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Hans-Günter Schoppa: Widerstand in der Paartherapie

Rezensiert von Dr. Anke Höhne, 31.05.2023

Cover Hans-Günter Schoppa: Widerstand in der Paartherapie ISBN 978-3-525-46280-5

Hans-Günter Schoppa: Widerstand in der Paartherapie. Basiswissen und Aktionsmethoden für die Praxis. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2022. 96 Seiten. ISBN 978-3-525-46280-5. D: 17,00 EUR, A: 18,00 EUR.

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Thema

Das Buch beschäftigt sich mit dem Thema Widerstand von Paaren in der Beratung und richtet sich an Paarberater*innen und -therapeut*innen.

Autor

Hans-Günter Schoppa ist Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor und Fortbildner. Der zertifizierte Psychodramatherapeut (DAGG/DFP) arbeitet als Berater und seit über 30 Jahren mit Paaren.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus fünf nicht nummerierten Kapiteln.

Das Buch beginnt mit einer „Einleitung“, in der in die Thematik eingeführt wird. Der Autor betont die Nähe von Widerstand zu Autonomie, Unabhängigkeit und Freiheitsstreben. Widerstand ist so verstanden auch ein Zeichen des den Klient*innen eigenen Selbstbewusstseins, das für die Therapie ungemein hilfreich ist.

In Kapitel „Widerstand in der Paartherapie erleben“ skizziert der Autor mögliche Ursachen für Widerstand (z.B. die Missachtung von Schamgrenzen) und beschreibt anhand von Beispielen, wie sich Widerstand in der Beratung von Paaren zeigen kann.

Im Kapitel „Widerstand in der Paartherapie verstehen“ stellt Hans-Günter Schoppa zunächst tiefenpsychologische Überlegungen zum Verständnis von Widerstand an. Dem schließt sich der Versuch einer Systematisierung von Widerstandsformen an. Der Autor unterscheidet u.a. Widerstand als Konsequenz

  • emotionale Abwehrprozesse,
  • von Mentalisierungsdefiziten,
  • eines rigiden Rollenverständnisses und Problemverhaltens,
  • von Erwartungen und Vorstellungen zur Paartherapie,
  • aktueller Lebenslagen.

Darüber hinaus geht er in kurzen Abschnitten jeweils darauf ein, woraus Widerstand im Beratungskontext noch entstehen könnte, z.B. aus Gender-Rollenmustern, der Beziehungsthematik oder unklarer Zielvorstellungen und Aufträgen zur Paartherapie.

Das Kapitel „Mit Widerstand in der Paartherapie umgehen“ macht Vorschläge, wie man in der Paartherapie einen geschmeidigen Umgang mit Widerstand finden kann, um diesen zu reduzieren, zu unterlaufen oder auch konstruktiv für den Beratungsprozess zu nutzen. Anhand vieler Formulierungsvorschläge für Fragen und für den Ablauf der Beratung macht der Autor deutlich, wie man den Widerstand erlebbar, aber auch wie man ihn „erweichen“ kann. Es werden Aktionsmethoden aus dem Psychodrama und aus der systemischen Werkzeugkiste vorgestellt und beschrieben.

Im letzten Kapitel („Fazit und Ermutigung“) fasst Hans-Günter Schoppa seine Erfahrungen mit Widerstand in der Paartherapie in Form von zehn Thesen zusammen. Deutlich stellt er heraus, dass Widerstände wichtige Bestandteile in jeder Paarberatung sind, die die wesentlichen Bedürfnisse und Motivationen der Partner aufzeigen. Es kommt aber darauf an, den Widerstand bewusst zu machen und nicht negativ zu bewerten.

Ein Glossar und ein umfangreiches Literaturverzeichnis beschließen das Buch.

Diskussion

Das Buch greift ein relevantes Thema in der Paarberatung und -therapie auf. Das Anspruchsniveau an die Leserschaft ist sehr hoch, was sich in teilweise sehr langen Sätzen, v.a. aber in der sprachlichen Verdichtung und Nutzung psychotherapeutischer Fachtermini zeigt, die auch nicht unbedingt im Glossar aufgelöst, d.h. verständlicher werden. Bestimmte im Buch genutzte Fachbegriffe werden im Glossar nicht erläutert (z.B. Ambiguitätstoleranz).

Das Buch hätte von einer besseren Gliederung und Strukturierung profitiert. Die Kapitel und teilweise Unterkapitel sind nicht nummeriert. Bei den in Absätzen angeführten Zitaten bleibt oft unklar, ob es sich um Beispiele aus der Beratung handelt oder eher um die vom Autor Klient*innen zugeschriebenen Gedanken zum Thema Widerstand in der Beratung. Auch ist der Bezug der Beispiele für Interventionen im Beratungs- bzw. Therapieprozess zum Thema Widerstand nicht immer klar, da viele dieser Interventionen auch so in der Beratung und Therapie eingesetzt werden ohne das zwingend Widerstand des Klienten das Thema ist.

Anschaulich wird das Buch da, wo konkrete Beispiele für typische Äußerungen von Klient*innen dargestellt werden und auch auf die Rolle des Beraters bzw. der Paartherapeutin eingegangen wird, z.B. wenn diese*r eingeschränkt neutral gegenüber dem Paar agiert oder Phänomene der Gegenübertragung des Paartherapeuten auftreten.

Fazit

Das handliche Format des Buches, die vielen Beispiele und das Glossar machen das Buch trotz der vorab geäußerten Kritik lesenswert und zu einem hilfreichen Begleiter für die Beratungspraxis von Paaren. Die Leserschaft kann vom reichen Erfahrungsschatz des Autors in der Arbeit mit Paaren profitieren.

Rezension von
Dr. Anke Höhne
Dipl.-Sozialwiss., Referentin bei SUCHT.HAMBURG gGmbH, Systemische Beraterin und Familientherapeutin
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Es gibt 20 Rezensionen von Anke Höhne.

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Zitiervorschlag
Anke Höhne. Rezension vom 31.05.2023 zu: Hans-Günter Schoppa: Widerstand in der Paartherapie. Basiswissen und Aktionsmethoden für die Praxis. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2022. ISBN 978-3-525-46280-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29991.php, Datum des Zugriffs 22.06.2024.


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