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Sabine Hirler: Rhythmik - Spielen und Lernen im Kindergarten

Cover Sabine Hirler: Rhythmik - Spielen und Lernen im Kindergarten. Bildung durch ganzheitliche Musikerziehung. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2005. 160 Seiten. ISBN 978-3-407-56275-3. 17,90 EUR, CH: 32,50 sFr.
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Das Thema

"Am Anfang war der Rhythmus" so oder ähnlich beginnen viele musikpädagogische Veröffentlichungen. In der Tat steht der Rhythmus am Anfang jeglichen Musikerlebens. Musik ist ohne Rhythmus nicht realisierbar und nicht erlebbar. Insofern legt die Autorin mit vorliegender Veröffentlichung zur Rhythmik im Kindergarten eine in zweifacher Hinsicht elementare Arbeit vor. Nicht nur dem behandelten Parameter Rhythmus sondern auch der Arbeit mit Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren kommt elementare Bedeutung zu, werden doch in diesem Alter wesentliche Weichen für die spätere emotionale und Entwicklung gestellt.

Die Autorin

Sabine Hirler studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart Musik und Rhythmik. Sie ist außerdem Heilpraktikerin für Psychotherapie, leitet eine eigene Musikschule und eine Praxis für Musik- und Rhythmiktherapie. Sie ist in der Aus- und Fortbildung von Heil- und Sonderpädagogen, Pädagogen im Elementar- und Grundschulbereich, Ergo- und Sprachtherapeuten tätig. In den letzten zehn Jahren  hat sie zahlreiche Praxisbücher, Kindertonträger und Kinderbücher veröffentlicht.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus drei großen Teilen:

  1. Eine kurze Geschichte der Rhythmik
  2. Ein umfangreicher didaktisch-methodischer Teil
  3. Rhythmikangebote für die Praxis

Wichtige Kapitel sind in roter Überschrift gehalten, genauso wie die gliedernden und kommentierenden Bemerkungen am Rande des Fließtextes. Am Ende der jeweiligen Großkapitel steht noch einmal eine einseitige Zusammenfassung in systematisierten und in eine Tabelle gebrachten Stichworten. Im gesamten Buch findet sich eine Fülle von Notenbeispielen.

Im ersten Teil schildert die Autorin chronologisch die Geschichte der Disziplin Rhythmik. Sie beginnt mit Ihrem Begründer Jaques-Dalcroze, erwähnt wichtige Persönlichkeiten des Fachgebiets und versucht eine inhaltlich differenzierte Darstellung der Rhythmik. Es folgt eine Standortbestimmung des Faches in der Gegenwart und der Versuch einer Definition des Begriffs "Rhythmik". Die rhythmische Erziehung fördert laut Sabine Hirler sowohl die kognitive und sensomotorische Entwicklung als auch die der sozialen Kompetenz und Persönlichkeit (S. 9). So bieten Lieder, Reime und die Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk Spielraum für diese Entwicklungen einschließlich Sprache und Kreativität.

Im zweiten Teil "Methodik und Didaktik der Rhythmik" bringt die Autorin ausgehend von den vier "Grundpfeilern"

  1. Musik,
  2. Bewegung,
  3. Sprache/Stimme
  4. Medien  (S. 23)

zahlreiche praktische Beispiele um die verschiedenen Methoden zu illustrieren. Immer wieder betont Sabine Hirler, dass Musik und Bewegung auf keinen Fall als getrennte Fächer angesehen werden dürfen sondern unbedingt gemeinsam unterrichtet werden sollen: dies sei ein ganz besonderes Kennzeichen der Rhythmik. Die Verfasserin gliedert ihre  Spiel- und Lernangebote grundsätzlich in drei Phasen: der Einstimmungsphase, der Hauptphase der rhythmischen Spiele und einer Ausklangphase. Die Charakteristika dieser Phasen werden ausführlich erläutert. Die Autorin stellt zudem einige praktisch-musikalische Beispiel für alle drei Phasen vor. So beginnt beispielsweise eine Begrüßungsphase mit einem Lied: "Liebe Freunde guten Tag".

Der dritte praktische Teil besteht nun überwiegend aus musikalischen Anleitungen für die musikpädagogische Praxis. Insgesamt werden sechs verschiedene Themenkomplexe vorgestellt, zu denen unterschiedliche inhaltliche und rhythmische Spielformen gehören. Die Autorin liefert zu Beginn eines jeden Kapitels eine ausführliche Liste der benötigten Materialien und Instrumente. So finden wir beispielsweise unter der Überschrift:"Schorchi Schnorrer, der Detektiv" ( S. 53 ff.) Spiel- und Lernangebote zu solch verschiedenen Themen wie "Leihen und Tauschen", "Diebstahl" oder auch "Geheimnisvolle Spuren". Diese Spiel- und Lernangebote werden grundsätzlich nach dem oben erwähnten drei Phasenmodell durchgeführt.

Zielgruppe

Die Autorin wendet sich im Vorwort konkret an PädagogInnen und TherapeutInnen. Auf Grund der Zielgruppe der Veröffentlichung ist sicherlich vornehmlich derjenige Personenkreis angesprochen der beruflich oder privat mit Kindern im Kindergartenalter (3 - 6 Jahre) also ErzieherInnen, SozialpädagogInnen und Eltern.

Diskussion

Das Buch stellt eine Fülle von Anregungen für Menschen bereit, die mit Kindern im Kindergartenalter musikalisch arbeiten wollen. Zudem enthält es eine gute  musikalische Materialsammlung für den musikpädagogischen Alltag.

Die jahrelange Praxiserfahrung der Autorin macht sich in der Auswahl und Plastizität der Beispiele sowie der guten Darstellung von methodisch-didaktischen Schritten bemerkbar. Gerade die im Bereich der Kindergartenarbeit häufig anzutreffenden musikalischen Laien werden für eine solche Anleitung dankbar sein.

Auf einige kleine Unstimmigkeiten sei an dieser Stelle noch hingewiesen: Dass Carl Orff  in der Geschichte der Rhythmik überhaupt nicht erwähnt wird ist schwer zu erklären, gehört doch sein Konzept neben dem von Jaques-Dalcroze zu den bedeutendsten des 20.Jahrhunderts.

Der theoretische Teil des Büchleins beschränkt sich auf kurze manchmal etwas vereinfachende Kernaussagen zum Musikerleben von Kindern generell, ohne jeweils konkrete Quellen zu benennen.

Fazit

Einige wenige marginale Kritikpunkte tun dem guten Gesamteindruck des Buches keinen Abbruch.


Rezension von
Prof. Dr. Hubert Minkenberg
Professor für Medienpädagogik/Musikpädagogik
Fachhochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Vgl. auch die Rezension zur 2., erweiterten Auflage.


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Zitiervorschlag
Hubert Minkenberg. Rezension vom 02.05.2006 zu: Sabine Hirler: Rhythmik - Spielen und Lernen im Kindergarten. Bildung durch ganzheitliche Musikerziehung. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2005. ISBN 978-3-407-56275-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2983.php, Datum des Zugriffs 17.10.2021.


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