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Rudolf Lensing-Conrady: Kitaräume im Einklang von Bildung, Bewegung und Wohlbefinden

Rezensiert von Prof.in Dr. Stefanie Kuhlenkamp, 22.12.2023

Cover Rudolf Lensing-Conrady: Kitaräume im Einklang von Bildung, Bewegung und Wohlbefinden ISBN 978-3-8080-0921-5

Rudolf Lensing-Conrady: Handbuch einer psychomotorischen Raumgestaltung im Innen- und Außenbereich von Kitas und Krippen. Verlag modernes lernen Borgmann GmbH & Co. KG. (Dortmund) 2023. 224 Seiten. ISBN 978-3-8080-0921-5. D: 22,95 EUR, A: 23,60 EUR, CH: 37,00 sFr.

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Thema

Der Autor widmet sich der kindgerechten Gestaltung des Innen- und Außenbereichs von Kindertageseinrichtungen. Als Fundament für seine theoretischen Ausführungen und praktischen Beispiele wählt er eine kindzentrierte, ganzheitliche, psychomotorische Perspektive. Im Fokus des Buchs steht daher die Frage, wie sich eine psychomotorische Konzeption in den Räumlichkeiten einer KiTa niederschlagen kann, um den aktuellen Bedürfnissen und Herausforderungen in der kindlichen Lebenswelt zu begegnen. Dabei werden auch die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Ansprüche an KiTas einbezogen (z.B. U3-Betreuung, inklusive frühe Bildung und Betreuung). Es werden Anregungen sowohl für bereits bestehende als auch für neu zu planende Einrichtungen in Text und Bild geben.

Autor

Rudolf Lensing-Conrady (Sportpädagoge im Ruhestand) beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Themenfeld Psychomotorik in Kindertageseinrichtungen. Als Experte für eine kindgemäße Raumgestaltung hat er mehrere Bau- und Gestaltungsprojekte begleitet sowie mehrere Fachbeiträge in diesem Themenfeld publiziert. Er ist der Initiator der Zertifizierung „Anerkannte psychomotorische Kindertagesstätte“, und sorgt als Leiter des „Institut für angewandte Bewegungsforschung“ des Fördervereins Psychomotorik Bonn für die weitere Qualitätsentwicklung dieses Zertifikats. Darüber hinaus ist er als Referent der Rheinischen Akademie für Psychomotorik tätig.

Entstehungshintergrund

Zum Entstehungshintergrund nennt der Autor folgende Aspekte:

  • Fragen der Raumgestaltung sind verknüpft mit der Entwicklung der pädagogischen Konzeptionen, die sich wiederum kontinuierlich an die Bedürfnisse und Lernvoraussetzungen der betreuten Kinder orientieren müssen.
  • Die psychomotorische Arbeit hat zunehmend als Bewegungskonzept in KiTas Einzug gehalten und fordert eine entsprechende räumliche Gestaltung.
  • Wandlungen der Zielgruppe (verjüngt) und veränderte Kindheit, z.B. „Mischung aus Überfluss (Wissen, akustische und visuelle Wahrnehmungen, Zukunftsorientierung …) und Defiziten (rückläufige Bewegungserfahrungen, Kommunikation, Bindung …).“ (S. 3)
  • Analog der Reggiopädagogik den Raum als sog. 3. Erzieher*in verstehen.

Aufbau und Inhalt

Im Vorwort (Kapitel 1) werden die Intention und Zielgruppen des Buches vorgestellt. Auch die breite Palette an Ansprüchen bei der Raumplanung von KiTas wird thematisiert. Dabei wird das Kind mit seinen Bedürfnissen in das Zentrum der Betrachtung gestellt. In der Einführung (Kapitel 2) wird zunächst der Raumbegriff erläutert, der nicht nur den umbauten Raum umfasst. Anhand verschiedener Aspekte wie z.B. dem Verhältnis von Raumnutzung und Raumgestaltung und Inklusion als Gestaltungskriterium wird auf erste Orientierungsmarken für die Raumplanung eingegangen. Hier werden bereits erste Praxisbeispiele mit entsprechenden Fotos eingeflochten, was auch in allen folgenden Kapiteln erfolgt. Im dritten Kapitel (Dreh- und Angelpunkt der Raumgestaltung in der KiTa: Bewegung-Bildung-Wohlbefinden) werden drei Perspektiven entwickelt, die zwar einzeln aufgeführt, aber gemeinsam gedacht werden müssen:

  1. KiTa als Bewegungsort,
  2. KiTa als Lernort,
  3. KiTa als Lebensort.

In den beiden folgenden Kapiteln, die die umfangreichsten des Buches sind, werden viele verschiedene Aspekte der Innenraum- sowie der Außenraumgestaltung thematisiert und mit Praxisbeispielen verdeutlicht. In der Innenraumgestaltung (Kapitel 4) geht es zum Beispiel um Raumfunktionen und Einrichtung, Deckenkonstruktionen und Aufhängungen, Bewegungspodeste, Licht und Beleuchtung, aber auch um spezifische Aspekte der Raumgestaltung für Kleinkinder und Krippen.

Bei der Außenraumgestaltung (Kapitel 5) stehen neben allgemeinen Gesichtspunkten der Geländegestaltung, u.a. Überlegungen für gesonderte Krippenbereiche, Bewegung und Wohlgefühl im Außenbereich, Bildung im Garten und auch Beispiele für Natur- und WaldkiTas.

Das sechste Kapitel beschäftigt sich dann mit den Übergängen zwischen Innen- und Außenräumen (u.a. anhand von Schmutzschleusen).

In Kapitel sieben werden Anregungen dafür gegeben, wie sich KiTas auf den Weg zu einer psychomotorischen Raumgestaltung machen können. Als Schlüssel hierzu werden partizipative Prozesse mit allen Beteiligten, also auch den Kindern, beschrieben. Zusätzlich werden kleinere Schritte und Maßnahmen zur Überarbeitung des Raumkonzepts und der Raumgestaltung sowie die Finanzierung vorgestellt. Das Kapitel endet mit der Aufforderung „Nur Mut! Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“ (S. 196).

Mit diesem Satz wird zum letzten Kapitel des Buchs übergeleitet, das den Titel „Mut-Macher*innen: Raumgestaltung in der Praxis“ trägt und anhand eines konkreten Praxisbeispiels die Umgestaltung einer KiTa hin zu einer zertifizierten psychomotorischen KiTa schildert. Hier kommen die Beraterin, die den Zertifizierungsprozess begleitet hat, sowie die Leitung der Kita zu Wort und schildern anschaulich, auch anhand von Fotos, den gemeinsamen Weg.

Diskussion

Der Autor formuliert als Zielsetzung „Neben den Veränderungs- und Gestaltungsperspektiven für die bestehenden Einrichtungen will dieses Buch […] erfahrungsgetragene Hinweise für die Neuplanung und den kindgerechten Bau von Kindertagesstätten und Krippen geben“ (S. 11). Dieses Ziel wird dadurch erreicht, dass theoretische Überlegungen mit Praxisbeispielen (auch misslungenen), Erfahrungen aus langjähriger Praxis und eine über die Jahre erworbene Expertise des Autors zu einem gut strukturierten und gut leserlichen Werk verwoben werden. Dem Autor gelingt insgesamt eine sehr gute Mischung aus theoretischen Grundlagen und praktischen Beispielen in Text und Bild. Das Buch zeigt Hürden und deren mögliche Beseitigung auf. Es ermutigt Dinge zu hinterfragen, unkonventionell zu denken und konsequent die kindliche Perspektive in den Mittelpunkt zu stellen. Das Buch ist eine Schatzkiste, gefüllt mit anschaulichen Ideen und Argumentationen für die Gestaltung und den Bau kindgerechter KiTaräume.

Fazit

Empfohlen wird es allen, die im KiTa-Bereich verantwortlich sind für die Raumgestaltung, den Bau und Umbau sowie für engagierte Erzieher*innen und Eltern, die sich inspirieren und ermutigen lassen möchten.

Rezension von
Prof.in Dr. Stefanie Kuhlenkamp
lehrt im Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften an der Fachhochschule Dortmund mit dem Schwerpunkt Soziale Teilhabe und Inklusion. Mehrjährige Tätigkeit als Lehrende an einer Fachschule für Motopädie sowie im Lehrgebiet Bewegungserziehung und -therapie der TU Dortmund. Sie leitet den Förderverein Bewegungsambulatorium an der Universität Dortmund e. V. und arbeitet hier auch psychomotorisch mit Kindern und Jugendlichen.
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Es gibt 2 Rezensionen von Stefanie Kuhlenkamp.

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Zitiervorschlag
Stefanie Kuhlenkamp. Rezension vom 22.12.2023 zu: Rudolf Lensing-Conrady: Handbuch einer psychomotorischen Raumgestaltung im Innen- und Außenbereich von Kitas und Krippen. Verlag modernes lernen Borgmann GmbH & Co. KG. (Dortmund) 2023. ISBN 978-3-8080-0921-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30761.php, Datum des Zugriffs 16.04.2024.


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