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Jennifer Frank-Schagerl, Elisabeth Rumpl: Die 50 besten kooperativen Online-Übungen für lebendige Teamentwicklung

Rezensiert von Dr. Jana Swiderski, 22.12.2022

Cover Jennifer Frank-Schagerl, Elisabeth Rumpl: Die 50 besten kooperativen Online-Übungen für lebendige Teamentwicklung ISBN 978-3-949611-09-4

Jennifer Frank-Schagerl, Elisabeth Rumpl: Die 50 besten kooperativen Online-Übungen für lebendige Teamentwicklung. Methodensammlung für Teambuildings im digitalen Raum - Klimaneutrale Ausgabe. managerSeminare Verlags GmbH (Bonn) 2022. 320 Seiten. ISBN 978-3-949611-09-4. D: 49,90 EUR, A: 51,30 EUR.
Reihe: Edition Training aktuell.

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Thema

In Zeiten von Homeoffice und Distance Learning wollen die Autorinnen mit einem digitalen Methoden-Fundus für Teamentwicklungen das Wir-Gefühl in Teams zurückbringen. Sie zeigen, dass online das gleiche möglich ist wie in teamdynamischen Prozessen in Präsenz – z.B. Klärung von Erwartungshaltungen und Bedürfnissen, Gruppenphasen, Kooperation, Konflikte oder Prozesse von Selbst- und Fremdwahrnehmung. Die Autorinnen haben Übungen für Online-Teambuildings teilweise neu designt und manche von Präsenz auf online abgewandelt. Homeoffice und Digitalisierung sind inzwischen nicht mehr wegzudenken. In einer sich rapide verändernden Arbeitswelt wollen die Autorinnen einen essenziellen Werkzeugkoffer für eine vielseitige und effektvolle Online-Kommunikation in Teams zur Verfügung stellen.

Autorinnen

Die Trainerin Jennifer Frank-Schagerl, Preisträgerin des Europäischen Trainingspreises 2022, leitet das Aus- und Weiterbildungsinstitut NEVEREST Lifelong Learning. Ihre Spezialthemen sind Teambuilding, Erlebnispädagogik und Auftrittstrainings. Elisabeth Rumpl ist im Aus- und Weiterbildungsbereich als Trainerin und systemischer Coach tätig. Sie ist Teambuilding-Expertin mit Wurzeln in der Erlebnispädagogik sowie in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Beide Autorinnen arbeiten sowohl online als auch in Präsenz.

Entstehungshintergrund

Im Verlauf der Corona-Krise und etlichen Lockdowns haben Digitalisierung und Homeoffice immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die Autorinnen gehen davon aus, dass diese Entwicklung nicht mehr verschwinden wird, sondern das Arbeitsleben nachhaltig prägen wird. Sie sehen die Corona-Krise als Beschleuniger der Digitalisierung. Die Zusammenarbeit über Online-Tools und Homeoffice ist in regionalen wie nationalen Organisationen alltäglich geworden, sodass hier neue Bedürfnisse nach entsprechenden Werkzeugen der Kommunikation entstehen.

Aufbau

Eine vorangestellte tabellarische Übersicht gibt einen Überblick über die Methodenkategorien der einzelnen Tools, wie z.B. Kommunikation, Problemlösung, Kennenlernen, Entscheidungsfindung und viele andere. Die Kapitel sind in Methoden ohne Hilfsmittel bzw. mit verschiedenen Hilfsmitteln gegliedert:

  • Übungen ohne (technische) Hilfsmittel
  • Übungen mit Hilfsmitteln, die alle Teilnehmenden zu Hause haben
  • Übungen, die technische Hilfsmittel und Online-Tools nutzen
  • Übungen mit Hilfsmitteln, die man zuschicken muss

Ein abschließendes Kapitel widmet sich Methoden, die der Reflexion des Online-Gruppenprozesses dienen. Die einzelnen Kapitel enthalten als zusätzliche Materialien vertiefende Download-Ressourcen.

Inhalt

Eine den Methodenkapiteln vorangestellte Matrix dient dazu, die Ziel- und Themenstellungen der einzelnen Tools, die Dauer, die geeignete Personenzahl sowie den Vorbereitungsaufwand auf einen Blick einzuschätzen. Das anschließende Kapitel widmet sich Übungen ohne technische Hilfsmittel. Für diese benötigt man lediglich das bevorzugte Videokonferenztool und eventuell einen E-Mail-Account. Den Autorinnen zufolge funktionieren diese Übungen immer, sind interaktiv, stellen aber die Teilnehmenden auch vor neue Herausforderungen und geben die Möglichkeit, sich online zurechtzufinden. Geeignet sind diese Übungen für Gruppen, die noch wenig im virtuellen Raum erfahren sind, wenn wenig Zeit für Vorbereitungen ist, wenn die Trainingszeit knapp bemessen ist und wenn man als Trainerin oder Trainer technische Komplikationen befürchtet (vgl. Frank-Schagerl/​Rumpl S. 35 f.). Beispielsweise wird ein Spiel vorgeschlagen, in dem Punkte durch Kooperation, aber auch durch Konkurrenz gesammelt werden können. Zunächst wird die Zielsetzung geklärt: u.a. sollen Aushandlungsprozesse sowie Konkurrenzverhalten versus Kooperationsstreben erlebbar gemacht werden. Im Anschluss an das Spiel können Strategieentwicklung und Gewinnorientierung, Kooperation und Konkurrenz, Kommunikation, Team und Teamrollen sowie die Einhaltung von Spielregeln und der Transfer in den beruflichen Alltag reflektiert werden. Außerdem werden Spielvariationen vorgeschlagen.

Das folgende Kapitel präsentiert Übungen mit Hilfsmitteln, die alle Teilnehmenden zu Hause haben, z.B. in der Natur gefundene oder selbstgebastelte Symbole, Kleidungsstücke, Lebensmittel oder Alltagsgegenstände aus der eigenen Wohnung. Die Umgebung der Teilnehmenden wird genutzt und es wird davon ausgegangen, dass die meisten Gegenstände jede/r zu Hause hat. Dies dient dem persönlichen Kennenlernen der Teilnehmenden durch die/den Trainer/in und auch untereinander sowie der Aktivierung aller. Gegenbenenfalls ist zu berücksichtigen, dass sich nicht alle Teilnehmenden in ihrer Wohnumgebung befinden, sondern auch am Arbeitsplatz. Die Übungen können für die Teilnehmenden spannend sein, weil sie sich auf diese Art spielerisch und vertiefend kennenlernen können (vgl. a.a.O., S. 121 f.). Unter anderem wird in der Übung „Der Teamsong“ mithilfe von Alltagsgegenständen ein gemeinsamer Teamsong entwickelt. Ziel ist die Stärkung der Identifikation mit dem Team. Gegenstände in Reichweite werden in die Kamera gehalten und mit ihrer Geschichte vorgestellt. Anschließend sollen die Teilnehmenden einen Song kreieren, und zwar so, dass alle Gruppenmitglieder sich einbringen können. Hier kommt es auf die konkrete Aufgabenstellung durch die Trainerin oder den Trainer an, damit jede/r in der Gruppe genau weiß, was zu tun ist. In der abschließenden Reflexion der Übung werden Fragen zum kreativen Prozess und zum Ergebnis, zur Gruppendynamik und zum Transfer in Alltag und Beruf gestellt.

Ein weiteres Kapitel stellt Übungen vor, die technische Hilfsmittel und Online-Tools nutzen. Diese sollen das Online-Teamevent „bunter, vielseitiger, merkwürdiger und erlebnisorientierter“ (a.a.O., S. 157) machen. Dabei wird auf gängige Tools geachtet, die nicht so viele Erklärungen erfordern. Allerdings sollten sich die Lehrenden vorher gut mit den Tools vertraut machen, damit sie in der Handhabung Sicherheit vermitteln können. Ggf. sollte das Tool geduldig erklärt und nur wenige neue Tools verwendet werden (vgl. a.a.O., S. 158). Z. B. arbeitet die Übung „Das Team-Netzwerk“ mit einem Whiteboard, einem Einladungslink im Chat oder im Vorfeld per Mail. Zielstellung sind z.B. die Teamkonstellationen sichtbar machen oder die eigene Position im Team verorten. Die Verwendung des Tools, z.B. von Symbolen, Beschriftungen oder grafischen Elementen, muss so erklärt werden, dass alle Teilnehmenden damit umgehen können. Es folgen Reflexionsfragen zum Team-Netzwerk, seinen Verbindungen und Beziehungen, Fragen zum Prozess und zur Kommunikation der Teilnehmenden sowie Fragen zum Transfer der Übung in den Berufsalltag. Abschließend werden Tipps zum Einsatz des Tools und der Technik gegeben, Anforderungen an die Gruppe beleuchtet sowie Variationen vorgeschlagen. Andere Übungen widmen sich den Teamzielen, Team-Kooperationen, Führungsfragen, Kommunikationstraining, Firmenkultur, Wettkampf, Gruppenidentität, Kennlernprozessen oder dem Problemlösen.

Darüber hinaus werden in dem Buch Übungen mit Hilfsmitteln vorgestellt. Diese Hilfsmittel müssen im Vorfeld zugeschickt werden. Dies erfordert zum einen eine relativ große Vorbereitung, zum anderen erhöht ein zugeschickter Gegenstand oder eine Box die Spannung und die Vorfreude (vgl. a.a.O. S. 257). Beim Einkauf ist die Teilnehmerstärke zu beachten, die Absprache mit dem Auftraggeber sowie das Timing. Der Vorteil besteht darin, dass die Übungen kniffliger sein können und haptische, handlungsorientierte Menschen ansprechen. Kleine Andenken oder Nervennahrung können die Box abrunden (vgl. a.a.O., S. 258). Z. B. werden für die Übung „Farbenblind“ unterschiedliche Farbsets in Einzelteilen in Briefkuverts aufgeteilt, deren Farben und Formen dann gemeinsam erraten werden müssen. Im Anschluss an das Spiel folgen Fragen zu Kommunikation und Strategieentwicklung, Fragen zu Gefühlen, Verhalten und persönlichem Beitrag, Fragen zu Motivation, Stimmung und Gruppengefühl sowie Fragen zur Einhaltung von Spielregeln. Hinweise zum Tool und zur Technik, zu Variationen sowie zu weiterführenden Quellen und Ressourcen runden die Übung ab. Weitere Übungen beschäftigen sich mit Selbstwirksamkeit, dem Kommunizieren von Bedürfnissen, Prozessoptimierung und Leistungsdruck, Führen und Geführt werden oder Vertrauen, Aktivierung und Selbsteinschätzung.

Das abschließende Kapitel widmet sich den Reflexionsmethoden und der Gruppeneinteilung. Es wird die Frage thematisiert, wie die Reflexion der Übungen im Online-Raum optimal gelingen kann, sodass alle Teilnehmenden für sich einen Nutzen und ein Resümee aus den Übungen ziehen. Dazu sollten eleganter Weise die vorher verwendeten Übungsmaterialien genutzt werden. (vgl. a.a.O. S. 295 f.). Vorgeschlagen werden Reflexionsübungen mit einem Hashtag, vorher zugeschickten Legosteinen, Luftballons oder Kreiseln. Gruppeneinteilungen werden z.B. anhand von Puzzleteilen vorgenommen.

Diskussion

Die Übungen im vorgestellten Buch eignen sich für Online-Trainerinnen und -trainer mit einer gewissen Erfahrung in der Verwendung von Konferenz-Tools, im Online-Training überhaupt und mit einer gewissen Experimentierfreude im Umgang mit verschiedenen methodischen Mitteln. Die Übungsanleitungen erscheinen auf den ersten Blick recht komplex. Manchmal, z.B. bei der Übung „Gewinnt, soviel ihr könnt“, wird nicht ganz klar, ob es sich bei den verwendeten Materialien um virtuelle oder um reale Gegenstände handelt. Übungen mit vorhandenen Materialien lassen sich relativ problemlos umsetzen. Andere Übungen, bei denen Gegenstände zugeschickt werden sollen, sind sehr aufwändig in der Vorbereitung oder auch unsicher – Materialien, Verpackung, Porto, Postweg oder Anwesenheit der Teilnehmenden. Mitunter werden Excel Tabellen zur Punkteverteilung oder andere Dokumentationen erfordert. Die Spielanleitungen oder Erklärungen stellen relativ hohe Anforderungen an Konzentration und Auffassungsgabe der Teilnehmenden, sollen sie doch spontan und intuitiv umgesetzt werden. Insgesamt bieten die Übungen aber eine breite Themenvielfalt, vielfältige Reflexionsanlässe, Ideen für den beruflichen Transfer, originelles Teambuilding und auf jeden Fall Abwechslung im monotonen Online-Alltag.

Fazit

Das Buch bietet eine Vielfalt von Online-Übungen ohne und mit technischen Hilfsmitteln für die Gestaltung von Online-Teambuildings. Die Themen- und Zielstellungen reichen von Team-Kooperationen, Führungsfragen, Kommunikationstraining, Firmenkultur, Wettkampf, Gruppenidentität, Kennlernprozessen oder dem Problemlösen über Selbstwirksamkeit, das Kommunizieren von Bedürfnissen, Prozessoptimierung und Leistungsdruck bis hin zu Vertrauen, Aktivierung und Selbsteinschätzung. Vorbereitung und Durchführung erscheinen durchaus komplex und anspruchsvoll. Aber die Übungen versprechen Abwechslung, Originalität und einen bleibenden Eindruck im Online-Alltag.

Rezension von
Dr. Jana Swiderski
Erziehungswissenschaftlerin, Arbeitsvermittlerin, Fallmanagerin und derzeit Berufsberaterin bei der Bundesagentur für Arbeit
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Es gibt 5 Rezensionen von Jana Swiderski.

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Zitiervorschlag
Jana Swiderski. Rezension vom 22.12.2022 zu: Jennifer Frank-Schagerl, Elisabeth Rumpl: Die 50 besten kooperativen Online-Übungen für lebendige Teamentwicklung. Methodensammlung für Teambuildings im digitalen Raum - Klimaneutrale Ausgabe. managerSeminare Verlags GmbH (Bonn) 2022. ISBN 978-3-949611-09-4. Reihe: Edition Training aktuell. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30063.php, Datum des Zugriffs 27.01.2023.


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