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Matteo Carmignola, Daniela Martinek et al. (Hrsg.): Persönlichkeit - Motivation - Entwicklung

Rezensiert von Mag. Dr. Gabriele Schauer, 03.05.2023

Cover Matteo Carmignola, Daniela Martinek et al. (Hrsg.): Persönlichkeit - Motivation - Entwicklung ISBN 978-3-339-12562-0

Matteo Carmignola, Daniela Martinek, Franz Hofmann (Hrsg.): Persönlichkeit - Motivation - Entwicklung. Festschrift für Franz Hofmann. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2021. 335 Seiten. ISBN 978-3-339-12562-0. D: 98,80 EUR, A: 101,60 EUR.
Schriftenreihe Studien zur Schulpädagogik - Band 92.

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Thema

Persönlichkeit, Motivation und Entwicklung sind drei zentrale Konzepte der Psychologie, die eng miteinander verknüpft sind. Gerade für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Schulen sind diese drei Konzepte unabdingbar und daher auch für die Lehrer*innenbildung bedeutsam. Dieses Buch fokussiert einerseits die Entwicklung in der Schulpädagogik und andererseits die Entwicklung von Lehramtsstudierenden und Lehrpersonen und geht dabei im speziellen auf die Persönlichkeit von Lehrpersonen ein.

Persönlichkeit bezieht sich auf die charakteristischen Eigenschaften und Muster des Denkens, Fühlens und Verhaltens einer Person, die relativ stabil und über die Zeit konsistent sind. Die Persönlichkeit wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, wie z.B. biologischen Faktoren, Erfahrungen (in der Kindheit), sozialen Einflüssen und individuellen Entscheidungen. Gerade die individuellen Entscheidungen lassen sich durch die Ausbildung beeinflussen und Erfahrungen reflexiv bearbeiten, um eine professionsentsprechende Entwicklung der Persönlichkeit zu fördern.

Motivation hingegen bezieht sich auf Faktoren, die das Verhalten und Handlungen einer Person beeinflussen. Motivation kann von inneren oder äußeren Faktoren beeinflusst werden, wie z.B. Bedürfnisse, Interessen, Belohnungen und Strafen. Zielsetzungen vor allem im Bereich der Selbstwirksamkeit gilt es hierbei für die Lehrer*innenbildung und Schulpädagogik zu thematisieren.

Zusammengefasst sind die Begrifflichkeiten Persönlichkeit, Motivation und Entwicklung komplexe und miteinander verbundene Konzepte, die dazu beitragen sollen, das Verhalten und die Erfahrungen von Schüler*innen, Lehramtsstudierenden, Lehrpersonen zu verstehen und professionelles pädagogisches Handeln zu ermöglichen.

Herausgeber*innen und Autor*innen

Herausgeber*innen: Matteo Carmignola ist Senior Lecturer und Projektmitarbeiter an der Universität Salzburg in der Abteilung für Bildungswissenschaft, Schulforschung und Schulpraxis an der School of Education. Zusätzlich ist er Sekundarstufenlehrperson sowie Supervisor (i.A.). Daniela Martinek ist Rektorin der Pädagogischen Hochschule Salzburg und zuvor Abteilungsleiterin und assoziierte Professorin an der Abteilung für Bildungswissenschaft, Schulforschung und Schulpraxis an der School of Education an der Universität Salzburg.

Autor*innen: Die weiteren 35 Autor*innen sind Großteils im wissenschaftlichen Bereich und hierbei vor allem in den Bildungswissenschaften tätig. Die Expertise konzentriert sich von Professionsforschung, Lehrer*innenbildungsforschung und Schulpraxisforschung, über Schulentwicklung bis hin zur Erziehungswissenschaft, empirischen Bildungsforschung, Motivationsforschung, Emotionsforschung sowie Lernforschung.

Die Autor*innen sind als Professor*innen oder wissenschaftliches Personal und Lehrende an österreichischen Universitäten und Hochschulen tätig, im speziellen in Salzburg, Wien und Klagenfurt. Zwei Personen zeigen sich deutschen Universitäten in Osnabrück und Dortmund zugehörig. Drei Personen bringen ihre Sichtweise als tätige Lehrpersonen ein und weitere drei sind in Organisationseinheiten oder Vereinen tätig.

Der Jubilar: Franz Hofmann studierte Theologie und später Erziehungswissenschaften an den Universitäten Linz und Salzburg. Seine Habilitation schloss er im Bereich Erziehungswissenschaften an der Universität Salzburg ab. Neben einigen Gastprofessuren war er als Universitätsassistent im Bereich Religionspädagogik tätig, später als Universitätsdozent im Bereich Erziehungswissenschaft und in der Lehrer*innenaus-, -fort- und -weiterbildung. Zudem wurde er mit dem Preis „Teacher of the year 2008“ ausgezeichnet. Seine Forschungsschwerpunkte sind neben der Schulpädagogik und der Erwachsenenbildung auch die Lehr/Lernforschung, die allgemeine Didaktik und die Persönlichkeitsförderung bei Lehr- und Leitungspersonen, auf welche sich dieses Sammelwerk bezieht.

Entstehungshintergrund

Die Publikation wurde als Festschrift für Franz Hofmann anlässlich seines 60. Geburtstags verfasst, um sein Schaffen als Forscher, Lehrender, Mentor und Freund zu würdigen und ist in der Schriftenreihe Studien zur Schulpädagogik, Band 92 erschienen. In der Schriftenreihe erscheinen zwei- bis dreimal jährlich Veröffentlichungen in deutscher oder englischer Sprache. Seit 1995 entstammen dieser Reihe bereits 95 Bücher. Um Franz Hofmanns Wirken in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrpersonen und Schulführungskräften zu honorieren, wurden empirische und theoretische Beiträge von Personen zusammengetragen, die durch den akademisch-wissenschaftlichen Diskurs sowie im Kontext der Vermittlung und Anwendung bildungswissenschaftlicher Themen durch den Jubilar nachhaltig geprägt wurden.

Aufbau

Nach Worten des Glückwunschs und der Hinführung zu diesem Band durch die Herausgeber*innen werden 14 Beiträge für eine bessere Übersicht thematisch drei aktuellen Arbeitsschwerpunkten Franz Hofmanns zugeordnet: Im ersten Abschnitt werden Ausführungen im Bereich der entwicklungsförderlichen Schulpädagogik gesammelt. Im Zweiten geht es um die professionelle Entwicklung von (angehenden) Lehrpersonen und Schulführungskräften. Der dritte Abschnitt beinhaltet Artikel zu Selbstkompetenzen von (angehenden) Lehrpersonen.

Abschließend formulieren Kolleg*innen aus der Abteilung Erinnerungen aus dem Arbeitsalltag.

Inhalt

Zur Verdeutlichung der Inhalte sowie der Verknüpfungen dieser mit Franz Hofmann wird aus jedem Abschnitt ein Artikel näher vorgestellt. Um einem roten Faden, der sich in dem Herausgeberwerk vor allem durch die intensive Bezugnahme zum Schaffen Franz Hofmanns zeigt, auch inhaltlich gerecht zu werden, wurden Beiträge ausgewählt, die sich mit der Persönlichkeits-System-Interaktionstheorie (PSI-Theorie) beschäftigen.

Eine erste Fokussierung soll aus dem ersten Abschnitt „Entwicklungsförderliche Schulpädagogik“ der Artikel von Georg Neuhauser, Martina Piok, Gabriele Salzgeber und Helga Wittwer bringen. Der Artikel mit dem Titel „Auf die professionelle Haltung kommt es an! Selbststeuerung als zentrales Element des Cooperativen Offenen Lernens (COOL)“ greift zu Beginn die Historie zu COOL im österreichischen Schulsystem auf und schildert hier neben den Entwicklungen auch die Rolle einzelner explizit genannten Personen. Die COOL-Prinzipien werden näher ausgeführt, ebenso wie diese Art des Unterrichtens in die alltägliche Schulpraxis einfließen kann. Verwunderlich ist, dass das Kapitel über die zugrundeliegende Haltung trotz der Wahl des Titels eher kurzgehalten ist, wobei bei genauerer Betrachtung die Thematik infolge weiter einfließt. Der Fokus des Artikels liegt auf einem Fortbildungskonzept und der Rolle Franz Hofmanns bei der Entwicklung von Qualitätskriterien für COOL. Bei der weiteren Darstellung wird deutlich, dass durch den Verdienst von Franz Hofmann die Haltung durch die Implementierung von Eigenverantwortung und Selbstständigkeit bei den Qualitätsfeldern in den Vordergrund tritt. Nähere Ausführungen zur Theorie der Persönlichkeits-System-Interaktionen (PSI-Theorie, vgl. Kuhl) verdeutlichen den Weiterentwicklungsprozess des COOL-Konzepts sowie die Selbstentwicklung der beteiligten Akteur*innen. Dabei rücken Selbststeuerungsfähigkeiten in den Fokus. Abschließend wird auf Schulentwicklung und die COOL-Innovationsschulen eingegangen, um aufzuzeigen, welchen Stellenwert zukunftsweisende Lernsettings hierbei haben.

Für den zweiten Abschnitt „Personelle Entwicklung von (angehenden) Lehrpersonen und Schulführungskräften“ wird der Artikel „Schulen mit Selbstkompetenz leiten“ von Gustav Tschenett angeführt. Der Autor hat selbst bei einer Laboratoriums-Reihe zur Förderung von Selbststeuerungskompetenz unter der Leitung von Franz Hofmann teilgenommen. Im Artikel wird ein Konzept für Führungskräfte in Schulen vorgestellt, bei dem nicht nur Verwaltungskompetenzen und juristisches Wissen im Vordergrund stehen, sondern die Fähigkeit zur Selbststeuerung in den Fokus rückt, um mit schwierigen Situationen adäquat umgehen zu können. Mit Hilfe Franz Hofmanns wurde dieses Format konzipiert, dem Aspekte der PSI-Theorie zugrunde liegen. Dieser Ausbildungslehrgang für Führungskräfte in Schulen beinhaltet die Selbststeuerungskompetenz als zentrales Element. Dabei wird etwa die Balance zwischen positiven und negativen Affekten thematisiert sowie die Bedeutung des emotionalen Dialekts. Neben anderen Prozessen verhelfen diese Themen zum konstruktiven Umgang mit Widerständen und Konflikten. Auch auf die Unterscheidung der Erstreaktion im Gegensatz zur selbstgesteuerten Reaktion wird hierbei eingegangen. Durch die Implementierung eines Interviews mit einem Lehrgangsteilnehmer im Beitrag wird verdeutlicht, wie prägend und gewinnbringend dieses einheitliche und durchgängige Konzept wahrgenommen wird und welche Rolle hierbei Franz Hofmann spielt. Abschließend wird auch die wissenschaftliche Begleitung dieses Ausbildungsverfahrens thematisiert und auf bedeutsame Ergebnisse wie die Übereinstimmung der Selbst- und Fremdwahrnehmung der Schulleitungskräfte sowie auf die autonome Motivation eingegangen.

Der dritte Abschnitt „Selbstkompetenzen von (angehenden) Lehrpersonen“ wird durch die Ausführungen des Artikels „Sieben Quellen der Motivation: Zur psychoanalytischen Analyse und Förderung von Selbstkompetenzen“ von Julius Kuhl und Christina Schwer beispielhaft dargestellt. Hierbei werden zur Verdeutlichung der PSI-Theorie die Selbstkompetenzen von Schüler*innen und Lehrpersonen in den Blick genommen. Franz Hofmann hat sich mit dieser Thematik der Interaktion zwischen Schüler*innen und Lehrpersonen beschäftigt, die motivationspsychologischen Grundlagen von Selbstkompetenzen hierbei fokussiert und mittels eines Tests („Operanter Motivtest – OMT“) den Einsatz von Selbstkompetenzen bei den Grundbedürfnissen nach Leistung, Beziehung, Macht und freiem Selbstsein beforscht. Besonders interessiert hat ihn hierbei das Leistungsmotiv von Schüler*innen sowie die Umsetzung dessen und in diesem Kontext die Rolle des Machtmotivs. Ausführlich dargestellt werden in dem Artikel sieben Quellen der Motivation und deren Verlust, wobei die Rollen sowohl von Schüler*innen als auch von Lehrpersonen hierbei thematisiert werden. Daraus ergibt sich ein Verständnis für Schwierigkeiten des Lernens und die jeweilige Bedeutung für Schüler*innen und Lehrpersonen. Förderlich für die menschliche Motivation sind auf Basis der sieben Quellen eine positive Gestaltung der pädagogischen Beziehung sowie die Stärkung lernförderlicher Selbstkompetenzen. Auf eine ausführliche Ausarbeitung Franz Hofmanns hierzu wird abschließend verwiesen.

Diskussion

Spannend zeigt sich in den Artikeln immer wieder der Bezug zur Arbeit und Forschung Franz Hofmanns. So scheinen die Forschungszugänge, Publikationen und Diskurse des Jubilars für viele Personen prägend. Dies wird in dieser Herausgabe deutlich und intensiv betont. Bei einigen Beiträgen vermag der Wirkungsbereich Franz Hofmanns und sein Beitrag zum Thema des jeweiligen Artikels eher im Vordergrund zu stehen. Dies wirkt sich auf die Strukturen der Artikel ebenso aus wie auf inhaltliche Ausführungen.

Der thematische Fokus der im Herausgeberband befindlichen Artikel liegt auf Lernmotivation, beim selbstgesteuerten Lernen sowie auf Persönlichkeitsmerkmalen (Haltung, Emotionen, Selbstregulation,…) Dies ist bei Betrachtung des Titels des Bandes „Persönlichkeit-Motivation-Entwicklung“ wenig verwunderlich. Die Themen Schulentwicklung und Leadership scheinen trotz aktueller Publikationen Franz Hofmanns in dieser Veröffentlichung weniger aufgegriffen worden zu sein. Das Ziel der Herausgeber*innen, den Wirkungsbereich Franz Hofmanns in Aus-, Fort- und Weiterbildung aufzuzeigen und zu würdigen, ist aber über das Maß hinaus gut gelungen.

Fazit

Der Herausgeberband stellt eine Publikation dar, die das Wirken Franz Hofmanns auf vielschichtige Weise aufgreift. Es werden Themen wie die PSI-Theorie, Motivation, selbstgesteuertes Lernen, Haltung und Emotionen durch Erfahrungen mit verschiedensten Konzepten oder Lehrgängen perspektivenreich dargestellt. So werden nicht nur Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte des Jubilars sichtbar, sondern auch sein Engagement und Einsatz für (angehende) Lehrpersonen und Schulleitungen.

Rezension von
Mag. Dr. Gabriele Schauer
tätig an der Universität Innsbruck am Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung
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Es gibt 10 Rezensionen von Gabriele Schauer.

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Zitiervorschlag
Gabriele Schauer. Rezension vom 03.05.2023 zu: Matteo Carmignola, Daniela Martinek, Franz Hofmann (Hrsg.): Persönlichkeit - Motivation - Entwicklung. Festschrift für Franz Hofmann. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2021. ISBN 978-3-339-12562-0. Schriftenreihe Studien zur Schulpädagogik - Band 92. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29943.php, Datum des Zugriffs 17.06.2024.


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