Wolfgang Tietze, Hans. Rossbach et al.: Hort- und Ganztagsangebote-Skala (HUGS) [...]
Rezensiert von Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy, 20.12.2005
Wolfgang Tietze, Hans. Rossbach, Martina Stendel, Beate Wellner: Hort- und Ganztagsangebote-Skala (HUGS). Feststellung und Unterstützung pädagogischer Qualität in Horten und Außerunterrichtlichen Angeboten.
Beltz Verlag
(Weinheim, Basel) 2005.
76 Seiten.
ISBN 978-3-407-56320-0.
Originaltitel: School-Age Care Environment Rating Scale.
Die Autorinnen
- Wolfgang Tietze, Dr. phil. ist Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Kleinkindpädagogik an der Freien Universität Berlin. Zu seinen Forschungsgebieten gehören Fragen der Feststellung, Entwicklung und Sicherung pädagogischer Qualität sowie der internationale Vergleich.
- Hans-Günther Roßbach, Dr. phil., hat den Lehrstuhl für Elementar- und Familienpädagogik an der Otto-Friedrich-Universität Bamburg inne. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehört die empirische Bildungsforschung im frühpädagogischen Bereich.
- Martina Stendel, Dipl.- Päd. hat an verschiedenen Forschungsprojekten zum Thema Unterrichtsqualität mitgearbeitet. Seit 2000 lebt sie in Dänemark und ist Lehrerin an einer freien Ganztagsschule nördlich von Kopenhagen.
- Beate Wellner, Dipl.- Päd. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien Universität Berlin im Arbeitsbereich Kleinkindpädagogik. Ein Arbeitsschwerpunkt liegt in der Feststellung und Entwicklung pädagogischer Qualität in der Früherziehung und in Hort- und Ganztagsangeboten. Sie ist verantwortlich für die Ausbildung von externen Evaluatoren/innen.
Zum Thema
Die Hort- und Ganztagsangebote-Skala (HUGS) ist die deutsche Fassung der School-Age Care Environment Rating Scale von Thelma Harms, Ellen Vineberg Jacobs und Donna Romana. Neben der Kindergarten-Skala (KES-R), der Krippen-Skala (KRIPS-R) und der Tagespflege-Skala (TAS) gehört die HUGS zu der vierteiligen Skalen-Serie von Verfahren zur Feststellung und Unterstützung pädagogischer Qualität im Bereich der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern. Sie wurde für Horte und außerunterrichtliche Angebote für schulpflichtige Kinder konzipiert. Alle vier Skalen folgen einem gemeinsamen Konzept und sind gleichartig aufgebaut.
Aufbau und Inhalt
Nach Vorstellung des Qualitätskonzeptes der HUGS erfolgt die detaillierte und gut nachvollziehbare Beschreibung des Aufbaus der Skala, deren Anwendung und des Bewertungssystems. Zur Anwendung wird die Handhabung der Skala durch Befragung (Interview), Beobachtung und Auswertung beschrieben. Dabei verweisen die Verfasser/innen explizit auf die notwendige Schulung der Beobachter, um zu einer korrekten Qualitätsfeststellung und -unterstützung im Sinne der HUGS zu gelangen. Der Hauptteil der Veröffentlichung beinhaltet die Darstellung der 50 Merkmale (Items) zur Bestimmung der pädagogischen Orientierungs- Struktur- und Prozessqualität für die Förderung der Kinder in physischen, sozialen, emotionalen und kognitiven Bereich. Der letzte Teil des Handbuches befasst sich mit Angaben zur technischen Qualität der HUGS als Erhebungsinstrument zur Selbst- und Fremdevaluation und stellt eine Mustervorlage für die Auswertung (HUGS Bewertungsbogen, HUGS Auswertungsblatt und HUGS Profil) zur Verfügung.
Der Hauptteil der Veröffentlichung bildet die 50 Merkmale (Schätz- oder Ratingsskalen) ab, die in sechs übergeordnete Qualitätsbereichen zusammengefasst werden. Dieses Verfahren soll die unterschiedlich relevanten Aspekte der Arbeit mit schulpflichtigen Kindern erfassen.
- Platz und Ausstattung (12 Merkmale) bezieht sich auf die Größe, die Ausstattung mit Mobiliar und Materialien und die räumliche Gestaltung, die die physische und psychische Entwicklung der Kinder und die pädagogische Arbeit unterstützen. Die Bedürfnisse der Erzieher/innen nach einer angenehmen Arbeitssituation und -atmosphäre werden ebenfalls mit diesen Merkmalen erfasst.
- Gesundheit und Sicherheit (7 Merkmale) beschreibt wichtige Aspekte des körperlichen Wohlbefindens der Kinder, ihrer Gesundheit und Sicherheit. Dazu gehören die Gestaltung von Maßnahmen im Krankheitsfall, zur Gesundheitsförderung, Notfallmaßnahmen, Sicherheitsvorkehrungen, Mahlzeiten und Körperpflege.
- Aktivitäten (8 Merkmale) erfasst Materialien, Aktivitäten und Anregungen der Pädagogen/innen, die es den Kindern ermöglichen, ihre Umwelt in vielfältiger Weise zu erkunden, kreativ zu gestalten und ihre Interessen, Fähigkeiten und Fertigkeiten weiterzuentwickeln.
- Interaktionen (9 Merkmale) beschreibt die Verantwortung und Rolle der Pädagogen/innen bei der Gestaltung des Zusammenlebens mit den Kindern, der Zusammenarbeit mit den Eltern, der Kooperation mit der Schule und der Kooperation des Fachpersonals. Darüber hinaus wird die Atmosphäre der Beziehungen zwischen allen Beteiligten und der Unterstützung eines Klimas der Akzeptanz und Toleranz beschrieben.
- Strukturierung der pädagogischen Arbeit (5 Merkmale) bezieht sich auf die Gestaltung des Alltags in seiner zeitlichen Abfolge, auf die Balance zwischen fester Struktur und Flexibilität, das Eingehen auf individuelle Bedürfnisse, auf die Berücksichtigung der Interessen anderer und der Gruppe und auf die Öffnung nach außen.
- Berufliche Entwicklungsmöglichkeiten für das Personal (3 Merkmale) bezieht sich auf die Möglichkeiten der beruflichen Fortbildung, notwendiger Reflexion und Evaluation.
- Zusätzliche Merkmale (6 Merkmale) werden immer dann eingeschätzt, wenn Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Gruppe sind.
Die Qualitätsfeststellung der einzelnen Merkmale erfolgt mit Hilfe von sieben Skalenstufen von 1 = unzureichend bis 7 = ausgezeichnet, wobei die jeweils ungeraden Stufen inhaltlich in Form eines oder mehrerer Aspekte beschrieben werden, die das Vorhandensein der jeweiligen Qualitätsstufe charakterisieren. Die Ergebnisse werden in einen Bewertungsbogen übertragen, der sich im Anhang befindet. Ein Deckblatt bietet Raum für allgemeine (z.B. Einrichtung, Gruppe, Datum, Beginn und Ende der Beobachtung) und gruppenspezifische Angaben (z.B. Anzahl anwesender Erzieher/innen, Anzahl und Alter anwesender Kinder mit und ohne Behinderungen und Angaben zu Behinderungsformen). Darüber hinaus werden Beginn und Ende der Beobachtung sowie Beginn und Ende des Interviews erfasst. Der Bewertungsbogen differenziert nach den jeweiligen Aspekten und der Beobachtbarkeit jeder Bewertungsstufe eines Merkmales.
Zielgruppen und Anwendung
Die HUGS kann angewendet und genutzt werden von Erzieher/innen und Leiter/innen, Fachberater/innen, externen Experten/innen, in der Aus- und Fortbildung und als Instrument für wissenschaftliche Untersuchungen.
Fazit
Die HUGS stellt das erste Erhebungsinstrument zur Feststellung, Unterstützung und Sicherung pädagogischer Qualität in Horten und Ganztagsangeboten für schulpflichtige Kinder für den deutschsprachigen Raum dar. Der Einsatz durch geschulte Evaluatorinnen und Evaluatoren dient der Herausarbeitung besonderer Stärken und Schwächen der umfassenden pädagogischen Qualität oder der Qualität in ausgewählten Bereichen. Die Ergebnisse können zur Einschätzung gruppen- und einrichtungsübergreifender Qualität und für Forschungszwecke genutzt werden, zugleich aber auch als Grundlage für eine gezielte Qualitätsentwicklung.
Rezension von
Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy
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