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Michael Wipp, Peter Sausen: Nachtdienst in Pflegeeinrichtungen

Rezensiert von Monika Jansen, 13.11.2023

Cover Michael Wipp, Peter Sausen: Nachtdienst in Pflegeeinrichtungen ISBN 978-3-7486-0538-6

Michael Wipp, Peter Sausen: Nachtdienst in Pflegeeinrichtungen. Arbeitsorganisation optimieren und rechtssicher umsetzen. Vincentz Network GmbH & Co (Hannover) 2022. 87 Seiten. ISBN 978-3-7486-0538-6. D: 32,90 EUR, A: 33,90 EUR.
Reihe: PDL. Altenpflege.

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Thema

Wurde früher die „Nachtwache“ eher als entspannte Dienstart und für bestimmte Pflegepersonen geeignet betrachtet und war oftmals die smarte Abbildung des Tagdienstes. Der heutige Nachtdienst mit seinen besonderen rechtlichen Anforderungen und fachlichen Herausforderungen hat nichts mehr mit der nächtlichen Versorgung von früher zu tun und muss entsprechend in eine zukunftsfähige Struktur und Organisation übergeleitet werden. Diese Dienstart innerhalb der pflegerischen Versorgung in Pflegeeinrichtungen ist darum, inhaltlich losgelöst vom Tagdienst zu betrachten und zu gestalten.

Autoren

Michael Wipp hat langjährige Erfahrung in der Altenhilfe und in der Dienst- und Personalplanung und ist als Geschäftsführer von WippCARE seit Jahren im Bereich beratend tätig und somit am Puls der Zeit. Darüber hinaus ist er als Fachbuchautor und Mitglied in verschiedenen Fachgremien bekannt.

Peter Sausen ist Rechtsanwalt und berät u.a. Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Bereich der stationären und ambulanten Pflege, u.a. auch in den Fragen zur Dienstplanung, zum Personaleinsatz und zu unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen.

Entstehungshintergrund

Die Autoren haben den Nachtdienst in Pflegeeinrichtungen als Sonderform pflegerischer Versorgung identifiziert. Zudem steht gerade diese Versorgungsform im speziellen Fokus der Prüfinstanzen und der Öffentlichkeit. Neben der speziellen organisatorischen Gestaltung sowie den pflegerischen Herausforderungen und den rechtlichen Rahmenbedingungen sowie den individuellen Bedarfen und Bedürfnissen der zu Pflegenden. Um diese Gradwanderung zu begleiten, wurde diese Praxishilfe erstellt.

Ziel ist es, den betroffenen Entscheidungsverantwortlichen und im Nachtdienst tätigen Mitarbeitern eine Hilfe an die Hand zu geben, die sie dabei unterstützt, mit der Vielzahl an diffusen, komplexen und gleichzeitig unübersichtlichen Anforderungen dieser Dienstart konstruktiv umzugehen.

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Werk von Peter Sausen und Michael Wipp gliedert sich insgesamt in zwei Teile mit je einem eigenen Themenschwerpunkt.

1. Teil widmet sich der Struktur und den Prozessen des Nachtdienstes und schließt mit einem konkreten Konzeptbeispiel für eine Nachtdienstorganisation ab.

Abschnitt 1 konkretisiert die Quantität des Einsatzes von Mitarbeitern in der Nacht, basierend auf den besonderen landesrechtlichen Regelungen zur Gestaltung und zu rechtlichen Absicherung des Nachtdienstes. Beispielhaft werden hier z.B. die Vorgaben aus Hessen, Baden-Württemberg oder Bremen angeführt, mit ihren je spezifischen Vorgaben für die quantitative Gestaltung des Einsatzes, bis hin zu klaren Anforderungen an einen Mindestpersonaleinsatz.

Abschnitt 2 geht auf den qualitativen Einsatz der Mitarbeiter ein. Klargestellt wird, dass es nicht um einen unreflektierten Fachkräfteeinsatz geht. Entscheidend ist, dass der Einsatz immer auf den jeweiligen nächtlichen Interventionsbedarf der aktuellen Belegung zu geschnitten sein muss. Herangezogen wurden hier die Studie von Prof. Dr. Klaus Wingenfeld und Dr. Eckart Schnabel zur fachlichen Notwendigkeit des Einsatzes von Pflegefachkräften aus pflegefachlicher Sicht sowie die Auslegungen von Herrn Prof. Dr. Thomas Klie zum Anforderungsprofil der Pflegekräfte in der Nacht, aus rechtlicher Sicht. Des Weiteren wurde aus dem Abschlussbericht zur Umsetzung der Pflegepersonalbemessung gem. § 113c SGB XI die Aufgabenklassen zur Durchführung körpernaher Pflegemaßnahmen und die Zuordnung von Qualifikationsniveaus zu Rate gezogen.

Abschnitt 3 beschreibt die benötigte Pflegezeit, d.h. die Zeit, die für die konkrete, bedarfsgerechte Intervention in der nächtlichen pflegerischen Versorgungen benötigt wird.

Abschnitt 4 führt zu einer Entscheidungshilfe für die Organisation des Nachtdienstes als Dauernachtdienst, als rollierendes System und/oder als Mischform und damit auch zum konkreten Personaleinsatz.

Abschnitt 5 beschäftigt sich mit der Arbeitsablauforganisation und dem Schnittstellenmanagement in der Nacht. Konkretisiert wird dies über ein Praxisbeispiel.

Abschnitt 6 stellt die Wichtigkeit der Rahmenbedingungen für eine qualitative und quantitative Nachtdienstbesetzung deutlich hervor. Kriterien sind z.B.

  • regelmäßige und übergreifende Kommunikation,
  • Kontrolle nächtlicher Tätigkeiten,
  • Aufgabenbeschreibungen für Mitarbeiter im Nachtdienst,
  • Fortbildungen,
  • Regelung von Ausfallzeiten
  • usw.

Abschnitt 7 und 8 ziehen den Bogen der bisherigen Feststellungen zu den Anforderungen aus den Qualitätsprüfrichtlinien und den Vorgaben aus den Prüfkatalogen der Landesaufsichtsbehörden.

Abschnitt 9 beschäftigt sich mit den Auswirkungen der aktuellen Regelungen zur Pflegepersonalbemessung gem. § 113c SGB XI. Hingewiesen wird darauf, dass zusätzlich die landesspezifischen Regelungen zu beachten sind.

Abschnitt 10 rundet Teil 1 des Werkes mit einem konkreten Praxisbeispiel ab, welches gleichzeitig als Leitfaden für die eigne Betrachtung des Nachtdienstes genutzt werden kann.

Teil 2 ist spezialisiert auf die besonderen arbeitsrechtlichen Bedingungen und Gegebenheiten für die Praxisgestaltung des Nachtdienstes. Themen, die hier angeführt und betrachtet werden sind z.B. die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen, die höchstzulässige werktägliche Arbeitszeit, Ruhezeiten, Pausen, Zuschlage usw.

Abschließend werden konkrete Aussagen zu haftungsrechtlichen Aspekten des Nachtdienstes gemacht.

Diskussion

Der Nachtdienst in einer Pflegeeinrichtung führt bisher vielfach im wahrsten Sinne ein Schattendasein im Bereich der pflegerischen Versorgung. Bedenkt man, dass rund ein Drittel der Versorgung in dieser Dienstart stattfindet, wurde es Zeit sich mit dem Nachtdienst als eigenständiger Profession zu beschäftigen.

Neben einer rein organisatorischen und fachlichen Betrachtung sollte der Blickwinkel auch geöffnet werden für eine strukturelle An- und Einbindung in eine ganzheitliche pflegerische Versorgung in einer Pflegeeinrichtung. Dazu gehören auch alle anderen an der Versorgung beteiligten Akteure. So sind z.B. die Bereiche Betreuung und Hauswirtschaft, als integrale Bestandteile einer adäquaten Versorgung, enden nicht um 20 Uhr oder beginnen um 6 Uhr. Hier gibt es noch Entwicklungspotenzial zu identifizieren und für eine bedarfsgerechte Versorgung zu entwickeln.

Fazit

Das vorliegende Werk von Michael Wipp und Peter Sausen bietet einen guten, grundlegenden Überblick über die Besonderheiten des Nachtdienstes im Bereich der Pflege. Aufgrund der Praxisbeispiele ermöglicht das Werk einen guten Einstieg, um in die Betrachtung und ggf. Neuorganisation des eigenen Nachtdienstes zu finden.

Rezension von
Monika Jansen
Erziehungswissenschaftlerin (M.A.) und Master of Organizational Management (MoM), ist tätig als Referentin für ambulante Dienste, Bereich Wirtschaft und Statistik eines großen Wohlfahrtsverbandes. Langjährige Berufserfahrung in Führungspositionen der unterschiedlichen Arbeitsfelder der Altenhilfe. Herausgeberin der beiden Werke „Pflege & Management“ und Pflegehandbuch des DUZ-Verlages.
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Zitiervorschlag
Monika Jansen. Rezension vom 13.11.2023 zu: Michael Wipp, Peter Sausen: Nachtdienst in Pflegeeinrichtungen. Arbeitsorganisation optimieren und rechtssicher umsetzen. Vincentz Network GmbH & Co (Hannover) 2022. ISBN 978-3-7486-0538-6. Reihe: PDL. Altenpflege. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30512.php, Datum des Zugriffs 20.07.2024.


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