Maude Nepveu-Villeneuve, Sandra Dumais: Thea und die Dornen
Rezensiert von Sophie Kowalewitsch, 06.12.2023
Maude Nepveu-Villeneuve, Sandra Dumais: Thea und die Dornen. Midas Verlag AG (Zürich) 2023. 31 Seiten. ISBN 978-3-03876-231-7. D: 15,00 EUR, A: 15,70 EUR, CH: 22,00 sFr.
Thema
„Thea und die Dornen“ ist ein Kinderbuch, das sich mit dem Thema Angst und dessen Bewältigung auseinandersetzt. Kinder erfahren beispielhaft, in welchen Situationen Ängste auftreten können, sie lernen mithilfe einer bildhaften Beschreibung, wie sich Angst anfühlt und wie diese durch die Unterstützung von Bezugspersonen überwunden werden kann.
Autor:innen
Maude Nepveu-Villeneuve hat einen B.A. in Theaterwissenschaften und einen M.A. in Literaturwissenschaften. Sie ist Autorin und Redakteurin.
Sandra Dumais ist Autorin und Kinderbuchillustratorin.
Aufbau und Inhalt
Auf der ersten Seite stellt sich Thea, die Protagonistin der Geschichte, vor. Sie zählt Dinge auf, die ihr gehören. Als letzten Punkt erwähnt sie ihre Dornen, die metaphorisch für ihre Angst stehen und ebenfalls zu ihr gehören. Auf den folgenden Seiten beschreibt Thea, wie sich die Dornen für sie anfühlen und listet Beispiele auf, wann diese wachsen. Anschließend erwähnt sie ihr großes Problem, dass sie zum einen nicht weiß, wie sie die Dornen wieder loswird und zum anderen, dass niemand außer ihr die Dornen sehen kann. Im weiteren Verlauf des Buches führt Thea durch eine konkrete Situation in der Schule, in der die Dornen immer größer werden und nicht mehr von allein weggehen. Sie öffnet sich ihrer Lehrerin Frau Singer. Diese ist scheinbar bereits vertraut mit Theas Problem und begleitet sie durch die Situation. Zunächst fragt sie Thea, ob sie schon eine bekannte Methode zur Bewältigung ihrer Angst ausprobiert hat. Da diese nicht geholfen hat, schlägt Frau Singer ihr eine weitere Möglichkeit vor, die Dornen zu bekämpfen. Die neue Methode hat Thea geholfen. Im Anschluss fragt Frau Singer, wieso Thea Angst hatte, und macht ihr Mut. Zum Schluss wiederholt Thea den Satz von der ersten Seite, in welchem sie die Dinge aufgezählt hat, die zu ihr gehören. Ergänzend dazu erwähnt sie, dass sie nun lernt, wie sie die Dornen loswerden kann.
Diskussion
„Thea und die Dornen“ ist ein Kinderbuch, das sich mit dem Thema Angst auf eine warmherzige und beruhigende Weise auseinandersetzt. Die Illustrationen im Buch spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die bunten, einladenden Bilder vermitteln nicht nur eine visuelle Freude, sondern helfen auch dabei, das Thema Angst für Kinder verständlich und greifbar zu machen. Außerdem lassen sie Raum für eine Konversation zwischen Vorleser*in und Zuhörer*in und bieten dadurch Möglichkeit, das Thema zu individuell zu vertiefen.
Neben der Botschaft, Ängste zu normalisieren, steht eine weitere: sie zu überwinden. Das Buch ermutigt Kinder, ihre Gefühle zu akzeptieren und bietet gleichzeitig einfache Werkzeuge, um mit Ängsten umzugehen. Es ist somit auch eine hilfreiche Ressource für Eltern und Pädagog*innen, die mit Kindern über deren Ängste sprechen möchten.
Folgende kleine Kritikpunkte möchte ich noch anmerken:
- Frau Singer spricht Thea jedes Mal mit einem neuen, witzigen Spitznamen an. Das mag für Kinder zunächst lustig erscheinen, jedoch lässt es die Authentizität der Dialoge infrage stellen und ein unzutreffendes Bild zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen vermitteln.
- Die konkreten Ängste von Thea werden in dem Buch durch Illustrationen in einer Wolke dargestellt. Meines Erachtens wird gerade für jüngere Kinder nicht deutlich genug, dass diese Ängste nur in den Gedanken von Thea existieren und die Situationen nicht wirklich stattfinden, da sich die Illustration zu wenig von den realen Momenten unterscheiden. Diese hätten stattdessen zum Beispiel mit Thea und einer Gedankenblase über ihrem Kopf dargestellt werden können. Das Buch ist daher meiner Meinung nach erst für Kinder ab dem Grundschulalter zu empfehlen.
Fazit
Insgesamt ist „Thea und die Dornen“ eine Geschichte, die einfühlsam von ansprechenden Illustrationen begleitet, das Thema Angst anspricht. Das Buch ermutigt zudem Kinder in Begleitung von Eltern, Erzieher*innen und Lehrer*innen dazu, ihre eigenen Ängste zu reflektieren und Wege zur Bewältigung zu finden.
Rezension von
Sophie Kowalewitsch
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