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Bianca Eigner: Autismusspektrumstörungen im Kindesalter und Migration

Rezensiert von Dipl.-Päd. Petra Steinborn, 01.03.2023

Cover Bianca Eigner: Autismusspektrumstörungen im Kindesalter und Migration ISBN 978-3-339-12250-6

Bianca Eigner: Autismusspektrumstörungen im Kindesalter und Migration. Eine deskriptive und qualitative Analyse von Versorgungsanforderungen. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2021. 466 Seiten. ISBN 978-3-339-12250-6. D: 129,80 EUR, A: 133,50 EUR.
Schriftenreihe Studien zur Kindheits- und Jugendforschung - Band 71.

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Thema

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) gehören zu den lebenslangen neuronalen Entwicklungsstörungen. Kernsymptome sind Besonderheiten in der sozialen Interaktion, der Handlungsplanung, Wahrnehmung und dem Verhalten, diese kommen in unterschiedlichen Schweregraden vor. Im Mittelpunkt des Buches steht die Konzeption der KIMOM-Studie (Autismusspektrumstörungen bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund im Raum München; LMU München). Das Design umfasst den Einsatz mehrerer Diagnostikinstrumente zur umfassenden Befragung von Eltern in mehreren Sprachen. Dieses Feld wurde bisher nicht beforscht.

Ziel dieses Buches ist durch relevante Befunde zur Vielzahl von Dimensionen theoretische und praktische logische Beziehungen sowohl in Hinblick auf die Forschung als auch für die Versorgung in verschiedenen Disziplinen wie Medizin, Pädagogik und Psychologie/​Psychotherapie zu erörtern.

Autorin

Bianca Eigner ist Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich der Sonderpädagogik. Sie hat neben der Psychologie Fachkenntnisse zur Diagnostik (Kinder- und Jugendpsychiatrie), Pädagogik bei geistiger Behinderung sowie Pädagogik bei Verhaltensstörungen und Autismus.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist in der Schriftenreihe „Studien zur Kindheits- und Jugendforschung, Band 17 im Dr. Kovač GmbH (Hamburg) erschienen. Es handelt sich um einen Wissenschaftsverlag, der seit mehr als 40 Jahren Wissenschaft zu geringen Kosten verlegt. Publiziert werden z.B. Dissertationen von Nachwuchs-Wissenschaftler:innen, Tagungsbände, Sammelbände, Festschriften sowie Forschungsarbeiten und Habilitationen.

Aufbau und Inhalt

Das vollständige Inhaltsverzeichnis findet sich auf der Homepage der Deutschen Nationalbibliothek.

Das Buch hat einen Umfang von über 400 Seiten, die sich in zwei Teile (Theoretische Fundierung und Empirischer Teil) gliedern, die sich wiederum in neun Kapitel und 56 Tabellen und 46 Abbildungen untergliedern. Inhaltlich handelt es sich um eine deskriptive und qualitative Analyse von Versorgungsanforderungen.

Auf der Grundlage der Übersicht zu Befunden zum Phänomen Autismus in kulturellen Kontexten werden gesundheitliche Aspekte einer Migrationsbiografie erörtert, indem wesentliche Definitionen, Ansätze der Klassifikationssysteme sowie ursächliche Grundlagen betrachtet werden. Vermittelt werden zudem Komorbiditäten sowie neuropsychologische Theorien als Ausgangsbasis zur Gestaltung von Lernumgebungen, erläutert werden auch die Diagnostik sowie Evidenzen von Interventionen. Das Autismus-Spektrum wird über die Lebensspanne erläutert und es zeigen sich neben den Entwicklungsverläufen auch die hohen Anforderungen an Bezugspersonen.

Die Ergebnisse fußen auf Daten, die anhand von Elternfragebögen (mithilfe von Dolmetscher:innen) mit standardisierten und nicht-standardisierten Untersuchungsinstrumenten im Großraum München erhoben wurden. Der empirische Teil (Kapitel sechs) mit den Forschungsfragen ist immer gleich aufgebaut: zuerst werden die Frage, Material und Methoden benannt und der Abschnitt endet mit den Ergebnissen.

Es wurde vier Forschungsfragen gestellt:

  • Forschungsfrage 1: Befunde zu möglichen Unterschieden zwischen Kindern mit ASS mit und ohne Migrationshintergrund
  • Forschungsfrage 2: Befunde zu möglichen Unterschieden in der Erfassung der ASS zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund
  • Forschungsfrage 3: Befunde zur Versorgung der Kinder mit ASS mit und ohne Migrationshintergrund im Raum München
  • Forschungsfrage 4: Befunde zum Unterstützungsbedarf und Wünschen von Eltern

Das Buch endet mit der Diskussion (Kap.7) der vorliegenden Ergebnisse und mit Schlussfolgerungen (Kap. 8), die daraus abgeleitet werden.

Das neunte Kapitel gibt einen Ausblick und nennt weitere Implikationen, die nochmals die Ausgangsbasis dieser Studie in den Blick nimmt, die interdisziplinären Sichtweisen hinsichtlich Implikationen für die weitere Forschung, den medizinischen Forschungsbedarf, den heil- und sonderpädagogischer Forschungsbedarf und den psychologischen und psychotherapeutischen Forschungsbedarf. Das Kapitel endet mit praktischen Implikationen für die Versorgung Betroffener. Im Anhang (ab S. 406) werden die Elternfragebögen in den Sprachen arabisch, deutsch, englisch, französisch und türkisch zur Verfügung gestellt.

Diskussion

Die Erkenntnisse, dass die Symptome des Autismus-Spektrums auch kulturell beeinflusst sein können, sind relativ neu. So stellt sich die Frage, inwieweit es Unterschiede zwischen Kindern mit Autismus-Spektrum mit und ohne einen Migrationshintergrund gibt. Beforscht wurde zudem, ob es Unterschiede in den frühen Anzeichen oder Elternsorgen zum Zeitpunkt der Diagnose gibt. Beleuchtet wurde auch, welche Strategien zur Versorgung genutzt werden.

Heraus kam, dass Kinder mit Migrationshintergrund stärkere Grade an autismusspezifischen Beeinträchtigungen und Psychopathologie aufwiesen, zudem zeigte sich, dass ihre Eltern sehr belastet sind. Es ist festzustellen, dass es interdisziplinäre Versorgung braucht und einen verbesserten Zugang zum Gesundheitssystem, eine früh beginnende Diagnostik und Versorgung. Zu bemerken ist, dass in der Studie anteilig Proband:innen mit niedrigem Bildungsgrad fehlten, vermutet wird, dass die schriftsprachbasierte Untersuchungsdauer von mindestens 50 Minuten ein Grund dafür sein könnte (S. 7).

Bisher gab es eine Forschungslücke in Bezug auf Kinder mit und ohne Migrationshintergrund, die unter den Bedingungen von Autismus leben. Das Autismus-Spektrum gehört zu den lebenslangen tiefgreifenden neuronalen Entwicklungsstörungen. Kernsymptome sind Besonderheiten in der sozialen Interaktion, der Handlungsplanung, Wahrnehmung und dem Verhalten, diese kommen in unterschiedlichen Schweregraden vor. Das Buch stellt Ergebnisse der KIMOM-Studie (Autismusspektrumstörungen bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund im Raum München der LMU München) vor.

Ziel dieser umfangreichen Forschungsarbeit ist durch relevante Befunde zur Vielzahl von Dimensionen theoretischer und praktischer logischer Beziehungen sowohl in Hinblick auf die Forschung als auch für die Versorgung in verschiedenen Disziplinen wie Medizin, Pädagogik und Psychologie/​Psychotherapie zu erörtern.

Fazit

Das Buch stellt Ergebnisse der umfangreichen KIMOM-Studie (Autismusspektrumstörungen bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund im Raum München der LMU München) vor. Erörtert werden neben den Forschungsergebnissen auch psychoedukative Interventionsansätze aus verschiedenen Disziplinen, genannt werden dabei z.B. TEACCH ® als umfassenden Ansatz, PECS oder Skill-Trainings als fertigkeitsbasierten Ansatz.

Rezension von
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Tätig im Personal- und Qualitätsmanagement in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn. Freiberuflich in eigener Praxis (Heilpraktikerin für Psychotherapie). Leitung von ABC Autismus (Akademie-Beratung-Coaching), Schwerpunkte: Autismus, TEACCH, herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation (systemisch), erworbene Hirnschädigungen
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 01.03.2023 zu: Bianca Eigner: Autismusspektrumstörungen im Kindesalter und Migration. Eine deskriptive und qualitative Analyse von Versorgungsanforderungen. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2021. ISBN 978-3-339-12250-6. Schriftenreihe Studien zur Kindheits- und Jugendforschung - Band 71. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29940.php, Datum des Zugriffs 17.04.2024.


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