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Nicolas Schöpf (Hrsg.): Akademische Weiterbildung für soziale Berufe

Rezensiert von Prof. Dr. habil. Gisela Thiele, 07.11.2022

Cover Nicolas Schöpf (Hrsg.): Akademische Weiterbildung für soziale Berufe ISBN 978-3-7639-6646-2

Nicolas Schöpf (Hrsg.): Akademische Weiterbildung für soziale Berufe. Theoretische, empirische und praktische Aspekte. wbv Media GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2022. 228 Seiten. ISBN 978-3-7639-6646-2. 49,90 EUR.
Reihe: Hochschulweiterbildung in Theorie und Praxis.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Thema und Autoren

Im vorliegenden Band wird ein Modellprojekt eines berufsbegleitenden Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit (BABS) an der OTH Regensburg vorgestellt. In Beiträgen zu Theorie, Empirie und Praxis reflektieren die Autorinnen Konzepte und schildern Erfahrungen mit berufsbegleitenden Studienkonzepten.

Der Herausgeber des Bandes ist Nicolas Schöpf.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist nach einem Vorwort und einem weiteren Vorwort des Bayrischen Staatsministers für Wissenschaft und Kunst zum Sammelband ‚Akademische Weiterbildung für soziale Berufe‘ von Bernd Sibler und einer „Einleitung“ in verschiedenen Kapiteln unterteilt.

Im „Vorwort“ wird betont, dass es sich in diesem Band um den berufsbegleitenden Bachelorstudiengang Soziale Arbeit der Ostbayrischen Technischen Hochschule (OTH) handelt, der näher vorgestellt wird. Im zweiten „Vorwort“ des bayrischen Staatsministers wird darauf hingewiesen, dass dieses Studium ein Angebot für beruflich Qualifizierte ohne formale Hochschulzugangsberechtigung geeignet ist, die die Durchlässigkeit zwischen dem Berufsbildungs- und dem Hochschulsystem gewährleistet.

In der „Einleitung: Berufsbegleitendes Studium im sozialen Bereich“ von Nicolas Schöpf wird herausgearbeitet, dass es bei diesem Studium um die stärkere Durchlässigkeit von akademischer und beruflicher Aus- und Weiterbildung gehe, um die engere Verknüpfung von akademischer Lehre mit der beruflichen Praxis zu ermöglichen. In den Fokus rückten deshalb berufsbegleitende Studienformate, die der beruflichen und privaten Lebenssituation der neuen Zielgruppe besser entsprächen. Den Studiengang kennzeichnete drei Elemente: es handele sich um einen berufsbegleitenden Bachelorstudiengang, der dezentral konzipiert wurde in vier dezentrale extramurale Studienstandorte und um das Element des virtuellen Lehrens und Lernens ergänzt wurde.

Es folgt ein erster Teil zu „Rahmenbedingungen von berufsbegleitendem Studium im sozialen Bereich“ mit einem Kapitel von Irmgard Schroll-Decker und Barbara Seidenstücker zum Thema „Soziale Arbeit, berufsbegleitend studieren – Idee, Konzeption, Erfahrungen“. Es sollten berufserfahrene Praktikerinnen, die in sozialpädagogischen Handlungsfeldern tätig sind, immatrikuliert werden, die aber selbst keine sozialpädagogische Basis haben, qualifiziert werden. Sie sollten auch mit den erforderlichen Leitungs- und Führungskompetenzen ausgestattet werden. Zwei Semester wurden durch ihre bisherige Arbeit angerechnet und ein Start im dritten von elf Fachsemestern war möglich. Die Arbeitsbelastung wurde als hoch bezeichnet, weil viele Studierende, ihre beruflichen Arbeitszeiten nicht reduziert haben.

Ein weiteres Kapitel, von Boris Goldberg verfasst, ist „Das Konzept des Integrierten Dezentralen Berufsbegleitenden Studiengangs Soziale Arbeit – Rechtliche und hochschulstrategische Hintergründe“. Abgeleitet von der Zielstellung, genau diejenigen Regionen zu stärken, die bisher weniger von der Innovationskraft der Hochschulen profitiert haben, sollten Studienangebote geschaffen werden, die Begabungsreserven in den Regionen aufgreifen (S. 25). Ein weiterer als wichtig bewerteter Vorteil ist die Struktur der Lernorte, die breit gestreut sind. Insgesamt ist der neue Studiengang als sehr erfolgreicher Impulsgeber zu bewerten.

Carl Heese schreibt ein Kapitel zum Thema „Soziale Arbeit als Weiterbildungsziel – Zur Professions- und Karriereentwicklung in der Heilpädagogik“. Es stelle sich die Frage, mit welcher Intension die Studierenden das Fach der Sozialen Arbeit anstelle einer geradlinigen akademischen Fortsetzung ihre primären Berufsausbildung wählen. Der Wortteil „Heil“ hat die Bedeutung des Nicht- Beschädigten, Unversehrten, aber auch des Wiederhergestellten. Das Studium der Sozialen Arbeit scheint insgesamt als vorteilhaft und konzeptionell auch als stimmiger Bildungsgang für Heilpädagogen zu sein.

Ein zweiter Teil mit der Überschrift „Anforderungen und Supportstrukturen im berufsbegleitenden Studium“ wird mit einem Kapitel von Nicolas Schöpf mit dem Titel „Work-Life-Balance – und wo bleibt das Lernen? Der Beitrag erfasst Anforderungen und Belastungen berufsbegleitend Studierender. IT- Tätigkeiten zeigten sich als Domänen, in denen sich Entgrenzungstendenzen, die sich in einem zeitlichen und räumlichen Diffundieren von Arbeit und Privatleben äußern. Auch abends und am Wochenende werde gearbeitet.

Im Fokus des Kapitels von Michael Görtler „Zeitliche Herausforderungen im berufsbegleitenden Studium der Sozialen Arbeit“ steht die Zeit. Zeit hätte für den Menschen zwar keine klare Bedeutung, etwa in Form der Uhrzeit, die Arbeits- und Privatleben, Beruf und Studium strukturiert, ein allgemein gültiges Verständnis scheint aber zu fehlen. Lernen könne als zeitlicher Handlungsprozess konzeptualisiert werden. Zeit gelte als knappes Gut, weil die Zeit menschlich begrenzt ist.

Sonja Haug und Anna Scharf verfassen das folgende Kapitel „Berufsbegleitend studieren aus der Perspektive von Studieninteressierten, Dozierenden und Beratungsstellen: Bedarfserhebungen zu Flexibilisierung, und Angeboten für Studierende mit Migrationshintergrund“. Im Rahmen der Digitalisierung veränderten sich die Herausforderungen der Hochschulen, es wandelten sich nicht nur das Lernen und Lehren, sondern das gesamte Hochschulsystem (S. 108). Im Bereich der Diversität wurden Beratungen den Arbeitsagenturen aufgenommen, damit die Zielgruppe der Zugewanderten verstärkt von der Möglichkeit einer akademischen Weiterbildung erfahren.

Mit dem Titel „‘Kommt uns zugute und dir kommt es ja auch zugute‘ – Strategien der betrieblichen Unterstützung berufsbegleitend Studierender. Ergebnisse einer qualitativen Studie in der Sozialwirtschaft“ ist das Kapitel von Nicolas Schöpf und Sandra Schütz überschrieben. Ziel des vorliegenden Beitrags ist es, die Perspektive der Arbeitgeberinnen auf Unterstützung für ein berufsbegleitendes Studium vorzustellen. Eine wesentliche Unterstützung sei die finanzielle Beteiligung an den Studiengebühren, aber auch Unterstützung in Form“ und von flexiblen Arbeitszeiten sowie angepasster Dienstplan- und Urlaubsgestaltung.

„Dialektik und Studierende in berufsbegleitenden Studiengängen“ ist das Thema eines dritten Teils, das mit einem Kapitel von Martina Ortner „Dialektik und Lehre im berufsbegleitenden Studiengang Soziale Arbeit – ein Erfahrungsbericht“ beginnt. Studieren sei für viele ein Luxus, den sie sich leisten wollen. Hier gehe es darum Haltung zu entwickeln, wohl wissend, dass diese überprüft werden müsse. Auch die Frage nach der Sinnbildung der Erwerbstätigkeit, insbesondere des Berufs der Sozialen Arbeit, sei hier zu verorten (S. 186).

Ein vorletztes Kapitel setzt sich mit der Thematik „Berufsbegleitend Pflegemanagement studieren: Aus der Pflegepraxis ins Management“, das von Annette Meussling-Sentpali geschrieben wurde. Im Beitrag wird zunächst auf die Akademisierung der Pflege geschaut, wobei die Mehrheit der Studierenden nicht aus der ambulanten Pflege oder Langzeitpflege kommen, sondern aus Kliniken. Das große Potenzial der Studierenden läge in ihrer hohen Motivation, ihrer Reflexionsfähigkeit und ihren Erfahrungen.

Tanja Feder verweist in ihrem abschließenden Kapitel auf das Thema „Berufsbegleitendes Studium – Motivation und Unterstützungsbedarfe aus der Sicht der Studierenden“. Allen Studierenden sei eine hohe Affinität zur Weiterbildung zu bescheinigen. Alle hofften zudem auf eine Perspektivenerweiterung auf dem Arbeitsmarkt. Resümierend ließe sich feststellen, dass die Öffnung der Hochschule für Studierende ohne klassische Zugangsberechtigung neuen Schwung in die Qualitätsdebatte sozialer Berufe gebracht habe.

Diskussion

Die vorliegende Publikation ist in sich geschlossen und stringent, äußerst gründlich recherchiert und es wurden Entwicklungstrends in der akademischen Weiterbildung nachgezeichnet. Es werden Hindernisse, Störungen und Konflikte berufsbegleitend Studierender nicht nur herausgearbeitet, sondern auf mögliche Lösungswege hingearbeitet. Die Besonderheiten dieser Studierenden, die ohne klassische Zugangsberechtigung ein Studium absolvieren, spielen in den Ausführungen eine besondere Rolle. Die Kapitelüberschriften sind allerdings meist zu lang und erschweren eine Konzentration auf die Inhalte. Die Ausführungen sind leicht verständlich und haben keinen großen theoretischen Anspruch. Positiv sind die Fazite und Ausblicke am Ende eines jeden Kapitels, die einen guten zusammenfassenden Überblick geben.

Fazit

Für Interessierte, die dieses spezifische Studium in den Blick nehmen, ist es eine wertvolle Vorbereitung. Es zeigt alle Hürden, die hier zu überwinden sind und ermuntert, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Rezension von
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Soziologie, Empirische Sozialforschung und Gerontologie
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Es gibt 188 Rezensionen von Gisela Thiele.


Zitiervorschlag
Gisela Thiele. Rezension vom 07.11.2022 zu: Nicolas Schöpf (Hrsg.): Akademische Weiterbildung für soziale Berufe. Theoretische, empirische und praktische Aspekte. wbv Media GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2022. ISBN 978-3-7639-6646-2. Reihe: Hochschulweiterbildung in Theorie und Praxis. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29644.php, Datum des Zugriffs 04.12.2022.


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