Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Hendrik Trescher, Michael Börner: Inklusion als Herausforderung für integrative Kindertageseinrichtungen

Rezensiert von Melina Lorenz, 20.07.2023

Cover Hendrik Trescher, Michael Börner: Inklusion als Herausforderung für integrative Kindertageseinrichtungen ISBN 978-3-7799-7146-7

Hendrik Trescher, Michael Börner: Inklusion als Herausforderung für integrative Kindertageseinrichtungen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2022. 240 Seiten. ISBN 978-3-7799-7146-7. D: 25,00 EUR, A: 25,70 EUR.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB.

Kaufen beim socialnet Buchversand
Kaufen beim Verlag

Thema

Ausgehend davon, dass Inklusion zwischenzeitlich keine Randdisziplin sozialer Berufsfelder mehr ist, sondern intensiviert als Leitgedanke und Handlungsorientierung verstanden werden kann und auch sollte, beschreiben Trescher und Börner in ihrer, im Jahr 2023 erschienenen Monografie, die vermehrte Inklusionsauseinrichtung von integrativen Kindertageseinrichtungen. Diese können als „Ort des Geschehens“ betrachtet werden, in denen zum einen Chancen der professionell-pädagogischen Kindesentwicklung entstehen, aber zugleich auch gesellschaftliche Missstände und -verhältnisse ihre (Re-) Produktion erfahren. Besondere thematische Berücksichtigung gewinnt der vermeintliche Spagat pädagogischer Fachkräfte von entsprechenden Institutionen zwischen theoretischen Abhandlungen, fachlichen Ansprüchen auf der einen und stetig steigenden Bedarfen der Familien, genauer ihrer Kinder, auf der anderen Seite. Kindertageseinrichtungen, welche sich der inklusiven Ausgestaltung und -formung verschrieben haben, fokussieren die individualisierte und ressourcenorientierte, kindbezogene Förderung und grenzen sich von schulischem Leistungsansprüchen, Bewertungssystemen und Kategorisierungen ab. Inklusion, auch als Handlungsauftrag (S. 11) fassbar, geht mit Komplexitätssteigerungen (S. 11), Transformationsdenken und Selbst- wie auch Fremdreflexion der pädagogisch tätigen Fachkräfte einher.

Trescher und Börner zielen mit ihrem Werk auf die Darstellung und -bietung der empirischen Studie „Inklusion als Herausforderung für integrative Kindertageseinrichtungen“ der Goethe- Universität in Frankfurt a.M. ab, welche in den Jahren 2017 bis 2019 als Lehrforschungsprojekt durchgeführt wurde. Dabei erfahren die theoretischen Themen Diskurs und Subjekt, Behinderung, Kindheit und pädagogisches Handeln ihre Berücksichtigung sowie die wesentlichen Studienelemente, beispielsweise das leitende Erkenntnisinteresse, die Forschungsfragen und deren Operationalisierungen, aber auch die einzelnen Schritte der empirischen Auswertung und die Methodenreflexion. Insgesamt 31 Abbildungen tragen zum visuellen Verständnis der Lesenden bei. Das Buch, welches sich selbst als „Einladung zum kritischen Nachdenken über pädagogische Handlungspraxis in Kindertageseinrichtungen und darüber hinaus“ (S. 14) versteht, richtet sich vornehmlich an alle im Bereich der Kindheitspädagogik und Sozialwissenschaften praktisch, wie auch theoretisch Tätigen. Die problemzentrierte Ausdifferenzierung und Diskussion der Forschungsergebnisse ist auch für Sozial- und KulturwissenschaftlerInnen (S. 14) und jene, welche sich erstmalig mit dem Handlungsfeld beschäftigen, damit auch Studierende, von Interesse.

Autoren

Prof. Dr. Hendrik Trescher ist Universitätsprofessor mit den Schwerpunkten Inklusion und Exklusion. An zentraler Stelle seiner wissenschaftlichen Arbeit steht die qualitative Sozialforschung im Rahmen von zahlreichen Forschungsprojekten, u.a. zu den Fort- und Weiterbildungsbedarfen von, in der „Betreuung von Menschen mit geistiger Behinderung“ Tätigen, aber auch Teilhabe und Sozialraumentwicklung im Sinne der Inklusion (vgl. Philipps Universität Marburg (A), 2023).

Dr. Michael Börner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seine qualitative Forschungstätigkeit bezieht sich auf die Inklusions- und Biografieforschung, wie auch pädagogische Organisations- und Praxisforschung (vgl. Philipps Universität Marburg (B), 2023).

Aufbau

Mit insgesamt 17, überwiegend untergliederten Kapiteln verfügt das mehr als 200 Seiten umfassende Werk, beim Beltz Juventa Fachverlag publiziert, über eine klare Gliederung und übersichtliche Strukturierung.

Die ersten Kapitel stellen eine theoretische Begrifflichkeitendefinition dar und dienen der Fundierung wie auch Einrahmung der darauffolgenden wissenschaftlichen Studien-, gleichermaßen der Ergebnisdarstellung. Wesentliche Berücksichtigung finden dabei das Verhältnis von Diskurs und Subjekt, den Autoren folgend damit die Frage nach der Teilwerdung des Menschen in einer Gesellschaft (S. 16). Diese foucaultschen Ausführungen prägen das Inklusionsdenken und -verstehen. Des Weiteren werden die Bereiche „Behinderung als Praxis. Inklusion als Kritik“ in Korrelation zu Kindheit und pädagogischen Handlungs- und Verfahrensweisen sowie professionellen, kindheitswissenschaftlichen Ansprüchen und Dimensionen gesetzt, stehen diese nicht in einem geringeren Verhältnis als der umfassenden gegenseitigen Einflussnahme im ambivalenten Sinne. Die theoretischen Kapitel haben hinleitenden Charakter und führen zur Darstellung des Erkenntnisinteresses der Studie, damit auch den Forschungsfragestellungen und markieren den Übergang zum empirischen Teil des Buches. Neben Ausführungen zu den einzelnen Operationalisierungsschritten folgen die drei wesentlichen Forschungs- Schwerpunktkapitel, betreffend die Methodenvorstellung und das Forschungsvorgehen, die viergegliederte empirische Phase, welche sich aus dem Forschungsdesign der Studie ergibt sowie die „Konklusionsphase“ (S. 161) mit der Zusammenführung und Diskussion der Forschungsergebnisse. Der empirische Teil des Buches endet mit der „Rekapitulation des forschungspraktischen Vorgehens“ (S. 195), gefolgt von einem Ausblick, einer Methodenvorstellung als Anschluss an die gewonnenen Forschungsergebnisse und abschließenden, perspektivischen Ausführungen der Autoren.

Inhalt

1. Inklusion als Herausforderung für integrative Kindertageseinrichtungen

Trescher und Börner verorten die „neue Leitidee“ (S. 9) der Inklusion in Kindertageseinrichtungen zunächst mit empirisch generierten Daten und der damit verbundenen Erkenntnis, dass immer mehr Einrichtungen integrativ arbeiten. Den Autoren folgend bedarf es der Betrachtung aktueller Strukturen und Konzepte pädagogischer Einrichtungen, ihrer praktischen Abläufe wie auch des theoretischen Wissens, des Handlungsauftrages und der subjektiven Ansichten der professionellen Fachkräfte. Anliegen des Werkes ist die Beitragsleistung zur „breiten Beforschung von integrativen Kindertageseinrichtungen“ (S. 13) und die Identifikation von Entwicklungsnotwendigkeiten wie auch -herausforderungen im Kontext von Komplexitätssteigerungen und Inklusion. Grundlage hierfür ist das genannte Forschungsprojekt, welches zahlreiche empirische Daten liefert und dabei auf einen mehrschichtigen Materialpool zurückgreift.

2. Diskurs und Subjekt

Beziehungen, gesellschaftlich- kulturelle Wirkungsgefüge wie auch die „menschliche Lebenspraxis“ (S. 16) prägen die relationale, soziale Wirklichkeit. Realität ergibt sich, Foucault, wie auch Trescher und Börner folgend, aus dem Aushandlungsprozess und Verhältnis von Diskurs und Subjekt. Diskurse sind von fließenden Grenzen, Veränderung und Gegenstandsbezogenheit gekennzeichnet. Die Ausführungen zu den Begrifflichkeiten „Diskurs und Diskursteilhabe“ sowie „Subjekt und Subjektivierung“ sind rahmengebend für das Inklusionsverständnis des Buches.

3. Behinderung als Praxis. Inklusion als Kritik

Dieses Kapitel stellt zum einen das Behinderungs-, aber vor allem auch Inklusionsverständnis dar, welches grundlegend für das Buch und damit auch die wissenschaftliche Untersuchung ist- „Behinderung als machtvolle diskursive Praxis“ (S. 25). Behinderung als Praxis aufzufassen meint, den Autoren und ihren Ausführungen folgend, im Besondern das reale Erleben von Diskriminierung und Ausgrenzung betroffener Personen und die (Re-)Produktion von eben diesen. Die Dekonstruktion von Behinderung fordert die kritische Auseinandersetzung mit Handlungspraxen, Strukturen und hierarchischen Ordnungen.

4. Kindheit

Kindheit und damit die Definition dessen als „eigene Lebensphase“ (S. 30) geht eng mit dem bereits dargestellten Diskurs- und Subjektverständnis einher. Die Autoren thematisieren in diesem Kapitel überblicksartig verschiedene PädagogInnenauffassungen. Exemplarisch zu nennen sind der/die GärtnerIn oder HandwerkerIn.

5. Pädagogisches Handeln

Ausgehend von bekanntem Ausspruch „Man kann nicht nicht entscheiden“ und den Auffassungen von „Krise und Routine“ nach Oevermann ist das pädagogische Handeln im Kontext von Bewältigungsstrategien, Entscheidungsabfolgen und sich daraus ergebenden Konsequenzen zu sehen. In diesem Kapitel wird das pädagogische Handeln als Gebilde, sich ergebend aus den beteiligten Subjekten, bestehenden Strukturen und „machtvoller Diskurse“ (S. 41) dargestellt und auf die kritische Reflexionsnotwendigkeit sowie die Reziprozität hingewiesen.

6. Erkenntnisinteresse und forschungsleitende Fragestellungen

Dieses Kapitel ermöglicht der Leserschaft erste Einblicke in die Studie, deren Forschungsanliegen sowie Fragestellungen. Die Komplexität der primären Fragestellung erfordert die Ausdifferenzierung in Unterfragen. Im Rahmen des Forschungsprojektes werden eine Krabbelstube, ein Naturkindergarten und ein sogenannter „Kinderladen“ unterschiedlich methodisch befragt und untersucht. Vier differente Forschungsmethoden erschließen neben den pädagogischen Konzepten und strukturellen Gegebenheiten auch die subjektiven Ansichten der pädagogischen Mitarbeitenden und konkrete, gegenwärtige Interaktions- und Handlungsabläufe. Konkludiert ergibt sich daraus die Betrachtung von „Herausforderungen und Handlungsperspektiven“ (S. 51).

7. Operationalisierung des Erkenntnisinteresses

Die Multiperspektivität des Materialpools erfordert einen hohen Operationalisierungsgrad. In diesem Kapitel erhalten die Lesenden konkrete Einblicke in den Auswertungsprozess der einzelnen Forschungsmethoden und ihrer gewonnen Daten. Die Strukturanalyse sieht die Betrachtung pädagogischer Konzepte im Sinne von durch den Träger veröffentlichte Broschüren vor. Die Ansichten der befragten, pädagogisch Tätigen werden durch Topic-Interviews, eine Zwischenform von offenen und Leitfadeninterviews, erfasst, während aktuelle Interaktions- und Handlungsabläufe und -praxen durch „nicht- maskierte, passive Beobachtungen“ (S. 56) untersucht werden. Trescher und Börner verflechten eigene Gedankengänge und Begründungen mit Aspekten der Studie und ermöglichen einen entsprechenden Zugang.

8. Darstellung der Methode und forschungspraktisches Vorgehen

Dieses Kapitel vertieft Obenstehendes und bietet den Lesenden fundierte Einblicke in die exemplarisch zu nennenden Bereiche der Interview- und Beobachtungsgestaltung, Fallauswahl und im Besonderen der Auswertungsmethode der objektiven Hermeneutik. Neben theoretischen Ausführungen und damit verbundener Wissensgeneration für die Leserschaft greifen die Autoren wiederkehrend auf die Studie zurück und verbinden damit Theorie und Praxis. Dabei werden methodische Chancen wie auch Grenzen gleichermaßen berücksichtigt.

9- 12. Empirische Phase I- IV: Konzept- und Strukturanalyse, Mitarbeiter:innen-Interviews, Beobachtungsprotokolle

Diese Kapitel bilden den empirischen Hauptteil des Werkes und stellen damit gleichzeitig den Schwerpunkt dar. Sie folgen grundsätzlich dem gleichen Aufbau: zu Beginn werden die jeweiligen Analyseergebnisse problemzentriert dargestellt und mit Hilfe derer in verdichteter Zusammenfassung die spezifischen Forschungsfragen beantwortet. Die Autoren kommen unter anderem zu den Ergebnissen, dass die untersuchten Konzepte Begrifflichkeiten moderner Pädagogik aufgreifen, sich vornehmlich jedoch im wettbewerblichen, dienstleistungserbringenden Sinne an Eltern und andere interessierte Personengruppen richten und zudem häufig kein konkretes Inklusionsverständnis vorgeben. Die Strukturanalyse hingegen liefert beispielsweise die Erkenntnis, dass es sich bei Kindertageseinrichtungen um hochgradig durchstrukturierte geschlossene Lebenswelten handelt. Räumliche Gegebenheiten wie auch Abläufe können Teilhabebarrieren und damit Inklusionshemmnisse darstellen. Die MitarbeiterInnen-Interviews weisen deutlich darauf hin, dass fachkraftspezifische und damit individuelle Schwerpunkte des pädagogischen Handelns gesetzt werden und jene, durch den Träger vorgegebenen Konzepte keinen tatsächlich bindend-orientierungschaffenden Charakter haben, jedoch Grundsäulen gelingender Pädagogik bestehen. So kann, den Autoren folgend, dem Inklusionsbegriff in diesem Kontext ein ambivalenter- von Omnipräsenz bis Gleichgültigkeit- Sinn zugeschrieben werden. Die Beobachtungsprotokolle führen unter anderem zu der Feststellung, dass Kinder mit einem erhöhten Förderungsbedarf Flexibilität, Ressourcen wie Personal und Zeit aber auch theoretische Kenntnisse der Fachkräfte notwendig machen. Die empirischen Kapitel des Werkes ermöglichen den Lesenden Einblicke in das „Herz“ des wissenschaftlichen Projekts und liefern Erkenntnisse, welche für die bereits genannte Zielgruppe des Werkes von großer Relevanz sind.

13. Konklusionsphase: Zusammenführung, Einbettung und Diskussion der Ergebnisse

Die Autoren verdeutlichen mit diesem Kapitel abermals die Repräsentativität des breiten Material- und Datenpools für das komplexe, vielschichtige Handlungs- und Vollzugsfeld von Inklusion in pädagogischen Kindertageseinrichtungen. Die Forschungserkenntnisse, wie beispielsweise das positive Selbstkonzept und die Inklusions- Zugewandtheit der Fachkräfte, aber auch das eklatante Theoriedefizit und der Zeit- und Handlungsdruck gegenüber ambivalenten und vielschichtigen Ansprüchen, Aufträgen und organisatorischen Abläufen werden von Trescher und Börner in Korrelation zu anderen wissenschaftlichen Forschungserkenntnissen gesetzt. Die Forschungsergebnisse werden zu einem Strang zusammengeführt und die Fragestellungen beantwortet.

14. Rekapitulation des forschungspraktischen Vorgehens

Dieses Kapitel widmet sich der rückblickenden Betrachtung und Reflexion des Forschungsdesigns und damit des methodischen Vorgehens. Dabei werden auch Forschungsgrenzen und Perspektiven zur Erweiterung aufgezeigt. Die Autoren kommen unter anderem zu der Erkenntnis, dass sich der „offene und kritische Zugang der objektiven Hermeneutik“ „als äußerst geeignet“ (S. 196) erwiesen hat.

15. Ausblick

Anliegen hierbei ist die Ableitung von Empfehlungen und Handlungsoptionen, welche sich aus den Forschungsergebnissen ergeben. Diese betreffen im Wesentlichen die beiden Dimensionen der individuellen und organisationaler/​struktureller Ebene. Zu nennen sind beispielsweise die Behebung des Theoriedefizits durch Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, aber auch der Umbau innerer Handlungsstrukturen und die Hinwendung zu Flexibilität und Spontaneität.

16. Die Methode des pädagogischen Verstehens

Aufgrund der Forschungsergebnisse und der damit verbundenen Erkenntnis, dass es pädagogischen Fachkräften grundsätzlich schwerfällt, sich und ihre Handlungspraxen kritisch zu hinterfragen, liefern die Autoren mit diesem Kapitel eine entsprechende Methode und stellen damit den Anschluss zur „fall- bzw. situationsbezogenen Reflexion“ (S. 207) her. Nach theoretischen Ausführungen folgen drei verschiedene Beispiele zur praktischen Methodenerschließung.

17. Abschließende Gedanken

Schlussfolgernd wird nochmalig die Komplexität, Individualität und Mannigfaltigkeit frühpädagogischer Kindertageseinrichtungen, verstärkt durch Inklusion als Leitidee und Handlungsauftrag, dargestellt. Die Autoren kommen konkludierend zu der Erkenntnis, dass zum einen Forschung und Theorie enger verzahnt werden sollte und es eines umfassenden Bewusstseins über die Wirkungsmacht des individuellen Handelns und Agierens bedarf.

Diskussion

Mit ihrer Monografie „Inklusion als Herausforderung für integrative Kindertageseinrichtungen“ legen die Autoren ein sehr verständliches und alltagsrelevantes Werk vor, welches sich sowohl durch einen hohen Grad aktueller, wissenschaftlicher Erkenntnisse wie auch Praxisbezüge auszeichnet.

Der Kapitelaufbau folgt einer klaren, nachvollziehbaren Gliederung, lenkt die Leserschaft durch die Buchinhalte und folgt einem logischen, roten Faden. Der Wechselbeziehung der Kapitel untereinander wird durch zahlreiche Rückgriffe innerhalb des Buches im Fließtext Rechnung getragen.

Zum inhaltlich-visualisierten Leseverständnis, insbesondere beim Empirieteil und den damit verbundenen Forschungsfragen und ihren Untergliederungen, tragen zahlreiche Abbildungen bei. Zudem sind die Kapitel in Unterkapitel und dabei nochmals in einzelne Leseabschnitte mit Überschriften gegliedert. Diese inhaltsgliedernde und strukturierende Kapitelgestaltung fördert das inhaltliche Verständnis und unterstreicht dabei die Gedankengänge der Lesenden.

Das gesamte Werk ist in einer eingängigen Sprache verfasst, welche eine gute Ausgewogenheit zwischen Fachniveau und Alltagsverständnis aufweist.

Den Autoren gelingt die Auseinandersetzung mit theoriegeleiteten Konstrukten vor dem Hintergrund praktischer Anliegen und wissenschaftlich generierter Forschungserkenntnisse.

Es werden zahlreiche Primärquellen angeführt, insgesamt zeigt sich ein hoher Grad an Literatur- und Quellenarbeit, welche die inhaltliche Qualität abermals unterstreicht und theoretische Verankerung sicherstellt.

Der Autorenschaft gelingt die detailgenaue Darstellung von Chancen, aber auch Herausforderungen von Inklusion in bekanntem Arbeitsfeld. Des Weiteren werden die Studiendaten mit anderen Forschungen in Relation gesetzt und Perspektiven wie auch Handlungsaufträge und Optimierungsimpulse abgeleitet. Die Einordnung der Projektergebnisse erfolgt sowohl auf der Metaebene, als auch sehr konkret und praxisnah.

Dieses Werk kommt seinem Anspruch nach, zur kritisch-reflexiven Auseinandersetzung auf mehreren Ebenen frühpädagogischer Einrichtungen mit wertschätzendem Blick einzuladen und dabei Fachwörter in verständliche Abhandlungen einzufügen. Die Monografie ist Ausdruck der Kompetenz der Autoren und unterstreicht deren feldspezifischen Expertenstatus. Sie leistet einen bedeutenden Beitrag zur Inklusionsausrichtung und -gestaltung frühpädagogischer Einrichtungen.

Fazit

Das Werk von Trescher und Börner ist eine Einladung zur kritischen Betrachtung und Reflexion von bestehenden Strukturen, theoretischen Wissensbeständen und Selbstkonzepten von Fachkräften wie auch gegenwärtigen Handlungspraxen und damit verbunden den mehrdimensionalen Herausforderungen frühpädagogischer Einrichtungen vor dem Hintergrund der zunehmenden Inklusionsausrichtung. Die fundierte Literaturarbeit der Autoren führt zu einer hohen Informationsdichte, gepaart mit aktuellen Studienergebnissen, welche Themendiversifikation und weitestgehend inhaltlichen Tiefgang ermöglichen. Die Praxisnähe, thematische Relevanz wie auch im Besonderen die sich aus der Diskussion und Konklusion der Studienergebnisse ergebenden „Lehren“ und Perspektiven begründen die deutliche Kaufempfehlung.

Quellenangabe

Philipps Universität Marburg ((A) 2023): Prof. Dr. Hendrik Trescher. https://www.uni-marburg.de/de/fb21/erzwinst/​arbeitsbereiche/​soreha/​personen/​hendrik-trescher (09.05.2023).

Philipps Universität Marburg (B) 2023): Dr. Michael Börner. https://www.uni-marburg.de/de/fb21/erzwinst/​arbeitsbereiche/​soreha/​personen/​michael-boerner (09.05.2023).

Rezension von
Melina Lorenz
M.A. Sozialpädagogin in der stationären Kinder- und Jugendhilfe, zuvor mehrjährige Tätigkeit in einer inklusiven Kindertageseinrichtung
Mailformular

Es gibt 2 Rezensionen von Melina Lorenz.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Melina Lorenz. Rezension vom 20.07.2023 zu: Hendrik Trescher, Michael Börner: Inklusion als Herausforderung für integrative Kindertageseinrichtungen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2022. ISBN 978-3-7799-7146-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30208.php, Datum des Zugriffs 30.05.2024.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht