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Inga Geisler, Sandra Dundler: Hybride Trainings und Workshops gestalten

Rezensiert von Dr. Torsten Mergen, 15.01.2024

Cover Inga Geisler, Sandra Dundler: Hybride Trainings und Workshops gestalten ISBN 978-3-407-36839-3

Inga Geisler, Sandra Dundler: Hybride Trainings und Workshops gestalten. Erfolgsmodelle und Konzepte. Mit E-Book inside und Online-Materialien. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2023. 240 Seiten. ISBN 978-3-407-36839-3. D: 36,00 EUR, A: 37,10 EUR.

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Thema

Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie hat sich im Bereich von Tagungen, Workshops und Fortbildungen der Trend zu hybriden Veranstaltungen verstärkt. In Zeiten von Homeoffice, Globalisierung und als Maßnahme der Personalentwicklung verschmelzen Lernen und Arbeiten durch hybride Trainings und Workshops im Sinne der Agilität und Nachhaltigkeit. Die beiden praxiserfahrenen Autorinnen Sandra Dundler und Inga Geisler zeigen in ihrem didaktisch angelegten Buch „Hybride Trainings und Workshops gestalten“, wie entsprechende Veranstaltungen konkret geplant, umgesetzt und moderiert werden können. Der Fokus liegt dabei auf den Besonderheiten von hybriden Meetings; insofern leistet der Band damit einen Beitrag zur Entwicklung von digitalen Lern- und Arbeitswelten.

Autorinnen

Inga Geisler ist selbstständige IT-Trainerin (IHK geprüft) und seit 2003 Inhaberin verschiedener Unternehmen, die Webinare, Live Online Trainings, Online Meetings, Beratungen für Virtual Classroom Systeme und Blended Learning Designs anbieten, zuletzt Geschäftsführerin von „Inga Geisler – human.digital.learning“. Sie engagiert sich zudem ehrenamtlich in Berufs- und Trainerverbänden und hält Vorträge.

Sandra Dundler, Bachelor of Arts für Europäische Betriebswirtschaftslehre und ausgebildete Energieelektronikerin der Fachrichtung Anlagentechnik, ist seit 2023 Inhaberin der Firma „A Step Ahead – Personalentwicklung mit Weitblick“. Sie arbeitet als Trainerin, Coach, Teamentwicklerin und Lehrbeauftragte an verschiedenen Akademien und Hochschulen. Darüber hinaus besitzt sie langjährige Projekt- und Führungserfahrung in einem DAX-30 Konzern.

Aufbau und Inhalt

Der Band ist nach einem Vorwort in drei Großabschnitte gegliedert.

Bereits das knappe Vorwort macht die Schreibhaltung der Autorinnen deutlich; es geht ihnen um Erfahrungsvermittlung und konkrete Handlungsanleitungen, wozu auch die Leserinnen und Leser niedrigschwellig adressiert werden sollen, u.a. durch die direkte Ansprache „mit dem informellen ‚Du‘“ (S. 9). Für den Band konstruieren sie ein „fiktives Fallbeispiel“ (S. 9) im Bereich des Kommunikationstrainings, um der weiter bestehenden Fremdheit und Skepsis gegenüber hybriden Settings zu begegnen.

Dundler und Geisler führen in der Einleitung aus, wie sich der Workshop- und Trainingsalltags durch Live-Online-Trainings verändert hat, ferner konstatieren sie eine gewisse beobachtbare Sehnsucht nach „Onsite-Trainings“ (S. 12), also Präsenzveranstaltungen wie in Vor-Pandemie-Zeiten mit direktem Austausch und Trennung von Lebens- und Arbeitsort. Ferner stellen sie das fiktive Fallbeispiel um „Trainerin Simone K.“ (S. 13) näher vor, das deutlich macht, inwieweit Unternehmen verstärkt hybride Formate für Workshops favorisieren. Das Fallbeispiel eines hybriden Konzepts für „stärkenorientierte Kommunikation“ soll den roten Faden des umfangreichen Hauptteils des Buches bilden.

Der zweite Abschnitt unter der Überschrift „Das hybride Traninigskonzept“ (S. 21) enthält die zentralen inhaltlichen Ausführungen, die in sieben Kapiteln dargeboten werden. An erster Stelle wird reflektiert, welche Merkmale hybride Trainings-Veranstaltungen auszeichnen und welche Unterschiede zum Blended Learning bestehen, vorrangig bezogen auf Zeitdauer und thematische Fokussierung. Dazu werden zunächst verschiedene Durchführungsformen für Hybridveranstaltungen unterschieden:

  • Hybrides Training mit Trainer im Onsite-Raum
  • Hybrides Training mit Trainer im Virtual Classroom
  • Hybride Events mit vielen Teilnehmenden
  • Hybrides Meeting

Entscheidend für das Gelingen hybrider Formate sei, dass sich die Online-Teilnehmenden und die in Präsenz „als ‚gleichwertig‘ wahrgenommen und integriert fühlen“ (S. 28). An zweiter Stelle wird erläutert, wie sich die Trainerrolle hin zur Lernbegleitung ändert: „Die Verantwortung für das Lernen den Lernenden übertragen“ (S. 47), was durch entsprechende Techniken, aber auch durch Selbstkonzepte der Trainer und ein verändertes Mindset zu erreichen sei. Im dritten und vierten Kapitel geht es um die zentralen Schritte der Workshopgestaltung: Kapitel drei ist der Planung und Konzeption gewidmet, Kapitel vier – der umfangreichste Teil des Buchs – der Durchführung. Das dritte Kapitel referiert Aspekte wie

  • Abhängigkeit des hybriden Trainings von der Gruppengröße
  • Zielgruppenanalyse als Basis
  • Lernzielformulierung und Intensitätsgrad der Kommunikation
  • Auswahl der Inhalte passend zu Zielen
  • Didaktische Reduktion und Zeitplanung
  • Festlegung des Trainingstitels
  • Auswahl von Leit- und Schlüsselfragen
  • Ablaufplan
  • Technische Ausstattung und Anordnung (u.a. Raumgestaltung, Sitzordnung)
  • Digitale Tools
  • Lernmaterial und dessen Bereitstellung
  • Organisatorische Absprachen und Vorbereitungen
  • Optionen wie Co-Moderation und Support

Als entscheidend für den Erfolg hybrider Veranstaltungen sehen die beiden Autorinnen die zielführende Nutzung des Virtual Classroom: Es komme darauf, neben dem Leitsystem „möglichst wenig bis keine weiteren digitalen Tools zu nutzen. Denn je mehr zum Einsatz kommen, desto aufwendiger wird es für Trainierende und Teilnehmende“ (S. 100).

Das vierte Kapitel beleuchtet die Gelingensbedingungen für eine erfolgreiche Durchführung. Den zentralen Erfolgsfaktor bildet nach Meinung der Autorinnen „die Kommunikation“ (S. 129), da die nonverbale Ebene in hybriden Settings nur für die Teilnehmenden in Präsenz wahrnehmbar sei. Der Ablauf der Veranstaltung folge dann einem thematisch ausgerichteten Prozessmuster aus folgenden Elementen:

  • Asynchroner Start (mit Kennenlernen und Zielklärung) durch Vorabaufgaben
  • Warm-up (Orientierungsvermittlung, Schaffen von Vertrauen)
  • Einstieg in das Thema (Anknüpfung an Vorwissen, Problembewusstsein schaffen)
  • Präsentation der Inhalte (vor allem Präsentationsweise)
  • Erarbeitung der Inhalte durch verschiedene Arbeits- und Sozialformen
  • Durchführung von Umfragen und Interaktionen
  • Pausengestaltung
  • Energizer zur Erhaltung und Erhöhung der Motivation und Teilnehmendenaktivierung
  • Zusammenfassung
  • Feedback
  • Schluss

Das fünfte Kapitel widmet sich der Nachbereitung entsprechender Veranstaltungen, u.a. durch die Frage, wie die während des Trainings entstandenen Medien (etwa Flipcharts, Chatverläufe) und Arbeitsergebnisse dokumentiert bzw. im Nachgang genutzt werden können. Dazu werden auch Tipps gegeben, um „die Atmosphäre beim Training und Workshop mit ‚einzufangen‘“ (S. 209), etwa Fotos und Screenshoots von Teilnehmenden bei der Arbeit bzw. Interaktion. Des Weiteren werden wichtige Tools für die Bereitstellung von Handouts vorgestellt. Da sich das Buch vorrangig an die Anbieter bzw. Leiter entsprechender Veranstaltungen richtet, wird der Aspekt „Reflexion der Veranstaltung“ (S. 215) ausführlich erläutert: Feedbackkriterien und Evaluationsformen zur Gewinnung von Resonanz über die eigene Arbeit einerseits, Rückkopplung mit dem Auftraggeber andererseits, um beispielsweise „Maßnahmen aufzuzeigen, die den Lerntransfer nach dem Training unterstützen“ (S. 222), werden dargestellt.

Im fünften Kapitel werden hybride Meetings als Arbeitsform „auf dem Vormarsch“ (S. 223) hinsichtlich der Herausforderungen und Erfolgsfaktoren genauer analysiert und mit Verweis auf das „Kiss-Prinzip: Keep it small and simple“ (S. 230) zielführende Gestaltungs- und Moderationsaspekte ausführlich erläutert. Besonders werden zur Vermeidung von sozialem Faulenzen der Teilnehmenden – was immer dann der Fall sei, „wenn manche immer abtauchen und sich zurückziehen“ (S. 252) – für hybride Meetings die erforderlichen Kompetenzen für kollaboratives Arbeiten hervorgehoben:

  • Technische Kompetenz
  • Teamfähigkeit
  • Flexibilität und Lernbereitschaft
  • Bereitschaft und Engagement zur persönlichen Weiterentwicklung
  • Reflexion

Das siebte Kapitel dokumentiert zwei Interviews mit professionellen Trainern und deren Erfahrungen mit hybriden Formaten im Bereich Teamentwicklung, agile Zusammenarbeit und Transformation.

Der kompakte Anhang hat vorrangig Verweischarakter, da auf umfangreiche digitale Materialien, die im Downloadbereich des Buchs zur Verfügung stehen, verwiesen wird; darunter befinden sich weitere Interviews mit Fachexpertinnen und -experten, ein Glossar sowie verschiedene Dateivorlagen für die Trainingsgestaltung.

Diskussion

Die Zielgruppe des gut lesbaren, anschaulich und sehr versiert geschriebenen Buches ist eindeutig: Es richtet sich an Trainerinnen und Trainer bzw. Dozentinnen und Dozenten, die im Bereich von Unternehmen für Schulungsmaßnahmen oder generell in der Erwachsenenbildung tätig sind. Daneben adressiert es aber auch Personalverantwortliche, die Tipps und Methoden für hybride Meetings suchen. Den Band durchzieht eine klare didaktische Ausrichtung, die immer praxisorientiert ist, indem Fragen nach dem Wie, dem Womit und dem Wozu im Zentrum stehen. Durchgehend gelingt es den beiden Autorinnen, die Chancen und Herausforderungen durch das hybride Setting deutlich hervorzuheben. Besonders herausgestellt werden die Flexibilität, die Kosteneffizienz (gerade für die Teilnehmenden ohne Anreisekosten), die Zeitersparnis, die erweiterte Reichweite, die weitgehende Barrierefreiheit, die Nachhaltigkeit und die methodische Variationsbreite von hybriden Trainings.

Allerdings finden sich wenige kritische Betrachtungen zum hybriden Arbeiten, vielmehr wird mainstreamorientiert konstatiert: „Für die Planung und Durchführung zeitgemäßer Lernszenarien sind nicht nur erweiterte Kompetenzen notwendig, sondern auch eine geänderte Haltung. Dies gilt für dich als Trainer/​Trainerin wie für die Teilnehmenden.“ (S. 51) Immer wieder klingen aber an zentralen Stellen die Probleme und Herausforderungen durch, die mit dem Medienwechsel bzw. der Medienvermischung – live vs. digital – verbunden sind. Hybride Trainings- und Workshopkonzepte sind komplexer, zeitaufwendiger zu planen und pannenanfälliger als Präsenzveranstaltungen: „Denn wenn die Technik nicht funktioniert, gerät das Konzept eines hybriden Trainings oder Workshops schnell ins Wanken oder ist sogar zum Scheitern verurteilt.“ (S. 85) Um für diesen Bereich Ängste abzubauen, enthält der Band zahlreiche Tipps und Tools, die sehr differenziert und aktuell gehalten sind. Für die Komplexität hybrider Veranstaltungen gibt es sachgemäß keine einfachen Antworten, da vor allem im Bereich der Kommunikation der paraverbale Anteil kompensiert werden muss, „was nur zu einem bestimmten Teil gelingt“ (S. 129). Zudem ist die Gruppendynamik anders gelagert: „Onsite wird Gruppendynamik im Training schnell spürbar. Machtverhältnisse zeigen sich durch Nähe oder Abstand. (…) Online fallen viele dieser unbewussten und doch sichtbaren Signale unter den Tisch oder werden verspätet wahrgenommen, je nach Situation und Technikeinsatz.“ (S. 202) Auch für diesen Bereich stellen Inga Geisler und Sandra Dundler hilfreiche Überlegungen an, an der grundsätzlichen Problematik ändert dies aber wenig.

Insgesamt zeigt das Buch diverse wichtige digitale Tools und Inhalte, die für eine neue Form der Wissens- und Kompetenzvermittlung im Zeitalter der Digitalität wesentlich sind. Die beiden Autorinnen ermöglichen durch einen kleinschrittigen und didaktisch orientierten Aufbau das Erkennen und Erproben von Methoden und Formaten, um hybride Veranstaltungen zu einem erfolgreichen und nachhaltigen kollaborativen Lernprozess respektive -erlebnis zu machen, geprägt von einem aktiven Miteinander der Beteiligten – vor Ort, aber auch an den digitalen Endgeräten.

Fazit

Das Buch „Hybride Trainings und Workshops gestalten“ der beiden selbst im Feld tätigen Autorinnen Inga Geisler und Sandra Dundler zeigt differenziert und versiert, wie Lernbegleitung in hybriden Formaten gestaltet werden sollte, um effizient zu funktionieren, sowie welche digitalen Tools sinnvollerweise in Trainingskonstellationen genutzt werden können. Den Schwerpunkt der Darstellung bildet die Begleitung von Anfängerinnen und Anfängern im hybriden Arbeiten, die für die Verbindung von Live-Online und Präsenz nach konkreten Gestaltungselementen, technischem Knowhow und praxiserprobten Tipps und Workshopideen suchen.

Rezension von
Dr. Torsten Mergen
Universität des Saarlandes, Fachrichtung 4.1
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Es gibt 39 Rezensionen von Torsten Mergen.

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Zitiervorschlag
Torsten Mergen. Rezension vom 15.01.2024 zu: Inga Geisler, Sandra Dundler: Hybride Trainings und Workshops gestalten. Erfolgsmodelle und Konzepte. Mit E-Book inside und Online-Materialien. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2023. ISBN 978-3-407-36839-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30253.php, Datum des Zugriffs 28.02.2024.


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