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Tamara Diederichs, Anna Katharina Desoye (Hrsg.): Transfer in Pädagogik und Erziehungswissenschaft

Rezensiert von Dr. Julia Reimer, 21.03.2024

Cover Tamara Diederichs, Anna Katharina Desoye (Hrsg.): Transfer in Pädagogik und Erziehungswissenschaft ISBN 978-3-7799-6979-2

Tamara Diederichs, Anna Katharina Desoye (Hrsg.): Transfer in Pädagogik und Erziehungswissenschaft. Zwischen Wissenschaft und Praxis. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2023. 300 Seiten. ISBN 978-3-7799-6979-2. D: 38,00 EUR, A: 39,10 EUR.

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Thema

Der Sammelband „Transfer in Pädagogik und Erziehungswissenschaft. Zwischen Wissenschaft und Praxis“ nimmt das komplexe Thema Transfer fachwissenschaftlich in den Blick, welches in den letzten Jahren sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis an Bedeutung gewonnen hat.

Transfer in der Erziehungswissenschaft wird in der Gesamtschau als ein dynamischer Prozess vorgestellt, der insbesondere auch darauf abzielt, die Qualität von Bildung und Erziehung kontinuierlich zu verbessern. Die Herausgeber:innen geben dabei in ihrem Sammelband bewusst der Vielfalt von Transfer und unterschiedlichen Perspektiven auf Transfer Raum.

Herausgeber:innen

Der Sammelband wurde von Tamara Diederichs und Anna Katharina Desoye beide derzeit an der Universität Koblenz angestellt herausgegeben.

Aufbau und Inhalt

Das Werk ist ein Sammelband mit verschiedenen Beiträgen. Einer Einführung der Herausgeber:innen folgen fünf Abschnitte:

I. Deutungen

II. Verhältnisse

III. Bedeutungen

IV. Impulse

V. Grenzen

Im ersten Teil, Deutungen, wird der Begriff Transfer aus verschiedenen theoretischen Perspektiven beleuchtet. Nicole Hoffmann diskutiert unterschiedliche Definitionen des erziehungswissenschaftlichen Transfers, Maria Kondratjuk, erörtert die Chancen eines relational verstandenen Transferbegriffs wissenschaftstheoretisch. Weiterhin erläutern Miriam Voigt, Inka Engel und Henning Pätzold aus organisationspädagogischer Sicht das Modell der Quintuple Helix für Transfer, angelehnt an Carayannis und Campell. Julia Schütz untersucht Transfer im professionellen pädagogischen Handeln.

Im zweiten Teil Verhältnisse des Sammelbandes stehen diverse Forschungsprojekte im Fokus, die sich mit Transferfragen in verschiedenen pädagogischen Bereichen auseinandersetzen. René Breiwe, Jessica Bau, Gabriele Buchenthal, Lucas Jachens, Anke B. Liegemann und Berit Michel analysieren den Transfer zwischen Lehrkräften, Studierenden und Wissenschaftler:innen in einem Projekt zu inklusivem und digitalisiertem Unterricht. Maike Tobies-Jungenkrüger und Anja Mensching präsentieren ein Projekt zur Unterstützung und wissenschaftlichen Beratung einer selbstorganisierten Kita. Katrin Lattner und Beatrice Rupprecht stellen eine Studie vor, die erforscht, wie frühpädagogische Fach- und Leitungskräfte ihre Forschungserfahrungen in die Praxis umsetzen. Arne Düllberg, Vera Eberl und Veronika Manitius untersuchen die Rolle von Landesinstituten als Wissenstransfer-Schnittstellen im Kontext der Qualitätsentwicklung von Schulen. Beatrix Sieben, Martin Görlitz und Felix Schaaf diskutieren Transferformate und -praxis des Praxislabors ISSO in Koblenz. Im letzten Beitrag beleuchtet Franziska Heinze den Transfer in der Aus- und Weiterbildung von Lehr- und Fachpersonal im Bereich der außerschulischen Bildung, mit einem Schwerpunkt auf Demokratiebildung.

Im dritten Teil Bedeutungen fokussieren drei Beiträge Transfer im Kontext pädagogischer Professionalisierungsprozesse. Murielle Monique Orsina Paganetti untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen von Transfererfahrungen im erziehungswissenschaftlichen Studium in der Professionalisierung von Studierenden. Elise Glaß betont die Bedeutung des Theorie-Praxis-Transfers bei berufserfahrenen Studierenden und fordert eine intensivere Erforschung, um Lernprozesse gezielt verbessern zu können. Michael Görtler, Gabriele Taube und Nurdin Thielemann präsentieren eine Studie zu den Transferherausforderungen bei berufsbegleitenden Studierenden der Sozialen Arbeit an einer privaten Hochschule, die eindrücklich die Herausforderungen von gelingendem Transfer aus Lehrendenseite beleuchtet, insbesondere auch im Umgang mit einer großen Heterogenität der Studierenden.

Im umfangreichsten vierten Teil des Sammelbandes Impulse, wird der Fokus auf innovative Formen des Praxistransfers in verschiedenen Kontexten gelegt. Die acht Beiträge decken ein breites Spektrum ab. Sie reichen von digitaler Bildungsarbeit im Rahmen eines Open Educational Resources Lab (Beitrag von Jens Oliver Krüger und Christine Peller), über die Erörterung von Chancen diversitätsreflexiver Wissenschaftskommunikation auf digitalen Plattformen wie Blogs oder Webseiten (Beitrag von Svenja Garbade und Katja Zehbe), und den Einsatz kreativer Wissenschaftskommunikationsformen wie Podcasts oder Science Slams (Beitrag von Vanessa Marina Dresbach), bis zu Lernmöglichkeiten durch ehrenamtliches Engagement von Studierenden bei der Unterstützung von Auszubildenden mit Fluchthintergrund (Beitrag von Elisabeth Maué und Stephan Schumann).

Der Band schließt mit Teil fünf Grenzen (V), der einen Artikel von Imke Kollmer beinhaltet, der sich mit den Spannungsfeldern zwischen erziehungswissenschaftlicher Theorie und pädagogischer Praxis befasst. 

Diskussion

Der Sammelband bietet eine umfassende und tiefgehende Analyse der Vielfalt und Komplexität erziehungswissenschaftlicher Transferkonzepte und -ansätze. Er unterstreicht die Bedeutung eines klaren Transferverständnisses für effektive pädagogische Bemühungen und beleuchtet die enge Verknüpfung von Transferprozessen mit Professionalisierungsbestrebungen in der Erziehungswissenschaft. Insgesamt zeichnet das Werk ein differenziertes Bild der Transferlandschaft in der Erziehungswissenschaft nach und diskutiert kritisch sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen von Transfer in diversen pädagogischen Feldern. Damit liefert der Sammelband wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung der erziehungswissenschaftlichen Theoretisierung des Transferbegriffs als auch für die Gestaltung von Transfer in der pädagogischen Praxis.

Die Vielfalt und Breite in der Betrachtung des Themas führt im Ansatz dazu, dass Schnittstellen und differenziertere inhaltliche Verbindungslinien zwischen den Beiträgen nur punktuell aufgezeigt werden, was letztlich aber auch den Bedarf an hier anschließenden Veröffentlichungen und weiterer Forschung im Themenbereich verdeutlicht.

Fazit

Das Buch eignet sich sowohl für Hochschulangehörige (Studierende, Lehrende und Forschende als auch für Personen, die im Transfer- bzw. Transfermanagementbereich arbeiten) unterschiedlicher pädagogischer Studiengänge bzw. an SAGE-Hochschulen, aber auch für Praktiker:innen, die sich mit Fragen nach Übersetzungs- und Austauschmöglichkeiten unterschiedlicher Wissensformen und der Weiterentwicklung pädagogischen Handelns befassen.

Rezension von
Dr. Julia Reimer
Dipl. Sozialpäd. (FH), M.A.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Kooperation und Transfer an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin
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Es gibt 5 Rezensionen von Julia Reimer.

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Zitiervorschlag
Julia Reimer. Rezension vom 21.03.2024 zu: Tamara Diederichs, Anna Katharina Desoye (Hrsg.): Transfer in Pädagogik und Erziehungswissenschaft. Zwischen Wissenschaft und Praxis. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2023. ISBN 978-3-7799-6979-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30349.php, Datum des Zugriffs 14.04.2024.


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