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Michael Vilain, Carmen Schulz (Hrsg.): Schatten der Zukunft? Wie Megatrends die Sozial- und Gesundheitswirtschaft verändern

Rezensiert von Lisa Kieselmann, 09.02.2024

Cover Michael Vilain, Carmen Schulz (Hrsg.): Schatten der Zukunft? Wie Megatrends die Sozial- und Gesundheitswirtschaft verändern ISBN 978-3-7560-0030-2

Michael Vilain, Carmen Schulz (Hrsg.): Schatten der Zukunft? Wie Megatrends die Sozial- und Gesundheitswirtschaft verändern. New Work und Innovation. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2023. 183 Seiten. ISBN 978-3-7560-0030-2. 39,00 EUR.
Reihe: Zukunftsfragen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft - 3.

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Thema und Zielsetzung

Die Veröffentlichung „Schatten der Zukunft – wie Megatrends die Sozial- und Gesundheitswirtschaft verändern“ ist das Ergebnis des Social Talks, einem transferorientierten Tagungsformat, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Auswirkungen von Megatrends auf die Führung und Leitung insbesondere von Nonprofit-Organisationen im Sozial- und Gesundheitswesen zu analysieren. Die Kapitel dieser Publikation beleuchten verschiedene gesellschaftliche und technologische Megatrends im Zusammenhang mit der Sozial- und Gesundheitswirtschaft.

HerausgeberInnen

Prof. Dr. Michael Vilain – Vizepräsident der Evangelischen Hochschule Darmstadt, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Zukunftsfragen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft der Evangelischen Hochschule Darmstadt.

Carmen Schulz – Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Zukunftsfragen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft der Evangelischen Hochschule Darmstadt.

Aufbau und Inhalt

Die Publikation umfasst 13 Kapitel, die sich mit Megatrends aus und für die Sozial- und Gesundheitswirtschaft befassen. Im Folgenden werden drei Kapitel aus der Publikation näher beschrieben.

Kapitel 3: „Selbstorganisation wagen – Neue Formen von Führung und Zusammenarbeit in sozialen Organisationen.“ (Vanessa Kubek)

Das vorliegende Kapitel behandelt das Thema „Selbstorganisation“ in sozialen Organisationen, insbesondere im Kontext von Ansätzen wie „New Work“. Diese Ansätze setzen sich kritisch mit den traditionellen Strukturen von Organisationen, Führung und Zusammenarbeit auseinander, um die Wettbewerbsfähigkeit und Mitarbeiteridentifikation zu verbessern. Die Autorin greift die Frage auf, ob eine alternative Form der Zusammenarbeit entwickelt werden kann, die über die herkömmliche hierarchische Pyramide hinausgeht. Es wird auf die „Beidhändigkeit von Führung“ (Ambidextrie) als einen diskutierten Ansatz eingegangen, der versucht, traditionelle Führungsansätze mit innovativen Elementen zu verbinden. Die Autoren betonen die Notwendigkeit, mit Paradoxien umzugehen, insbesondere in Zeiten von Digitalisierung und disruptiven Technologien. Dabei werden sieben „glorreiche“ Führungsmuster vorgestellt, die in der Vergangenheit erfolgreich waren, aber in der heutigen komplexen Umgebung als unzureichend betrachtet werden. Das Kapitel führt drei Paradoxien der neuen Führung ein: „Nicht-Steuerbarkeit steuern“, „Vertrauter Kontrolle misstrauen“ und „Vielfalt standardisieren“. Diese Paradoxien sollen dazu ermutigen, traditionelle Denkmuster zu überwinden und eine qualifizierte Abkehr von etablierten Führungsmustern zu ermöglichen. Weiterhin wird die Unterscheidung zwischen komplizierten und komplexen Problemen eingeführt, um zu zeigen, wann Steuerung, Kontrolle und Standardisierung sinnvoll sind. Die Autorin schlägt sieben Gestaltungsprinzipien für „moderne“ Führung vor, die darauf abzielen, die Bürokratie zu reduzieren, echte Teams zu fördern, Vertrauen zu stärken und eine Kultur der Selbstorganisation zu schaffen. Abschließend werden Handlungsschritte für Führungskräfte vorgeschlagen, um Selbstorganisation zu fördern, darunter eine Regelinventur, die Analyse der Marktnähe, die Neudefinition von Aufgaben formal legitimierter Macht und die Förderung von Selbstorganisation und sozial legitimer Führung. Das Kapitel schließt mit der Aufforderung an die Lesenden, sich auf den Weg zur Umsetzung dieser Prinzipien zu machen (vgl. S. 47 ff.).

Kapitel 10: „Schwarminnovation – wie föderale Strukturen Innovationen fördern“ (Tobias Nowoczyn)

Das Kapitel hebt die positiven Aspekte des föderalen Systems hervor und argumentiert, dass es trotz seines oft kritisierten Rufs effektiv ist. Besonders beeindruckend ist die Innovationskraft von Wohlfahrtsverbänden, die sich auf eine ausgewogene Mischung aus zentraler Steuerung und lokaler Autonomie stützen. Die Handlungsempfehlungen für Mitarbeiterführung betonen, dass Aufgaben von der geeignetsten Ebene übernommen werden sollten und dass eine gute Analyse von Problemsituationen, sowohl quantitativ als auch qualitativ, die Grundlage für erfolgreiche Innovationen bildet. Die Einbeziehung der Klient_innen in den Lösungsprozess und eine Führungskultur, die auf Zuhören und Moderation setzt, werden als Schlüsselfaktoren für den Erfolg genannt. Eine betonte Kooperationskultur wird als Wegbereiter für ein Umdenken von Konkurrenz zu einer Art „Familie“ innerhalb der Organisation hervorgehoben. Abschließend wird darauf hingewiesen, dass die Evaluation von Innovationen unerlässlich ist, um den maximalen Nutzen zu gewährleisten (ff. S. 125).

Kapitel 11: „Die Geheimnisse innovativer und attraktiver Organisationen in der Sozialwirtschaft – Führung und Unternehmenskultur als zentrale Treiber“ (Lutz Schumacher)

Die Lebensdauer von Unternehmen hat in jüngster Zeit deutlich abgenommen, und Unternehmen der Sozialwirtschaft stehen vor vielfältigen Wandlungsprozessen. In diesem Kontext werden die zentralen Merkmale von innovativen und attraktiven Organisationen beleuchtet, wobei emotionale Verbundenheit eine entscheidende Rolle spielt. Emotionale Verbundenheit führt zu positiven Effekten wie freiwilligem Engagement, Veränderungsbereitschaft, geringer Wechselabsicht sowie verbessertem Wohlbefinden und Gesundheit der Mitarbeiter. Diese emotionale Bindung kann durch eine unterstützende Unternehmenskultur erzeugt werden und trägt zur Steigerung der Innovationskraft und wirtschaftlichen Stärke bei. Dabei bilden geteilte Werte und Ziele das Fundament. Zukunftsorientierte Organisationen gestalten aktiv ihre Zukunft durch begeisternde Visionen und strategische Ziele. Sie schaffen Vertrauen unter den Mitarbeitern, ermöglichen Freiräume, fördern Initiative und praktizieren das Augenhöhe-Prinzip. Zudem zeichnen sie sich durch Risikobereitschaft, Fehlertoleranz, starke Kunden- und Marktorientierung, eine Kultur der Anerkennung und Würdigung sowie soziale Unterstützung und Zusammenhalt aus (vgl. S. 137).

Diskussion 

Die Publikation Schatten der Zukunft – wie Megatrends die Sozial- und Gesundheitswirtschaft verändern gewährt dem/der LeserIn, wie direkt in der Einleitung beschrieben, Einblicke in Forschungsergebnisse und Bewertungen sowohl aus wissenschaftlicher als auch praktischer Perspektive (vgl. S. 6). Die Ursprünge dieses Tagungsbandes liegen im Social Talk, einem Tagungsformat mit dem klaren Ziel des Wissenstransfers. Es widmet sich der Untersuchung der Auswirkungen von Megatrends auf die Führung und Leitung, insbesondere von Nonprofit-Organisationen im Bereich Sozial- und Gesundheitswesen (vgl. S. 5). Die Publikation setzt voraus, dass Lesende sich bereits mit der Thematik von Agilität, New Work und Megatrends befasst haben. Agilität wird zwar zu Beginn im Kapitel 1 von Hendrik Epe „Agile Soziale Organisation gestalten“ (S. 17) erläutert, dies wird jedoch relativ kurz gehalten, was bei der Zielsetzung der Publikation auch sinnhaft erscheint. Um das Verständnis bzgl. Megatrends von Lesenden zu erleichtern, wäre eine Einordnung dieser in der Einleitung wünschenswert gewesen. Diese Einordnung passiert erst auf S. 67 im Kapitel „New Work: Einfach mal machen – ein Praxisbeispiel“ (René Linek).

Fazit

Wer als Leser_in auf der Suche nach Praxisbeispielen und kurzen und knackigen Einblicken ist und schon erste Kenntnisse zu den Themen, wie New Work und Agilität hat, wird definitiv fündig in der Publikation. Es wird ein breites inhaltliches Feld erfasst, welches sich über allgemeine Themen wie Scrum und Selbstorganisation, hin zu konkreten Feldern der Sozialwirtschaft, wie die Herausforderung für das Pflegemanagement, erstreckt. Die Kapitel sind sehr lesenswert und bieten auf unterschiedlichsten Ebenen neue Ideen und Entwicklungsmöglichkeiten für das eigene praktische Handeln und Denken, ausgerichtet auf die Herausforderungen für die Organisationen der Sozial- und Gesundheitswirtschaft.

Rezension von
Lisa Kieselmann
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der KatHO NRW. Ehemalige Leiterin eines Familienzentrums und der berufsbegleitenden Studiengänge B.A. Sozialmanagement/ MBA:General Management
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Es gibt 12 Rezensionen von Lisa Kieselmann.

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Zitiervorschlag
Lisa Kieselmann. Rezension vom 09.02.2024 zu: Michael Vilain, Carmen Schulz (Hrsg.): Schatten der Zukunft? Wie Megatrends die Sozial- und Gesundheitswirtschaft verändern. New Work und Innovation. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2023. ISBN 978-3-7560-0030-2. Reihe: Zukunftsfragen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft - 3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30638.php, Datum des Zugriffs 28.02.2024.


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