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Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. (Hrsg.): Soziale Arbeit über Grenzen hinweg – Hilfe für Kinder und Familien

Rezensiert von Lars Lucas, 07.12.2023

Cover  Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. (Hrsg.): Soziale Arbeit über Grenzen hinweg – Hilfe für Kinder und Familien ISBN 978-3-7841-3583-0

Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. (Hrsg.): Soziale Arbeit über Grenzen hinweg – Hilfe für Kinder und Familien. Ausgabe 1. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2023. 80 Seiten. ISBN 978-3-7841-3583-0. D: 16,00 EUR, A: 16,50 EUR.

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Thema

Die Publikation mit dem Thema „Soziale Arbeit über Grenzen hinweg – Hilfe für Kinder und Familien“ legt ihren inhaltlichen Schwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit den diversen Herausforderungen für die Soziale Arbeit, welche sich durch die Arbeit der Jugendhilfe mit Kindern in internationalen Kontexten ergeben. Sie befasst sich somit mit einer Thematik, welches sich gemessen am aktuellen Zeitgeist als äußerst aktuell und wichtig beschreiben lässt. Hierbei thematisieren die Beiträge der Publikation eine Fülle an unterschiedlichen und sich ergänzenden Themen, welche allesamt passend zum Titel der Publikation gewählt wurden. Zudem werden sowohl theoretische Ergebnisse wie auch praktische Erfahrungen dargelegt und in Relation zueinander gesetzt.

HerausgeberInnen

Bei der Publikation handelt es sich um eine Ausgabe des vom Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. veröffentlichten und durch Prof. Dr. Peter Buttner herausgegeben Vierteljahresheft „Archiv für Wissenschaft und Praxis der Sozialen Arbeit“. Die Zeitschrift widmet sich aktuellen Fragen des Sozialrechts, der Sozialpolitik und der Sozialen Arbeit. In Ihr kommen sowohl Fachleute aus Wissenschaft und Politik wie auch Personen aus der Praxis zu Wort. Sie wendet sich an ein breites Zielpublikum von Studierenden, Praktiker*innen, Lehrenden und Führungskräften.

Aufbau & Inhalt

Die Publikation beinhaltet abzüglich des Editorials durch den Generalsekretär des Internationalen Sozialdienstes (ISS), Jean Ayoub, insgesamt zehn Fachbeiträge, welche sich auf knapp 90 Seiten widerspiegeln. Im Folgenden werden der Aufbau und Inhalt einiger ausgewählter Kapitel zusammengefasst und dargestellt:

Im Beitrag „Jugendhilfe mit Auslandsbezug: Herausforderungen an der Schnittstelle von Familien und Aufenthaltsrecht“ beschäftigen sich Ulrike Schwarz und Viola Rentzsch mit den Problemen, welche bei Minderjährigen mit unsicheren oder ungeklärten Aufenthaltsverhältnissen entstehen, wenn diese sich zugleich in jugendhilfe- und familienrechtlichen Verfahren befinden. Der Beitrag beginnt dabei mit einem kurzen Problemaufriss, in welchem unter anderem die Bedeutung der Maxime der Ausländerbehörde mit jenen der Kinder- und Jugendhilfe verglichen sowie die daraus resultierenden Problematiken dargestellt werden. Im Anschluss hieran folgt ein Abschnitt über den Sorgerechts(-entzug) und die Ausweisung von Eltern. Hierbei werden zwei praktische Fälle genutzt, um aufzuzeigen, welche Rolle das (Nicht-)Vorhandensein des Sorgerechts im Falle einer Ausweisung in Verbindung mit einer vorliegenden Kindeswohlgefährdung spielt. Abgeschlossen wird der Abschnitt mit einem Tipp für die Praxis.

Auch der nächste Teil des Beitrags bedient sich zwei Fallbeispielen. Thematisch widmet er sich hierbei den Problematiken einer Rückführung nach Kindesentführung. Hierbei wird im ersten Fall die Entführung durch einen Elternteil nach einer Trennung thematisiert, während sich der zweite Fall einer Entführung durch beide Eltern nach einer festgestellten Kindeswohlgefährdung und damit verbundenen Vormundschaft des Jugendamtes widmet. Auch hier werden wieder Tipps für die Praxis vorgestellt. Der vorletzte Abschnitt widmet sich erneut mithilfe eines Beispiels der Anwendung der Kafala im Kontext des Familiennachzugs. Auch hier liefern die Autorinnen einen Praxistipp. Abgeschlossen wird der Abschnitt mit einem zusammenfassenden Fazit.

Hierauf folgt der Beitrag „Sicherung des Kindeswohls: eine besondere Herausforderung in grenzüberschreitenden Fällen“ von Nigel Cantwell. Zu Beginn des Beitrags findet sich – nach einer kurzen Erläuterung der aktuellen Problematiken von grenzübergreifenden Fällen – ein sich über mehrere Seiten erstreckender geschichtlicher Abriss, in welchem dargelegt wird, wie das Kindeswohl in die Kinderrechtskonvention gelangte und zu einem grundlegenden Prinzip wurde. Im Anschluss daran definiert Cantwell wann das Kindeswohl als maßgeblicher Faktor der Entscheidungsfindung betrachtet werden sollte. Hieran knüpft der Autor eine Darstellung der zwei zu unterscheidenden Hauptformen bzw. Sachverhalte, welche in grenzüberschreitenden Fällen eine Ermittlung des Kindeswohls erfordern. Zusätzlich und etwas ausführlicher wird der besondere Fall der Kindesentführung thematisiert. Abgeschlossen wird der Artikel mit einer Darstellung der zentralen Herausforderung, welche hierbei in der Entwicklung eines fachlichen Verfahrens zur Ermittlung und Bestimmung des Kindeswohls in grenzüberschreitenden Fällen gesehen wird.

Der Beitrag „Was brauchen unbegleitete (minderjährige) Geflüchtete für ein gutes Ankommen? Stolpersteine und Gelingensfaktoren“ von Johanna Karpenstein befasst sich mit drei beispielhaften Schlüsselsituation des Ankommens junger (unbegleiteter) Geflüchteter und zeigt dabei, wann welche Unterstützungsstrukturen notwendig werden. Hierbei fokussiert die Autorin die Verfahren der Alterseinschätzung, das jugendhilferechtliche Verteilsystem sowie die Hilfegewährung für junge Volljährige. Dem voran stellt sie eine kurze Erläuterung der empirischen Ergebnisse in Bezug auf die prägnantesten Situationen junger Geflüchteter in Deutschland im Kontext des Ankommens. Nach der prägnanten Darlegung der Schlüsselsituationen folgt eine kurze Zusammenfassung, an welche die Darstellung von Gelingensfaktoren und Best-practice-Beispielen angeschlossen wird. Insbesondere dieser Teil ist bedeuteten, da er wertvolle Tipps für einen gelingenden praktischen Umgang mit der Thematik liefert. Abrundet wird der Beitrag mit einem Blick in die Zukunft und damit verbundenen Forderungen zu Verbesserung der Situation.

Mit dem Beitrag „Kinderhandel und grenzüberschreitender Kinderschutz“ von Helmut Sax liefert der Autor den zweitkürzesten Beitrag der vorliegenden Publikation, welcher dennoch inhaltlich nicht vernachlässigt werden darf. In diesem liefert er einen griffigen Überblick über den internationalen Rechtsrahmen im Kontext von Kinderhandel und -schutz. Hierbei geht er neben dem UN-Palermo-Protokoll auch auf die Kinderrechtskonvention sowie die Konvention gegen Menschenhandel des Europarats ein. Erwähnung finden zudem die EU-Richtlinie für Menschenhandel sowie das Haager Kinderschutzübereinkommen. Nach diesem rechtlichen Überblick folgt ein praxisorientierter Abschnitt, welcher sich mit den zahlreichen in der Praxis auftauchenden Herausforderungen auseinandersetzt und zugleich die Aufgaben der Sozialen Arbeit aufzeigt. Abgeschlossen wird der Beitrag mit einem kurzen Ausblick, welcher einige Forderungen beinhaltet. 

Der von Swenja Gerhard und Maria Ringler verfasste Beitrag „Interkulturelle Kontexte in der Beratungsarbeit“ basiert auf der Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Dimensionen, in welchen kulturelle Aspekte die Beratungsarbeit beeinflussen. Zu Beginn des Beitrags findet allerdings zunächst eine grundlegende Auseinandersetzung mit der Thematik statt. Hierbei werden die Bedeutung eines Migrationshintergrundes sowie die Berücksichtigung des interkulturellen Kontextes kurz erläutert. Des Weiteren setzen sich die Autorinnen mit der Kulturalisierung als Gefahr auseinander. Nach der Bearbeitung dieser drei für die Thematik grundlegenden Aspekte folgt eine Aufarbeitung der eingangs erwähnten Dimensionen. Hierbei werden drei Dimensionen definiert. Das „Wissen/​Nichtwissen“, die „Migrationsprozesse und Migrationsbiografie“ und die „Kommunikation“. Diese werden ausreichend und nachvollziehbar behandelt. Leider endet hierauf hin das Kapitel ohne zusammenfassendes Resümee.

Diskussion

Die vorgestellt Publikation liefert auf einem relativ knappen Umgang eine Vielzahl verschiedenster Thematiken, welche allesamt äußerst spannend und sowohl aus theoretischer Sicht wie auch aus der Perspektive der Praxis nützlich sind. Sie ist zu großen Teilen sehr gut geschrieben und daher auch für Personen aus der Praxis sprachlich zugänglich. Zudem ist in Bezug auf die Autor*innen eine gute Diversität zu erkennen. So finden sich unter anderem Jurist*innen, Sozialarbeiter*innen wie auch wie auch Expert*innen aus der Wissenschaft im Inhaltsverzeichnis wieder. Trotz dieser Vielfalt wäre es spannend gewesen die Publikation mit Beiträgen zu ergänzen, welche die Perspektive der betroffenen Menschen darstellen. Dies passiert zwar durch einige Fallbeispiele, bleibt aber doch nebensächlich. Ein weiterer Aspekt, welcher auffällt, ist, dass es bei der Beitragswahl durchaus zu Themenüberschneidungen kommt. Dies ist aus Sicht des Rezensenten allerdings positiv zu bewerten, da so die Perspektivvielfalt erweitert wird. Kritisch anzumerken ist allerdings dennoch der Umfang einiger Artikel. Hier scheint es keine Vorgabe gegeben zu haben, sodass einige der Beiträge lediglich drei bis vier Seiten umfassen. Dies ist zwar positiv, um sie schnell zu lesen, dennoch leidet darunter teilweise die inhaltliche Tiefe. Um die Diskussion abzuschließen sei zudem erwähnt, dass die Publikation des Öfteren als rechtslastig empfunden werden könnte, was allerdings der Natur der Thematik geschuldet ist.

Die Auseinandersetzung mit der rezensierten Veröffentlichung ist allen Personen nahezulegen, welche sich mit dem äußerst komplexen Thema der Hilfen für Kinder und Familien in internationalen Kontexten auseinandersetzen. Hierbei ist sie sowohl für Praktiker*innen sowie Theoretiker*innen nutzbar. Zudem eignet sie sich aufgrund ihrer vielen unterschiedlichen Beiträge hervorragend, um eventuelle Wissensdefizite in Bezug auf Teilaspekte des Handels zu bearbeiten. Aufgrund ihrer guten Lesbarkeit und Sprache ist Sie allerdings auch für all jene zu empfehlen, welche sich aus reinem Interesse mit dem Thema auseinandersetzen möchten, auch wenn sie in anderen Fächern arbeiten. Zudem ist die Publikation auch für Studierende zu empfehlen, welche sich an das Thema herantasten möchten.

Fazit

Die Publikation liefert einen hohen Mehrwert für alle, die sich im Bereich der Hilfen für Kinder im internationalen Kontext bewegen. Sie vermittelt auf wenigen Seiten eine Fülle an Beiträgen und ermöglicht somit einen umfangreichen Blick auf verschiedene Teilaspekte der Thematik. Sie ist sowohl für Theoretiker*innen wie auch Praktiker*innen zu empfehlen.

Rezension von
Lars Lucas
M.A. (Studiengang: Bildung und Soziale Arbeit), Promotionsstudent Universität Siegen.
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Es gibt 3 Rezensionen von Lars Lucas.

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Zitiervorschlag
Lars Lucas. Rezension vom 07.12.2023 zu: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. (Hrsg.): Soziale Arbeit über Grenzen hinweg – Hilfe für Kinder und Familien. Ausgabe 1. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2023. ISBN 978-3-7841-3583-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30538.php, Datum des Zugriffs 28.02.2024.


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