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Pedro Graf, Maria Spengler et al.: Leitbild- und Konzeptentwicklung

Rezensiert von Dr. Michaela Quente, 26.04.2023

Cover Pedro Graf, Maria Spengler et al.: Leitbild- und Konzeptentwicklung ISBN 978-3-8029-5485-6

Pedro Graf, Maria Spengler, Martin Nugel: Leitbild- und Konzeptentwicklung. Eine Arbeitshilfe für soziale Organisationen. WALHALLA Fachverlag /metropolitan Verlag (Regensburg) 2021. 7., aktualisierte Auflage. 176 Seiten. ISBN 978-3-8029-5485-6. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.
Blaue Reihe.

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Thema

Die Arbeitshilfe für soziale Organisationen stellt eine prozesshafte Entwicklung von Leitbildern, Konzeptionen und Leistungsbeschreibungen als Instrumente der Steuerung und des Qualitätsmanagements in Einrichtungen und Diensten der Sozialen Arbeit vor. Zur Motivation und Identifikation gehört darüber hinaus die aktive Beteiligung der Mitarbeitenden. „Ohne lernende Menschen gibt es keine lernende Organisation“.

Autor:innen

Pedro Graf († 2009) war Jurist, Politikwissenschaftler und Hochschullehrer mit umfassender Erfahrung und Qualifikation im Felde sozialer Arbeit ebenso wie in der Organisationsberatung und Organisationsentwicklung.

Maria Spengler, Sozialpädagogin mit langjähriger Berufserfahrung in der Sozialarbeit und im Sozialmanagement. Freiberufliche Praxis als Supervisorin, Fachberaterin und Moderatorin.

Dr. Martin Nugel, Sozialpädagoge mit langjähriger Leitungserfahrung in der Jugendverbandsarbeit. Professor für Theorien der Sozialen Arbeit an der Evangelischen Hochschule Nürnberg.

Entstehungshintergrund

Es sind 28 Jahre vergangen, seit die Erstausgabe von Pedro Graf im Jahr 1995 erschienen ist. Es liegt mit der aktuellen Auflage die siebte überarbeitete und aktualisierte vor.

Seit 2021 erscheint die Reihe im Walhalla Verlag. Für diese Auflage wurden die Kapitel fünf und sechs neu formuliert. Die Konzeptionsentwicklung wird von dem Autor Martin Nugel um Leistungsangebote der Sozialen Arbeit ausgeweitet.

Die BLAUE Reihe „Management Soziales & Gesundheit“ bietet Studierenden, die sich auf ein entsprechendes Aufgabenfeld vorbereiten möchten, wie auch Praktiker:innen einen systematischen Überblick über die Handlungsfelder und Aufgaben des Sozialmanagements.

Siehe Rezension zur vierten Auflage 2005 (https://www.socialnet.de/rezensionen/2783.php)

Siehe Rezension zur sechsten Auflage 2014 (https://www.socialnet.de/rezensionen/​16546.php)

Aufbau

Die Arbeitshilfe ist in sieben Kapitel, ein Geleitwort zur Erstausgabe und ein Vorwort zu den Neuauflagen gegliedert. Ab Seite 170 folgt das Literaturverzeichnis, eine Vorstellung der Autor:innen und ein Stichwortverzeichnis.

1. Begriffsbestimmungen und theoretischer Rahmen

Definition und Abgrenzung der Begriffe Konzept, Konzeption, Vision, Leitbild. Charakteristika von Sozialen Organisationen.

2. Die Konzeption als Instrument der globalen Steuerung von sozialen Organisationen

Konzeptionen als Beitrag zur Steuerung von Systemen. Ziele als zentrales Steuerungs- und Konzeptionselement.

3. Inhalte von Konzeptionen auf Verbands- und Trägerebene

Formen oder Spielarten von Konzeptionen. Funktion und Anforderung an ein Leitbild. Die Unternehmens- oder Verbandskonzeption/​politik. Die Führungskonzeption bzw. die Führungsgrundsätze.

4. Das Verfahren der Konzeptions- und Leitbildentwicklung

Konzeptionsentwicklung als systemischer Prozess. Phasen und Stufen der Konzeptentwicklung. Die Leitbildentwicklung.

5. Konzeptionen für pädagogische Einrichtungen und Leistungsangebote der Sozialen Arbeit

Gesetzliche Vorgaben als Rahmen für die Konzeptionsentwicklung. Anlässe, Funktion und Form zur Konzeptionsentwicklung. Besondere Konzepte, hier: Schutz vor Gewalt – Beteiligung – Beschwerde. Struktur und Inhalt sowie Vorschlag für ein Verfahren einer Einrichtungskonzeption im Team.

6. Leistungsbeschreibung als Grundlage für Vereinbarungen und Verträge mit öffentlichen Trägern

Begriffsdefinition Leistungsbeschreibung. Auslöser für die Einführung. Die Leistungsbeschreibung als Grundlage für eine Leistungs- und Entgeltvereinbarung und/oder als Vorgabe des Auftraggebers im Vergabeverfahren.

7. Instrumente zur Konzeptentwicklung

Stakeholderanalyse, SWOT-Analyse, Zukunftskonferenz.

Ausgewählte Inhalte

Die Beiträge sind in sich geschlossen, reihen sich aber sehr gut aneinander an und sind eng miteinander verknüpft. Beispielhaft sollen hier das erste und siebte Kapitel genauer betrachtet werden.

Kapitel 1: Begriffsbestimmungen

Das erste Kapitel, Begriffsbestimmungen und theoretische Rahmenbedingungen, beginnt mit der Frage, was unter einem Konzept zu verstehen ist und ob es dasselbe oder etwas anderes ist als eine Konzeption? Es folgen praktische Beispiele aus unterschiedlichen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit, die deutlich machen, dass es keine klar umrissene Definition gibt, sondern eine Vielzahl an unterschiedlichen Bedeutungen. So schreiben die Autor:innen auf Seite 16: „Konzepte“ und „Konzeptionen“ sind folglich „Entwürfe“, d.h. geistige „Würfe“ in die Zukunft hinein, gedankliche Vorwegnahmen anzustrebender zukünftiger Zustände. Sie haben insofern Gemeinsamkeiten mit einer „Vision“ einerseits und einem „Plan“ andererseits.

Im Rahmen einer übersichtlichen Darstellung werden im Folgenden die unterschiedlichen Konzept(ions-)papiere auf Trägerebenen und auf Einrichtungsebene dargelegt.

Ausführlich werden in der Arbeitshilfe die Charakteristika einer sozialen Organisation vorgestellt und in Form einer Abbildung in Abgrenzung zu Profit-Organisationen in einer Tabelle zusammengefasst.

  1. Soziale Organisationen als Non-Profit-Organisationen
  2. Soziale Organisationen als Unternehmen der Sozialwirtschaft zwischen Staat und Markt
  3. Soziale Organisationen als Dienstleistungsunternehmer

Es folgt ein erster Exkurs zur Qualitäts- und Erfolgskontrolle sozialer Dienstleistungen und einer Vorstellung der drei Dimensionen von Qualität: Struktur-, Prozess-, und Ergebnisqualität. Die Autor:innen gehen auf die Schwierigkeit der Qualitätskontrolle sozialer Dienstleistungen ein. Sie fassen zusammen, dass der „sog. ‚output‘ über die Prozess-, und Strukturqualität relativ zuverlässig und genau überprüft werden kann, während das Ergebnis, der sog. ‚outcome‘ viel schwerer genau zu erfassen und zu beurteilen ist“. (S. 25)

Im zweiten Exkurs werden zum Management sozialwirtschaftlicher NPOs (Non-Profit-Organisationen) die Unterschiede zu privatwirtschaftlichen Unternehmungen gelistet. Im letzten Unterkapitel wird die soziale Organisation als soziales System vorgestellt und anhand einer klar gegliederten und übersichtlichen Abbildung Wohlfahrtsorganisationen als soziale Systeme dargestellt.

Kapitel 7: Instrumente zur Konzeptionsentwicklung

Im siebten Kapitel werden die Instrumente der Stakeholderanalyse, SWOT-Analyse und Zukunftskonferenz Schritt für Schritt und mit Beispielen aus unterschiedlichen sozialen Organisationen beschrieben.

Die Stakeholderanalyse ist ein Baustein der Umfeldanalyse. Ziel ist es, die Erwartungen der Interessensgruppen zu kennen und vorausschauend Chancen und Gefahren zu identifizieren. Anhand des Beispiels einer KiTa werden zum einen die Stakeholder identifiziert und im weiteren Schritt deren Nutzen, Chancen und Gefahren und die Bedürfnisse des Trägers in einer Tabelle gelistet. In größeren Einrichtungen erfolgt im Weiteren eine Kundensegmentierung, um typische Nutzergruppen zu bilden. Als Beispiel einer Zielgruppensegmentierung wird hier eine Sinus-Migranten-Milieu-Studie herangezogen.

Es folgt die Bewertung der einzelnen Akteure, die auf unterschiedliche Art Macht und Einfluss ausüben: Entscheidungsmacht-wirtschaftliche Macht-politische Macht-Macht durch Meinungsbildung. Neben dem Einfluss der Macht gilt es im Weiteren zu bestimmen, welche Stakeholder ein Interesse an der Organisation/​Einrichtung haben. Es folgt die Gewichtung in Form einer Matrix bzw. Portfolio-Analyse und die Entwicklung eines Maßnahmeplans.

Die SWOT (Stärken/Schwächen-Chancen/​Risiken) Analyse eignet sich sehr gut für die Leitbild- und Konzeptentwicklung und kann auf der Ebene der Gesamtorganisation wie auch auf einzelne Einrichtungen oder Leistungsbereiche angewendet werden. Eine SWOT-Analyse besteht zum einen aus der Analyse der organisationsinternen Stärken und Schwächen

  • Festlegung von Bewertungskriterien
  • Informationssammlung
  • Bewertung

Die einzelnen Bestandteile der SWOT-Analyse und die Strategischen Erfolgsfaktoren für Einrichtungen der Wohlfahrtspflege werden anhand von zwei Abbildungen vorgestellt.

Zur Analyse folgt die Informationssammlung in Form von internen Daten, Fakten und Einschätzungen. Die Befragung aktiver und zum Teil auch ehemaliger Mitarbeiter:innen und in größeren Verbänden auch die Mitgliederbefragung. Zur Bewertung der Stärken und Schwächen der sozialen Organisation kann auch die Öffentlichkeit in Form von Befragungen herangezogen werden. Zur Fremdbild-Erkundung wird hier das Beispiel eines Jugendzentrums genannt. Zum Thema Bewertung hat sich laut der Autor:innen für die SWOT-Analyse der Vergleich mit den stärksten Wettbewerbern als Bewertungsmaßstab bewährt, Stichwort: Benchmarking-Clubs oder die kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement. Als Beispiel wird hier die Potenzialanalyse einer kirchlichen Landvolkshochschule im Vergleich mit dem stärksten Wettbewerber in der Region vorgestellt.

Und zum anderen aus der Analyse der umwelt- und zukunftsbezogenen Chancen und Risiken

  • Identifizierung der erfolgsrelevanten Umweltfaktoren
  • Erkennen von Chancen und Risiken
  • Zukunftsbezogene Strategieentwicklung

Im weiteren Schritt geht es jetzt um die Analyse der Umweltbedingungen in Form von Statistiken, Untersuchungen und Ergebnissen der Zukunfts- und Trendforschung.

Das Autorenteam gibt eine gute Auswahl von Fragen mit, die zum Aufspüren von Chancen, Risiken und Gefahren hilfreich sind (S. 161) Die Übertragung in eine SWOT-Matrix gibt Aufschluss darüber „Ob und wie die Organisation mit ihren Stärken und Schwächen in der Lage ist, auf die gegenwärtige und zukünftige Umweltsituation mit ihren Chancen und Risiken zu reagieren“. (S. 162)

Die Methode Zukunftskonferenz auch als Future Search Methode bekannt ist ein Dialog-, Planungs- und Strategieinstrument und besteht aus sechs Schritten. Sie wurde erstmals von den Organisationsberatern Weisbord und Janoff (USA) beschrieben. Die Zukunftskonferenz bietet sich als zweieinhalbtägige Konferenz für eine Personenkreis für bis zu 72 Teilnehmer:innen an, die einen repräsentativen Querschnitt der Organisation darstellen. Die Arbeitshilfe stellt im weiteren Verlauf die Prinzipien und Arbeitsweise, die Phasen und Arbeitsschritte vor. Die Zukunftskonferenz vereint Elemente der Visionsentwicklung, Stakeholder- und SWOT-Analyse.

Diskussion

Angesprochen werden mit der Arbeitshilfe in erster Linie Fachkräfte aus der Praxis der sozialen Organisationen. Die Kapitel können unabhängig voneinander gelesen werden und bieten eine gute Orientierung zu den Themen rund um Leitbild- und Konzeptentwicklung. Insbesondere die neu aufgenommenen Inhalte der Leistungsangebote und Leistungsbeschreibungen als Grundlage für Vereinbarungen von Verträgen mit öffentlichen Trägern sind eine wertvolle Hilfestellung und Orientierung für die Praxis.

Die vorgestellten Instrumente der Stakeholderanalyse, die SWOT-Analyse und die Zukunftskonferenz sind bewährte Methoden des Sozialmanagements.

Die Rezensentin setzt im Rahmen der Lehre die Stakeholderanalyse ein. Diese Methode ermöglicht es auch Studierenden, einen umfassenden Blick über soziale Organisationen zu erhalten. Die hier in der Arbeitshilfe vorgestellte Herangehensweise zeichnet eine gute Grundlage und Orientierung auf.

Kritisch ist anzumerken, dass das Literaturverzeichnis zum Teil veraltet ist, was insbesondere beim Lesen des ersten Kapitels deutlich wird. Diese Kritik wurde bereits in der Rezension von Bertram Kasper 2005 aufgenommen.

Der Verlag benennt folgende Zielgruppe: Führungs- und Fachkräfte, Projektmanager sowie Beraterinnen und Berater in Einrichtungen und Diensten der Sozialen Arbeit, der Jugend- und Erwachsenenbildung sowie des Gesundheits- und Pflegemanagements, die entsprechende Prozesse fachlich, organisatorisch und moderierend begleiten. Optimal zu empfehlen für Studierende der Studiengänge Sozialmanagement/​Sozialwirtschaft, Sozialarbeit/​Sozialpädagogik.

Fazit

Die Arbeitshilfe „Leitbild- und Konzeptentwicklung“ ist eine konkrete Handlungsanleitung für soziale Organisationen. Sie ist klar strukturiert und bietet eine Orientierung für Praxis und Lehre. Mit vielen nützlichen Abbildungen, Schaubildern und Tabellen aber vor allem nützlichen Methoden und Ideen aus der Praxis.

Rezension von
Dr. Michaela Quente
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Es gibt 4 Rezensionen von Michaela Quente.

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Zitiervorschlag
Michaela Quente. Rezension vom 26.04.2023 zu: Pedro Graf, Maria Spengler, Martin Nugel: Leitbild- und Konzeptentwicklung. Eine Arbeitshilfe für soziale Organisationen. WALHALLA Fachverlag /metropolitan Verlag (Regensburg) 2021. 7., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-8029-5485-6. Blaue Reihe. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29772.php, Datum des Zugriffs 14.06.2024.


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