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Dorothea Beigel: "Willibald im Willi-Wald"

Rezensiert von Ulrike Ziemer, 24.11.2025

Cover Dorothea Beigel: "Willibald im Willi-Wald" ISBN 978-3-942976-30-5

Dorothea Beigel: Bilderbuch. Verlag modernes lernen Borgmann GmbH & Co. KG. (Dortmund) 2022. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. 24 Seiten. ISBN 978-3-942976-30-5.

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Thema

Das Praxis-Set „Kita und Schule – ein starkes Team“ setzt sich mit dem Themenbereich der pädagogischen Förder-Beobachtung von Kindern im Vor- und Grundschulalter auseinander. Kernbegriffe sind hier „Beobachten – Erkennen – Planen – Handeln“. Das Set besteht aus einem Handbuch, einem Bilderbuch, Kopiervorlagen und Downloadmaterialien.

Autorin

Die Fachbuchautorin Dorothea Beigel hat Sozialpädagogik, Pädagogik und im Aufbaustudium Motologie und Psychologie studiert. Sie hat langjährige Schulerfahrung an Grund-, Förder- und Berufsfachschulen. Die Abteilung für neurophysiologische Kindesentwicklung im staatlichen Schulamt wurde 10 Jahre von ihr geleitet. Weiterhin war sie 10 Jahre im hessischen Kultusministerium tätig. Frau Beigel lehrt als Dozentin/​Gastdozentin an Hochschulen und leitet Seminare für Pädagoginnen und Therapeutinnen.

Aufbau und Inhalt

  • Vorwort

Das Vorwort wurde von Alexander Jordan, Leiter der Zentralstelle für Schulsport und Bewegungsförderung (ZFS) an der Hessischen Lehrkräfteakademie, verfasst. Er beschreibt die Bedeutsamkeit des Zusammenspiels von Beobachtung und dem Erkennen von Entwicklungschancen. Die von Frau Beigel dargelegte Verknüpfung von Beobachtung und Förderung wird als wesentlich für die Entwicklungsunterstützung in Kindergarten und Schule angesehen. Eine besondere Herausforderung liegt hier im Miteinander der unterschiedlichen Institutionen.

  • Einführung

Der Ursprung des vorgestellten spielerischen Beobachtungsverfahrens liegt in der diagnostischen Einzeltestung. Ziel ist es, durch gezielte Beobachtungen Stärken und eventuelle Förderbereiche zu entdecken und Kindern Bildungschancen zu geben. Durch das Zusammenwirken von Kindergarten und Schule können Bildungsübergänge gelingen. Die Einbeziehung der Eltern ist bedeutsam.

  • Kapitel 1 – Hand in Hand ins Bildungsland

Das Kapitel betrachtet die Vorläuferkompetenzen von Lesen, Schreiben und Rechnen. Damit diese sich entwickeln können, werden Fundamente benötigt. Drei Schaubilder zeigen anschaulich, wie Entwicklungsbausteine aufeinander aufbauen und die Basis für die jeweiligen Kompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen bilden. Die Förderbeobachtung ist einsetzbar im Elementarbereich, im Einschulungsverfahren, im Grund- und Förderschulbereich (Klasse 1–3) und zum Teil auch beim Übergang in die weiterführenden Schulen (Klassen 4–6).

  • Kapitel 2 – Pädagogische Förder-Beobachtung im Elementar- und Grundschulbereich

Die pädagogische Förder-Beobachtung hat die Beobachtung und die Förderung im Auge. Ein Schaubild verdeutlicht dies. Die Durchführung der pädagogischen Beobachtung wird im Detail beschrieben. Hierbei wird unterschieden zwischen den Beobachtungsaufgaben, der personellen Besetzung, dem Material, dem Raum und dem Zeitbedarf. Es ist wesentlich, diese Punkte vor einer Beobachtungssituation zu bedenken. Im Bereich der Personen muss zum Beispiel bedacht werden, dass eine Spielleiterin und eine oder auch mehrere Beobachterinnen benötigt werden. Außerdem ist das im Handbuch beschriebene Material erforderlich, zu dem auch die Handpuppe „Zwerg Willibald“ gehört. Die Ziele beziehen sich unter anderem auf Rückmeldungen zur bisherigen Arbeit mit Ansatzpunkten zu einer entwicklungsgerechten Förderung für die Gruppe und das einzelne Kind. Hervorgehoben wird die Bedeutung für die Kooperation der Institutionen Kindergarten und Schule und die Zusammenarbeit mit den Eltern.

  • Kapitel 3 – Praktische Umsetzung – es geht los!

Es beginnt mit der Betrachtung des Bilderbuches „Willibald im Willi-Wald“. In diese Bilderbuchbetrachtung sind viele Aktionen eingebaut, die differenzierte Beobachtungsmöglichkeiten anbieten. Spielleitung und Beobachter müssen genau wissen, welche Aktivitäten angeregt werden sollen und was beobachtet werden soll. Als Hilfe gibt es genaue Beschreibungen des Spielablaufs.

  • Kapitel 4 – Auswertung der Beobachtungen

Differenzierte Beobachtungsbögen zu den Bereichen: Bilderbuchbetrachtung, Malen, Begrüßung und zu den Spielstationen: Willi-Spruch auf den Steinen, Kriechen in Bauchlage, geheime Zeichen legen, beidbeiniges Hüpfen, Stehen-Lauschen, Kuchen backen, rückwärts bewegen und Hampelmannsprung sind ganzseitig abgedruckt und können kopiert werden. Ebenso gibt es jeweils eine Tabelle zum Ausfüllen für die Gesamtübersicht und die Auswertung der Förderbeobachtung.

  • Kapitel 5 – Beobachtungen im Entwicklungsraster – Was passiert wann …?

Zur Orientierung gibt es Übersichtstabellen „Was passiert wann…?“. Diese Tabellen dienen der Orientierung, in welchem Alter Kinder normalerweise über die genannten Fähigkeiten verfügen.

  • Kapitel 6 – Kita und Schule … ein starkes Team!

Die sich verändernde Bildungswelt erfordert eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Kita, Schule und Elternhaus. Damit Kooperation gelingen kann, sind aufeinander aufbauende Handlungsschritte erforderlich. Institutionsübergreifende Planung von Handlungsstrategien und die Vereinbarung gemeinsamer Grundsätze können bei der Umsetzung helfen.

  • Kapitel 7 – Förderung mit Augenmaß

Die gemeinsame Gestaltung der Bildungswege durch Kita und Schule wird grafisch dargestellt. Sie ermöglicht auf der Seite der Kita eine Übersicht über die motorischen und sensorischen Grundlagen und die Vorläuferkompetenzen. Auf der Seite der Schule stehen die geforderten Kompetenzen. Die Zusammenarbeit sollte verschriftlicht werden. Die im Buch aufgeführten Tabellen geben Hilfestellung bei der Durchführung. Sie sind untergliedert in Bereiche wie zum Beispiel Feinmotorik. Die nächste Spalte listet Möglichkeiten der Kita wie zum Beispiel Fingerspiele, Bastelangebote, Match- und Knetarbeiten auf. Danach kommen mögliche Angebote der Schule wie zum Beispiel Fingerspiele, Tonarbeiten, Faltarbeiten, Handarbeiten. Eine weitere Spalte schaut darauf, was im Elternhaus angeboten werden kann, zum Beispiel die Einbeziehung der Kinder in die Haus- und Gartenarbeit, das selbstständige Aus- und Anziehen und das Spielen eines Instrumentes. Es folgt eine Spalte für die Vereinsarbeit, die im Bereich Feinmotorik unter anderem vorschlägt, Begrüßungs- und Abschieds-Klatsch- oder Fingerspiele anzubieten. Auf diese Weise werden auch die Bereiche Grobmotorik, Hörwahrnehmung, Sehwahrnehmung und Sprache strukturiert.

  • Kapitel 8 – Förderaktivitäten und Förderspiele

Das Spiel ermöglicht es Kindern, soziale, emotionale, sensorische, motorische und kognitive Kompetenzen zu entwickeln. Spielen ist bedeutsam für die kindliche Entwicklung und ist eine Voraussetzung zum Lernen. Die „Willi-Spiele“ sind schwerpunktmäßig einzelnen Förderbereichen zugeordnet, obwohl immer verschiedene Entwicklungsbereiche berührt werden. Im Folgenden werden konkrete Spielideen für die Entwicklungsbereiche Sprachentwicklung, Hörwahrnehmung, Sehwahrnehmung, Feinmotorik, Bewegungsentwicklung, Gleichgewicht und Serialität vorgestellt. Pro Bereich gibt es zwischen 6 und 12 Spielideen. Die Beschreibung der Spiele erfolgt nach dem jeweils gleichen Schema: Alter, Material, Anzahl der Kinder, Sensorik, Motorik, frühkindliche Bewegungsmuster, Sonstiges, danach Vorbereitung, Durchführung und Variationen. Die Spiele stehen immer in Verbindung mit der Willi-Figur, die mithilfe des Bilderbuches und der Handpuppe eingeführt wird.

  • Literatur/​Adressen/Übersicht Download

Das Literaturverzeichnis wird durch Adressen für Fortbildungen und zur Materialbeschaffung ergänzt. Ebenso gibt es Hinweise zum Downloadmaterial.

  • Glossar

Das alphabetisch geordnete Glossar erklärt Grundbegriffe wie zum Beispiel den Handgreifreflex – „auch Palmar-Reflex genannt, entwickelt sich vorgeburtlich um die 11. Schwangerschaftswoche …“.

  • Das Bilderbuch Willibald im Willi-Wald

Dieses Bilderbuch ist Teil des Praxissets. Es hat ein Querformat (DIN A4) mit Spiralbindung. Es ist so gestaltet, dass nach einer Seite, den Kindern zugewandt, ein ganzseitiges, farbiges Bild zu sehen ist. Auf der anderen Seite, die dem Erzähler zugewandt ist, ist das gleiche Bild kleiner mit zusätzlichem Text abgebildet. Im Downloadbereich sind neben weiteren Hilfen die Texte in folgenden Sprachen abrufbar (alphabetisch geordnet): Dänisch, Englisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Kroatisch, Niederländisch, Polnisch, Schweizer Deutsch, Slowakisch, Spanisch, Türkisch, Ukrainisch. Erzählt wird mit kurzen Versen vom Zwerg Willibald im Willi-Wald. Die Kinder werden hierbei zu verschiedenen Aktivitäten aufgefordert. Gleichzeitig wird Spannung aufgebaut, denn in den Willi-Wald gelangt man nur durch einen geheimen Willi-Spruch. Wenn möglich, wird empfohlen, ergänzend zur Bilderbuchbetrachtung den Kindern die Handpuppe „Zwerg Willibald“, die nicht Teil des Materialsets ist und zusätzlich käuflich erworben werden muss, zu präsentieren. Die Handhabung des Bilderbuches ist im Handbuch genau beschrieben.

Diskussion

Das Praxis-Set beinhaltet ein Handbuch, ein Bilderbuch, beide mit Spiralbindung, und viele Downloadmaterialien. Bei dem hier beschriebenen Buch handelt es sich um die zweite überarbeitete Auflage. Ziel des Materials ist es, spielerisch Beobachtung, Planung und Förderung für Kinder in Kindergarten und Schule zu verknüpfen. Hierbei stehen sowohl Gruppen sowie das einzelne Kind im Fokus. Die Bedeutung des Spiels für die kindliche Entwicklung wird in den Ausführungen von Frau Beigel immer wieder in den Vordergrund gestellt. Basierend auf der Geschichte „Willibald im Willi-Wald“ sind alle Beobachtungsverfahren und spielerischen Förderangebote mit Willibald dem Zwerg verknüpft. Kinder werden hier nicht aus ihrem Spielumfeld herausgenommen und diagnostiziert, sondern innerhalb vieler Spiel- und Bewegungsangebote zielgerichtet beobachtet. Diese Beobachtungen werden detailliert mit Hilfe umfangreicher Listen und Tabellen dokumentiert. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für den Austausch zwischen Kita, Schule, Vereinen und dem Elternhaus. Basierend auf den Erkenntnissen lassen sich Förderansätze festlegen. Die Förderung ist ebenfalls spielerisch orientiert. Im Handbuch werden viele Möglichkeiten der spielerischen Förderung aufgezeigt. Die Angebote sind nach Förderschwerpunkten geordnet und genau beschrieben. Die Spiele sind für die Gruppen- und die individuelle Förderung geeignet. Das Material im Handbuch ist umfangreich und wird durch das Downloadmaterial und das Bilderbuch ergänzt. Grundsätzlich ist das Konzept von Frau Beigel gut verständlich. Allerdings erfordert es, dass sich die Pädagoginnen vor der Anwendung intensiv mit dem Konzept und dem Material befassen. Eine professionelle Schulung erscheint mir erforderlich. Besonders für Fachleute, die sich noch nicht oder wenig mit den Bausteinen der kindlichen Entwicklung auseinandergesetzt haben. Frau Beigel bietet hier hilfreiche Schaubilder und Erklärungen an. Wesentlich ist es, diese zu verinnerlichen und mit Beispielen zu füllen, damit sie in Spielsituationen erkannt und zugeordnet werden können. Dies benötigt neben dem theoretischen Studium der Inhalte umfangreiche Praxiserfahrung. Frau Beigel hat mehrere Werke verfasst, die sich alle mit Gleichgewichts- und Bewegungsprogrammen vom Säugling bis zum Senior auseinandersetzen. Sie legt besonderes Augenmerk auf die Fundamente der Entwicklung. Gerade in der Schule besteht die Tendenz, an den Fähigkeiten zu arbeiten, die die Kinder nicht beherrschen, ohne zu analysieren, was Kinder schon können und auf welchen Vorläuferfunktionen aufgebaut werden kann. Im Kindergartenbereich möchten viele Pädagoginnen die Kinder gut auf die Schule vorbereiten und versuchen, alles „kleinkindhafte“ zu vermeiden. Frau Beigels Blick geht immer wieder auf die Fundamente in der Entwicklung und die Vorläuferkompetenzen von Lesen, Schreiben und Rechnen. Die Basis zu festigen ist grundlegend wichtig. Seminare in Präsenz und online werden angeboten und entsprechende Informationen sind im Handbuch zu finden. Das Materialset ist so aufgebaut, dass es alle erforderlichen Schritte erklärt und die Zusammenhänge erläutert. Im Downloadmaterial ist ein Video enthalten, das die Durchführung der „Willibald-Geschichte“ in der Praxis zeigt. Der Film hilft, zu verstehen, wie die Aufgaben angewandt werden sollen. Er schult zugleich die Beobachtungsfähigkeit der Pädagog*innen und kann zu Übungszwecken eingesetzt werden. Die Handpuppe „Zwerg Willibald“ sowie weiteres Material können unter www.guckloch-online.de erworben werden. Dort sind auch Informationen zu Seminaren, zu Themen der Entwicklung und der pädagogischen Förderbeobachtung zu finden. Die Handpuppe „Zwerg Willibald“ spricht Kinder emotional an und verstärkt den spielerischen Charakter der pädagogischen Förder-Beobachtung. Das Material ist gut handhabbar, besonders die Spiralbindung vereinfacht die praktische Nutzung. Das Bilderbuch ist ebenfalls mit einer Spiralbindung geheftet und bietet jeweils eine Kinder-Seite und eine Pädagogen-Seite an. So ist es leicht möglich, den Text zu lesen, während Kinder das Bild betrachten. Interessant ist das mehrsprachige Angebot im Downloadbereich. Es erleichtert den Zugang zu Kindern, die eine andere Muttersprache haben, und öffnet neue Chancen für die Zusammenarbeit mit Eltern.

Fazit

Das Praxis-Set „Kita und Schule – ein starkes Team“ von Dorothea Beigel beinhaltet eine umfangreiche, praxisorientierte Materialsammlung mit methodisch-didaktischen Hinweisen für die Arbeit in Kindergarten und Grundschule. Wertschätzende Beobachtungsverfahren für die individuelle und gruppenorientierte Beobachtung ermöglichen eine zielgerichtete, spielerische Förderung.

Rezension von
Ulrike Ziemer
Dipl. Heilpädagogin (FH)
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Es gibt 33 Rezensionen von Ulrike Ziemer.

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ISSN 2190-9245