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Ruben Langwara, Dirk W. Eilert: Die Kraft unserer Emotionen

Rezensiert von Dr. Philipp Thaler, 02.02.2024

Cover Ruben Langwara, Dirk W. Eilert: Die Kraft unserer Emotionen ISBN 978-3-7495-0151-9

Ruben Langwara, Dirk W. Eilert: Die Kraft unserer Emotionen. Resilient und stressfrei mit Mesource. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2022. 220 Seiten. ISBN 978-3-7495-0151-9.

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Thema

Es handelt sich um ein Coaching-Konzept, das ein Resilienz-Training enthält. Langwara & Eilert nehmen Bezug zur Positiven Psychologie und insbesondere auf die Flourishing-Theorie von Martin Seligman.

Autor

Ruben Langwara ist Wirtschaftspsychologe und leitet die Forschungsabteilung der Eilert-Akademie in Berlin. Dirk W. Eilert ist ebenfalls Wirtschaftspsychologe, von ihm sind bereits mehrere Titel u.a. zum integrativen Emotionscoaching, zur Mimikresonanz und zur Körpersprache im Junfermann Verlag erschienen.

Entstehungshintergrund

Die Autoren wenden sich sowohl an Professionelle im Bereich Coaching, Beratung und Therapie als auch an Klientinnen sowie Klienten und wollen einen Beitrag zur Beantwortung der Frage leisten, wie Menschen ein resilientes und stressfreies Leben führen können (12). Mit dem Coaching-Konzept ‚Mesource‘ liefern Langwara & Eilert ein eigens entwickeltes Resilienz-Training und bezeichnen es selbst als ‚wissenschaftsbasiertes Workbook‘ (23).

Aufbau

Das Werk ist in neun Kapitel gegliedert. Zu Beginn erfolgt eine ausführliche Einführung zum Thema Resilienz und es wird eine ‚Roadmap‘ zum Resilienztraining geliefert. Die nächsten Kapitel folgen den acht Etappen des ‚Resilienz-Marathons‘. Zunächst wird auf die Gewohnheitsetablierung eingegangen (Kapitel 1), anschließend folgen Kapitel zur emotionalen Flexibilität (Kapitel 2), Herzratenvariabilität (Kapitel 3), Selbstwert (Kapitel 4), kognitive Flexibilität (Kapitel 5), Selbstkonzept-Klarheit (Kapitel 6), und Growth-Mindset (Kapitel 7). Im letzten Kapitel zur Mesource-Minute (Kapitel 8) erfolgt eine Zusammenfassung. Das Ende bilden abschließende Worte und ein Anhang. Ein E-book- Exemplar ist zum kostenlosen Download enthalten.

Inhalt

Im Vorwort weist Sylvain Laborde, Psychologe an der Deutschen Sporthochschule Köln, darauf hin, dass das von Langwara und Eilert entwickelte Coaching-Konzept ‚Mesource‘ bzw. der Fokus auf die langsame kontrolliert Atmung auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Diese langsame Atmung sei eine der wirksamsten Methoden zur Verbesserung der Aktivität der Vagusnervs und ermögliche eine effektive Selbstregulierung, da damit der Herzschlag sowie das Gehirn beeinflusst werden könne (9). Jedes Coaching-Programm solle das Ziel verfolgen, ‚jeden Menschen in eine bessere Version seiner selbst zu verwandeln, um so die Welt zu einem besseren Ort für alle werden zu lassen‘ (10).

In ihrer Einführung gehen die Autoren davon aus, dass jeder Mensch einen inneren Kompass habe und nach vier neurobiologischen Grundmotiven strebe: Durchsetzung, Ordnung, Harmonie und Inspiration (12). Diese Motive seien entscheidend für die emotionale Gesundheit. Sei eines dieser Grundmotive verletzt, erfolge eine emotionale Stressreaktion, was zu Krankheit führen könne. Ziel des Buches bzw. des komplementären Emotionscoachingansatzes Mesource sei die Beantwortung der Frage, wie Menschen ein resilientes und stressfreies Leben führen können sowie die Bereitstellung von Lösungsmöglichkeiten für Coaches, Berater und Therapeuten.

Da Stress Folgen für sowohl das psychische als auch das physische Wohlbefinden habe, betrachten die Autoren die psychisch-emotionale Resilienz und die neuro-physiologische Resilienz. Die psychisch-emotionale Resilienz zeige sich, indem unangenehme Emotionen wie z.B. Angst oder Trauer bei Stresserlebnissen schnell herunterreguliert werden könne (13). Somit beschreibe Resilienz ‚lediglich die Fähigkeit, wieder aufzustehen, sobald eine Person emotional >gestolpert< ist‘ (13). In der Forschung würden vier Reaktionsformen auf Belastung unterschieden: Resilienz, Erholung, posttraumatische Belastungsstörung und posttraumatisches Wachstum (13). Dies wird anhand von einer Abbildung erläutert (mit Verweis auf Mangelsdorf). Die Autoren fragen, ob posttraumatisches Wachstum nicht das eigentliche Ziel sei, nämlich die Stärkung der Resilienzfähigkeit, statt ‚nur schlicht unser psychisches Ausgangsniveau zu erreichen‘ (15). Mit dieser Frage würde sich vor allem die Positive Psychologie befassen, insbesondere Martin Seligman, der in seiner Flourishing-Theorie fünf Faktoren benannt hat, die Menschen aufblühen lassen (positive Gefühle, Engagement, soziale Unterstützung, Sinnerleben und Selbstwirksamkeit). Nach den Autoren sei für Wachstum bzw. Flourishing eine Hochregulierung emotionaler Ressourcen entscheidend, welche die fünf Faktoren bekräftigen (15). Daher sei die emotionale Flexibilität für die Autoren ein übergeordneter Resilienzfaktor.

Langwara & Eilert unterscheiden dabei zwischen einer inter-emotionalen Flexibilität – die Fähigkeit, Emotionsvielfalt zu erleben und zwischen Gefühlszuständen schwanken zu können – und einer intra-emotionalen Flexibilität – die Fähigkeit, eine emotionale Aktivierung willentlich hoch- und herunter zu regulieren (15). Die Autoren formulieren das Ziel, dass die Leserinnen und Leser ihr emotionales Leben komplett neu denken und ihre Emotionen so nutzen, dass sie für sie arbeiteten – und nicht gegen sie (15). Das bezeichnen sie als ‚Emotional Resourcing‘ (15). Die Leserinnen und Leser würden erfahren, welche Kraft in jeder Primäremotion stecke und wie diese Kraft für Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit aktiviert werden kann (15). Die Autoren würden darüber hinaus acht ‚Super-Ressourcen‘ (15) beleuchten, die sowohl die vier Grundmotive als auch die fünf Flourishing-Faktoren begünstigen. Wer als Coach arbeite, dem werden Mikro-Transferübungen für die Klienten empfohlen, wobei die Autoren auf einen eigens entwickelten integrativen Emotionscoachingansatz verweisen (16). Ein komplementäres Emotionscoaching ziele darauf, den Organismus im Allgemeinen zu stärken und weniger auf die Bearbeitung konkreter Problemlagen (16). Von daher würden bei ‚Mesource‘ Mikro-Transferübungen als Präventionsmaßnahme genutzt für die Bewältigung zukünftiger emotionaler Belastungen.

Langwara & Eilert benennen eine ‚Cortex-Athletik‘ (17) sowie eine ‚Vagus-Athletik‘ (17) als zwei Ansatzpunkte komplementären Emotionscoachings auf körperlicher Ebene und veranschaulichen dies anhand einer Abbildung. ‚Cortex-Athletik‘ beziehe sich auf ein gezieltes Training des frontoparietalen Netzwerks zur Steigerung der emotionalen Regulationsfähigkeit und Resilienz (18), z.B. durch ein emotionales Gedächtnistraining (mit Verweis auf Schweizer und Kollegen). Bei ‚Mesource‘ würde von den Autoren ein solches emotionales Gedächtnistraining anhand einer emotionsbezogenen Achtsamkeitsmeditation bereitgestellt (20). Doch auch bei reinen Achtsamkeitsübungen sei eine höhere Effizienz des frontoparietalen Netzwerks nachgewiesen worden (mit Verweis auf Taren und Kollegen). Die Autoren empfehlen eine emotionsbezogene Achtsamkeitsmeditation mit einer ‚Super-Ressource‘, z.B. Dankbarkeit, wodurch es zu einer parasympathischen Aktivierung komme sowie zu einer Stärkung des vagalen Tonus, gemessen anhand der Herzratenvariabilität (HRV, 20). Somit würde nicht nur die ‚Cortex-Athletik‘ trainiert, sondern auch die ‚Vagus-Athletik‘ (21). Die Autoren empfehlen beim Coaching, den Klienten Übungen zur Steigerung der Herzratenvariabilität bereitzustellen, um die Emotionsregulationsfähigkeit des Gehirns zu stärken (21). Bei ‚Mesource‘ erfolge dies mit Biofeedback (21). Die Herzratenvariabilität sehen die Autoren als den zweiten übergeordneten Resilienzfaktor an (22). Der Methodenname ‚Mesource‘ sei aus ‚me‘ und ‚source‘ (von ‚ressource‘) zusammengesetzt und bedeute, ‚sich selbst als größte Kraftquelle und beste Ressource zu nutzen‘ (22). ‚Mesource‘ sehen die Autoren mehr als Haltung denn als Methode, denn es gehe darum, den Organismus im Allgemeinen zu stärken (22). Mit dem Buch wird ein Resilienztraining geliefert und die Autoren wenden sich an Coaches sowie deren Klienten und Klientinnen.

Langwara & Eilert gliedern ihren ‚Resilienz-Marathon‘ in acht Etappen und empfehlen, diese ‚wissenschaftsbasiertes Workbook in einem Zeitraum von mindestens acht Wochen durchzuarbeiten‘ (23).

Zuerst wird das Thema Gewohnheitsetablierung behandelt (Kapitel 1). Laut den Autoren sei es bei ‚Mesource‘ eine wichtige Grundhaltung, dass Resilienz eine Pflicht sei: ‚Denn ohne die innere Pflicht führen wir die Mikroübungen nicht durch. Und ohne die stetige Übung erfahren wir keine dauerhafte Veränderung‘ (28). Die Autoren bezeichnen diese Menschen als ‚Seescheiden‘ (29) – in Anlehnung an ein bestimmtes Meerestier – ‚die sich an einem Punkt in ihrer Entwicklung festsetzen und sich dort dann gemütlich niederlassen‘ (29). Langwara & Eilert verweisen auf die Neuroplastizität des Gehirns und auf die Lerntheorie von Donald Hebb (30). Sie sehen die Grundlage des neuronalen Lernens darin, dass die Verbindung zwischen Neuronen stärker wird, je häufiger die Neuronen gemeinsam reagieren (30). Das Gehirn funktioniere wie ein Muskel, der je nach Beanspruchung wachse oder schrumpfe (31). Es sei daher nie zu spät, eine neue Gewohnheit aufzubauen (32). Die Autoren benennen vier Quellen der Gewohnheitsetablierung mit dem Akronym OASE (33):

  • ‚Obligatorisch‘ meint die innere Verpflichtung,
  • ‚Attraktiv‘ meint die Erhöhung der Attraktivität durch Vergegenwärtigung des verfolgten Ziels,
  • ‚Struktur‘ meint die Etablierung der Gewohnheit in die Tagesstruktur,
  • ‚Einfach‘ meint die einfache Ausgestaltung der Gewohnheit.

Zur Erhöhung der inneren Verpflichtung empfehlen die Autoren einen ‚Odysseus-Pakt‘, bei dem ein Pakt mit nahestehenden Menschen geschlossen wird, um den sozialen Druck zu erhöhen (37). Dazu wird eine Übung (Micro-Practice) zum ‚Mesource-Odyssues-Pakt‘ (38) geliefert, wozu auch Online-Materialien zum Download (über die Eilert-Akademie) angeboten werden. Die Gewohnheit solle so oft wiederholt werden, bis der maximale Grad an Automatisierung erreicht wurde (40). Zum Abschluss des Kapitels werden zwei Mikrotransferübungen angeboten, z.B.: ‚Achten Sie darauf, wie Sie sich fühlen, nachdem Sie die Gewohnheit aus dem Vertrag durchgeführt haben‘ (40).

Anschließend behandeln die Autoren die emotionale Flexibilität (Kapitel 2). Langwara & Eilert sehen die Folgen von bestimmten Glaubenssätzen – z.B. ‚ein Indianer kennt keinen Schmerz‘ – in der daraus resultierenden ‚Überzeugung, dass es besser für uns und auch andere ist, wenn wir manche Emotionen zulassen und andere möglichst vermeiden‘ (41). Dies führe jedoch zu emotionaler Dissonanz und als Dauerzustand zu großem Stress (42). Das Unterdrücken von Emotionen störe das zwischenmenschliche Miteinander massiv (42) und sei ein Gegenspieler der Resilienz (43). Emotionale Flexibilität bezieht sich auf hierbei auf die Fähigkeit, ‚Emotionen in ihrem Ausdruck willentlich hoch- und herunterregulieren zu können‘ (44, 45) und sei die beste Lösung für emotionale Dissonanz (45). Laut Langwara & Eilert überlebe nicht der Stärkste, sondern der Anpassungsfähigste (45). Die Autoren nehmen an, dass die emotionale Flexibilität trainierbar sei, auch wenn Studien dazu fehlen würden (46). Langwara & Eilert identifizieren acht Teilfähigkeiten (47-54):

  • Gesunde Glaubenssätze über Emotionen
  • Emotionale Achtsamkeit
  • Selbstwahrnehmung
  • Emotionale Unterscheidungsgenauigkeit
  • Emotionsvielfalt
  • Emotionsregulation
  • Nonverbale Ausdrucksflexibilität
  • Mut zur emotionalen Aufrichtigkeit

Anschließend wird das Mimikresonanzmodell der zwölf Primäremotionen behandelt, welche psychische Vorgänge und das Handeln grundlegend beeinflussen (55). Bei Angst, Trauer, Scham und Schuld handle es sich um defensive Emotionen; Freude, Liebe und Interesse seien kooperative Emotionen; und Ärger, Ekel sowie Verachtung seien offensive Emotionen; Interesse sei eine neutrale Emotion und für Stolz würden sowohl positive als auch negative Gefühlsbegriffe verwendet (56). Die Autoren fassen Emotionen als Reaktionen mit einem unbewussten Handlungszweck auf, wobei jede emotionale Reaktion darauf hindeutet, ‚ob ein bestimmtes Motiv gerade verletzt oder erfüllt ist‘ (58). Für Langwara & Eilert gibt es keine positiven oder negativen Emotionen, vielmehr fühlt sich die Emotion angenehm oder unangenehm an, je nach dem, ob das dahinterliegende Motiv erfüllt oder verletzt ist: ‚Es gibt nur Emotionen, die gerade funktional sind, […], und solche, die gerade dysfunktional sind‘ (58). Zum Beispiel fühle sich Angst angenehm an, wenn sie dafür gesorgt hat, ‚dass wir Maßnahmen ergreifen, um uns im Angesicht der Herausforderung sicher zu fühlen‘ (58).

Daraufhin gehen die Autoren auf den Motivkompass ein, ein eigens entwickeltes Modell menschlichen Verhaltens, welches vier neurobiologische Grundmotive darstellt (58, 59):

  • Durchsetzung & Einfluss
  • Ordnung & Stabilität
  • Harmonie & Geborgenheit
  • Inspiration & Leichtigkeit

Diesen Grundmotiven werden die Primäremotionen zugeordnet (61), es werden diverse Motivationssysteme ausgeführt (62, 63) und es wird auf die Motivationsrichtung (Annäherungs- bzw. Vermeidungsmotivation) eingegangen (64, 65). Es folgt ein Exkurs zur Lateralisierung des Gehirns (66, 67). Anschließend wird auf eine Hierarchie emotionaler Ressourcen eingegangen, an deren Spitze die angenehmen Emotionen stehen, gefolgt von emotionalen Super-Ressourcen, emotionalen Alltagsressourcen und schließlich unangenehmen Emotionen (68, Abbildung). Letztere seien jedoch nicht negativ, da sie einer wichtigen Funktion dienten und Ressourcen zur Verfügung stellten (68). ‚Super-Ressourcen‘ würden das Ich-Gefühl mit einbeziehen (70) und die Autoren führen dabei Stolz, Entspannung, Dankbarkeit, Ehrfurcht und Positivresonanz an (70, 71). Diese ‚Super-Ressourcen‘ würden den vagalen Tonus erhöhen und die Harzratenvariabilität fördern (71). Schließlich stellen die Autoren eine Selbstcoaching-Übung bereit (‚Mesource-Meeting‘, 72), um die ‚Super-Ressourcen‘ anhand von fünf Fragen zu aktivieren, wie z.B., ‚Was habe ich heut durch mein Handeln erreicht, auf das ich stolz bin?‘ (73). Abgeschlossen wird das Kapitel mit Mikrotransferübungen sowie einem Selbstcoaching-Tipp (75, 76).

Daraufhin behandeln die Autoren das Thema Herzratenvariabilität (Kapitel 3). Zunächst verdeutlichen Langwara & Eilert das ‚Bedürfniserfüllungsprinzip der Emotionen‘ (77) anhand eines eigens entwickelten ‚Emotions-Generatoren-Modell‘ (77, Abbildung) und sie legen dar, wie es zu blockierten bzw. übersteuerten dysfunktionalen Emotionen kommt (78, 79). Es folgt eine Mikro-Übung zu den ‚Körperlandkarten der Emotionen‘ (82). Es wird auf ‚die Emotionsdreiklänge der zwölf Primäremotionen‘ (84) eingegangen und anschließend werden die einzelnen Primäremotionen behandelt unter Bezug auf Trigger, Funktion und Bedürfnis (87-108). Daraufhin gehen die Autoren auf die Neurobiologie der Resilienz ein, betrachten dabei vor allem den präfrontalen Cortex sowie die Amygdala und halten fest, dass die Ressourcen des präfrontalen Cortex ausschöpfbar sind, die der Amygdala jedoch nicht (110, mit Verweis auf Harper). Um dem entgegenzuwirken, verweisen die Autoren auf den Atem (111). Daraufhin gehen Langwara & Eilert auf das Herz-Hirn-System ein bzw. auf das vegetative Nervensystem mit Sympathikus und Parasympathikus, welche auf die Herzfrequenz einwirken (111-113). Die Herzratenvariabilität gilt als Paramater für die Stress- und Emotionsregulationsfähigkeit einer Person (114). Da der Sympathikus immer aktiv sei, zeige die Herzratenvariabilität ausschließlich die Aktivität des Parasympathikus an (115). Die Wirkkette zwischen präfrontalem Cortex und Herz funktioniere nicht nur ‚top-down‘, sondern auch ‚bottom-up‘, was praktisch bedeute, dass die Aktivität des Steuerungsnetzwerks gesteigert werden kann, indem das Herz in einer bestimmten Frequenz geschlagen lassen wird (116). Das neuroviszerale Resonanzmodell würde beschreiben, wie die Resonanzwirkung zwischen Herz und Hirn genutzt werden kann, um die Resilienz zu steigern (116). Neben dem Baroreflex sei die Atmung die zweite Einflussgröße auf das Herz (116). Die Autoren folgern, dass die Herzratenvariabilität stärker erhöht wird durch Resonanzatmung (etwa in einem Zyklus von zehn Sekunden) (118). Dadurch würde der präfrontale Cortex aktiviert und die Emotionsregulation angeregt (118). Konkret bedeute Resonanzatmung, dass etwa sechs Sekunden aus- und vier Sekunden eingeatmet wird (119), am Besten durch die Nase und tief in den Bauch (120). Außerdem verweisen die Autoren auf eine kostenfreie App zur Messung und zum Training der Herzratenvariabilität mittels Biofeedback und gehen auf die Messerwerte sowie deren Interpretation ein (122-125). Abschließend werden Mikrotransferübungen angeboten (126).

Im folgenden Kapiteln gehen Langwara & Eilert auf das Thema Selbstwert ein (Kapitel 4). Eine Verminderung des Selbstwerts ergebe sich vor allem aus der Verletzung der Grundmotive Harmonie & Geborgenheit sowie Durchsetzung & Einfluss (127). Außerdem spielt der Attributionsstil eine Rolle, der eher selbstwertdienlich oder selbstwertschädigend sein kann (128). Wenn bei einer Selbstwertverletzung keine andere Person in der Nähe ist, die Hilfe spendet, dann spielt bedingungslose Selbstakzeptanz eine große Rolle (129, 130). Zur Stärkung des passiven Selbstwerts wird die Dankbarkeit genutzt als ‚Hauptgenerator für das Grundmotiv Harmonie & Geborgenheit‘ (131). Die Autoren gehen auf ausgewählte Studien zur Dankbarkeit ein (132-134) und bieten mögliche Anleitungen zur Aktivierung und Kultivierung der Dankbarkeit als ‚Super-Ressource‘ (134). Zum aktiven Selbstwert gehört ein ideales Selbstkonzept als Antreiber (137). Dabei ist Durchhaltevermögen entscheidend (138) und vor allem Stolz als ‚Hauptgenerator des Grundmotivs Durchsetzung und Einfluss‘ (139). Stolz sei dann ‚eine Tugend, wenn ich stolz auf die Dinge bin, die ich durch mein Tun erreicht habe und nicht durch mein Sein‘ (141). Auch dazu werden wieder mögliche Anleitungen zur Aktivierung und Kultivierung von authentischem Stolz als ‚Super-Ressource‘ geliefert (144). Abgeschlossen wird das Kapitel mit einer Übung zur ‚High-Five-Technik zur Balancierung der Resilienzachsen‘ (145) anhand des Selbstwerts (146, 147): Zunächst werden wiederholte Momente der empfundenen Selbstwertbedrohung definiert (Schritt 1), dann wird der emotionale Stress skaliert (Schritt 2), daraufhin wird das Selbstwert-Ressourcen-Duo aktiviert und mit der Resonanzatmung verbunden (Schritt 3) und die Synergie des Selbstwert-Ressourcen-Duos wird erspürt (Schritt 4), bevor im letzten Schritt erneut skaliert wird (Schritt 5). Abgeschlossen wird das Kapitel mit Mikrontransferübungen (147).

Im anschließenden Kapitel behandeln die Autoren das Thema kognitive Flexibilität (Kapitel 5). Für diese Fähigkeit seien Wachsamkeit, Anpassungsfähigkeit und Sicherheit entscheidend (149, 150) sowie die Aktivität des präfrontalen Cortex (151). Für das Training seien Sicherheit, Entspannung und Ehrfurcht als emotionale Ressourcen von großer Bedeutung (151). Zum Thema Sicherheit wird ausgeführt, dass die Amygdala bei der Verarbeitung von Informationen eine größere Rolle spielt als der präfrontale Cortex (152). Die (schnellere) emotionale Bewertung sei jedoch fehleranfällig und führe manchmal zu einem falschen Alarm (152,153). Langwara & Eilert fordern dazu auf, das Gefühl der Sicherheit zu kultivieren und sich jeden Tag bewusst zu machen (155) und bieten mögliche Fragen bzw. Anleitungen (Sicherer Ort, Sicherheitssignale, Psychotherapie u.a.). Die Autoren stellen die von ihnen ausgeführten Studienergebnisse auch hier in einer ‚Ressourcen-Impact-Matrix‘ (157) zusammenfassend dar. Als mögliche Fragen bzw. Anleitungen zur Kultivierung der Entspannung verweisen die Autoren auf die Resonanzatmung, einen Wohlfühl-Ort, Enbodiment, Bodyscan, Entspannungsrituale sowie Stille (158, 159). Zu aktiven Entspannung schlagen die Autoren eine Aufgabe für das Gehirn vor, damit es zur Ruhe kommen könne, nämlich die ‚gegenwartsbezogene Achtsamkeit‘ (162), z.B. durch Konzentration auf das ‚Geräusch der Stille‘ (162) oder auf den Atem. Daraufhin gehen Langwara & Eilert auf die Forschungslage zu Ehrfurcht ein (163-165) und fassen die Auslöser für Ehrfurcht anhand eines Akronyms dar (166). Zur Kultivierung von Ehrfurcht werden mögliche Anleitungen angeboten, z.B. durch Vergegenwärtigung einer tugendhaften Person oder von Momenten der Schönheit (der Natur) (168, 169). Abgeschlossen wird das Kapitel mit einer Übung ‚Micro-Practice‘ zur ‚Mesource-High-Five-Technik + BASE‘ (171), wobei das Akronym BASE für eine Basis der Achtsamkeit steht, d.h., der Atem wird als Anker genutzt (breathe), die ‚Super-Ressourcen‘ werden aktiviert (activate), der Körper wird gescannt (scan) und das Gefühl wird umarmt (embrace).

Im folgenden Kapitel widmen sich die Autoren dem Thema Selbstkonzept-Klarheit (Kapitel 6). Diese Fähigkeit wird benötigt, um ‚offen zu sein und sich gleichzeitig abgrenzen zu können‘ (174) und beschreibe das ‚Ausmaß, in dem einzelne Aspekte des Selbstkonzepts sicher definiert […], zeitlich stabil und stimmig zueinander sind‘ (175, mit Verweis auf Campbell). Verachtung und Ekel würden uns darauf hinweisen, was nicht Teil unseres Selbstkonzepts ist (175). Liebe und Freude würden uns signalisieren, ‚mit wem wir positiv resonieren und wer zu uns gehört‘ (175). Als ‚Feinde der Selbstkonzept-Klarheit‘ (175) identifizieren die Autoren eine zu starke oder zu schwache Empathie, ein zu starkes Annehmen oder Ablehnen von Feedback sowie Verlockungen (175, 176). Selbstkontrolle und Positivitätsresonanz werden als ‚Super-Ressourcen‘ aufgeführt (176). Langwara & Eilert schreiben der Selbstkontrolle einen ‚stetigen Selbstverbesserungsfokus‘ (177, 180, mit Verweis auf Cheung und Kollegen) zu. Auch zur Selbstkontrolle stellen die Autoren die grundlegenden sowie ausgewählte aktuelle Forschungsergebnisse anschaulich dar (178). Außerdem werden mögliche Anleitungen zur Kultivierung angeboten, z.B. die Konzentration auf den Atem ‚in Gegenwart von Genussverführern‘ (179). Die Positivitätsresonanz bezieht sich auf ‚das positive Mitschwingen mit dem Glück der anderen Person‘ (181). Langwara & Eilert sprechen hier auch von einer ‚milden Form‘ (182) der Liebe. Als mögliche Anleitungen werden u.a. verschiedene Meditationen aufgeführt (182-184). In einem Exkurs beleuchten die Autoren die ‚Schattenseite der Empathie‘ (185) und gehen darauf ein, dass sie unmoralisch sei, da wir uns u.a. eher in Personen einfühlen, die uns ähnlich seien (186). Außerdem führe Empathie zu Burnout (187, 188). Während die affektive Empathie aufgrund einer fehlenden Distanzierung zu den Gefühlen der anderen Person zu verfälschten Moralentscheidungen und Empathiemüdigkeit führe, sei dies bei der kognitiven Empathie nicht der Fall, wo von einer ‚distanzierten Anteilnahme‘ (188) gesprochen wird. Abgeschlossen wird das Kapitel mit einer Übung zur ‚High-Five-Technik zur Balancierung von übermäßigem Genuss‘ (189).

Im vorletzten Kapitel behandeln Langwara & Eilert das Thema ‚Growth-Mindset‘ (Kapitel 7). Unter Verweis auf die Neuroplastizität des Gehirns bezeichnen die Autoren das ‚Growth-Mindset‘ als ‚das Bewusstsein und die Überzeugung, dass unsere Fähigkeiten, Emotionen und Eigenschaften veränderbar sind‘ (192, mit Verweis auf Sarrasin und Kollegen). Das ‚Fixed-Mindset‘ meint im Gegenzug ‚die Überzeugung, dass viele Fähigkeiten angeboren und Eigenschaften wie Lernbegabung nicht veränderbar sind‘ (192), was mit einer fehlenden Motivation, Misserfolge zu korrigieren, einhergehe (193). Innerer Frieden sowie ‚Flow‘ stellen die ‚Super-Ressourcen‘ des ‚Growth-Mindset‘ dar (195). Auch hier werden wieder mögliche Anleitungen zur Kultivierung von inneren Frieden angeboten, wie z.B. die bereits eingeführten BASE-Techniken (198, 199). Ein Flow-Zustand geht damit einher, dass ‚eine Person voll in einer Tätigkeit aufgeht, dabei die Zeit und das Selbst vergisst‘ (199). Auch dazu werden wieder mögliche Anleitungen angeboten (202, 203). Abgeschlossen wird das Kapitel mit einer Übung (Micro-Practice) zur ‚Ressourcen-Rotations-Meditation‘ (204, 205).

Im letzten Kapitel befassen sich Langwara & Eilert mit der ‚Mesource-Minute‘ (Kapitel 8). Hier erfolgt eine Rekapitulation der bewältigten Etappen (207, 208). Die Selbstcoaching-Übungen dienen dazu, ‚die jeweiligen Resilienzachsen bei einem Ungleichgewicht zu balancieren‘ (208), während die jeweiligen Mikrotransferübungen als komplementäres Emotionscoaching der generativen Ressourcenstärkung dienen (208). Die Aktivierung der ‚Super-Ressourcen‘ würde mit Selbstcoaching-Techniken kombiniert, die das frontoparietale Netzwerk und die Herzratenvariabilität stärken würden (209). Haupttechnik sei dabei die Resonanzatmung (209). Bei der ‚Mesource-Minute‘ handelt es sich um eine integrative Selbstcoaching-Technik, bei der alle bisherigen Erkenntnisse zusammengefasst würden (209). Dies wird ausgeführt und anhand eines Beispiels erläutert (211).

Im Schlusswort wird ‚der Weg des Mesourcerers‘ (213) beschrieben und es wird das Bild einer Person gezeichnet, die ‚Mesource‘ in ihr Selbstbild integriert haben (213). Der Anhang enthält Angaben zur Ausbildung zum ‚Mesource-Coach‘, ein Abbildungsverzeichnis sowie Literaturempfehlungen in eigener Sache und einen Link zur Literaturliste.

Diskussion

Nach einer ausführlichen Einführung behandeln die Autoren die verschiedenen Etappen des Resilienz-Trainings. Diese beinhalten stets eine prägnante Einführung, meist werden hier grundlegende Experimente zu einem Thema anschaulich dargestellt, gefolgt von einer Zusammenfassung ausgewählter Ergebnisse der aktuellen Forschung. Daran anschließend werden häufig die entsprechenden Modelle auf einfache und verständliche Art erläutert – gerne anhand von Akronymen. Abgeschlossen werden die Kapitel mit Selbstcoachings-Übungen sowie Mikrotransferübungen. Die Ausführungen werden außerdem aufgelockert durch anschauliche Abbildungen. Langwara & Eilert erreichen eine Hohe Dichte an fachwissenschaftlichen Informationen und schaffen es jedoch durch eine anschauliche Aufbereitung sowie durch stellenweise humorvolle Bemerkungen, diese abzumildern.

Unüberhörbar ist ein gewisser Druck zur Selbstoptimierung, wenn gleich im ersten Kapitel diejenigen als Meeresbewohner betitelt werden, die sich nicht mehr weiter entwickeln (29). Dem entspricht schließlich auch die Darstellung zur Selbstkontrolle, der ein stetiger ‚Selbstverbesserungsfokus‘ (177) zugewiesen wird. Hierzu ließe sich anmerken, dass die Fähigkeit zur Selbstkontrolle nicht nur für adaptives sondern auch für maladaptives Verhalten eingesetzt werden kann (z.B. aufgrund der Gruppenzugehörigkeit zu rauchen, obwohl es der Person nicht schmeckt). Jedoch stehen solche Selbstoptimierungs-Tendenzen der Coaching-Szene nicht schlecht an und wer sich nicht daran stört, der findet hier eine Fülle an hilfreichen Techniken. Insbesondere die Technik der Resonanzatmung scheint ein sehr vielversprechender Kandidat für einen weitreichenden Einsatz zu sein.

Fazit

Ein Coaching-Konzept, das sich sowohl an Coaches als auch deren Klientinnen und Klienten richtet, mit überzeugenden Übungen aus dem Bereich der Positiven Psychologie, durchaus auch interessant für den Bereich der Beratung und der Therapie.

Rezension von
Dr. Philipp Thaler
Pädagoge an der Frühförderung Kinderhilfe Treuchtlingen / Verein für Menschen mit Körperbehinderung Nürnberg e.V., in Ausbildung zum psychologischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten am IVS in Fürth.
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Es gibt 10 Rezensionen von Philipp Thaler.

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Zitiervorschlag
Philipp Thaler. Rezension vom 02.02.2024 zu: Ruben Langwara, Dirk W. Eilert: Die Kraft unserer Emotionen. Resilient und stressfrei mit Mesource. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2022. ISBN 978-3-7495-0151-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30670.php, Datum des Zugriffs 21.02.2024.


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