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Björn Sellemann, Ursula Hübner u.a. (Hrsg.): Informationsverarbeitung in der Pflege

Rezensiert von Alexandra Günther, 19.09.2023

Cover Björn Sellemann, Ursula Hübner u.a. (Hrsg.): Informationsverarbeitung in der Pflege ISBN 978-3-17-038844-4

Björn Sellemann, Ursula Hübner, Elske Ammenwerth (Hrsg.): Informationsverarbeitung in der Pflege. Digitalisierung verstehen, Versorgungskontinuität sichern. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2023. 194 Seiten. ISBN 978-3-17-038844-4. 32,00 EUR.

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Thema

Digitale Anwendungen sind in der Pflege zur Informationsverarbeitung der umfangreichen Patientendaten und für die Versorgungskontinuität unersetzbar. Ein grundlegendes Verständnis der IT-Systeme und digitalen Werkzeuge unterstützt die Pflege im alltäglichen Umgang und macht es möglich, sich an den informationstechnischen Entwicklungen aktiv zu beteiligen.

HerausgeberInnen und AutorInnen

Prof. Dr. Ursula Hübner lehrt als Professorin Medizinische und Gesundheitsinformatik und Quantitative Methoden an der Hochschule Osnabrück und ist Gründerin und Leiterin der Forschungsgruppe Informatik im Gesundheitswesen.

Prof. Dr. Elske Ammenwerth lehrt als Professorin an der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften und -technologie UMIT TIROL mit dem Schwerpunkt Medizinische Informatik.

Prof. Dr. Björn Sellemann lehrt als Professor am Gesundheitscampus Göttingen der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/​Holzminden/Göttingen und Universitätsmedizin Göttingen mit dem Schwerpunkt Pflege und Pflegeinformatik.

Weitere AutorInnen

Ass.-Prof. Dr. Werner O. Hackl arbeitet als Assistenzprofessor am Institut für Medizinische Informatik an der UMIT TIROL.

Mareike Przysucha ist M. Sc., Informatikerin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Informatik im Gesundheitswesen an der Hochschule Osnabrück.

Dr. Regina Schmeer ist Pflegewissenschaftlerin und Pädagogin und leitet die Stabsstelle Pflegewissenschaft an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Dr. Maria Müller Staub ist Pflegewissenschaftlerin und Professorin am Lehrstuhl für Pflegediagnostik der HANZE University in Groningen, Niederlande.

Aufbau

Das Fachbuch ist folgendermaßen aufgebaut:

  1. Einleitung: pflegerisches Handeln und Informationsverarbeitung
  2. Einrichtungsinterne Informationssysteme in der pflegerischen Versorgung
  3. Einrichtungsübergreifende Informationssysteme
  4. Personzentrierte assistierende Technologien im pflegerischen Handeln
  5. IT-Projekt- und Prozessmanagement in der Pflege
  6. Pflegedokumentation und pflegerische Ordnungssysteme
  7. Professionalisierung in der Pflege: Pflegefachsprache und Wissensrepräsentation
  8. Perspektiven der Informationsverarbeitung in der pflegerischen Versorgung
  9. Lösungen der Übungsaufgaben
  10. Glossar

Inhalt

Im ersten Kapitel gibt Ursula Hübner einführend einen Einblick, was Informationsverarbeitung in der Pflege im Krankenhaus beinhaltet. Es wird u.a. auf Möglichkeiten und Grenzen von digitalen Informationssystemen eingegangen. Sie stellt zudem die grundlegenden Zusammenhänge des Fachbuchs vor und das Patientenfallbeispiel, an dem die Inhalte buchübergreifend praxisnah dargestellt werden.

Im zweiten Kapitel nehmen Elske Ammenwerth und Björn Sellemann einrichtungsinterne Informationssysteme in den Blick. Digitale Anwendungssysteme sollen die Patientenversorgung über Fachabteilungen hinaus, für alle Beteiligten sichern und Informationen für die pflegerische Versorgung verfügbar machen wie zum Beispiel die digitale Pflegedokumentation.

Die AutorInnen gehen des Weiteren u.a. auf strategische und operative Ziele ein. Voraussetzungen wie zum Beispiel die Interoperabilität von Anwendungssystemen werden erläutert, Fachbegriffe definiert und ein Überblick über IT-Systeme und IT-Standards gegeben.

Das dritte Kapitel untersucht im Anschluss daran den Informationsaustausch über Einrichtungsgrenzen hinweg. Dieser wird durch Vernetzung in der Patientenversorgung möglich. Mareike Przysucha erläutert das informationstechnologische Konzept eHealth und geht u.a. auf Standards, Interoperabilität von Systemen, Datenschutz und -sicherheit ein.

Außerdem stellt sie das einrichtungsübergreifende, digitale Werkzeug der elektronischen Patientenakte für Deutschland, Österreich und die Schweiz zur Informationsverarbeitung vor.

Zwei Teilbereiche des eHealth, mHealth- und Tele-Health-Anwendungen, werden erläutert und diskutiert. Für den weitreichenden mHealth-Bereich stellt die Autorin u.a. sieben Typen vor. Tele-Health umfasst vor allem gesundheitliche Dienstleistungen wie zum Beispiel ärztliche Telekonsultationen.

Das vierte Kapitel geht auf personenzentrierte, assistierende Technologien ein. Regina Schmeer stellt typische Komponenten vor. Sie erklärt die Unterstützungsmöglichkeiten für den pflegebedürftigen Menschen und für Pflegefachkräfte. Sensorgestützte Systeme und mobile Anwendungen sollen z.B. die Autonomie des pflegebedürftigen Menschen erhalten oder den pflegerischen Arbeitsprozess unterstützen. Die Autorin geht auf Nutzen, Grenzen und Herausforderungen ein.

Im fünften Kapitel wird das Thema IT-Projekt- und Prozessmanagement für die Pflege behandelt. Werner O. Hackl erklärt grundlegende Konzepte und Standards. Die einzelnen Phasen eines IT-Projektes werden dargestellt. Informationssysteme in der Pflege gilt es u.a. als sozio-technisch zu begreifen und individuell an Organisation und Abläufe etc. anzupassen. Der Autor erläutert die verschiedenen Methoden zur Analyse klinischer Prozesse, zur Datenerhebung und Modellierung von Anwendungsfällen. Außerdem diskutiert er die Aspekte Datenschutz und Datensicherheit.

Um Pflegekräften die Beteiligung an z.B. Ausschreibung und Auswahl von Anwendungssystemen für die Pflege zu ermöglichen, zeigt Hackl die Anwendung von Methoden wie Use-Case-Diagramme oder Prozessketten am Beispiel Pflegedokumentation.

Das sechste Kapitel behandelt die Informationsverarbeitung in der digitalen Pflegedokumentation als wesentlichem Teil der Patientenakte. Hübner und Ammenwerth führen u.a. die Einsatzbereiche von Freitext-Dokumentation und standardisierter Dokumentation aus. Sie erläutern pflegerische Ordnungssysteme u.a. als Voraussetzung für semantische Interoperabilität und als Entscheidungsgrundlage in der Patientenversorgung. Des Weiteren gehen die Autorinnen auf den Unterschied von Klassifikationen und Nomenklaturen ein. Sie stellen zum Beispiel den Aufbau und die Einsatzbereiche von Klassifikationen in der Internationalen Klassifikation der Pflegepraxis (ICNP) vor.

Im siebten Kapitel geht Maria Müller Staub auf den advanced nursing process ein, mit dem der Austausch pflegerischen Wissens mittels Pflegefachsprache im Informationsverarbeitungsprozess möglich ist. Informationssammlung beginnt mit dem Informationsaustausch von Mensch zu Mensch. Die Übersetzung in die Pflegefachsprache und pflegerischen Klassifikationen sind danach u.a. notwendig, um die Versorgungskontinuität und -qualität zu sichern.

Die Autorin stellt u.a. die definierten, validierten Ziele nach dem NNN-Assessment vor. Sie führt im Einzelnen die Pflegediagnosen nach NANADA-I (Internationale Klassifikation der Pflegediagnosen), Einordnung der Pflegeergebnisse nach NOC (nursing outcome classification) und Pflegeinterventionen nach NIC (nursing interventions classification) aus.

Das achte Kapitel beleuchtet zukünftige Entwicklungen in der digitalen Informationsverarbeitung in und für die Pflege. Hübner und Ammenwerth stellen Faktoren für die Nutzung und Zufriedenheit mit neuen Anwendungen wie z.B. Usability und Effektivität vor. Außerdem diskutieren sie u.a. Datensammlung, -qualität, Sekundärnutzung von Daten und Künstliche Intelligenz. Weitere Aspekte sind Datenschutz, -sicherheit und die Notwendigkeit Ethikfragen in die Diskussion und Entwicklung miteinzubeziehen. Die Autorinnen stellen zudem neu entstehende Berufsbilder für Pflegefachkräfte im Rahmen der Digitalisierung des Pflegeprozesses vor.

Im neunten Kapitel finden sich die Lösungen zu den Lernfragen im Buch.

Jedes Kapitel beginnt mit einer Aufstellung der Lernziele und endet mit Lernerfolgsfragen. Weiterführende Literatur und Internetseiten werden jeweils am Kapitelende aufgeführt. Zum Abschluss des Fachbuchs folgt ein Glossar mit den wichtigsten Fachbegriffen des Buches.

Diskussion

Digitale Anwendungssysteme werden u.a. in der Krankenhauspflege alltäglich zur Informationsverarbeitung verwendet und unterstützen die Arbeit der verschiedenen Arbeitsbereiche und Abteilungen untereinander. Die Entwicklung neuer Programme und Assistenztechnologien zeigt einen dynamischen Markt.

Die Einbindung von Pflegefachkräften in diese informationstechnischen Entwicklungen ist wichtig und unerlässlich. Dafür braucht es allerdings IT-Grundlagenwissen und Methodenkenntnisse. Das Fachbuch hilft dabei, Informationssysteme für die Pflege, IT-Prozesse, -Standards und Zusammenhänge zu begreifen. Die AutorInnen zeigen die Möglichkeiten und Vorteile von digitalen Werkzeugen für die Pflege bzw. den pflegebedürftigen Menschen. Zugleich weisen sie auch auf die Herausforderungen hin, die sich mit der zunehmenden Digitalisierung ergeben.

Fazit

Das Fachbuch von Ursula Hübner, Elske Ammenwerth und Björn Sellemann vermittelt anschaulich und verständlich umfangreiches Grundlagenwissen über Informationsverarbeitung in der Pflege. Pflegefachkräfte, Auszubildende und Studierende für Pflegeberufe oder andere Interessierte können sich damit sehr gut die notwendigen Kenntnisse aneignen.

Rezension von
Alexandra Günther
Sozialpädagogin und Ethikerin
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Es gibt 45 Rezensionen von Alexandra Günther.

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Zitiervorschlag
Alexandra Günther. Rezension vom 19.09.2023 zu: Björn Sellemann, Ursula Hübner, Elske Ammenwerth (Hrsg.): Informationsverarbeitung in der Pflege. Digitalisierung verstehen, Versorgungskontinuität sichern. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2023. ISBN 978-3-17-038844-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30567.php, Datum des Zugriffs 23.09.2023.


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