“ auf Fragen von Teilnehmerseite. Von Beginn an werden zwischen den Mitgliedern, oft unausgesprochen, Gruppennormen etabliert, die regeln, wie miteinander umgegangen wird, welche Grenzen und Tabus gelten, etc. Die Gruppenleiter:innen nehmen maßgeblich Einfluss auf diese Normen durch das, was sie bewusst oder unbewusst tun und sagen oder eben nicht tun und sagen. Jedes neu hinzukommende Mitglied verändert die Gruppe, Beziehungskonstellationen und implizite Rollen müssen neu verhandelt werden, um eine Integration zu erreichen.

5 Der Ablauf einer Sitzung

Verschiedene Varianten prototypischer Sitzungsverläufe werden kurz skizziert, von der Eröffnung über die Themengestaltung bis hin zur Schlussrunde. Interventionsmöglichkeiten werden dargestellt, die helfen können, die Gruppenteilnehmer miteinander in Kontakt zu bringen.

6 Die mittlere Phase der Gruppe

Verschiedene Autor:innen sind sich einig, dass die mittlere Phase der Gruppentherapie die größte Komplexität aufweist: Den Positionsaushandlungen der Teilnehmer folgt i.d.R. eine Phase der Vertrautheit und Intimität, in deren Verlauf die Gruppe für ihre Mitglieder sehr wertvoll wird. Offenbarungen und gegenseitiges Verstehen prägen die Dynamik. Auf dieser Grundlage ist dann auch eine zunehmende Differenzierung der Einzelnen möglich: Unterschiedlichkeiten können anerkannt und möglicherweise als Bereicherung wahrgenommen werden. Empathie, Perspektivwechsel und Mentalisierung werden dadurch gefördert, ebenso Mut und Vertrauen in das Bewältigen von Konflikten. Aus Sicht der Gruppenleitung besteht eine wesentliche Aufgabe darin, den Gruppenprozess immer wieder auf das „Hier und Jetzt“ zu lenken, also die gegenwärtigen Affekte und Interaktionen zwischen den Mitgliedern zu fokussieren. Dies intensiviert das affektive Erleben in der Gruppe und ermöglicht es, Erfahrungen miteinander unmittelbar zu teilen und eigene Wahrnehmungen durch die Rückmeldungen der anderen zu überprüfen.

7 Fokus unserer Aufmerksamkeit

Worauf sollen Gruppenleiter:innen innerhalb des komplexen Gruppengeschehens ihre Aufmerksamkeit richten? Sowohl Verbales wie Non-Verbales, Einzelne oder die Gruppe als Ganzes, der Inhalt des Gesagten oder die beziehungsmäßige Interaktion können fokussiert werden. Die eigenen Gegenübertragungsgefühle der Leiter:in sind eine wesentliche Richtschnur, pendelnd zwischen Miterleben und Reflektieren. Intensive eigene Angst oder Unbehagen in der Gegenübertragung sind oft Alarmsignale und sollten, sofern möglich, rasch eingebracht werden. Aggressive und ärgerliche Affekte dagegen sollten i.d.R. erst abklingen, um nicht aus der Hitze des Affekts jemanden zu verletzen. Non-Verbales oder sich wiederholende Interaktionsmuster als solche anzusprechen, ist wichtig, verlangt Fingerspitzengefühl, da solche Interventionen verfolgend oder beschämend wirken können.

8 Therapeutisches Vorgehen – psychodynamische Interventionsschritte

Die Interventionen „Klären, Mitfühlen, Konfrontieren, Deuten, Durcharbeiten, Umsetzen“ gehen, im Gegensatz zur Einzeltherapie, nicht in erster Linie von der Therapeutin aus, sondern von der Gruppe. Konkretere Nachfragen ergeben ein genaueres Bild und führen zu eindeutigeren Gefühlsreaktionen, durch die sich der Erzählende wiederum besser verstanden fühlt. Sowohl konkordantes wie auch komplementäres Mitfühlen macht die heilsame (evtl. unbekannte) Erfahrung möglich, jemand anderen mit seinen Gefühlen zu erreichen und bei diesem etwas auszulösen. Konfrontieren setzt Sicherheit und Vertrauen voraus und ist letztlich darauf ausgerichtet, den Sinn des Verhaltens zu verstehen. Vermeidung und andere Formen von Widerstand und Abwehr sind zu bearbeiten. Die Gruppenbeziehungen sind von der Übertragung früher Beziehungserfahrungen geprägt. Die korrigierenden emotionalen Erfahrungen in der Gruppe wirken durch ihre Wiederholung. Zudem gilt überraschenderweise: Die „pathologische“ Eigenart des einen (z.B. Aggression) kann das gute Beispiel für den anderen sein (z.B. Mut oder Selbstbehauptung). Wie das Durcharbeiten, so ist auch das Umsetzen keine einmalige Sache. Die Gruppe bietet für erste tastende oder auch überambitionierte Versuche ein geschütztes und quasi „live“ korrigierendes Umfeld.

9 Gruppenbezogene Steuerung

Die Gruppenleitung hält sich tendenziell zurück, lässt damit der Gruppe den Vortritt, damit diese zu eigener Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit finden kann. Patienten mit traumatisch oder vorwiegend ich-strukturell bedingten Störungen bedürfen jedoch des Halts und der Orientierung. Aktive Leitung bringt wiederum stets die Gefahr mit sich, die Gruppe in einer abhängigen Position zu halten. Ein wichtiges Leitungsprinzip lautet: Nur das machen, was die Gruppe nicht selbst kann bzw. andersherum: „Ansprechen, was fehlt“! Abgewehrtes und Verdrängtes ins Bewusstsein der Gruppe zu heben, stößt Erkenntnisprozesse an. Gleichwohl hat Abwehr immer auch ihren Sinn bzw. Funktion, die zu respektieren und ggf. zu wertschätzen ist. In diesem Fall wären die abgewehrten Gefühle bis auf Weiteres von der Leiter:in schlicht zu „containen“.

10 Werkzeugkoffer

Pape & Langenbach beschreiben eine Vielzahl von Methoden, die sich ihrer Erfahrung nach mit einer tiefenpsychologisch orientierten Gruppenleitung mit Gewinn kombinieren lassen, u.a.:

  • Arbeit mit dem leeren Stuhl
  • Rollenspiele
  • Psychodramatische oder soziometrische Aufstellungen
  • Arbeit mit inneren Persönlichkeitsanteilen
  • Timeline-Arbeit
  • Erlebnisaktivierende Techniken (für Einzelne oder für die Gruppe)
  • Imagination-, Kontakt- Awareness-Übungen
  • Arbeit in Kleingruppen
  • Feedback und Sharing

11 Herausfordernde Situationen im Gruppenprozess

Der Umgang mit Schwierigkeiten, Widerständen, offenen oder verdeckten Konflikten im Verlauf des Therapieprozesses gehört zu den wichtigsten Aufgaben von Gruppentherapeut:innen. Pape & Langenbach greifen eine ganze Reihe von typischen Phänomenen heraus und diskutieren diese, u.a.:

  • Außenseiter in der Gruppe
  • Rückzugstendenzen eines Mitglieds
  • Dominantes bzw. übermäßig raumgreifendes Verhalten eines Mitglieds
  • Hartnäckiges Schweigen
  • „Rütteln am Rahmen“ (Verletzungen der Rahmenbedingungen)
  • Verbale Angriffe auf die Leitung
  • Aggression oder Spaltung in der Gruppe
  • Scham bzw. Berichte sexueller Übergriffe oder suizidaler Krisen
  • Alkohol, Selbstgefährdung, Geheimnisse

Die Autorinnen beschreiben die Gefahren, die in den genannten Verhaltensweisen bzw. der genannten Gruppendynamik stecken, wie sie zu verstehen sind, welche Konflikte dadurch ausgedrückt werden und worauf beim Umgang mit ihnen zu achten ist.

Das Buch endet mit einem Anhang, in dem die formalen Voraussetzungen zum Erwerb der Fachkunde sowie zur Abrechnungsgenehmigung für Gruppenpsychotherapie angegeben und Fragenkomplexe zum Vorgespräch, ein beispielhafter Gruppenvertrag sowie eine Übung zur achtsamen Wahrnehmung des Körpers aufgeführt sind.

Diskussion

Es handelt sich hier, wie der Untertitel schon sagt, nicht um ein Lehrbuch, sondern um ein Praxisbuch. Es geht um therapeutische Anwendung, beschränkt aufs Wesentlichste, dafür mit vielen Vignetten beispielhaft veranschaulicht. Wer über grundlegende Theorien und Konzepte etwas lernen und dabei sogar in die Tiefe gehen will, wird hier nicht glücklich werden (so werden etwa Themen wie der psychodynamische Hintergrund, unbewusste Beziehungsmuster in der Gruppe, inklusive Foulkes und Yalom, zusammengenommen auf rund zehn Buchseiten komprimiert). Dadurch fehlt natürlich der eine oder andere übergeordnete und verständnisfördernde Zusammenhang. Auch wirken manche Stellen notgedrungen etwas übersimplifiziert. Ihr eigentliches Anliegen, nämlich anschaulich zu machen, wie ambulante tiefenpsychologische Gruppentherapie funktionieren kann, setzen die Autor:innen allerdings gekonnt um. Kurt Lewin sagte einmal: „Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie.“ Für Pape & Langenbach gilt eher das Motto: „Es gibt nichts Praktischeres als eine anschauliche Beschreibung der Praxis.“ Das Buch gibt vielfältige Einblicke und Beispiele, durchaus detailliert und kleinschrittig, wie tiefenpsychologische Gruppenleitung und Interventionen im ambulanten Setting aussehen können. Besonders besticht bei ihren Ausführungen die stets verständliche und klare Sprache. Die Vermittlung praktischer Anregungen und Beispiele, Techniken der Steuerung und der Aufmerksamkeitsfokussierung sind inhaltliche Stärken des Buchs, insbesondere auch die Hinweise zum Umgang mit schwierigen Situationen. Für angehende Gruppenpsychotherapeut:innen während der Ausbildung und für solche, die sich überblicksartig das Wesentliche noch einmal vergegenwärtigen, ihr eigenes Vorgehen abgleichen oder entwickeln wollen, kann das Buch daher sicherlich wertvoll und hilfreich sein. Auch Psycholog:innen, die ohne spezifische Gruppenausbildung in ihrem Arbeitskontext mit der Leitung von Therapiegruppen betraut werden, können wahrscheinlich profitieren. Letzteres ist für Psycholog:innen bzw. Psychotherapeut:innen in Ausbildung regelmäßig im (teil-)stationären Setting der Fall; auch hier können Inhalte des Buches prinzipiell sicher nützen, wobei das abweichende Setting zwingend zusätzliche Erwägungen und Anpassungen erforderlich macht.

Fazit

Das Buch ist ein Leitfaden für die Praxis der ambulanten Gruppenpsychotherapie, konzentriert sich in jeder Hinsicht auf das Wesentliche und eignet sich daher besonders für alle, die kurz vor oder in der Praxis stehen, sich einen Überblick bzw. praktische Anregungen verschaffen und das eigene Vorgehen abgleichen wollen. Theoretische Konzepte kommen nur am Rande vor, Anwendungsfragen dagegen werden durch viele Beispiele anschaulich, praxisrelevante Zusammenhänge prägnant dargestellt. Die klare Sprache schafft ausgezeichnete Verständlichkeit. Komprimierte therapeutische Erfahrung und Sachkenntnis zeichnen dieses Praxisbuch aus.

Literatur

Foulkes, S.H. (1974). Gruppenanalytische Psychotherapie. Der Begründer der Gruppentherapie über die Entwicklungsstationen seiner Methode in Theorie und Praxis. Kindler, München.

Heigl-Evers, A. & Heigl, F. (1994). Das Göttinger Modell der Anwendung der Psychoanalyse in Gruppen unter besonderer Berücksichtigung der psychoanalytisch-interaktionellen Methode. In: Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik. Bd. 30, S. 1–29.

Mattke, D., Pröstler, M. (2020). Formen ambulanter Gruppentherapie. Psychotherapie: Praxis. Springer, Berlin, Heidelberg.

Schindler, R. (1957). Grundprinzipien der Psychodynamik in der Gruppe. In: Psyche. Band 11, Nr. 5, S. 308–314

Staats, H, Dally, A., Bolm, T. (2014). Gruppenpsychotherapie und Gruppenanalyse: Ein Lehr und Lernbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.

Trautmann-Voigt, S. (2012). Tiefenpsychologisch fundierte Gruppenpsychotherapie in der ambulanten Psychotherapie. Psychotherapie Aktuell, PDP 2012; 11: 193–206. Schattauer, Stuttgart.

Tuckman, B. W., Jensen, M. A. (1977): Stages of small-group development revisited. In: Group and Organization Studies. 2, 4, S. 419–427.

Yalom, I. D. (2021). Theorie und Praxis der Gruppenpsychotherapie. Ein Lehrbuch. Klett-Cotta, Stuttgart.

Rezension von
Dipl.-Psych. Laslo Scholtze
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Zitiervorschlag
Laslo Scholtze. Rezension vom 07.12.2022 zu: Sigrid Pape, Marie-Luise Langenbach: Ambulante tiefenpsychologisch fundierte Gruppentherapie (Leben Lernen, Bd. 335). Das Praxisbuch. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2022. ISBN 978-3-608-89307-6. Reihe: Leben lernen - 335. . In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29618.php, Datum des Zugriffs 18.07.2024.


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