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Herbert Kubicek: Digitale Teilhabe im Alter

Rezensiert von Tamara Glasl, 02.01.2024

Cover Herbert Kubicek: Digitale Teilhabe im Alter ISBN 978-3-95651-358-9

Herbert Kubicek: Digitale Teilhabe im Alter. Bedarfsermittlung und Koordination im Rahmen der kommunalen Altenhilfe. Kellner Verlag (Bremen) 2022. 208 Seiten. ISBN 978-3-95651-358-9. D: 16,90 EUR, A: 17,40 EUR.

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Thema

Im vorliegenden Buch „Digitale Teilhabe im Alter“ widmet sich der Autor, Herbert Kubicek, den Möglichkeiten und Herausforderungen von Digitalisierung im Kontext des demografischen Wandels und nimmt dabei die Lebenssituation älterer Menschen in den Blick. Basierend auf einer großen Studie stellt Kubicek zunächst die aktuelle Situation der Befragten dar und entwirft anschließend Empfehlungen für die kommunale Altenhilfe.

Entstehungshintergrund

Das Buch richtet sich somit an Entscheidungsträger und Politiker*innen aus den Bereichen Altenhilfe, Seniorenpolitik, Demografiepolitik und Digitalisierung in der Kommunal- und Landesverwaltung. Kubicek setzt sich mit seinem Buch das Ziel, die Zusammenhänge der beiden Bereiche der Digitalisierung und dem demografischen Wandel zu erklären und eine Orientierungshilfe zu schaffen. So sollen auch ältere Menschen zukünftig nicht mehr von der fortschreitenden Digitalisierung abgehängt werden (vgl. S. 6–9), sondern deren Vorteile für ihre individuelle Lebenssituation nutzen können. Das Buch basiert auf den Ergebnissen einer bundesweiten Umfrage mit einer Stichprobengröße von 12.000 Personen (vgl. S. 84–85).

Aufbau und Inhalt

Der Autor Kubicek leitet sein Buch mit einem sehr ausführlichen Vorwort ein. Hier geht er zunächst allgemein auf die Thematik ein, beschreibt Ziele und informiert die Leser*innen über die zugrundeliegende Studie.

 Anschließend beginnt der eigentliche Aufbau des Buches, wie folgt:

Digitale und soziale Teilhabe in Zeiten der Digitalisierung und des demografischen Wandels

Zu Beginn des Buches führt der Autor in die thematischen Inhalte ein. Dabei beschreibt er zunächst die Alterslücke im Hinblick auf die Internetnutzung und wie sich diese in den letzten Jahren verändert hat. Er widmet sich dem Begriff Digitaler Teilhabe und den Hindernissen, die gerade älteren Menschen den Zugang erschweren oder sogar verhindern. Basierend auf den Hemmnissen und den Wünschen der betroffenen Personen können nun bestehende Angebote reflektiert werden (vgl. S. 10–49).

Digitale Daseinsvorsorge: Anforderungen, Leistungen und Beispiele

Kubicek knüpft im zweiten Kapitel an die Erkenntnisse zu Barrieren und Bedarfen des ersten Kapitels an. Er geht dabei allgemein auf Daseinsvorsorge und im Besonderen auf den Kontext der Digitalisierung ein. Hier nimmt er Kommunen und Kreise in die Verantwortung und beschreibt das entsprechende Aufgabenspektrum. Es folgen Beispiele auf kommunaler Ebene (vgl. S. 50–83).

Anlass, Ziel und Methode der Bremer Umfrage

Es folgt ein Einblick ins Forschungsdesign. Neben Anlass, Ziel, Stichprobe und Befragungs- und Auswertungsmethode erhalten die Leser*innen einen sehr umfangreichen Einblick zum Rücklauf und zur Repräsentativität der gesammelten Ergebnisse (vgl. S. 85–89)

Die Vermessung der Alterslücke: Bremen im Vergleich

Im folgenden Kapitel werden die Ergebnisse graphisch und in Textform präsentiert. Mit Hilfe der ersten Frage wurden die Teilnehmer*innen zunächst in Onliner und Offliner unterteilt. Im Vergleich zum bundesweiten Digital-Index konnten keine auffälligen Abweichungen festgestellt werden. Die Ergebnisse wurden anschließend im Kontext der einzelnen Stadtteile betrachtet. Zusammenhänge zwischen hohen Offliner-Quoten und niedrigen Einkommens- und Bildungsniveaus fügen sich auch an dieser Stelle in die Erkenntnisse von bundesweiten Studien ein (vgl. S. 90–97).

Unterschiede zwischen Onlinern und Offlinern

Im Anschluss an die Vermessung der Alterslücke werden Unterschiede zwischen Onlinern und Offlinern aufgedeckt. Hierbei werden neben den Altersgruppen auch die soziodemografische Faktoren Geschlecht, Berufstätigkeit, Deutschkenntnisse, Bezug von Sozialleistungen, Wohnsituation und körperliche und geistige Verfassung diskutiert (vgl. S. 98–108).

Gründe, Wünsche und Unterstützungsbedarf der Offliner

Im sechsten Kapitel werden die Offliner mit ihren Gründen, Wünschen und ihrem Unterstützungsbedarf in den Blick genommen. Es wurden sowohl Gründe, die aktuell gegen die Nutzung des Internets sprechen, als auch Bedingungen, die zu einer Nutzung führen würden, abgefragt. Auch der Unterstützungsbedarf wurde thematisiert. Hier hatten die Befragten die Möglichkeit weitere, als hilfreich empfundene Angebote zu benennen. Die Erkenntnisse mündeten in eine Hochrechnung der gewünschten Unterstützungsangebote (vgl. S. 110–115).

Die Vielfalt des Zugangs

Im folgenden Kapitel wird die Vielfalt des Themas deutlich. Zunächst wird genutzten Geräte näher beleuchtet. Ebenfalls abgefragt wurden Gründe, die gegen eine Nutzung von bestimmten Geräten sprechen. Auch hier werden die gewonnen Daten mit anderen Studien-Ergebnissen verglichen. Der Autor widmet sich im Laufe des Kapitels auch den gemeinsamen Wohnformen. Deren Betrachtet beschreibt der Autor als besonders relevant, da „in dieser Situation nicht mehr frei über eine Nutzung entschieden werden kann“ (S. 121). Tatsächlich ist der extrem hohe Offliner-Anteil von 91 % in Pflegeeinrichtungen auffallend (vgl. 116–121).

Inhaltliche Nutzung: Kommunikation und Transaktionen

Vor dem Hintergrund, dass höherschwellige Anwendungen wie Online-Banking und Online-Einkäufe einen längeren Verbleib in der häuslichen Wohnung ermöglichen, widmet sich der Autor im achten Kapitel den Themen Kommunikation und Transaktionen im Internet. Zunächst wurden hierfür die Online-Konten abgefragt. Es folgt eine Betrachtung der genutzten Kommunikations- und Transaktionsmöglichkeiten. Hierbei wurden auch Gründe, die gegen eine Nutzung sprechen abgefragt (vgl. S. 122–133).

Digitale Kompetenzen und selbstständige Nutzung

Anknüpfend an die Fragestellung des letzten Kapitels rücken nun nötige digitale Kompetenzen und die selbstständige Nutzung des Internets in den Fokus. Dabei steht im Sinne der digitalen Kompetenzen nicht das generelle Wissen im Mittelpunkt. Vielmehr geht es um die Frage, ob Personen ihre individuellen Ziele durch Handlungen im digitalen Raum erreichen können (vgl. S. 134–140).

Unterstützungsbedarf der Onliner

Als Folge der Schwierigkeiten, die Befragte im Umgang mit Technik angaben, ist davon auszugehen, dass rund 50 % der Personen gerne zumindest gelegentlich auf Unterstützung zurückgreifen würden. Ein großer Teil, der Befragten, decken diesen Bedarf durch ihr näheres Umfeld und suchen Unterstützung bei Familienmitgliedern. Trotzdem spricht der Autor von einer „Kluft zwischen bisherigen Angeboten und geschätzter Nachfrage“ (S. 148). Aus dieser Abweichung zwischen Bedarf und Angeboten formuliert der Autor im letzten Kapitel Empfehlungen (vgl. 141–149).

Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die kommunale Altenhilfe

Im letzten Kapitel erfahren die Leser*innen, welche Ziele es auf der Mikro-, Meso- und Makroebene umzusetzen gilt, wenn ältere Menschen in Ihrer digitalen Teilhabe, gefördert werden sollen. Kubicek geht zum Ende hin auch auf die Hürde des Investitionsdilemmas ein (vgl. 150–191).

Es folgenden Verzeichnisse, ein Sachregister und der Link zu dem ursprünglichen Auswertungsbericht mit dem Fragebogen und die Rohdaten der Bremer Umfrage.

Diskussion

Zunächst ist es erfreulich, dass schon bei der Ausgestaltung der Befragung Rücksicht auf die Stärken und Schwächen, der Zielgruppe genommen wurden. Um mögliche Hürden durch Einschränkungen im Rahmen eines höheren Lebensalters zu umgehen, wurde „eine Kombination aus schriftlicher Befragung mit der Option einer telefonischen Befragung oder einer Online-Befragung gewählt“ (S. 86). Der Rücklauf zeigt, dass von insgesamt 11.331 teilnehmenden Personen immerhin 386 das Telefon bevorzugten und 1.821 die Online-Befragung wählten (vgl. S. 87). Personen, die ansonsten möglicherweise nicht teilnehmen hätten können oder dies nur durch einen Mehraufwand geschafft hätten, könnten somit teilnehmen. Somit steht schon die Befragung im Sinne der Teilhabe. Positiv zu erwähnen ist an dieser Stelle freilich auch der hohe Stichprobenumfang und die Erweiterung der Daten durch andere Studienergebnisse.

Im Kontext des Alters und damit einhergehenden Einschränkungen ist gerade die Befragung der körperlichen und geistigen Verfassung der Befragten im Zusammenhang der Internetnutzung interessant. Hierzu werden die Ergebnisse auch mit anderen Studien-Ergebnissen gemeinsam betrachtet (vgl. S. 104–108). So kommt der Autor zur Erkenntnis: „Erstaunlich ist, dass es in allen Altersgruppen Onliner mit Demenz gibt“ (S. 109). Eine Erkenntnis, die im Sinne weiterführender Forschung, einige neue Fragen aufwerfen dürfte.

Zuletzt fällt auch der Link zu dem ursprünglichen Auswertungsbericht sehr positiv auf. Eine gute Möglichkeit für alle, die noch tiefer in die Materie eintauchen wollen und natürlich im Hinblick auf Transparenz auch sicherlich eine gute Entscheidung des Autors und des Verlags.

Nun stellt sich am Ende, die Frage, wer sollte diesen Text lesen bzw. für wen sind diese Informationen relevant. Naheliegend ist die Bedeutung für kommunale Vertreter*innen aus dem Raum Bremen und Bremerhaven. Insbesondere, aber nicht ausschließlich, solche, die sich mit den Themen Digitalisierung, demographischem Wandel und den Lebenswelten älterer Menschen befassen. Es kann darüber hinaus auch Ansporn und Mahnmal für andere Regionen werden, die entsprechende Bedarfe von Bürger*innen aktuell vor allem durch das nähere Umfeld bedienen lassen oder sich der Bedarfe nicht einmal bewusst sind. Darüber hinaus sind die enthaltenen Informationen natürlich auch für Träger der Wohlfahrtspflege relevant. Da diese nun die Chance haben, sich am tatsächlichen Bedarf und den Wünschen der betroffenen Personen zu orientieren.

Fazit

Im vorliegenden Buch „Digitale Teilhabe im Alter“ widmet sich der Autor, Herbert Kubicek, den Möglichkeiten und Herausforderungen von Digitalisierung im Kontext des demografischen Wandels und nimmt dabei die Lebenssituation älterer Menschen in den Blick. Basierend auf einer großen Studie stellt Kubicek zunächst die aktuelle Situation der Befragten dar und entwirft anschließend Empfehlungen für die kommunale Altenhilfe.

Rezension von
Tamara Glasl
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Es gibt 9 Rezensionen von Tamara Glasl.

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Zitiervorschlag
Tamara Glasl. Rezension vom 02.01.2024 zu: Herbert Kubicek: Digitale Teilhabe im Alter. Bedarfsermittlung und Koordination im Rahmen der kommunalen Altenhilfe. Kellner Verlag (Bremen) 2022. ISBN 978-3-95651-358-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30506.php, Datum des Zugriffs 16.04.2024.


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