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Mart Busche: »Die Welt geht ja nicht unter, wenn ich ihn nicht haue«

Rezensiert von Dr. Carsten Rensinghoff, 19.10.2022

Cover Mart Busche: »Die Welt geht ja nicht unter, wenn ich ihn nicht haue« ISBN 978-3-593-51565-6

Mart Busche: »Die Welt geht ja nicht unter, wenn ich ihn nicht haue«. Nichtgewalttätiges Handeln von Jungen. Campus Verlag (Frankfurt) 2022. 357 Seiten. ISBN 978-3-593-51565-6. D: 37,00 EUR, A: 38,10 EUR.
Reihe: Hildesheimer Geschlechterforschung - 5.

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Thema

Im Bereich der Jugendforschung handelt es sich bei dieser Arbeit um kritische Männlichkeitsforschung. Thematisiert wird die Perspektive von Jungen auf ihr nichtgewalttätiges Handeln. Busches Erkenntnisinteresse zielt auf die Auffächerung nichtgewalttätigen Handelns und seiner Kontexte.

Entstehungshintergrund

Bei der Publikation handelt es sich um eine Dissertation, die am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Fachgebiet der Diversität, an der Universität Kassel geschrieben wurde.

Aufbau

  1. Gegenstandstheoretische Bezüge
  2. Die sind doch gut: das Wiederverwenden von Daten
  3. Methodologie und methodisches Herangehen
  4. Empirische Rekonstruktion
  5. Theoretische Rückbindungen und Erweiterungen

Inhalt

Die Arbeit basiert auf Erhebungen aus den Jahren 2009 bis 2011. Trotz ihres Alters haben die Daten „an ihrer Relevanz als Forschungsdaten zum Themenfeld adoleszente Jungen und Nichtgewalttätigkeit an Aktualität nichts eingebüßt“ (S. 19).

Die Studie gründet auf den Alltagserfahrungen der Jugendlichen. „Alle können über Situationen berichten, die ein Gewalthandeln nahelegen; die meisten von ihnen kennen solche Situationen tatsächlich aus eigener Erfahrung“ (ebd.).

Scheinbar gibt es nicht nur die eine Männlichkeit. Basierend auf repräsentativen Studien stellt Busche fest, dass sich Männlichkeiten verändern. Dies schlägt sich, z.B. bei Vergewaltigung in der Ehe, in der Gesetzgebung nieder.

Zur Anwendung kommt aus der praxeologisch-wissenssoziologischen Perspektive die dokumentarische Methode. „Diese Herangehensweise ermöglicht es mir zu rekonstruieren, welchen Sinn die Befragten ihrem Handeln geben und welche (impliziten) Orientierungen ihr Handeln leitet“ (S. 101).

Nachdem Mart Busche leitfadengestützte Interviews mit acht Jungen geführt und interpretiert hat, hat der Autor – „im Bestreben, die acht rekonstruierten Orientierungen in Dimensionen nichtgewalttätigen Handelns einzuordnen“ – fünf Handlungstypen herauskristallisiert:

  1. Normative Gewaltdistanzierung, bei der Gewalt „grundsätzlich als illegitim angesehen“ (S. 310) wird;
  2. Zukünftige Teilhabe, d.h. für die Zukunft ist Gewalt nicht zuträglich;
  3. Souveräne Inszenierung, d.h. das „mit dem eigenen Bezug auf Nichtgewalttätigkeit […] Überlegenheit inszeniert“ (S. 311) wird;
  4. selbstregulative Techniken, d.h. Nichtgewalttätigkeit erfährt eine körperliche Regulation, z.B. durch Emotions- und Affektmanagement;
  5. aktive Deeskalation, d.h. Orientierung auf „‘Beruhigung und Verständigung‘“ (S. 311).

Diskussion

Da die 14- bis 16-jährigen Untersuchungsobjekte über eigene Erfahrungen berichten, sind sie hier als Experten in eigener Sache tätig, die über eine erlebte Kompetenz verfügen.

Mit Bezug auf Carol Gilligan stellt Mart Busche fest, dass das Thema auch ihn betrifft. „So kamen auch bei mir noch einmal viele Gewaltsituationen ins Bewusstsein, an denen ich als Opfer, Täter_in oder Zeug_in beteiligt war“ (S. 21). Derartiges kann der Rezensent nun auch nicht von sich weisen.

Fazit

Gerade in der Gegenwart, in der von Nichtgewalttätigkeit weltweit nichts zu spüren ist und in der gewalttätige Berichte die Nachrichten bestimmen, ist die besprochene Arbeit ein Schritt zur Nichtgewalttätigkeit. Zumindest an den acht interviewten Jungen wird die Orientierung auf Deeskalation, Kooperation und Egalität erkennbar.

Rezension von
Dr. Carsten Rensinghoff
EUTB beim Malteser Hilfsdienst e.V.
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Es gibt 167 Rezensionen von Carsten Rensinghoff.

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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 19.10.2022 zu: Mart Busche: »Die Welt geht ja nicht unter, wenn ich ihn nicht haue«. Nichtgewalttätiges Handeln von Jungen. Campus Verlag (Frankfurt) 2022. ISBN 978-3-593-51565-6. Reihe: Hildesheimer Geschlechterforschung - 5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29843.php, Datum des Zugriffs 29.11.2022.


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