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Wichard Woyke (Hrsg.): Verbände. Eine Einführung

Rezensiert von Prof. Dr. Josef Schmid, 11.10.2005

Cover Wichard Woyke (Hrsg.): Verbände. Eine Einführung ISBN 978-3-89974-151-3

Wichard Woyke (Hrsg.): Verbände. Eine Einführung. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2005. 141 Seiten. ISBN 978-3-89974-151-3. 8,80 EUR.
Reihe: Einführung Politik
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Thema

Verbände, Interessengruppen oder neuerdings auch Nongovernmental bzw. Nonprofit Organisationen spielen in modernen Gesellschaften und in der Politik eine wichtige Rolle. Dabei verändern sich ihre Strukturen, Handlungsformen und Funktionen, je nach dem, welches Feld oder welchen Zeitraum man betrachtet. Daher greift der Band den Wandel auf, dem die Verbände durch die Globalisierung der Ökonomie, sozialstruktukurellen Veränderungen und politischen Verschiebungen durch die deutsche Einheit und die europäische Integration unterliegen.

Aufbau und Inhalt

Der Sammelband enthält neben einer knappen Einleitung des Herausgebers fünf Beiträge zu einzelnen Aspekte des Verbändewesens.

  1. Klaus Schubert beleuchtet die theoretischen Ansätze der Forschung. Das Verhältnis zwischen Staat und Verbänden ist seit dem Ende der 70er Jahre vor allem mit dem Konzept de Neokorporatismus analysiert worden. Hier wird von einer engen Kooperation zwischen beiden ausgegangen, von politischem Tausch und von einer gewissen Zentralisierung der Organisationen. Die Konzertierte Aktion ist in Deutschland ein typisches Beispiel dafür. Schubert greift zudem die Ausdifferenzierungen und Änderungen des Konzepts auf und betont abschließend die stärkere Pluralisierung der Verbände und Politik. Hierfür sind netzwerktheoretische Ansätze besser geeignet.
  2. Gewerkschaften bzw. Arbeitnehmerorganisationen, die von Christoph Strünck behandelt werden, gehören bekanntlich zu den großen Verbänden. Sie verfügen über ein breites Spektrum an Einflußmöglichkeiten, die von Lobbying, Mobilisierung der Öffentlichkeit über Bündnisse mit Parteien bis hin zur Mitarbeit in staatlichen Gremien reichen. Zugleich betont er die Schwierigkeiten, die sich im Gefolge des sozioökonomischen Wandels einstellen, und für die die Stichworte Mitglieder-, Repräsentations- und Funktionsverlust stehen.
  3. Mit dem Gegenpart, den Arbeigeberverbänden, beschäftigt sich Wolfgang Schroeder. Er rekonstruiert deren historische Entwicklung und deren zentrale Rolle für die Gestaltung der Tarifautonomie. Aber auch hier sind durch Verschiebungen der Branchen- und Größenstukturen sowie die deutsche Einheit "weiße Flecken" in der unternehmerischen Verbandslandschaft entstanden. Mit Öffnungs- und Kündigungsklauseln sowie dem Aufbau von verbandlichen Strukturen ohne tarifpolitische Funktionen wird versucht, die Mitgliederentwicklung zu stabilisieren. Ob sich damit das deutsche Modell der Industriellen Beziehungen halten lässt, ist jedoch eine offene Frage.
  4. Als "Prototyp" des schon erwähnten Korporatismus gilt das Gesundheitswesen, das von Nils Bandelow dargestellt wird. Die Verbände der Ärzte und die Krankenkassen sind für die Regulierung diese Feldes wichtig, was sich bei allen Gesundheitsreformen deutlich gezeigt hat. Weniger relevant sind hingegen die Patientenverbände. Im Rahmen der Selbstverwaltung sind ferner die Tarfiparteien eingebunden. Neuerdings gewinnen parteipolitische Kalküle, Marktmechanismen bei der Leistungserbringung sowie Ansätze einer direkten staatlichen Intervention an Bedeutung.
  5. Auf die Besonderheiten der Interessenvermittlung im europäischen Mehrebenesystem gehen Michèle Knodt und Christine Quittkat ein. Das politische System und der Politikprozeß der EU sind im Vergleich zu den Nationstaaten stärker fragmentiert und in vielen Fragen sind diese immer noch die wichtigsten Adressaten von Forderungen. Zudem sind die Verbände in den einzelnen Mitgliedsländern zumeist unterschiedlich strukturiert, sodass eine europäische Aktion Schwierigkeiten bereitet bzw. seine Besonderheiten aufweist. Besonders der Bereich der Wirtschaftsinteressen ist mittlerweile gut auf der europäischen Ebene organisiert, was einerseits einer Folge des gemeinsamen Binnenmarkts ist, andererseits aber auch auf Versuche der Kommission beruht, die sich durch die Einbindung der Verbände - hier der Tarifparteien - ein Gewinn an Macht gegenüber den Nationalstaaten und an Legitimation bei der Bevölkerung verspricht.

Fazit

Insgesamt führt der Sammelband gut in die Problematik der Verbände ein, arbeitet exemplarisch die wichtigsten Aspekte auf und spricht durch die klare Struktur, die gute Lesbarkeit und den relativ geringen Umfang eine breite Zielgruppe - Lehrer, Studierende, politische Interessierte etc. - an.

Rezension von
Prof. Dr. Josef Schmid
Professor für Politische Wirtschaftslehre und Vergleichende Politikfeldanalyse an der Universität Tübingen, lehrt und forscht über Wohlfahrtsstaaten, Arbeitsmarktpolitik und Bürgerschaftliches Engagement in den Bundesländern. Er ist derzeit hauptamtlicher Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.
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Es gibt 19 Rezensionen von Josef Schmid.

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Zitiervorschlag
Josef Schmid. Rezension vom 11.10.2005 zu: Wichard Woyke (Hrsg.): Verbände. Eine Einführung. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2005. ISBN 978-3-89974-151-3. Reihe: Einführung Politik. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3073.php, Datum des Zugriffs 05.10.2022.


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