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Carola Klöck: Seminare in der politikwissenschaftlichen Lehre gestalten

Rezensiert von Dr Theresa Hilse-Carstensen, 12.01.2024

Cover Carola Klöck: Seminare in der politikwissenschaftlichen Lehre gestalten ISBN 978-3-7344-1568-5

Carola Klöck: Seminare in der politikwissenschaftlichen Lehre gestalten. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2023. 63 Seiten. ISBN 978-3-7344-1568-5. D: 11,90 EUR, A: 12,30 EUR.
Reihe: Wochenschau Politik. Kleine Reihe Hochschuldidaktik.

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Inhaltsverzeichnis bei der DNB.

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Thema

Politikwissenschaftliche Lehre sowohl fachlich aktuell als auch interessant und vor allem interaktiv zu gestalten, kann eine Herausforderung für Dozierende sein. Dennoch lebt Hochschullehre vom Austausch, der Diskussion und der Mitarbeit Studierender vor allem im Kontext des Seminars. Mit dem 62 Seiten starken Heft möchte Carola Klöck Anregungen und Tipps zur Planung und Durchführung politikwissenschaftlicher Seminare geben und benennt dabei verschiedene Seminarformen.

Entstehungshintergrund

Das Heft gehört zur „kleinen Reihe Hochschuldidaktik“ vom Wochenschau Verlag und verbindet aktuelle Kenntnisse der Fachdidaktik Politik mit denen der allgemeinen Hochschuldidaktik. Als Zielgruppe werden Dozierende angesprochen.

Autorin

Dr. Carola Klöck ist Assistenzprofessorin am Centre for International Research der Sciences Po Paris (Angaben des Verlags).

Aufbau

Das Heft gliedert sich in sieben Kapitel:

  1. Einleitung
  2. Das Seminar in der Politikwissenschaft
  3. Planung und Vorbereitung
  4. Durchführung
  5. Seminarformen
  6. Schluss
  7. Literatur

Eine Danksagung bildet den Abschluss.

Inhalt

Die Einleitung beginnt mit der Frage, wie es Dozierenden gelingt, dass sich alle (oder fast alle) Studierenden am Seminar beteiligen (können). Angesprochen werden auch die möglichen Unsicherheiten von Lehranfänger:innen ein Seminar zu strukturieren, Impulse zu geben und zur Diskussion anzuregen, damit sich Studierende „aktiv und interaktiv ein neues Themengebiet erschließen“ (S. 5) können.

Im zweiten Kapitel wird beschrieben, wie zentral das Seminar als Veranstaltungsformat im politikwissenschaftlichen Studium ist. Der „Fokus auf aktives Lernen […] macht das Seminar im Prinzip zum idealen Lernraum“ (S. 8). Anspruch und Maßstab zum Erfolg von Seminaren sollte die Motivation zum aktiven Lernen sein, d.h. dass Studierende sich vorbereiten, ihre Fragen einbringen und sich an Diskussionen beteiligen. Dieser „Maßstab“ sieht in der Hochschulpraxis oftmals ganz anders aus: Die Mehrzahl der Studierende nimmt passiv am Seminar teil, ein kleiner Teil diskutiert mit dem/der Dozent:in. Dabei möchten sich Studierende an Seminaren beteiligen, wie die Autorin anhand von Studien belegt. Wie es gelingen kann, die stillen Studierenden zur aktiven Teilnahme zu bewegen, diskutiert Carola Klöck anschließend.

Mit dem Fokus auf aktives Lernen und Beteiligung im Seminar ändert sich die Rolle der Lehrenden von Personen, die sämtliches Fachwissen in sich vereinen zu Personen, die Orientierung geben und Lernprozesse moderieren.

Das dritte Kapitel „Planung und Vorbereitung“ wird in zwei Teile gegliedert: 1. Vorbereitung auf Dozierendenseite und 2. Vorbereitung auf Studierendenseite. Im ersten Teilkapitel werden folgende Themen angesprochen:

  • Ziele für Seminare definieren, sowohl bezogen auf Wissenserwerb als auch auf methodische Kompetenzen
  • Rahmenbedingungen klären
  • Seminarinhalte festlegen und Themen fokussieren
  • Raum für die Fragen und Themen der Studierenden reservieren
  • Auswahl der Lernformate entsprechend der Rahmenbedingungen sowie der Lernziele und Einsatz verschiedener Lernformate

Die Autorin erläutert diese Punkte beispielhaft an einem eigenen Seminar zum Thema „Kleine Staaten in der internationalen Politik“.

Das zweite Teilkapitel, mit Blick auf die Studierendenseite, bezieht sich in der Unterüberschrift auf „Studierende zum Lesen bringen“ und setzt damit den Fokus auf die Notwendigkeit der Seminarvorbereitung durch Studierende. Die Autorin benennt zwei zentrale Fragestellungen für diese Kapitel: Wie bringt man Studierende zum Lesen und welche Texte sind geeignet? Bzgl. der Eignung von Seminarlektüre verweist die Autorin darauf, die Ziele des Seminars zu berücksichtigen. Ein Grundlagentext oder ein Text aus einer aktuellen Fachzeitschrift hilft disziplinäre Perspektiven und aktuelle Debatten zu verstehen, während ein aufbereiteter Text, wie in einem Lehrbuch, leichter lesbar und für die Wissensvermittlung eher geeignet ist. Damit die Texte auch gelesen werden, braucht es seitens der Studierenden die Kompetenz zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Lektüre und die Motivation dazu. Hierfür ist es hilfreich, anfangs über den eigenen Zugang zu Literatur zu sprechen und das „warum“ zu klären: Warum ist es sinnvoll zu lesen? Die Autorin beschreibt einen weiteren Zugang zu wissenschaftlichen Texten. Texte können im Seminar sequenziell durchgegangen werden. Die Studierenden arbeiten heraus, was der Inhalt des Abschnitts ist und was der Zweck dieses Abschnitts bspw. für die Gesamtargumentation bedeutet. Auf diese Weise können sich Studierende die Argumentationsstruktur und Struktur wissenschaftlicher Texte erschließen. Weiterhin kann insb. zu Beginn des Studiums auch mit Leitfragen zum Text gearbeitet werden, um Studierende dabei zu unterstützen, die zentralen Argumente zu identifizieren. Eine weitere Anregung zum wissenschaftlichen Lesen sind „Lesetandems“ zwischen Studierenden.

Insgesamt vertritt die Autorin die Meinung, dass Studierende vorbereitet zu den Seminaren erscheinen und Texte lesen, wenn die Literatur im Seminar aufgegriffen und diskutiert wird.

In Kapitel vier wird die Durchführung von Seminaren beschrieben und gleich zu Beginn betont, dass im Seminar das Klima eines „focused Settings“ hergestellt werden sollte. Ein Setting, bei dem erwartet wird, dass alle teilnehmen und sich u.a. an Diskussionen beteiligen. Dies ist eine Aufgabe für die erste Seminarsitzung. Um von vornherein eine interaktive Atmosphäre zu kreieren, skizziert die Autorin verschiedene Beispiele. Im zweiten Unterkapitel wird das Thema Gruppenarbeiten angesprochen. Die Autorin berichtet aus ihren Erfahrungen und stellt verschiedene Formate von Gruppenarbeiten vor. Eines davon ist das Gruppenpuzzle. Hier werden Themen in Kleingruppen erarbeitet, die Kleingruppen werden dann erneut gemischt, sodass jedes Thema durch eine:n Studierende:n in der Kleingruppe vertreten wird. Die Anregung der Autorin ist, einen abwechslungsreichen Seminarplan zu erstellen. Das dritte Unterkapitel beschäftigt sich mit Möglichkeiten, die aktive Teilnahme von Studierenden anzuregen.

Im fünften Kapitel werden vier verschiedene Seminarformen beschrieben:

  1. Das „klassische“ Referate-Seminar
  2. Das Blockseminar
  3. Das Projektseminar
  4. Das Online-Seminar

Am Beispiel des Referate-Seminars stellt Carola Klöck verschiedene interaktive Varianten vor, wie die Referate in den Seminarablauf eingebunden werden können, ohne dass nur die Referierenden vom themenspezifischen Wissenszuwachs profitieren und alle anderen Teilnehmer:innen abschalten. Sie beschreibt bspw. dass Referate auch als Postersession präsentiert werden können oder man verschiedene Referatsthemen als Panel zusammenfasst, welches die Studierenden selbst moderieren.

Projektseminare zeichnen sich nach Klöck vor allem durch den vielfältigen Erkenntnisgewinn seitens der Studierenden aus. Projektbasiertes oder forschendes Lernen erfordert seitens der Dozierenden jedoch eine kontinuierliche und aufmerksame Begleitung.

Diskussion

Ausgangspunkt für die Argumentation sind (Lektüre-)Seminare im politikwissenschaftlichen Studium. Die Autorin berichtet von ihren Erfahrungen und nutzt hochschuldidaktische Literatur, um Tipps und Hinweise für eine interaktive Seminargestaltung zusammenzustellen. Auch wenn der Fokus auf der Politikwissenschaft liegt, so ist eine Übertragbarkeit auf Seminare im sozialwissenschaftlichen Studium durchaus gegeben. Carola Klöck bezieht sich auf allgemeine didaktische Aspekte oder Lehrmethoden, die auf Seminarformen anderer Disziplinen übertragbar sind.

Das zentrale Anliegen von Carola Klöck ist es, anzuregen, Seminare möglichst interaktiv zu gestalten und dabei Zeit zur Diskussion von Themen oder der Reflexion von Lernerfahrungen einzuräumen. Dies erinnert bspw. an den Action-Learning-Cycle (hier für das Lernen in Teams beschrieben: https://www.skala-campus.org/artikel/​action-learning-cycle/). Aktives Lernen im Seminarkontext anzuregen, erfordert eine andere Rolle von Lehrpersonen. Klöck beschreibt diese neue Rolle vor allem für Lehranfänger:innen als herausfordernd, weil Lehrende spontan und moderierend auf die Gruppe reagieren müssen. Außerdem können Seminarverlauf und der Ablauf von Gruppenaufgaben nur schwerlich getaktet werden. In diesem neuen Rollenverständnis kann aber auch die Chance liegen, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Lehrende können mit jedem Seminar und mit jeder Gruppenaufgabe von den Studierenden lernen. Auch sie sind in Bezug auf Lehr- und Lernprozesse stets lernende Akteure.

Die Ausgabe „Seminare in der politikwissenschaftlichen Lehre gestalten“ der kleinen Reihe Hochschuldidaktik eignet sich sowohl für Dozierende, die gerade beginnen Seminare vorzubereiten, als auch für erfahrene Dozierende, die ihr Wissen hiermit in einer kompakten Form auffrischen können.

Fazit

Kurz und knapp, aber ergiebig. Carola Klöck versammelt inspirierende Tipps zur interaktiven Gestaltung von Seminaren in der Hochschullehre, die sowohl für erfahrene Dozent:innen, als auch für Lehranfänger:innen von Interesse sein dürften.

Rezension von
Dr Theresa Hilse-Carstensen
Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin (FH)
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Es gibt 8 Rezensionen von Theresa Hilse-Carstensen.

Kommentare

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Zitiervorschlag
Theresa Hilse-Carstensen. Rezension vom 12.01.2024 zu: Carola Klöck: Seminare in der politikwissenschaftlichen Lehre gestalten. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2023. ISBN 978-3-7344-1568-5. Reihe: Wochenschau Politik. Kleine Reihe Hochschuldidaktik. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30709.php, Datum des Zugriffs 28.02.2024.


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