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Marina Swat, Anika Reifenhäuser (Hrsg.): Praxishandbuch Kita-Sozialarbeit

Rezensiert von Prof. Dr. Nurdin Thielemann, 02.01.2023

Cover Marina Swat, Anika Reifenhäuser (Hrsg.): Praxishandbuch Kita-Sozialarbeit ISBN 978-3-7799-7055-2

Marina Swat, Anika Reifenhäuser (Hrsg.): Praxishandbuch Kita-Sozialarbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2022. 198 Seiten. ISBN 978-3-7799-7055-2. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR.

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Thema

Die zu besprechende Herausgeberschaft befasst sich mit der bundesweit anwachsenden Kita-Sozialarbeit als neues Handlungsfeld der Sozialen Arbeit. Sie verfolgt die Idee, die Kita-Sozialarbeit für Praktiker/​innen darzustellen und ihnen „Werkzeuge“ zur Umsetzung an die Hand zu geben.

Die Herausgeber/​innen erheben den Anspruch, den Fragen zur Konzeption und damit inhaltlichen Ausgestaltung von Kita-Sozialarbeit zu begegnen (S. 10) sowie einer Verinselung von Wissen innerhalb des Arbeitsfeldes Kita-Sozialarbeit entgegenzuwirken (S. 11).

Für das vorliegende Buch wird der Schwerpunkt durch eine der Herausgeber/​innen benannt: „das Handbuch zur Kita-Sozialarbeit (…) [geht] stärker auf den Sozialraum, d.h. auf den Kita-Sozialraum, ein (S. 13).“

Herausgeber/​innen

Dr. phil. Marina Swat ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz im Institut für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit | Rheinland-Pfalz (IBEB).

Anika Reifenhäuser, M. A. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz; ehemalige Beraterin von Trägern bei der Verwendung vom in Rheinland-Pfalz ermöglichten Sozialraumbudget zur Implementierung von Projekten zur sozialräumlichen Öffnung von Kitas.

Insgesamt wird die Herausgeberschaft von zehn Hochschulangehörigen, die zumeist der Hochschule Koblenz zugeordnet werden können, und insgesamt drei Praxispartner/​innen, die sich mit der Kita-Sozialarbeit in ihrem beruflichen Alltag befassen, getragen.

Entstehungshintergrund

Ausgangspunkt der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Kita-Sozialarbeit bilden die langjährigen Erfahrungen und Möglichkeiten für die Kita-Sozialraumarbeit in Rheinland-Pfalz.

Wie die Herausgeber/​innen schreiben entstand „die Idee zum ,Praxishandbuch Kita-Sozialarbeit' (…) aus der Arbeit in den Sozialraumprojekten des Instituts für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit | Rheinland-Pfalz (IBEB). 2020 und 2021 unterstütze das IBEB rheinland-pfälzische Jugendämter bei der Erarbeitung einer Gesamtkonzeption zur Verteilung des Sozialraumbudgets“ (S. 10).

Aufbau und Inhalt

Die Herausgeberschaft besteht aus einem Vorwort, indem die zugrundeliegende Idee, der Entstehungshintergrund und die Stoßrichtung (Kita-Sozialraumarbeit) benannt werden. Die Herausgeberschaft widmet sich sechs inhaltlichen Schwerpunkten.

Kapitel 1: Die Kita und der Kita-Sozialraum als Handlungsfeld von Sozialer Arbeit

Das erste Kapitel, welches durch Marina Swat und Gunther Graßhoff ausgearbeitet wird, stellt zunächst das Handlungsfeld Kita in seinen sozialräumlichen Bezügen her und setzt damit den Fokus der Publikation. Darin liegend wird der Auftrag der Kita gemäß des Sozialgesetzbuches VIII geklärt und auf die Implikationen der Verschiedenartigkeit der Träger und der Bedeutung verschiedener Konzepte hingewiesen. Ein zentraler Bildungsauftrag von Kita wird mit politischer und Demokratiebildung gesetzt (M. Swat). Anschließend werden Fragen nach der Profession und dem Professionalisierungsdiskurs eröffnet und mit der Theorie der Lebensweltorientierung untersetzt (G. Graßhoff). M. Swat zeigt im Folgenden die Chancen auf, die sich mit der Kita-Sozialarbeit verbinden und stellt die Frage, wo sich Kita-Sozialarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe verorten lässt. Eine Auflistung von potenziellen Aufgaben der Kita-Sozialarbeit (M. Swat), zwei Diskurslinien zum Adressat/​innenbezug (Kita-Sozialarbeit als soziale Dienstleistung und Kita-Sozialarbeit im Kontext lebensweltorientierter Sozialer Arbeit) und die kurze Darstellung der Herausforderungen (Kita-Sozialarbeit: Zwischen Feuerwehrfunktion und Normalisierung) runden das Kapitel ab (G. Graßhoff).

Kapitel 2: Sozialarbeiterisches Handeln in der Kindertagesstätte

Das zweite Kapitel wird von Peter-Ulrich Wendt, Silke Bokelmann und unter der Mitarbeit von Elke Petersen-Wendt, Andrea Hollenberg und Sarah Theilemann zum Themenkomplex Sozialarbeiterischen Handelns in Kindertagesstätten verfasst. Es beginnt mit einem Zitat, einem Gespräch zwischen zwei Kita-Leitungen, auf welchem im Verlauf des Kapitels zur Verdeutlichung theoretischer Grundlagen knapp zurückgegriffen wird. So beginnt das erste Unterkapitel mit einer pointierten Darstellung methodischen Handelns in der Sozialen Arbeit und mündet in einem von den Autor/​innen hergeleiteten Phasenmodell sozialarbeiterischen Handelns (S. 39). In einem nächsten Schritt werden die theoretischen Grundlagen der handlungsleitenden Prinzipien der Sozialarbeit Subjektorientierung, Orientierung am Alltag und der Lebensbewältigung, Ressourcenorientierung, methodische Vielfalt und Reflexion im beruflichen Handlungsalltag (S. 40 ff.), besprochen. Ein besonderes Augenmerk verdient die anschließende Darstellung der Entwicklung des Arbeitsbündnisses zwischen den Sozialarbeiter/​innen und den Familienmitgliedern respektive der Familie. Die Autor/​innen formulieren drei für ein Arbeitsbündnis notwendige Grundlagen:

  •  „Wissen, fachliches Können und die Haltung von Sozialarbeiter/​innen zu den Themen und Schwierigkeiten (Fälle) der Familien“ (S. 42 f.)
  •  „die Fähigkeit, (mit Familien) im Gespräch zu sein“ (S. 43 f.)
  •  „das Verstehen des zu bearbeitenden Falles“ (S. 44 ff.)

Anhand der Besprechung von vier auf die Kita bezogenen Fallbeispiele werden anschließend mögliche Vorgehensweisen, die allerdings nicht der Praxis entnommen sind, aufgezeigt, die das Handeln im Einzelfall, in der Sozialen Gruppe, im Gemeinwesen und die Berücksichtigung der Differenz zwischen Stadt und Land verstehen lassen. In diesem Modus wird das Kapitel dann auch beschlossen. Es wird anhand verschiedener weiterer Fallbeispiele aufgezeigt, wie methodisches Handeln auch im Sinne der sozialräumlichen Öffnung von Kitas funktionieren kann. Ein Exkurs zum Umgang der Kita-Sozialarbeit mit der Thematik Kindeswohlgefährdung bildet den Abschluss.

Kapitel 3: Kita-Sozialarbeit als Schnittstelle zwischen Kita und Sozialraum

Ulrich Deinet, Elisabeth Feilzer und Tom Kalfhaus befassen sich mit der Sozialraumorientierung in der Sozialarbeit. Im Vergleich der Umsetzung von zwei kommunalen Konzepten zeigen sie, wie Strategien zur Implementierung sozialräumlicher Öffnung auf die „Veränderung in der Orientierung professionellen Handelns“ (S. 82) und auf die „administrative Steuerungsstrategie“ (ebd.) wirken können. Dazu vergleichen sie grundsätzlich unterschiedliche Herangehensweisen aus einer Initiative aus Nordrhein-Westfalen (Gelsenkirchen) mit einer aus Rheinland-Pfalz (KJA Mayen-Koblenz). Auf der Grundlage theoretischer Vorüberlegungen werden die sozialräumlichen Perspektiven, die auf eine Kita wirken, aber auch jene die von einer Kita ausgehen sollten, besprochen. Insofern werden auch Methoden der Sozialraumarbeit vorgestellt (z.B. Elternbefragung, Stadteilbegehung (S. 94)) oder Formen und Ebenen externer und interner Vernetzung dargestellt. Schließlich stellen die Autor/​innen fest, dass bei aller Unterschiedlichkeit der Konzepte beide zur Gestaltung von Orten und damit als Ausgangspunkt und Gestaltungsmöglichkeit für Kita-Sozialarbeit dienen können.

Kapitel 4: Konzeptionelle Ausgestaltung von Kita-Sozialarbeit

Das vierte Kapitel steuern Armin Schneider, Andy Schieler und Alexandra-Isabel Reidel bei. Armin Schneider konzentriert sich auf eine systematische Sozialraumanalyse für den Einsatz von Kita-Sozial(raum)arbeit. Die Begriffe Kita-Sozialraumarbeit und Kita-Sozialarbeit setzt er dabei auf semantischer Ebene gleich. Dieser Teil des Kapitels befasst sich mit der sinnvollen Konstruktion einer Sozialraumanalyse und der Konzeption von Kita-Sozialraumarbeit und adressiert am ehesten die Steuerungs- und Finanzierungsinstanzen, wie z.B. Mitarbeiter/​innen des Jugendamts oder Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Mit strukturierten Fragen ermöglicht er es den Leser/​innen eine Sozialraumanalyse, die dem Einsatz von Kita-Sozialraumarbeit ermöglichen, zu denken. In Theorie verwoben, wird die Erarbeitung einer Kita-Sozialraumkonzeption (Ziele, Zielgruppen, personelle Zumessung, Qualifikation, räumliche und institutionelle Anbindung, Vernetzung, Niedrigschwelligkeit, Neutralität, Anbindungen an Schule und Jugendarbeit, Evaluation) angebahnt und mögliche Träger respektive die trägerübergreifende Zusammenarbeit besprochen. Thematisiert werden an dieser Stelle auch die verschiedenen Möglichkeiten der Zusammenarbeit am Übergang von der Kita in die Schule. Weitere Themen sind die Koordinierung und das in Rheinland-Pfalz etablierte Sozialraumbudget zur Finanzierung von Kita-Sozialarbeit. A. Schieler widmet sich der Frage zur Evaluation und Wirkungsmessung. Eine Perspektive, die für die verwaltungsseitige Abwicklung von Kita-Sozialarbeit von Bedeutung bleiben wird. Nach einer Hinführung mit der Frage, warum Kita-Sozialarbeit regelmäßig evaluiert werden sollte (S. 124) und wer dafür zuständig sei (S. 125), werden Evaluation und Wirkungsmessung theoretisch gerahmt und in ein für die Kita-Sozialarbeit möglicherweise passendes Modell überführt. Das Kapitel beschließt A.-I. Reidel mit „(Arbeits-)Rechtlichen Aspekten der Kita-Sozialarbeit“ (S. 130). Neben den Fragen, wer als Arbeitergeber/in eigentlich in Betracht käme und welche Besonderheiten es im kirchlichen Dienst zu beachten gibt, zeigt sie auf, welche Inhalte ein Arbeitsvertrag zu gewährleisten hat. Besonders hervorzuheben sind die Fragen zum Arbeitsrecht hinsichtlich der Weisungsbefugnisse durch die Kita-Leitung (S. 134) oder der Frage, ob Sozialarbeiter/​innen ersatzweise im Gruppendienst eingesetzt werden dürfen (S. 135). Dieser Teil des Beitrags bietet viele Antworten, die sich eine/ein Sozialarbeiter/in im Tätigkeitsfeld Kita arbeitsrechtlich stellt.

Kapitel 5: Vielfältige Kita-Teams

Anika Reifenhäuser widmet sich in ihrem Beitrag den Kita-Teams – spätestens mit der Etablierung der Kita-Sozialarbeit – den interdisziplinären Kita-Teams. Umfassend diskutiert sie die Chancen und Herausforderungen von vielfältigen Kita-Teams und Teamdynamiken durch ausschließlich theoretische Ansätze. Aufgelockert wird der Beitrag durch eingepflegte Stimmen aus der Praxis in Form von Zitaten. In zwei thematisch relevanten Exkursen wird auf theoretischer Ebene die Entwicklung von gemeinsamen Zielen und ein Entscheidungsfindungsprozess theoretisch dargestellt. Der Beitrag endet mit einer theoretischen Abhandlung über die Bedeutung von Veränderungen und Emotionen.

Kapitel 6: Qualifikation und Kompetenzen von Kita-Sozialarbeit

Vanessa Schnorr fragt in ihrem Beitrag nach Qualifikationen und Kompetenzen, die von Kita-Sozialarbeiter/​innen erworben oder bereitgestellt werden müssen. Dies basiert auf der Tatsache, „dass mit Kita-Sozialarbeit ‚Neuland‘ betreten wird“ (S. 171) und der Frage „welchen Anteil die fallspezifische und fallunspezifische Arbeit von Kita-Sozialarbeit im konkreten Praxisalltag einnimmt“ (ebd.). Diese „kann weder grundsätzlich eindeutig beantwortet werden, noch am ‚grünen Tisch‘ geplant und eingefordert werden“ (ebd.). Bei der Beantwortung stellt sie zunächst fest, dass für die Kita-Sozialarbeit die gleichen Strukturmaximen wie für die Jugendhilfe generell gelten (S. 173). Im Folgenden skizziert sie zwei grundsätzliche Handlungsfelder von Kita-Sozialarbeit: a) Kind und Familie und b) Team und Kita-Leitung, um anschließend fünf Kernaufgaben der Kita-Sozialarbeit zu benennen: fallspezifische Fallberatung, fallspezifische und/oder fallunspezifische Kita-Sozialarbeit, Kooperation und Vernetzung, themenbezogene Projektarbeiten, ein gemeinsames Berichtswesen von Kita und Kita-Sozialarbeit (zumindest in Rheinland-Pfalz möglich). Daran anknüpfend wird Hiltrud von Spiegel mit der anerkannten Trias von Professionalität herangezogen. Diese wird ausführlich über die Kompetenzen in der Dimension des Wissens, den Kompetenzen in der Dimension der beruflichen Haltung und jene des Könnens lehrbuchartig zusammengetragen. Sie schließt mit der Feststellung, dass grundlegende Qualifikationen für die Tätigkeit in der Kita-Sozialarbeit durch ein entsprechendes Studium der Sozialen Arbeit/​Sozialpädagogik oder verwandte Studiengänge geebnet sei (S. 182). Mit dem Verweis auf pädagogische Fachkräfte, die erfolgreich Kita-Sozialarbeit anbieten könnten, sei die Frage nach einer speziellen Qualifikation für pädagogische Fachkräfte, respektive für arbeitsfeldfremde Sozialarbeiter/​innen zu diskutieren (ebd.).

Auf eine Zusammenfassung oder ein Fazit der Kapitel wird verzichtet. Das Buch endet mit einem Abbildungs- und Tabellenverzeichnis sowie dem Autor/​innenverzeichnis.

Diskussion

Die Herausgeber/​innen haben sich auf den Weg gemacht ein Handbuch über die Kita-Sozialarbeit zu schreiben. Die Kita-Sozialarbeit ist ein neues Arbeitsfeld, in dem es aktuell kaum Forschung gibt, welche über rare Begleitungen während der Implementierungsphasen und wenigen Evaluationen von Projekten hinausgeht und Praktiker/​innen nach Netzwerken suchen, in denen sie mitwirken und Wissensbestände aufbauen können.

In sechs Beiträgen wird die Kita als Handlungsfeld Sozialer Arbeit skizziert, sozialarbeiterisches Handeln auf die Kindertagesstätten adaptiert, die Sozialraumorientierung in der Kita-Sozialarbeit dargestellt, Sozialraumanalysen und Kita-Sozial(raum)konzepte pointiert, Teams und Teamdynamiken unter den Vorzeichen von Veränderungen theoretisch diskutiert und schließlich die Frage nach Qualifikationen und Kompetenzen für die Soziale Arbeit in der Kita gestellt. In einzelnen Beiträgen werden auch ad hoc praxisrelevante Fragen nach Rechtsgrundlagen oder Evaluationsinstrumenten beantwortet.

Die Perspektive aus Rheinland-Pfalz dominiert die Publikation, was auf die Beiträge durchschlägt. Damit verengt sich beim Lesen die Wahrnehmung dessen, was Kita-Sozialarbeit sein kann und welche Möglichkeiten sich auf verschiedenen Ebenen damit verbinden. Die Herausgeber/​innen wollen mit dem Praxishandbuch Kita-Sozialarbeit die Verinselung von Wissen entgegenwirken (S. 11) und können wiederum lediglich Wissensinseln anbieten. Leerstellen und mögliche weiterführenden Gedanken sind mit den Themen Familienarbeit, -bildung und -beratung sowie bildungsbiografischen und familiären Übergängen zu benennen. Der Übergang „Kita-Schule“ wird zwar besprochen, es fehlt jedoch die Besprechung des Übergangs von den Frühen Hilfen in die Kita, respektive die Besprechung des möglicherweise zu begleitenden Ablösungsprozesses am Übergang Familie und Kita. Weitere Fragen stellen sich zu erprobten bzw. zu erprobenden Methoden und Konzepten wie Empowerment oder Casemanagement. Sozialraumanalyseansätze mittels Mikro-Geo-Daten, wie sie in Mühlheim an der Ruhr oder Magdeburg durch die zuständigen kommunalen Ämter genutzt wurden, werden nicht besprochen. Zudem hätten in einem Praxishandbuch Best-Practice-Beispiele Raum bekommen können. Insgesamt werden Gelingensbedingungen oder Hemmnisse der Kita-Sozialarbeit kaum tangiert. Fragen nach der Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams (z.B. Mechanismen der Teamintegration oder -exklusion) werden nicht gestellt, lediglich auf theoretisch-abstrakter Ebene skizziert. Zuletzt stellt sich die Frage, ob z.B. die Debatte um den Professions- und Professionalisierungsdiskurs Sozialer Arbeit in der Kürze eingefangen und adäquat für die Kita-Sozialarbeit übersetzt werden kann.

Der Aufbau des Buches muss selbst erschlossen werden. Während das Vorwort den/die Leser/in direkt anspricht und M. Swat den Entstehungshintergrund und die Benennung der Stoßrichtung (Kita-Sozialraumarbeit) vorgibt, bekommt die/der Leser/in keine kurze Einführung in die Beiträge respektive keinen roten Faden – keinen Aufbau – der Publikation an die Hand. Die Inhalte werden in vereinzelten Beiträgen u.a. in einem Potpourri aus klar strukturierter wissenschaftlicher Theorie, individueller Positionierung, Beiträgen von Tagungen sowie Notizen bereitgestellt und mit wiederkehrenden, selbst zu erschließenden, Piktogrammen begleitet, was das Verfolgen von Argumentationen erschwert. Der Charakter des vorliegendes Werks ist schwer zu erfassen. So scheint es ein kleiner Sammelband mit einer teilweisen Zusammenstellung von Tagungsergebnissen und Interviewausschnitten zu sein.

Fazit

Das „Praxishandbuch Kita-Sozialarbeit“ sollte von Praktiker/​innen und von Hochschulangehörigen gelesen werden, weil es einzelne Fragen für die Praxis zu beantworten weiß. Die Herausgeber/​innen müssen sich jedoch fragen lassen, welchen Anspruch ein „Praxishandbuch Kita-Sozialarbeit“ erheben soll. Neben der Kita-Sozialraumarbeit wird relevanten Themen kaum Platz gegeben. Die Herausgeberschaft von Marina Swat und Anika Reifenhäuser wird dem Titel „Praxishandbuch für die Kita-Sozialarbeit“ somit nicht gerecht. Bei aller Wertschätzung den Herausgeber/​innen gegenüber, wird mit Blick auf den Titel des Buches festgestellt, „[e]s steckt nicht immer drin, was draufsteht, oder es steht nicht immer drauf, was drinsteckt“ (S. 19).

Rezension von
Prof. Dr. Nurdin Thielemann
Fachbereich Personal, Gesundheit und Soziales
Fachhochschule des Mittelstands (FHM), Campus Bamberg
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Es gibt 1 Rezension von Nurdin Thielemann.

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Zitiervorschlag
Nurdin Thielemann. Rezension vom 02.01.2023 zu: Marina Swat, Anika Reifenhäuser (Hrsg.): Praxishandbuch Kita-Sozialarbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2022. ISBN 978-3-7799-7055-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30161.php, Datum des Zugriffs 20.05.2024.


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