Marcel Veber, Patrick Gollub et al. (Hrsg.): Umgang mit Heterogenität und Inklusion
Rezensiert von Priv.-Doz. Dr. Dr. Christian Wevelsiep, 11.08.2023
Marcel Veber, Patrick Gollub, Silvia Greiten, Teresa Schkade (Hrsg.): Umgang mit Heterogenität und Inklusion. Chancen und Herausforderungen für die schulpraktische Professionalisierung.
Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung
(Bad Heilbrunn) 2022.
248 Seiten.
ISBN 978-3-7815-2524-5.
D: 21,90 EUR,
A: 22,60 EUR.
Reihe: Heterogenität aus schulpraktischer Perspektive.
Thema
Die Autorinnen nehmen in diesem Sammelband die Schulpraxis im Horizont inklusiver Strukturen in den Blick; sie fragen dabei explizit, wie angehende Lehrer und Lehrerinnen den schulischen Alltag unter der Bedingung der Heterogenität rekonstruieren. Der Fokus wird primär auf die Praxisphase der Lehrer:innenbildung gelegt.
Herausgeber:innen
Herausgeber:innen sind Marcel Veber, Patrick Gollub, Silvia Greiten und Teresa Schkade.
Aufbau
Es handelt sich um einen Sammelband mit verschiedenen Beiträgen. Nach einer Einleitung werden Wissenschaft-Praxis Relationen diskutiert; eine weiter Sektion behandelt die Verzahnungen der Akteur*innen im Kontext der Schulpraxis; vorrangig zum Theorie-Praxis Verhältnis. Es folgt eine Sektion zum Thema Unterrichtsplanung, der schließlich von internationalen Perspektiven vervollständigt wird – mit Beiträgen aus Schweden, Frankreich und Südafrika.
Inhalt
In Zeiten, die als krisenhaft überschrieben werden, sind die pädagogischen Professionen offensichtlich besonders gefordert. Pädagoginnen (und nicht minder Psychologen, Schulbegleiter, Integrationshelfer, Sozialpädagogen) sollen den Lernenden Zuversicht vermitteln und sie gleichsam stark machen. So selbstverständlich heute die Rede von Resilienz und Widerstandskräften gebraucht wird, so schwierig bleibt aber doch die Frage, unter welchen Bedingungen sich Professionen mit spezifischen berufsethischen Ansprüchen auszeichnen oder bewähren können.
Diese Frage gilt prinzipiell: Was macht moderne Professionalität im Allgemeinen und pädagogische Professionalität im Besonderen aus, also im Zusammenhang belasteter Situationen. Sie gilt aber auch bekanntlich unter der Vorgabe, soziale Integration zu ermöglichen oder vielmehr die Kultur der Inklusion voranzutreiben.
Es ist dies die Aufgabenstellung, der sich auch die Autoren in dem Sammelband von Marcel Veber u.a. widmen. Der Titel verdeutlicht, worum es den Beiträgerinnen aus interdisziplinärer Sicht geht: den Umgang mit Heterogenität in schulischen Kontexten.
Diskussion
Es handelt sich bei dieser Publikation um einen gelungenen Beitrag auf dem Feld der Professionsforschung. Der Vorteil dieser Publikation liegt auf der Hand. In der Frage, wie man in Bildungskontexten mit Heterogenität umgehen kann, bestehen weiterhin große Unsicherheiten. Explizit auf der biographischen Ebene angehender Pädagoginnen ist hier ein Klärungs- und Forschungsbedarf vorhanden, dem sich die Publikation von verschiedenen Seiten her nährt, vorrangig mittels einer empirischen Forschungsmethodik. Es werden nicht nur die Unsicherheiten auf dem weiten Feld der Inklusionsforschung thematisiert, sondern auch die biographischen Deutungsmuster und persönlichen Erfahrungen mit in die Perspektiven der Professionsforschung einbezogen. Die Orientierung an der sogenannten Praxisphase ist von hohem Wert, denn in dieser Phase werden – vermutlich – persönliche Weichenstellungen auf der biographisch-kognitiven Ebene vorgenommen.
Dabei bleibt möglicherweise ein schwieriges Thema unberücksichtigt; um es einfach zu formulieren, ob die mittlerweile etablierte Kultur der Inklusion auf institutionellen Ebenen an feste Grenzen stößt und was jeweils die Konsequenz auf sozialer, normativer und praktischer Ebene wäre. Solche Diskussionen werden hier nicht geführt, vor allem, weil es offensichtlich der Anspruch der Herausgeber*innen ist, sich mit den mitunter schwierigen Bedingungen der Lehrerinnenbildung auseinander zu setzen und hier explizit zu zeigen, inwiefern eine vertiefte Reflexion im Theorie-Praxis Verhältnis angezeigt ist.
Zusammenfassend liegt in diesem Motiv der Wert dieser durchaus anspruchsvollen Sammlung, die in interdisziplinärer und auch internationaler Perspektive in alle Bereiche der Bildung blickt.
Fazit
Eine für interessierte Leser*innen, für Praktiker und Theoretiker*innen lohnenswerte Publikation.
Rezension von
Priv.-Doz. Dr. Dr. Christian Wevelsiep
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