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Birgit Thurmann: Den pädagogischen Alltag reflektieren

Rezensiert von Diplom-Pädagoge Volker Raupach, 09.08.2023

Cover Birgit Thurmann: Den pädagogischen Alltag reflektieren ISBN 978-3-451-39275-7

Birgit Thurmann: Den pädagogischen Alltag reflektieren. Verlag Herder GmbH (Freiburg, Basel, Wien) 2022. 112 Seiten. ISBN 978-3-451-39275-7. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR, CH: 30,90 sFr.

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Thema

In dem Buch „Den pädagogischen Alltag reflektieren“ befasst sich die Autorin mit grundlegenden theoretischen Aspekten von Reflexion im pädagogischen Alltag und stellt Methoden sowie Impulse vor. Durch diverse Fallbeispiele wird die Bandbreite der pädagogischen Reflexion verdeutlicht.

Autorin

Birgit Thurmann ist Diplom-Pädagogin und als Oberstudienrätin an einer Fachschule für Sozial- und Heilpädagogik sowie im Aufbaubildungsgang Sozialmanagement in Neumünster tätig. Sie hat neben diesem Buch weitere Schriftstücke veröffentlicht zum Beispiel zur Beobachtung und Förderung kognitiver Prozesse beim Kind.

Entstehungshintergrund

„Ohne Reflexion geht es nicht“, diese Aussage der Autorin macht deutlich welche Bedeutung die Reflexion im pädagogischen Alltag hat. Reflektieren gehört zur pädagogischen Kernkompetenz der Personen, die im pädagogischen Arbeitsfeld tätig sind. Diese Kompetenz ist besonders wichtig, da pädagogisches Handeln häufig nicht nur theoriegeleitet stattfindet, sondern auch auf Erfahrungswissen und durch die Intuition der handelnden Pädagogen stattfindet. Der Reflexionsprozess kann dieses Handeln aufgrund von Erfahrungen und der Intuition absichern.

Aufbau

Das Buch behandelt auf 111 Seiten diese Thematik. Es beginnt mit einer Einleitung, der ein Zitat von Konfuzius vorangestellt ist. Jedes der nun folgenden neun Kapitel beginnt mit einer kurzen Übersicht über die Inhalte, die in diesem Kapitel behandelt werden.

In dem ersten Kapitel setzt sich die Autorin damit auseinander was unter der professionellen Reflexion zu verstehen ist und wie durch regelmäßiges Reflektieren intuitives Handeln und Erfahrungswissen abgesichert werden kann. Im zweiten Kapitel befasst sich die Autorin mit der Frage, wie Episoden ausgewählt werden und wie sich der Blick auf die Wirklichkeit durch Reflexion verändern kann. Das dritte Kapitel befasst sich mit Fragen und Fragestellungen zur Reflexion. Dazu werden verschiedene Fragetypen und dessen Wirkung vorgestellt. Im vierten Kapitel werden drei Reflexionszirkel vorgestellt mit deren Hilfe eine systematische Reflexion erreicht werden soll. Das fünfte Kapitel stellt die Bedeutung des Schreibens beim Reflektieren als Denken mit der Hand vor. Dazu werden verschiedene Techniken vorgestellt. Im sechsten Kapitel werden Reflexionstools für den Alltag vorgestellt. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Werten steht im Fokus des siebten Kapitels. Im vorletzten Kapitelt stellt die Autorin vor, wie theoretische Grundlagen den Reflexionsprozess bereichern. Dieses wird anhand eines Beispiels vorgestellt. Im letzten Kapitel beschreibt die Autorin, wodurch sich verschiedene Ebenen und Integrationsgrade der Reflexion auszeichnen. Dem Kapitel angeschlossen ist eine Ressourcen-Mindmap und ein ausführliches Litertaturverzeichnis.

Ausgewählte Inhalte

In der Einleitung stellt die Autorin heraus, dass Reflektieren zu den pädagogischen Kernkompetenzen gehört und als Querschnittsaufgabe über alle Kompetenzbereiche hinweg bedeutsam ist. Die Autorin stellt zwei Fragestellungen vor, die Grundlage für dieses Buch sind. Die beiden Fragestellungen lauten: „Warum professionelles Handeln nicht ohne Reflexion auskommt“ und „Warum regelmäßiges Reflektieren entlastende Wirkung für die Fachkräfte entfalten kann.“

Im ersten Kapitel stellt die Autorin eine Definition von professioneller Reflexion vor. In den Ausführungen vergleicht sie den professionellen Reflexionsprozess als systematisch geplante „Forschungsreise“. Im weiteren Verlauf wird erläutert, warum Reflexion eine Kernkompetenz ist und wie diese Intuition und Erfahrungswissen absichern kann. Dazu werden die „Leiter der Schlussfolgerungen“ sowie passende Reflexionsfragen vorgestellt. Am Ende dieses ersten Kapitels werden Aspekte aufgeführt, warum der Aufwand von regelmäßigen Reflexionen sich lohnt und es werden Glaubenssätze und Sprichworte vorgestellt, die zum Teil in der Kindheit uns gegenüber verwendet wurden.

Im zweiten Kapitel setzt sich die Autorin mit Reflexionsperspektiven auseinander. Es werden zu Beginn des Abschnittes vier Perspektiven vorgestellt und daraus eine multiperspektivische Reflexion entwickelt. Danach beschäftigt sich die Autorin damit, wodurch sich reflexionswürdige Situationen auszeichnen. In dem zweiten Unterkapitel wird vorgestellt, wie im dem Vier-Faktoren-Modell der Themenzentrierten Interaktion Reflexionsthemen generiert werden können. Am Ende des zweiten Kapitels wird die Reflexion mit wechselnden Spiegeln vorgestellt.

Das dritte Kapitel steht unter dem Titel „Lob der Frage“. Darin werden die Wirkungen von Fragen nachgegangen. So wird die Gefährlichkeit der Warum-Frage vorgestellt, da sie zu einfachen Antworten führen kann. Im dritten Unterkapitel werden systemische und lösungsorientierte Fragestellungen vorgestellt.

In dem vierten Kapitel stehen die Reflexionszirkel im Vordergrund, um systematisch reflektieren zu können. Dafür stellt die Autorin drei Reflexionszirkel dar. Das erste Instrument wurde von Terry Barton entwickelt. In dem eingängigen Instrument „What?-So What?-Now What“ wird deutlich in jeder Phase weitere, vertiefende Fragen zu stellen. In einer Tabelle gibt die Autorin Beispiele für Reflexionsfragen in den einzelnen Phasen. Das zweite Instrument ist der Reflexionszirkel nach Graham Gibbs. Auch hier werden in den einzelnen Phasen Fragen gestellt. Das dritte Instrument, welches die Autorin vorstellt, ist das „Model for Structured Reflection“ kurz MSR-Modell nach Christopher Johns. Dieses besteht aus sechs Phasen zu denen die Autorin ebenfalls Reflexionsfragen vorstellt. Das Kapitel schließt ab mit der Kollegialen Beratung als strukturiertes Reflexionsverfahren.

Das fünfte Kapitel befasst sich mit dem Sinn und Nutzen des reflektierenden Schreibens. Dazu stellt die Autorin die Methode des Reflexionsjournales und einige Einsteigertools vor. Darunter befinden sich die Tools „Reflektieren mit dem Einkaufszettel“, „Zwanzig Worte“, „Reflektieren im Dialog mit SMS und Postkarte“ und die „fünf Reflexionsunterstützer“. Als letzter Teil des Kapitels wird das Instrument des Sechs-Minuten-Schreiben vorgestellt.

Im sechsten Kapitel stehen Reflexionstools für den Alltag im Vordergrund. Bei der Auswahl werden diverse Tools wie das der „Arbeitskleidung“, „Das war gut“, „Sätze vervollständigen“, „Reflexionsmännchen“ und „Zeitreise“ kurz erläutert.

Im siebten Kapitel wird der Leser angeregt, sich mit den eigenen Wertvorstellungen auseinander zu setzen und im Team gemeinsame Werte zu erkennen und festzulegen. Dazu wird eine Übung mit einer Wertematrix vorgestellt. Am Ende des Kapitels werden Aspekte als Hilfestellungen für die Umsetzung der Werte vorgestellt.

Im achten Kapitel wird der Nutzen theoretischer Grundlagen vorgestellt, diese sollen dazu dienen, den Übersetzungsprozess zu bereichern und zu professionalisieren. Dies geschieht anhand eines Beispiels in dem verschiedene theoretische Grundlagen in die Reflexion einbezogen werden.

Das neunte Kapitel trägt den Titel „Kompetent reflektieren“. Dazu werden verschiedene Ebenen und Intensitätsgrade der Reflexion aufgezeigt. Die Autorin stellt dazu das Modell der Reflexionsintensität nach Jones vor. Im Anschluss folgt daran ein Unterkapitel indem Qualitätskriterien für eine gute Reflexion ermittelt werden, was anhand eines Beispiels verdeutlicht wird. Das Kapitel schließt damit ab, wie Reflexionen bewertet werden können. Im Anschluss an das neue Kapitel erfolgt zum Abschluss eine Ressourcen-Mindmap, die dazu anregen soll eigene Ressourcen und die Verfügbarkeit von Unterstützungssysteme herauszustellen.

Diskussion

In diesem Buch werden sinnvolle Hinweise zum Einsatz von Reflexionsmöglichkeiten im beruflichen pädagogischen Alltag gegeben. Dabei werden der Einsatz und die Bedeutung der Reflexion hervorgehoben und praktische Hinweise durch die vorgestellten Tools gegeben. Die kurzen Inhaltsangaben am Beginn jedes Kapitels fand ich sehr hilfreich. Auch die Übungen oder die anregenden Fragestellungen waren für mich hilfreich.

So lautet meine Antwort auf die zu Beginn gestellte Aussage: „Ohne Reflexion geht es nicht“, aber ohne die Reflexion der Reflexionsprozesse auch nicht.

Fazit

Das Buch „Den pädagogischen Alltag reflektieren“ ist meiner Meinung gut geeignet, um einen Einstieg in das Thema Reflexion zu geben. Dadurch ist es für die Ausbildung von Personen im sozialen Arbeitsfeld geeignet. Gleichzeitig kann es aber auch eingesetzt werden, um Personen, die schon länger im sozialen Arbeitsfeld tätig sind, ihre eigenen Reflexionsprozesse und Methoden zu hinterfragen.

Rezension von
Diplom-Pädagoge Volker Raupach
Diplom Pädagoge, Lehrtätigkeit an einer Fachschule und Berufsfachschule für Sozialwesen
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Es gibt 21 Rezensionen von Volker Raupach.

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Zitiervorschlag
Volker Raupach. Rezension vom 09.08.2023 zu: Birgit Thurmann: Den pädagogischen Alltag reflektieren. Verlag Herder GmbH (Freiburg, Basel, Wien) 2022. ISBN 978-3-451-39275-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29650.php, Datum des Zugriffs 18.07.2024.


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