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Tilman Leptihn: 50 Tipps für die Angehörigenarbeit in der Altenpflege

Cover Tilman Leptihn: 50 Tipps für die Angehörigenarbeit in der Altenpflege. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2005. 64 Seiten. ISBN 978-3-89993-429-8. 9,90 EUR, CH: 17,90 sFr.
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Der Autor

Tilman Leptihn ist Fachkrankenpfleger für Psychiatrie, derzeit Care-Manager bei der Gemeinschaft Deutsche Altenhilfe GmbH (GDA), Hannover, einem Betreiber von acht Wohnstiften sowie einem Altenpflegeheim. Leptihn ist Mitglied in der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung (DED) e.v. und Fachbuchautor.

Zur Reihe "Pflege leicht"

Dieses Buch ist in der Reihe "Pflege leicht" erschienen, die von erfahrenen Praktikern aufbereitetes aktuelles Fachwissen in kompakter Form zu einem attraktiven Preis bieten will. Die Reihe soll lt. Verlag eine Hilfe für Auszubildende und Praktiker sein, sich in spezielle Fachgebiete einzuarbeiten, erste Informationen zu erhalten, vorhandenes Fachwissen zu ergänzen oder aufzufrischen.

Zielgruppe

Der Autor adressiert den Ratgeber an "alle Mitarbeiter, die in der Pflege und Betreuung alter Menschen in ambulanten und stationären Einrichtungen der Altenpflege beschäftigt sind".

Thema

Dieses Buch nimmt sich einem Thema mit großem Handlungsbedarf an. Der Autor will durch seinen Ratgeber ein Nachschlagewerk bieten, das zeigt, welche Verhaltensweisen und internen Strukturen den konstruktiven und vertrauensvollen Umgang mit Angehörigen von pflegebedürftigen Senioren erleichtern, sodass Angehörige nicht länger als "Störfaktor", sondern als "Verbündete" in der gemeinsamen Sorge um den Pflegebedürftigen gesehen werden. Das Buch will bei MitarbeiterInnen mehr Verständnis für die Rolle der Angehörigen wecken sowie konkrete praxisnahe, leicht verständliche und einfach zu handhabende Lösungsansätze für Angehörigenarbeit bieten.

Überblick

Im Vorwort informiert der Autor über Zielgruppe, Ziel des Ratgebers, das Entstehen der Tipps und Erläuterungen aus seiner Erfahrung als betroffener Angehöriger sowie als professionell in der Pflege Tätiger, die fachliche Unterstützung zu diesem Buch durch die pflegerischen Kollegen der GDA sowie seine Frau (Altenpflegerin/Milieuberaterin). Dann folgen alphabetisch sortiert "50 Tipps für die Angehörigenarbeit in der Altenpflege". Ein Download der detaillierten Inhaltsangabe ist unter http://pflegen-online.de/download/429-6.pdf (Internet Community Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG) möglich. Die Tipps geben Erklärungen zu einzelnen Themen sowie Ratschläge für die Praxis. Den Abschluss bilden ein Literaturverzeichnis und ein alphabetisches Stichwortregister. Die Darstellung ausgewählter Tipps soll Einblick in Aufbau und Sprache des Ratgebers geben. Andere Tipps werden unten im Abschnitt "Diskussion" angesprochen.

Ausgewählte Inhalte

1. Tipp - Ansprüche zur Leistungserbringung erkennen: Der Autor benennt die verschiedenen Parteien, die Ansprüche gegenüber Einrichtungen und ambulanten Diensten in der Altenpflege haben, spricht die Anforderungen an eine hohe Qualität der pflegerischen Arbeit an, die nach seinen Worten nur nicht viel kosten darf und weist auf die Problematik der Mitarbeiter hin, die "im Spagat zwischen der kostengünstigen pflegerischen Dienstleistung und gleichzeitig möglichst optimaler Qualität sind". Er weist auf gesetzliche oder vertraglich vereinbarte Leistungsansprüche hin, die "nicht oder schlecht erfüllt" zu einer Vergütungskürzung führen können und listet dazu einige Leistungsansprüche nach SGB XI bzw. SGB V auf. Dann folgen seine Tipps, die zu einer Transparenz gegenüber den Betroffenen und Angehörigen beitragen können: Aushändigen des Leistungsspektrums der Einrichtung, des Leitbildes und der Konzepte, die Auskunft über Art und Weise der Leistungserbringung, deren qualitative Umsetzung, den Betreuungsschwerpunkt und die "hauseigenen Besonderheiten" geben. Er empfiehlt, Konzepte und Leitbild persönlich zu erläutern, da es zahlreiche Fachbegriffe gibt, die "für Laien unverständlich sind" und weist auf die Wertschätzung hin, die Angehörige durch das persönliche Gespräch erleben. Als Drittes warnt er vor Versprechen, die nicht bzw. nicht im zugesagten Umfang eingehalten werden können, somit unseriös sind und das Vertrauensverhältnis "nachhaltig trüben" sowie "finanzielle Rückforderungsansprüche zur Folge haben" können. Ein letzter Hinweis betrifft die Grenzen der Leistungserbringung, die "ggf. auch deutlich" zu machen sind, da einige Angehörige eine "mehr als komplette Universalbetreuung" beanspruchen, die den vertraglich vorgeschriebenen Rahmen weit überschreiten. Zur Orientierung verweist er dazu auf Rahmenvereinbarung, Heim- bzw. Pflegevertrag, Leitungs- und Qualitätsvereinbarung etc.

4. Tipp - Bedeutung der Angehörigenarbeit erkennen: Der Autor schildert in einigen Sätzen die Prägung eines Menschen durch unterschiedliche Bezugspersonen in der Ursprungsfamilie, den Verlust von "Geborgenheitsgefühl" der Kinder, wenn Eltern pflegebedürftig werden und den Rollenverlust der Eltern bzw. den daraus entstehenden Rollentausch und die Problematik, die sich für beide Parteien aus dieser Situation ergeben. Es ist Aufgabe der Mitarbeiter, diese Rollenkonflikte zu erkennen und "sensibel zu thematisieren", wenn sich Angehörige hilfesuchend an sie wenden. Im Anschluss folgen Mahnungen, dass es nicht die Aufgabe von Mitarbeitern ist, an der "Persönlichkeitsentwicklung eines Bewohners oder Angehörigen 'herumzudeutel' oder sie zu interpretieren", dass selbst bei Ansprache durch Bewohner oder Angehörige hinsichtlich der Persönlichkeitsentwicklung "Interpretationen, Wertungen oder gar Beeinflussungsversuche zu unterlassen sind" und "nicht an der Biografie des Betroffenen gearbeitet" wird, "sondern nur mit der Biografie". Die Beratung der Angehörigen, die mit dem Pflegebedürftigen Probleme haben, soll sich nur auf "krankheitsbedingte Verhaltensauffälligkeiten, die mit professionellen Interventionen beeinflussbar sind (z.B. bei Demenzkrankheiten)" beziehen. Beratungen mit fast familientherapeutischem Ausmaß sind dem Psychotherapeuten zu überlassen.

20. Tipp - Gewohnheiten beachten: Der Autor leitet mit einigen Sätzen zur Bedeutung von vertrauten Gewohnheiten sowie negativ erlebten Veränderungen über zu den pflegerisch zu berücksichtigenden Gewohnheiten, die von MitarbeiterInnen im Gespräch mit Pflegebedürftigen bzw. Angehörigen zu ermitteln sind. Als Hilfsmittel dient eine 4-spaltige Checkliste, die im Rahmen der Erhebung zur Pflegeanamnese Vorlieben bzw. Abneigungen zu einzelnen Lebensbereichen systematisch festhält: Spalte 1 zeigt AEDL-Bereiche, Spalte 2 relevante Unterpunkte, die Spalten 3 und 4 bieten Platz für Eintragungen der ermittelten Vorlieben/Gewohnheiten bzw. Abneigungen.

36. Tipp - Patientenverfügung ansprechen: Als Einstieg in das Thema weist der Autor durch drei Sätze auf die intensive Diskussion um Verfügungen und die Bedeutung dieser besonders für Angehörige hin, um "im Falle des Falles die Entscheidung treffen zu können, die der Pflegebedürftige wirklich gewollt hat". Dann folgen seine Definitionen für die Begriffe Patientenverfügung, Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht.

42. Tipp - Tagesablauf individuell gestalten: Zu Beginn wird an die Tipps 37 (Ruhe ermöglichen) und 20 (Gewohnheiten) erinnert, bevor anhand einer Tabelle mit den Überschriften Frühaufsteher bzw. Langschläfer "Grunddaten, die es hinsichtlich der Gestaltung des Tagesablaufes zu ermitteln und zu berücksichtigen gilt", aufgezeigt werden. So ist zu lesen "Hat sich immer morgens gewaschen" bzw. "Hat sich immer abends gewaschen" oder "Hat gern Pausen gemacht" bzw. "Hat nie Pausen gemacht" etc. [die Überschriften Frühaufsteher und Langschläfer können hier nach Ansicht der Rezensentin nicht wirklich richtig sein]. Die dann folgenden Ratschläge betreffen das Sammeln von Informationen zu Gewohnheiten im Tagesablauf in der Zusammenarbeit mit Angehörigen und die Beratung von Angehörigen, damit die Angebote bei Besuchen den Bedürfnissen des Bewohners und seiner Tagesstruktur angepasst werden, denn "Manche Angehörige neigen dazu, während ihres Besuchs den Tagesablauf an sich zu reißen und Dinge anzubieten, von denen Sie nicht immer sicher sein können, ob sie auch der gewünschten Tagesstruktur des Bewohners entsprechen".

45. Tipp - Urlaub machen: §§ 39, 42, 45 SGB XI werden als entlastende Maßnahmen für Angehörige vorgestellt.

47. Tipp - Verlässlichkeit zeigen: Es geht um Verlässlichkeit als unverzichtbare Eigenschaft in der professionellen Pflege und Betreuung in allen Bereichen. Der Autor erklärt, dass, wenn Angehörige verlässliche MitarbeiterInnen erleben, das Vertrauen zu Einrichtung wächst und der Ruf verbessert wird. Dann folgen Appelle wie: Halten Sie Termine ein, seien Sie pünktlich, setzen Sie Absprachen verlässlich um etc.

Literatur

Die dem Ratgeber zugrunde liegende Literatur besteht aus vier Fachbüchern (1989/99/2000) und einem bisher unveröffentlichten Handbuch des Arbeitgebers von Herrn Leptihn. In diesem Fachbuch erfolgt bis auf einen Hinweis (Manual GDA in Tipp 41 Sterbebegleitung leisten) keine Quellenangabe für ein vertiefendes Lesen, was auch ein praktischer Ratgeber ermöglichen sollte.

Diskussion

Der Autor zeigt mit diesem Ratgeber auf, wie vielschichtig Angehörigenarbeit ist bzw. sein kann und welche sozialen Kompetenzen und fachlichen Qualifikationen für eine gelingende Angehörigenarbeit wichtig sind. Er gibt in leicht verständlicher Sprache (je nach Thema nüchtern oder fast erzählend) Erklärungs- und Lösungsansätze durch Ratschläge zu Themen wie Beziehungsgestaltung, Lebensraumgestaltung, Biografiearbeit, Pflegeplanung, Tagesstrukturierung, Angehörige als Interessensvertreter der Pflegebedürftigen, Konflikt- und Beschwerdemanagement, Öffentlichkeitsarbeit. Einige Tipps konzentrieren sich zunächst auf die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen, bevor sie dann die Angehörigen in ihrer Funktion als Kooperationspartner in der Sorge um den Pflegebedürftigen aufzeigen. Er zeigt die Wechselwirkung des Wohlbefindens der Pflegebedürftigen und Angehörigen auf und die Möglichkeiten für MitarbeiterInnen, diesen Aspekt für eine Verbesserung im Umgang mit Angehörigen zu nutzen. Er sensibilisiert für das Verhalten der Angehörigen, zeigt für ihn situationsbedingtes, unangemessenes Verhalten oder überhöhte Vorstellungen der Angehörigen auf (die Ausdrucksweise, z.B. Tipp 42, lässt an einigen Stellen doch noch etwas an den "Störfaktor" Angehörige erinnern) und spricht in diesem Kontext die vertraglichen Leistungsgrenzen der Einrichtungen an. Einige Tipps enthalten organisatorische Hinweise und Informationen über gesetzliche und vertragliche Rahmenbedingungen.

Die Ausrichtung der Tipps zeigt Elemente einer konzeptionellen Angehörigenarbeit, besonders als Qualitätssicherungsinstrument, was die Terminologie des Ratgebers (Angehörige als Werbeträger, Dienstleistungsempfänger oder Kunde, Kundenzufriedenheit, Pflege als Dienstleistung, Rückforderungsansprüche etc.) stark prägt. Seine Erklärungen und Tipps geben als Hilfestellung zahlreiche Maßnahmen- und Kriterienkataloge sowie Checklisten an die Hand. Bei aller Systematisierung/Standardisierung hält die Rezensentin es aber für bedenklich, dass der Autor Artikel 1 des Grundgesetzes in Tipp 49 (Würde beachten) zitiert und dann versucht, einen würdevollen Umgang mit pflegebedürftigen Menschen mit der Einhaltung von Kriterien nach AEDL-Zielen zu definieren. Die Würde eines Menschen zu achten und zu schützen braucht mehr als einen Kriterienkatalog und AEDL`s!! Unglücklicherweise ist hier dieses wichtige Grundrecht des Menschen mit "Die Würde des Menschen ist unverletzlich - so sagt es das Grundgesetz" wiedergegeben, statt: Artikel 1 (1) GG: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." Über diesen Lapsus hinaus wäre für eine Neuauflage des Ratgebers ein sorgfältiges Korrekturlesen zu wünschen.

Diesen Ratgeber alphabetisch als schnelles Nachschlagewerk zu erstellen, ist besonders aufgrund der großen Zeit- und Personalknappheit in der Altenpflege ein guter Gedanke. Leider führte es hier dazu, dass Themen in unglücklich gestaltete Einzelteile zerlegt bzw. mehrfach behandelt werden. Am Beispiel der Biografiearbeit wird dies deutlich: Der Tipp 5 "Biografiearbeit nutzen" zeigt nicht die Nutzung vielfältiger Aspekte einer Biografiearbeit auf, sondern beschreibt den Vorgang des Sammelns und des Dokumentierens bzw. Nichtdokumentierens von Informationen in "einschlägigen Biografiesammlungsbögen" bzw. selbst gestalteten Biografiebögen; einige Aspekte zur Biografiearbeit sind dann im Alphabet unter "F" wie "Fotos nutzen" (18. Tipp), "G" wie "Gewohnheiten beachten" (20. Tipp) oder "P" wie "Persönliche Gegenstände zulassen" (35. Tipp) etc. zu finden. Ein anderes Beispiel: Die empfohlene Ermittlung von Grunddaten (Tipp 42 Tagesablauf individuell gestalten) ist mit der ausführlichen Checkliste (AEDL) in Tipp 20 (Gewohnheiten beachten) berücksichtigt worden. Wenn die Checkliste (Tipp 20) genutzt wird und nicht nur Selbstzweck ist, ergibt sich automatisch eine individuelle Berücksichtigung im Tagesablauf, übrigens auch die in Tipp 26 ausgeführten Körperpflegegewohnheiten. Es wäre daher aus Sicht der Rezensentin an einigen Stellen sinnvoll gewesen, die Anzahl der Tipps zugunsten einer straffen und themenzentrierteren Darstellung zu reduzieren. Niemand wird vorher das Inhaltsverzeichnis blättern, um zunächst alle wichtigen, das Thema betreffenden Tipps zusammenzustellen.

Wir kennen alle die große Bedeutung von Biografiearbeit vor allem bei Demenzerkrankten, aber auch die damit einhergehenden Dokumentationen. Es ist wohltuend zu lesen, dass der Autor unter Tipp 5 eine Prüfung empfiehlt, ob alle Angaben in Biografiebögen und den Pflegedokumentationen wirklich für den professionellen Betreuungsprozess relevant sind. Vielleicht kann sein Hinweis dazu beitragen, dass dem standardisierten Dokumentationswahn vor allem der 'subjektiven Detail' ein wenig Einhalt geboten wird.

Einige Themen werden in dem Ratgeber nur angerissen. Beispiele: 4. Tipp (Bedeutung der Angehörigenarbeit erkennen) bietet keine ausreichende Definition für die umfassende Bedeutung der Angehörigenarbeit. Weiterhin folgen dem Rat, einen Rollenkonflikt bei Angehörigen "sensibel zu thematisieren", keine Ratschläge, sondern eine Liste von Dont's, dagegen werden Ratschläge zu allgemeinen Umgangsformen (Pünktlichkeit, Zusagen einhalten etc.) in anderen Tipps explizit und ausführlich erwähnt. Die Darstellung zur Patientenverfügung (36. Tipp) erwähnt zwar eine "intensive Diskussion", benennt aber nicht den Grund dafür. Der Autor legt viel Wert auf Ausführungen zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen, die aber hier entsprechend der Konzeption des Ratgebers verständlicherweise nur erste Informationen bzw. Teilinformationen geben. Ein Verweis darauf und ein Hinweis auf die von Ministerien und anderen zuverlässigen Informationsquellen kostenfrei herausgegebenen Schriften/Broschüren, die vor allem Themen wie gesetzliche Betreuung, Verfügungen, Unterhaltspflicht weiter ausführen und auch immer wieder den aktuellen Stand bieten, wären eine wichtige Ergänzung gewesen. Wenn MitarbeiterInnen z.B. eine Verfügung ansprechen sollen (Tipp 36), dann muss der Wissensstand über die Kurzerläuterungen des Ratgeber hinausgehen.

Der Ratgeber ist primär auf eine stationäre Pflege und Betreuung ausgerichtet, wenn auch immer wieder Hinweise für in der ambulanten Pflege Tätige einfließen. Auch wenn es viele Parallelen in der Angehörigenarbeit einer stationären und ambulanten Pflege gibt, so zeigt sich hier, dass kurze Zusätze oder Hinweise einer professionellen, gelingenden Angehörigenarbeit beider Betreuungsformen schwer gerecht werden können. Das Thema Demenz findet hinsichtlich der besonderen Belastungen und Bedürfnisse von Angehörigen in der häuslichen Pflegesituation keinen ausreichenden Raum. Themen wie soziale Einschränkungen, psychische Anpassungsleistungen, emotionale Abhängigkeit ..., um nur einige zu nennen, werden nicht behandelt. Das Verständnis für diese Aspekte ist für eine gelingende Angehörigenarbeit in der ambulanten Pflege wichtig, da sie ggf. Erklärungen oder Hinweise geben, die für Ablehnung von Hilfe, für Unstimmigkeiten zwischen Angehörigen und Pflegekräften u.a. ausschlaggebend sind. Über die strukturellen Entlastungen und die Erwähnung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft hinaus (Tipp 39 Selbsthilfegruppen vorstellen/Tipp 24 Informationen anbieten - Hinweis auf Informationsmaterial) wären Hinweise auf aktuelle psychosoziale Hilfen für Angehörige in häuslicher Pflege ein wichtiger Praxisbezug gewesen. Angaben zu wichtigen Kontaktstellen für Angehörige, vielleicht als Anhang, hätten den Ratgeber noch bereichert.

Ein Hinweis auf die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit aller beteiligten Berufsgruppen wäre noch zu ergänzen, da sie mit über eine gelingende Angehörigenarbeit entscheidet.

Fazit

Insgesamt bietet der Ratgeber zahlreiche Hilfen, Informationen und Anregungen, und leistet einen wichtigen Beitrag zu einer professionellen Angehörigenarbeit und einer verständnisvolleren Begegnung zwischen allen Betroffenen.


Rezension von
Anna Marita Bongartz
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Zitiervorschlag
Anna Marita Bongartz. Rezension vom 20.12.2005 zu: Tilman Leptihn: 50 Tipps für die Angehörigenarbeit in der Altenpflege. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2005. ISBN 978-3-89993-429-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3016.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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