Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Hans-Jörg Assion, Elmar Habermeyer u.a. (Hrsg.): Innovative Therapie

Rezensiert von Dr. phil. Gernot Hahn, 07.08.2023

Cover Hans-Jörg Assion, Elmar Habermeyer u.a. (Hrsg.): Innovative Therapie ISBN 978-3-17-041782-3

Hans-Jörg Assion, Elmar Habermeyer, Christian Huchzermeier (Hrsg.): Innovative Therapie. Zukunftsweisende Behandlungskonzepte in Psychiatrie, Forensischer Psychiatrie und im Justizvollzug. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2023. 185 Seiten. ISBN 978-3-17-041782-3. 39,00 EUR.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB.

Kaufen beim socialnet Buchversand
Kaufen beim Verlag

Thema

Der Herausgeberband versammelt Beiträge zur Verbesserung der (forensisch-) psychiatrischen Versorgungsstruktur, vor allem in Hinblick auf Übergänge in den einzelnen Versorgungsebenen (stationär, teilstationär, ambulant) und versucht Möglichkeiten und Bedingungen der Verbesserung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung im Sinne der Betroffenen zu definieren. Die Herausgeber:innen wollen auf Schwachstellen der Versorgung aufmerksam machen und geeignete Modellprojekte zur Behebung dieser Mängel vorstellen.

Herausgeber und Autor:innen

Prof. Dr. med. Hans-Jörg Assion ist Facharzt für Psychiatrie, Psychiatrie und Neurologie mit Schwerpunkten in Geriatrie, Suchtmedizin und forensische Psychiatrie, ärztlicher Direktor und Chefarzt der Allgemeinen Psychiatrie in der LWL-Klinik Dortmund.

Prof. Dr. med. Elmar Habermeyer ist Direktor der Klinik für Forensische Psychiatrie Zürich.

Prof. Dr. med. Christian Huchzermeier ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Vertiefungsgebiete Forensische Psychiatrie und Sexualmedizin.

Die Einzelbeiträge wurden von Praktiker:innen unterschiedlicher Professionen der im Buch vorgestellten Modellprojekte verfasst.

Aufbau und Inhalt

Der 185 Seiten schmale Band enthält neben einem Vorwort 15 Beiträge die von 31 Autor:innen verfasst wurden. Dargestellt werden die Grundlagen und vorliegenden Erfahrungen mit dem Ansatz der Stationsäquivalenten Behandlung (StäB), der Ansatz der flexibilisierten Versorgung nach § 64b SGB V und ein dazugehöriges Modellprojekt am St. Marien-Hospital in Hamm, Konzeption und Erfahrungen mit der Online-Behandlung psychischer Störungen, Konzept und Anwendungserfahrungen eines Job-Coachings für Menschen mit psychischer Erkrankung und Belastung und eine prognostische Einschätzung zur Zukunft von Kurzzeittherapien im Kontext einer Krisentagesklinik, deren konzeptionelle Grundlagen und klinische Erfahrungen vorgestellt werden.

Weiter folgen Beiträge die im forensischen Feld der Psychiatrie verankert sind: „Forensik in der allgemeinen Suchtambulanz“ (eine Art von forensischer Fachberatung allgemeinpsychiatrischer Behandlungsteams in Zürich mit Durchführung forensischer Sprechstunden), Forensisch-psychiatrische Konsildienste (Unterstützung allgemeinpsychiatrischer Klinikabteilungen in Zürich durch forensische Expertise), Forensische Psychologie und Psychiatrie an der Schnittstelle zur Polizei (Forensische Fachberatung der Polizei in Fällen polizeilicher Gewaltschutzmaßnahmen), sowie die anonyme ambulante präventionsfokussierte Behandlung pädophiler Männer im Rahmen Krankenkassen finanzierter Projektarbeit am Standort Kiel.

In einem dritten Block werden Aspekte der Täter:innentherapie im Justizvollzug beschrieben: Der Ansatz der Multisystemischen Therapie (MST) für jugendliche Straftäter:innen (am Beispiel eines Modellprojekts in Hamburg), die Erfahrungen der psychiatrischen Abteilung in der JVA Neumünster/​Schleswig-Holstein, grundsätzliche Überlegungen zur psychiatrischen Versorgung im Justizvollzug, die Behandlung von Sexual- und Gewaltstraftäter:innen im Justizvollzug mit Schnittstelle zur -nachfolgenden- ambulanten Versorgung und „Möglichkeiten und Grenzen in der Behandlung suchtkranker Jugendlicher und Heranwachsender an der Schnittstelle Justiz und Kinder- und Jugendpsychiatrie“.

Der letzte Beitrag beschreibt die Erfahrungen und konzeptionellen Grundlagen bei Einführung des breit rezipierten „Behandlungsprogramms für Sexualstraftäter (BPS-R)“ im Justiz- und Maßregelvollzug mit mehr als zehnjähriger Anwendungserfahrung.

Zielgruppe des Buches

Fachkräfte aller Disziplinen in allen Feldern der Sozialpsychiatrie, der Forensischen Psychiatrie und des Justizvollzugs, sowie der Polizeiarbeit.

Diskussion

Die psychiatrische Versorgung und der Strafrechtsbereich unterliegen seit jeher und insbesondere in den letzten zehn Jahren einer erheblichen Veränderung, Reform, Neu- und Umgestaltung. Der Sammelband stellt ausgewählte Beiträge vor, welche innovative Antworten auf den damit einhergehenden Veränderungsdruck geben (oder zumindest zu geben versuchen), um zukunftsweisende Behandlungskonzepte in diesen Versorgungsfeldern aufzuzeigen, bzw. anzustoßen. Die in ihrer Auswahl sehr umsichtig vorgehenden Herausgeber setzen dabei auf solche Ansätze, welche nicht rein theoretische Konzeptentwürfe anbieten, sondern auf solche, welche im Rahmen von Modellprojekten erste Praxiserfahrungen hinsichtlich Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben, Anwendung der konzeptionellen Rahmenaspekte, Auswahl von Patient:innen und eben erste konkrete Praxiserfahrungen aufweisen. Ganz nebenbei definiert der Band die Versorgungsbereiche Allgemeinpsychiatrie, Forensische Psychiatrie, Polizeiarbeit und Justizvollzug nicht als nebeneinander bestehende, abgegrenzte Funktionsbereiche, sondern als Teil eines zusammengehörenden Ganzen, der Idee einer integrierten Versorgung psychisch kranker oder belasteter Menschen. Dieser Ansatz alleine ist schon innovativ, reagieren die Herausgeber und Autor:innen damit doch auf den eh seit einigen Jahren laufenden Annäherungsprozess zwischen bzw. unter den verschiedenen Teilbereichen in Psychiatrie und Justiz (vgl. z.B. Thesenpapier der DGSP zu Umgestaltung des Maßregelvollzugs in Deutschland) und belegen damit erstens, dass eine gegenseitige Befruchtung der Funktionsbereiche möglich und sinnvoll ist und zweitens, dass Gegenseitige fachliche Beratung dem eigentlichen Ziel jeder psychiatrischen Behandlung, die Förderung des Patientenwohls, ungemein dienlich ist.

Die ausgewählten Beispiele gehen zum Großteil auf relativ junge Projekte ein, teilweise – wie im Fall des Behandlungsprogramms für Sexualstraftäter/BPS- finden sich ältere Anwendungserfahrungen, welche gut belegen, wie es gelingen konnte (bzw. gelingen kann) neue theoretische und methodische Ansätze in der Praxis zu implementieren.

Für die Leserschaft liegt damit ein spannendender und in weiten Teilen tatsächlich innovativer Reader vor, der eine Reihe neuer Versorgungsansätze vorstellt und die Mechanik sektorübergreifender Behandlungsansätze definiert. Die gewählte Darstellungsform der Einzelbeiträge und die vom Umfang her begrenzte Darstellung der Modellskizzen erlauben eine rasche Orientierung und geben einen hervorragenden Überblick, wie die anstehenden Veränderungen in den Bereichen Allgemeinpsychiatrie, Forensik, Polizei und Justizvollzug gestaltet werden können. Entsprechen ist dem Band eine breite Leser:innenschaft zu wünschen!

Fazit

Eine gut strukturierte und klug ausgewählte Sammlung neuer Behandlungsansätze und -konzepte in den Bereichen der Psychiatrie, des Maßregelvollzugs und des Justizvollzugs. Ein „Must-have“ für Alle, die an der Bewältigung der anstehenden Veränderungsanforderungen in diesen Feldern interessiert sind.

Rezension von
Dr. phil. Gernot Hahn
Diplom Sozialpädagoge (Univ.), Diplom Sozialtherapeut
Leiter der Forensischen Ambulanz der Klinik für Forensische Psychiatrie Erlangen
Website
Mailformular

Es gibt 173 Rezensionen von Gernot Hahn.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Gernot Hahn. Rezension vom 07.08.2023 zu: Hans-Jörg Assion, Elmar Habermeyer, Christian Huchzermeier (Hrsg.): Innovative Therapie. Zukunftsweisende Behandlungskonzepte in Psychiatrie, Forensischer Psychiatrie und im Justizvollzug. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2023. ISBN 978-3-17-041782-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30287.php, Datum des Zugriffs 26.02.2024.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht