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Astrid Hochbahn: Gekonnt online in Beratung, Coaching und Weiterbildung

Rezensiert von Prof. Dr. Christian Philipp Nixdorf, 02.11.2022

Cover Astrid Hochbahn: Gekonnt online in Beratung, Coaching und Weiterbildung ISBN 978-3-525-45338-4

Astrid Hochbahn: Gekonnt online in Beratung, Coaching und Weiterbildung. Digitale Formate für die Praxis. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2022. 183 Seiten. ISBN 978-3-525-45338-4. D: 29,00 EUR, A: 30,00 EUR.

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Herausgeberin

Astrid Hochbahn, Soziologin M.A., ist selbstständige Berufsweg- und Unternehmensberaterin, Supervisorin, Coach, Trainerin sowie systemische Therapeutin. Sie ist zudem als Fachbuchautorin tätig.

Thema

Wenn wir von Beratung, Coaching oder Weiterbildung sprechen, war das übliche Setting lange Zeit, dass Menschen im Rahmen der genannten Aktionen an einem Ort zusammen interagieren. Seit der Corona-Krise hat sich der Nutzen von Online-Formaten nicht nur im Schulunterricht und in Hochschulseminaren massiv ausgeweitet, sondern auch in Beratung, Coaching und Weiterbildung. Corona hat die Lernkurve im Bereich digitaler Formate stark ansteigen lassen. Auch wenn manche Menschen die Online-Varianten skeptisch sehen und den Verlust intensiver Vor-Ort-Kommunikation beklagen, will der Großteil der Menschen die diversen Online-Vorteile doch nicht mehr missen. Daher sind nun auch Coaches, Berater:innen und Lehrende in der Situation, ihre Angebote anpassen zu müssen. Sie müssen lernen, digitale und analoge Kommunikation hybrid zu meistern und Videokonferenzen, Podcasts, digitale Lernplattformen usw. in ihr Angebotsportfolio zu integrieren. Im Buch berichten Trainer:innen, Berater:innen und Coaches mit unterschiedlichen Schwerpunkten von ihren Erfahrungen damit.

Aufbau und Inhalt

Das 2022 bei Vandenhoeck & Ruprecht erschienene Werk hat 183 Seiten und ist in 4 Kapitel unterteilt, in denen sich insgesamt 16 Aufsätze von 18 Autor:innen finden. Der Sammelband beginnt mit einer Einleitung, in der die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für die Beratungs-, Coaching- und Trainingsbranche skizziert werden. Im ersten Kapitel mit der Überschrift Einsteigen in die Online-Welt finden sich dann 4 Aufsätze. Im mit Intensität online überschriebenen zweiten Kapitel finden sich 3 Aufsätze. Im dritten Kapitel, das betitelt ist mit Online-Lehre und Trainings, finden Leser:innen 4 Aufsätze. Tools, Formate und Methoden bilden schließlich den Schwerpunkt des vierten Kapitels des Sammelbandes. Da es den Rahmen dieser Rezension sprengen würde, auf alle Beiträge einzugehen, beleuchtet der Rezensent hier jeweils nur einen Aufsatz aus den oben genannten Kapiteln.

Der 1. Aufsatz von Tom Küchler, der als Leitfaden für Skeptiker:innen gelten soll, die noch nicht von den Vorteilen der Digitalisierung überzeugt sind, ist betitelt mit Online wachgeküsst – Wie wir hinderliche Glaubenssätze im Umgang mit Online-Formaten transformieren können. Der Autor gibt praktische Anregungen, wie es leichter fällt, sich auf die Veränderungen einzulassen, die Online-Angebote mit sich bringen. Der Aufsatz beginnt damit, dass der Autor Leser:innen einlädt, einen Selbsttest zu machen, in dem anhand der Beantwortung mehrerer Fragen erfahrbar gemacht werden soll, wo Leser:innen sich selbst kompetenztechnisch verorten und welchen Glaubenssätze in Bezug auf Online-Optionen sie anhängen. „Glaubenssätze sind Kopfsache. Sie sind unsere generalisierten Leitprinzipien. Sie bestehen aus Überzeugungen, Einstellungen (über uns, über die Welt, über Veränderungen und Motivation u.v.m.), Arbeits- und Verhaltensprinzipien sowie Ursache-Wirkungs-Ideen. Sie sind eine Art innere Landkarte, welche wir benutzen, um der Welt Sinn zu geben“, schreibt Küchler (S. 16), der betont, dass Glaubenssätze Einfluss auf unser Verhalten und unsere Leistungsfähigkeit hätten.

Ist das denn logisch? Ist es noch zweckmäßig? Ist es empirisch belegbar? – Zu solchen Fragen rät der Autor skeptischen Leser:innen im Kontext von Online-Modellen. Ebenfalls könne es nützlich sein, einen Blick auf die Gründe hinter Glaubensätzen zu werfen. „Möglicherweise geraten hier eigene Bedürfnisse (in Richtung Sicherheit, Beziehung, Autonomie) in den Blick. […] Fragen Sie sich, wie Sie diese Bedürfnisse würdigen und befriedigen können, selbst wenn Sie es sich erlauben würden, in die Veränderung zu gehen“, rät der Autor (S. 18). Er schildert, dass ein hinderlicher Glaubenssatz zu einem förderlichen transformiert werden könne, indem man sich der kognitiven Umstrukturierung aus der kognitiven Verhaltenstherapie bediene. Ein weiterer Aspekt, auf den Küchler eingeht, ist der soziale Konstruktivismus. „Sprache schafft Wirklichkeiten. Über ein paar Begrifflichkeiten lohnt es sich daher nachzudenken. Denn hinter den Begriffen stehen immer auch Denkkonstruktionen, die auf unsere Potenziale wirken“, postuliert er (S. 21). „Wir konstruieren durch unsere Wortwahl zwei Welten, als gäbe es die als »echt« und »real« bewertete Offline- und die als »unecht« und »irreal« bewertete Online-Welt. Wer Erfahrungen in der Online-Beratung sammeln konnte, wird wahrgenommen haben, wie »echt« die Welten sind, weil resonierende, empathischen Beziehungsgestaltung genauso spürbar sein kann“, meint Küchler (S. 21), der seinen Text mit der Auflistung seiner Denkkonstruktionen abschließt, die er Leser:innen als Hilfestellung anbietet.

Katja Möller-Rumann nimmt sich in Supervision online – Tiefe und Nähe im virtuellen Raum der Frage an, inwieweit Supervision online gelingen kann. Neben der technischen Komponente reflektiert sie, was es inhaltlich und didaktisch braucht, um im virtuellen Raum Vertrauen aufbauen und Interaktionen anregen zu können. Darüber hinaus erläutert die Autorin das Wesen, den Nutzen sowie die Gründe für einen steigenden Supervisionsbedarf in unserer VUKA-Welt. Möller-Rumann schildert, dass es zu Beginn der Corona-Pandemie bei ihren Klient:innen große Verunsicherung gegeben habe, was zu einem weitgehenden Aussetzen der Präsenz-Besprechungsformate geführt habe. Auf die alternativ entwickelten digitalen Angebote habe es keine Resonanz gegeben, als sich im Herbst 2020 dann aber ein zweiter Lockdown abzuzeichnen begonnen habe, hätten ihre Klient:innen und Kontraktpartner:innen sich mehrheitlich dann aber doch für die Anwendung des virtuellen Settings geöffnet.

Die Autorin schildert, dass in den virtuellen Settings bei der erstmaligen Anwendung sowohl Entdeckungsfreude wie auch viel Unsicherheit bis hin zu Überforderung spürbar gewesen seien, weshalb sie den gemeinsamen virtuellen Raum bewusst experimentell gerahmt und (sich) zugestanden habe, das Dinge auch scheitern dürfen. Potenzielle Probleme schließlich gäbe es genug, wie fehlende Technik/​Technikaffinität, unterschiedlichen Benutzeroberflächen, nicht kompatible Endgeräte, instabile Internetverbindungen, rauschende Mikrofone, eingefrorene Kamerabilder und anderes mehr (S. 54 f.). Trotz dieser potenziellen Hürde seien die Online-Supervisionen aber von Erfolg gekrönt gewesen. Bezugnehmend auf einen ersten ihrer Experimentierfälle mit Online-Supervision Fall schildert die Autorin: „Nach anfänglichen Irrungen und Wirrungen waren wir fast zwei Stunden nahezu vollzählig auf alle in diesem Format möglichen Wege verbunden. Was für ein Aufwand, was für ein Bemühen, sich zu begegnen! Das war neben allem Ohnmachtserleben und zwischenzeitlicher Frustration unfassbar intensiv und berührend für mich und wurde dadurch fast zu einem Initialerlebnis, auch in mir sämtliche Restzweifel dem Format Online-Supervision gegenüber über Bord zu werfen“ (S. 55).

Viele Arbeitnehmer:innen hätten „das Umstellen auf virtuelle Besprechungsräume synonym mit dem Wegfall von Begegnung und als straffes Abarbeiten von Tagesordnungen“ erfahren, schildert Möller-Rumann (S. 57). Der soziale Kit hätten nicht mehr stattgefunden, worunter nicht wenige Personen litten. Dafür ein virtuelles Äquivalent zu bieten sei nicht leicht, aber möglich, ist die Autorin überzeugt. Das bedürfe allerdings Experimentierfreude und Kreativität. So habe sie über andere Kolleg:innen digitale Anwendungen wie Moodle, Padlet und Miro kennen und schätzen gelernt. Wie man sich die Interaktion in einer Supervision vorstellen könne, erläutert die Autorin anhand mehrerer Beispiele. In einem erklärt sie: „In einem Team, mit dem ich schon einige virtuelle Termine absolviert hatte, äußerten einige Mitarbeiter*innen im Rahmen der Themenfindung unterschiedliche als unangenehm erlebte Aspekte der aufsuchenden Arbeit mit den Adressat*innen. Als Ganzes schien das Thema diffus und wenig fassbar. Zur weiteren Klärung habe ich angeregt, alle aktuell vorhandenen Impulse zum Thema spontan in einem gemeinsam angelegten Padlet, einer digitalen Pinnwand, unter der Überschrift: »Standortbestimmung – Wie bin ich gerade in meinem Fällen unterwegs?« abzubilden“ (S. 59).

Ihre positiven Erfahrungen mit der Online-Supervision reflektierend hält die Autorin fest, dass es drei wesentliche Vorzüge von Online-Settings gäbe: Erstens sein Online-Supervision beteiligend/​partizipativ einbinden, da Aspekte wie Entfernung, Verkehrslage und fehlende Kinderbetreuung kaum eine Rolle spielten. Zweiten sei Online-Supervision agil im Sinne von mehr Spontanität. Auch die Organisation sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien durch Online-Formate leichter. Spontane Inputs in Online-Supervisionen könnten „über entsprechende Werkzeuge parallel und in Echtzeit allen im virtuellen Raum zugänglich gemacht werden, weiterhin können individuell als wichtig erachtete Inhalte über den geteilten Bildschirm mit in den Supervisionsraum eingebracht werden“ (S. 63). Drittens sei Online-Supervision verbindend, da sie auch unter schwierigsten Bedingungen abgehalten werden könne. Das sei wichtig, denn das Aufrechterhalten von Kontakt sei ein Resilienzfaktor für das Sicherstellen von institutionellen Abläufen, das Funktionieren von sozialen Strukturen und das Aufrechterhalten eines Gefühls von Zugehörigkeit (ebd.).

Der Frage, was Online-Beratung umfasst, nimmt sich Emily Engelhardt in Blended Counseling – Die Zukunft der Beratung an. Sie betont, dass sich Onlineberatungsformate in den letzten zwanzig Jahren enorm verbreitet hätten. Online-Beratung sei dabei lange als eine Form der Beratung verstanden worden, die „in einer Art Parallelwelt zur Präsenzberatung angeboten wurde. Konzeptionell stand daher vor allem die Idee, dass es sich bei der textbasierten Form von Online-Beratung um eine möglichst niedrig­schwellige und vor allem höchst anonyme Form der Beratung handelt, die es eben nicht zum Ziel hat, dass sich Beraterin und Ratsuchender persönlich tref­fen“. (S. 94). Diese Trennung in online und offline finde sich im Blended Counseling wieder, was die „systematische, konzeptio­nell fundierte, passgenaue Kombination verschiedener digitaler und analoger Kommunikationskanäle in der Beratung“ umfasse (ebd.). Hinsichtlich der Spezifika schriftbasierter Online-Beratung gibt die Autorin zu bedenken, dass es sich dabei um eine Form der Beratung handele, „die für viele Ratsuchende besonders niedrigschwellig ist und die höchstmögliche Form der Anonymität gewährleistet“, die allerdings auch eine hohe Selbstreflexionskompetenz erfordere. Bei der Video-Beratung wiederum sei zu bedenken, dass Bild und Audioausschnitt begrenzt seien und dass direkter Augenkontakt nicht möglich sei. Zudem träten bei technischen Schwierigkeiten schnell Irritationen auf (S. 95). Beratende müssen besondere Kompetenzen erwerben, um den Besonderheiten dieser Beratungsformen gerecht werden zu können. Diese Kompetenzen hätten allerdings „in den Beratungscurricula bislang keinen oder nur sehr geringen Einzug gefunden“ (ebd.).

Insgesamt gäbe es trotz möglicher Herausforderungen gute Gründe, Online-Beratung anzubieten, ist Engelhardt überzeugt. „Sei es, weil die Online-Beratung für einige Ratsuchende der einzige Zugangsweg zur Beratung ist (vgl. Wenzel, 2013), es manchen Ratsuchenden leichter fällt aus dem geschützten häuslichen Umfeld über schwierige Themen zu sprechen oder weil sie für den Erhalt von Informationen und Unterstützung nicht zwangsläufig einen Tag Urlaub nehmen müssen, um viele Kilometer in die Beratungsstelle zu fahren. […] Die Liste lässt sich nahezu unendlich erweitern und zeigt: Es liegt an uns Beratenden, Szenarien für gute digital unterstütze Beratungsprozesse zu entwickeln“ (S. 96). Die Zukunft werde es mit sich bringen, dass die digitale Transformation weiter voranschreite. Es sei davon auszugehen, dass „auch in Zukunft ein beträchtlicher Teil von Beratung, Coaching und Supervision online oder blended angeboten werden wird“ (ebd.). Summa summarum sei Online- oder Blended-Beratung nicht per se besser als das analoge Pendant, es sei eine Alternative und Ergänzung, die manchmal Sinn mache, in anderen Fällen aber suboptimal sein könne. An den Beratenden läge es, kritisch zu reflektieren, welches Format für wen wann Sinn machen und das entsprechend zu kommunizieren. So werde man den unterschiedlichen Klient:innen und ihren unterschiedlichen Lebenswelten optimal gerecht.

Stefan Wierzbitza geht in Hörenswert! Podcasts für Beratende und Coaches auf den Nutzen von Podcasts ein. Es gäbe fast kein Thema, das nicht intensiv in einem Podcast beleuchtet werden könne, meint er (S. 137). Das Kofferwort Podcast setze sich „zusammen aus Pod, dem Namensbestandteil des IPod (Apples vielfach verkauftes Abspielgerät für Audiodateien) und dem Bestandteil Cast aus Broadcast (Sendung)“ (ebd.). Podcasts seien keine Live-Sendungen, sondern würden in der Regel aufgezeichnet und dann im Internet zum Hören/Download bereitgestellt. „Ihr Schwerpunkt liegt eindeutig im Bereich der gesprochenen Sprache und nicht im musikalischen Bereich“, schreibt Wierzbitza (S. 138). Mittlerweile würden diese von Privatpersonen wie auch von öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten teils aufwendig produziert und oft kostenlos ins Netz gestellt. Häufig sei dabei „nicht mehr erkennbar, ob diese Sendungen auch einen Sendeplatz im Radio haben oder ausschließlich als Podcast produziert werden. Deutlich wird dies vielleicht am Beispiel des Coronavirus Update des NDR Wissenschaftsteams. Wäre diese Sendung nicht als Podcast mit der Verbreitung über das Internet konzipiert, sondern einzig eine Radiosendung, hätte sie wohl keine millionenfache Hörerschaft auf der ganzen Welt gefunden“, hebt der Autor die Bedeutung des Podcasting hervor (ebd.).

Podcast ließen sich im Internet über Suchmaschinen oder durch direkten Besuch bestimmter Websites finden, eine einfachere Art seine aber Podcatcher-Apps, „die z.B. auf dem Smartphone installiert werden und regelmäßig das Podcastuniversum nach den neuesten Episoden durchforsten, indem sie im Hintergrund die sogenannten RSS-Feeds der abonnierten Podcasts abrufen“, schildert der Autor (S. 139). Anders als der öffentliche Rundfunk müssten sich Podcasts nicht an ein Massenpublikum wenden, sondern böten die Möglichkeit, auch Nischenthemen aufzugreifen, schreibt Wierzbitza (S. 140). Es fänden sich diverse Fachpodcast im Netz, „die einen wunderbaren Einblick in die Arbeit dieser Personen geben und so neue Ideen und Impulse für die eigene Arbeit bieten“ (ebd.). Toll an Podcast sei, dass man sich mittels ihrer Hilfe quasi nebenbei weiterbilden können. Podcasts seien zwar keine Möglichkeit, direkt Geld zu verdienen, indirekt allerdings sei dies insofern möglich, als sie für Coaches und Beratende als Visitenkarte fungieren, da das eigene Angebotsportfolio über sie dargestellt und einem breiten Publikum bekannt gemacht werden könne. Diverse Podcasts werden vom Autor vorgestellt, der zudem darlegt, wie man vorgehen könne, wenn man einen eigenen Podcast plane und ins Netz stellen wolle. Eins sei jedenfalls klar, lautet das Fazit des Autors: Das Potenzial „des Mediums Podcast ist noch lange nicht ausgeschöpft. Podcasts begeistern, weil sie das menschliche Gespräch in die digitale Welt bringen“ (S. 147).

Diskussion

Was lässt sich zum hier rezensierten Werk festhalten? Wer profitiert von der Lektüre? Dazu kann der Rezensent folgendes sagen: Das Buch richtet sich vor allem an Menschen, die erst wenig Erfahrung mit Online-Angeboten haben, sich aber mit diesen vertraut machen wollen, weil sie z.B. selbst Angebote in Anspruch nehmen oder sie anbieten wollen. Coaches, Beratende und Trainer:innen werden ebenso angesprochen wie Personalverantwortliche. Wer erfahren will, auf was er oder sie sich einlässt, wenn er oder sie eine Online-Weiterbildung absolviert, ein Online-Coaching in Anspruch nimmt oder sich im virtuellen Raum zu einer Supervision trifft, finden im Buch viele gut aufbereitete Informationen, die kurzweilig in die Materie einführen und Leser:innen nicht überfordern. Wer in Sachen in Online-Beratung, -Seminargestaltung und -Coaching bereits erfahren ist, erfährt im Buch nichts wirklich Neues – zumindest, was die rein funktionale Ebene dessen anbelangt, was online möglich ist. Interessant kann die Lektüre auch für diese Menschen aber sein, wenn sie sich einen schnellen Überblick dazu verschaffen wollen, wie andere die Online-Entwicklung sehen, wie sie damit umgehen, was für Erfahrungen sie gemacht haben. Das zu erfahren war die Intention des Rezensenten, der selbst Online-Seminare anbietet, selbst bereits online gecoacht hat und gecoacht wurde. Das Buch lieferte ihm rein inhaltlich nichts, was er nicht schon selbst erfahren oder irgendwo gelesen hatte, er hat die Lektüre aber dennoch als interessant und kurzweilig empfunden. Das liegt vor allem daran, dass die Auswahl der 16 Aufsätzen gelungen ist. Auf den Umgang mit Glaubenssätzen in der Online-Arbeit (Tom Küchler) wird ebenso eingegangen wie auf…

…Besonderheiten im Auftreten im digitalen Raum (Mira Engenhorst und Dorothee Rosenow),

…die Sicherstellung von Tiefe und Nähe in der Online-Interaktion (Katja Möller-Rumann),

…die Bedeutung von Selfcare im virtuellen Raum (Tanja Schwichtenberg),

…Blended Counseling (Emily Engelhardt) und Video-Beratung (Mirjam Faust),

…Web Based Training (Peter Martin Thomas) und Lern-Management-Systeme (Valentin Frangen),

…didaktische Überlegungen zur Online-Lehre (Christine Jablonski, Robert Baum & Dirk Rohr),

…Videos für Online-Weiterbildungen und Selbstmarketing (Susanne Nadler & Jakob Bantleon),

…Online-Figurenaufstellung mit PowerPoint (Holger Lindemann),

…digitale Genogrammarbeit (Clara Stein & Dirk Rohr) sowie

…Online-Coaching mit der CAI® World (Elke Berninger-Schäfer & Hannah Süß).

Die große Bandbreite dessen, wie sich Online-Angebote in Beratung, Coaching, Training und auch Lehre und Weiterbildung darstellen, wird im Sammelband sehr gut deutlich. Die Artikel sind alle eher kurz gehalten und lesen sich angenehm flüssig. Vor allem sind sie auch für Laien gut verständlich, wozu auch diverse Abbildungen beitragen. Wer sich einen ersten Überblick dazu verschaffen will, was online bereits alles möglich ist, welche Fallstricke es gibt und wie diese umgangen werden können, für den oder die ist der Sammelband gut geeignet.

Fazit

Astrid Hochbahn versammelt in diesem Sammelband interessante, angenehm praxisorientierte, kurzweilig zu lesende Aufsätze, die anregen und nie überfordern. Das Werk macht deutlich, dass eine rigide Grenzziehung zwischen digitaler und analoger Welt in Beratung, Coaching und Training kaum mehr sinnvoll ist. Wer Informationen dazu sucht, warum das so ist, wann sich Online-Formate und wann Analog-Formate anbieten und wie sich beides situationsangemessen verknüpfen lässt, wird im Buch fündig.

Rezension von
Prof. Dr. Christian Philipp Nixdorf
Sozialwissenschaftler, Diplom-Sozialarbeiter/-pädagoge (FH), Sozial- und Organisationspädagoge M. A., Case Management-Ausbilder (DGCC), Systemischer Berater (DGSF), zertifizierter Mediator, lehrt Soziale Arbeit und Integrationsmanagement an der Hochschule der Wirtschaft für Management (HdWM) in Mannheim.
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Zitiervorschlag
Christian Philipp Nixdorf. Rezension vom 02.11.2022 zu: Astrid Hochbahn: Gekonnt online in Beratung, Coaching und Weiterbildung. Digitale Formate für die Praxis. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2022. ISBN 978-3-525-45338-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29632.php, Datum des Zugriffs 29.11.2022.


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