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Benno Hafeneger: Was wir über Jugendliche wissen sollten

Rezensiert von Dennis Just, 01.02.2023

Cover Benno Hafeneger: Was wir über Jugendliche wissen sollten ISBN 978-3-7344-1492-3

Benno Hafeneger: Was wir über Jugendliche wissen sollten. Eine Einführung in die Jugendforschung. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2022. 158 Seiten. ISBN 978-3-7344-1492-3. D: 16,90 EUR, A: 17,40 EUR.
Reihe: Grundlagen Erziehungswissenschaft. Wochenschau Studium.

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Thema

Nicht erst seit der Pandemie geriet die Jugend in den Fokus öffentlicher und wissenschaftlicher Diskurse. Bei all der Aufmerksamkeit erscheint eine profunde Auseinandersetzung mit jener Lebensphase unersetzlich. Das vorliegende Werk „Was wir über Jugendliche wissen sollten: Eine Einführung in die Jugendforschung“ (Hafeneger, 2022) setzt hier an und zielt darauf ab, auf 146 Seiten „[…] die wiederkehrenden allgemeinen Debatten, Typisierungen, Bilder und Begriffe über ‚die‘ Jugend als Überblick und Orientierung [zu rekonstruieren]“ (S. 9).

Autor

Benno Hafeneger (*1948) ist Erziehungswissenschaftler und emeritierter Professor an der Philipps-Universität Marburg. Nach seinem Studium der Erziehungswissenschaften und der Psychologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main arbeitete er im Bereich der Politischen Bildung. Im Anschluss an seine Promotion lehrte er ab 1994 an der Hochschule Fulda und profilierte sich seitdem durch einschlägige Publikationen im Bereich der Jugendkulturen, Außerschulischen Jugendbildung und der Politischen Bildung. Kürzlich erschienene Veröffentlichungen wie „Jugend und Jugendarbeit in Zeiten von Corona“ (Hafeneger, 2021), „Die AfD und die Jugend: Wie die Rechtsaußenpartei die Jugend- und Bildungspolitik verändern will“ (Hafeneger et. al, 2021), „AfD im Hessischen Landtag: ein neuer Politikstil und seine Auswirkungen“ (Hafeneger et. al, 2021) thematisieren die Lebensphase Jugend unter dem Einfluss der Pandemie und die gegenwärtige Rolle rechter Bewegungen in Deutschland.

Aufbau und Inhalt

Einleitend offeriert der Autor mit dem Kapitel „1. Jugend – ein wiederkehrender Klärungsversuch“ eine konzise Einführung in die relevanten Grundlagen der Jugend(-forschung). Leser*innen erfahren hier wichtige historische Hintergründe, eine Darstellung wesentlicher Merkmale der Jugendphase und die theoretischen Grundlagen des Generationenkonzepts in Anlehnung an Karl Mannheim.

Jugendkulturen und Jugendbewegungen bilden den zweiten Schwerpunkt der vorliegenden Publikation, denen sich der Autor in den Kapiteln „2. Jugendkultur(en) und Protest – ein prägender Sozialisationsraum“, „3. Jugendbewegungen und Protest – fünf Beispiele“ und „5. Was wird aus Jugendkulturen – zwei Beispiele“ widmet. Dabei werden verschiedene Facetten des Gegenstands beleuchtet, historische Bezüge (z.B. die Wandervogel- oder Halbstarkenbewegung) aufgeführt und Brücken zu zeitgenössischen Phänomenen wie Fridays for Future geschlagen. Hafeneger führt die Auseinandersetzung mit aktuellen Phänomenen in Kapitel „4. Erwachsenwerden in Krisenzeiten“ fort. Anhand der Klimakrise, der Covid-19-Pandemie und des Kriegs in der Ukraine stellt er die herausfordernden Bedingungen des Aufwachsens für Jugendliche in der heutigen Gesellschaft heraus.

Wie wird über junge Menschen gesprochen und welche gesellschaftlichen Diskurse existierend über diese? Die Kapitel „6. Vom Reden über die junge Generation“, „7. Reden über Jugend und Sprache der Jugend“, „8. Jugendbilder“, „9. Motive, Interessen und Bedeutungen“ und „10. Diskurse, Fragen und Folgen“ adressieren diese Fragen und bilden den letzten Schwerpunkt des Buches.

Diskussion

Dem Autor gelingt es auf 146 Seiten zahlreiche Bezüge zu verdichten, die für eine „Einführung in die Jugendforschung“ unerlässlich sind. Gleichwohl können einige Aspekte benannt werden, die eine derartige Einführung womöglich bereichert hätten:

Im ersten Kapitel hätten neben Karl Mannheims Ausführungen zum Generationenkonzept gleichsam entwicklungs- und individualisierungstheoretische Perspektiven bzw. pädagogische Bestimmungen, welche Jugend unter dem Bildungsaspekt betrachten, aufgeführt werden können.

Der zweite Schwerpunkt des Buches fokussiert Jugendkulturen und Jugendbewegungen. An dieser Stelle wäre eine kontrastierende Hervorhebung der Perspektiven eines Großteils der jugendlichen Bevölkerung, die sich nicht als Teil dieser Bewegung verstehen, erkenntnisfördernd gewesen.

Um die Frage „Was wir über Jugendliche wissen sollten“ zu beantworten, wäre zuletzt noch eine stärkere Hervorhebung der Perspektiven von Jugendlichen mit Migrationserfahrung, die schon rein quantitativ einen signifikanten Anteil der jungen Generation darstellen, interessant gewesen.

Fazit

Das vorliegende Werk liest sich als ein gelungener Streifzug durch die Jugendforschung, der es ermöglicht, aktuelle Phänomene wie die Covid-19-Pandemie oder Fridays for Future aus Perspektive der Jugendforschung wissenschaftlich fundiert verstehbar zu machen. Als zentrale Leistung des Autors sollte hervorgehoben werden, dies in gebotener Kürze zu realisieren. Auf 146 Seiten können Leser*innen Grundlagen, Hintergründe und historische Bezüge zu den Themen Jugend, -forschung, -kulturen, -bewegungen und zu den gesellschaftlichen Diskursen bezüglich jener Themenkomplexe erfahren. Allen Interessierten sei die Lektüre des Buchs nahegelegt. Obgleich sie die Auseinandersetzung mit einschlägig bekannten Grundlagentexten nicht erspart, dient sie doch als großartiger Einstieg in die Welt der Jugendforschung.

Rezension von
Dennis Just
(M.Ed.) arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozialpädagogik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Er promoviert zu Jugendkulturen und außerschulischer Jugendbildung.
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Es gibt 2 Rezensionen von Dennis Just.

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Zitiervorschlag
Dennis Just. Rezension vom 01.02.2023 zu: Benno Hafeneger: Was wir über Jugendliche wissen sollten. Eine Einführung in die Jugendforschung. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2022. ISBN 978-3-7344-1492-3. Reihe: Grundlagen Erziehungswissenschaft. Wochenschau Studium. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29895.php, Datum des Zugriffs 01.04.2023.


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