Felicitas Bergmann, Delphine Bergmann: Kreativ mit Krimskrams
Rezensiert von Dipl. Soz.-Arb. Annegret Sirringhaus-Bünder, 16.09.2025
Felicitas Bergmann, Delphine Bergmann: Kreativ mit Krimskrams. Besondere und alltägliche Gegenstände für mehr Impact in der Kindertherapie und Elternberatung. Verlag modernes lernen Borgmann GmbH & Co. KG. (Dortmund) 2022. 288 Seiten. ISBN 978-3-8080-0912-3. D: 21,95 EUR, A: 22,60 EUR, CH: 35,60 sFr.
Das Thema
In dem Buch beschreiben die beiden Autorinnen eine Fülle kreativer „Ideen rund um den Einsatz von Gegenständen in der Psychotherapie und Beratung“, vor allem von Kindern und deren Eltern. Anhand von Übungsimpulsen und Fallbeispielen verdeutlichen sie die Anwendung und Wirkung sog. Impacttechniken, die „über die Ansprache verschiedener Sinneskanäle besonders geeignet sind, (…) an den vorhandenen Interessen unserer Klienten (anzuknüpfen), durch ungewöhnliche Fragen Neugier zu wecken und (…) sich durch das Aktivieren von Emotionen besonders gut im Gedächtnis (verankern).“ (S. 9)
Autor:innen
Dr. Felicitas Bergmann ist Diplom-Pädagogin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (Verhaltenstherapie). Sie studierte Erziehungswissenschaften und promovierte in Marburg, arbeitet in eigener Praxis mit den Behandlungsschwerpunkten ADHS, psychische Verhaltensstörungen bei einer Intelligenzminderung oder Hochbegabung. Zusätzlich arbeitet sie als Dozentin zu diesen Themen.
Delphine Bergmann ist Kinder- und Jugendlichentherapeutin (Verhaltenstherapie), studierte Sozialpädagogik und Soziale Arbeit in Berlin. Aktuell ist sie angestellt als Psychotherapeutin in der ambulanten Versorgung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien in einem medizinischen Versorgungszentrum in Kooperation mit Kinder- und Jugendpsychiaterinnen sowie Kinderärztinnen. Sie ist darüber hinaus als Dozentin tätig.
Aufbau
Das vorliegende Buch gliedert sich nach einer Einleitung „Einige Hinweise vorab“ in neun Kapitel und ein Bonuskapitel, überschrieben mit „Das Meer der Gefühle“ – eine kreative therapeutische Reise, sowie ein Literatur- und ein Stichwortverzeichnis.
- Kreativität und Krimskrams
- Aus dem Büro
- Aus der Küche
- Aus dem Kinderzimmer
- Allerlei Krimskrams
- Besondere Gegenstände und Gadgets
- Technik- und Physikgadgets
- Naturmaterialien
- Gesellschaftsspiele
Inhalt
In ihren „Hinweisen vorab“ geben die Autorinnen einen kurzen Überblick über den Inhalt und das Ziel des Buches: “Dieses Buch soll keine Schritt-für-Schritt-Anleitung für konkrete therapeutische Interventionen im Sinne eines Manuals sein. Wir möchten nicht nur unsere Ideen teilen, sondern auch dazu ermutigen, eigene, auf die Patienten zugeschnittene Übungen zu entwickeln“ (S. 9).
Im 1. Kapitel „Kreativität und Krimskrams“ – „‚Houston, wir haben ein Problem‘ – Was Kreativität mit Problemen zu tun hat“ definieren die Autorinnen Probleme“ als „den wahren Motor für die Produktion von neuen Ideen!“ Kreativität ermöglicht es eher, auch „das Ungewöhnliche in Betracht (zu ziehen) (…), bisherige Lösungen zu hinterfragen sowie offen zu sein für neue Erfahrungen“. Um die Kreativität der Patienten zu fördern, empfehlen sie drei Leitsätze ihrer therapeutischen Haltung: „Trau dich, kreativ zu sein! Trau dich zu scheitern! Sei ein unperfektes Vorbild mit Ecken und Kanten!“ (S. 15 ff.) Sie betonen die Bedeutung einer sicheren, vertrauensvollen und offenen Atmosphäre in der Therapie und empfehlen, selbst ein Vorbild zu sein für den offenen Umgang mit Ideen, humorvoll auch mit den eigenen Schwächen umzugehen, Konflikte als Herausforderung zu betrachten, Arbeitsbündnisse unbedingt auf Augenhöhe zu etablieren, selbst neugierig auf andere Sichtweisen zu sein und abweichende Meinungen zu akzeptieren.
Um selbst kreativ mit Krimskrams zu werden empfehlen sie, Ideen und Inspiration aus dem zu ziehen, was in der Nähe greifbar ist oder was man in anderen Kontexten, wie auf dem Flohmarkt, in der freien Natur, im Internet, z.B. in Bilddatenbanken, Kreativ- und Do-it-yourself-Portalen finden kann. Auch assoziative Techniken, wie spontane Einfälle zu bestimmten Gegenständen können hilfreich sein, ebenso Sprichwörter, Redewendung und Metaphern oder auch einen Gegenstand aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und das Hypothetische mit in Betracht zu ziehen!
Ab dem 2. Kapitel beschreiben die Autorinnen detailliert, wie ganz normale Gegenstände aus den verschiedenen Bereichen kreativ in der Therapie genutzt werden können. Jedes Kapitel ist mit Piktogrammen gekennzeichnet, die angeben, für wen genau dieses Material und Vorgehen geeignet ist:
- Für die Arbeit mit jüngeren Kindern
- Für die Arbeit mit Jugendlichen (ab ca. 12 Jahre) und Erwachsene
- Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen
- Für die Arbeit mit Bezugspersonen, Eltern oder Paaren
- Für die Arbeit mit Familien
- Für die Arbeit mit Gruppen
- Für Interventionen per Video
Aus der Art der Beschreibung wird jeweils deutlich, welches Ziel und welche Einsatzmöglichkeiten mit dem Einsatz eines bestimmten Gegenstandes verfolgt werden kann. Tabellarische Übersichten zeigen, was die mögliche (symbolische) Bedeutung einer bestimmten Handlung oder eines Gegenstandes sein kann und welche Gesprächsimpulse darin stecken.
Diskussion
Die Fülle von Ideen scheint grenzenlos zu sein! Gleichzeitig bieten die Autorinnen für alle ihre Ideen und Materialien, die sie nutzen, eine klare Struktur für deren Einordnung und Anwendung an. So kann das Buch tatsächlich als Nachschlagewerk für die ganz praktische Vorbereitung von Beratungs- und Therapiesitzungen genutzt werden. Sie berücksichtigen dabei alle Phasen der Beratung und Therapie! Auch kreative Formen der Psychoedukation kommen dabei nicht zu kurz. Sie zeigen, dass Therapie und Beratung nicht langweilig sein müssen, sondern eindrücklich, fantasievoll, kreativ und vor allem verständlich, auch wenn es um die Übermittlung von Untersuchungs- oder Testergebnissen geht.
Fazit
Ich kann dieses Buch allen Personen empfehlen, die sich für eine lebendige, fantasievolle Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen, Eltern oder Teams interessieren. Es kann bereits Menschen in der Ausbildung zu einem beratenden, therapeutischen oder pädagogischen Beruf unterstützen, um weiter, breiter und kreativer zu denken. Es ist für Praktikerinnen und Praktiker eine großartige Ideenquelle, ebenso, wenn es um die kreative Gestaltung von Teamgesprächen oder Fallbesprechungen in der Supervision geht!
Rezension von
Dipl. Soz.-Arb. Annegret Sirringhaus-Bünder
Dpl. Sozialarbeiterin, Supervisorin (DGSF), Lehrende für systemische Beratung und –Therapie (DGSF), MarteMeo-Licensed Supervisor, freie Praxis für Fort- und Weiterbildung, Supervision und Coaching, Einzel-, Paar-, und Familienberatung in Brühl /Rhld.
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