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Inge Maier-Ruppert, Deutscher Caritasverband Deutscher Caritasverband e.V.: Reinigen in Sozialen Einrichtungen und Diensten

Rezensiert von Prof. Kurt Witterstätter, 30.05.2023

Cover Inge Maier-Ruppert, Deutscher Caritasverband Deutscher Caritasverband e.V.: Reinigen in Sozialen Einrichtungen und Diensten ISBN 978-3-7841-3045-3

Inge Maier-Ruppert, Deutscher Caritasverband Deutscher Caritasverband e.V.: Reinigen in Sozialen Einrichtungen und Diensten. Leitlinie für das Reinigungsmanagement. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2023. 280 Seiten. ISBN 978-3-7841-3045-3. D: 21,00 EUR, A: 21,60 EUR.

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Thema

Wohlgeruch, Sauberkeit und Glanz von Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens sind ihre äußerlichen Visitenkarten. Die äußeren Anmutungen sind für ihr Personal, ihre Klientel und Besucherschaft eminent wichtig und lassen auch auf das interne Geschehen Rückschlüsse zu. Sauberkeit und Reinlichkeit sind inzwischen mit Gerätschaft, Chemikalien und rechtlichen Vorgaben zu Hygiene und Desinfektion weit mehr als bloßes Putzen. Arbeitsschutz, Hygiene-Beachtung, (Mindest-)Lohngesetzgebung und Kostendruck tun ein Übriges zur Komplexität der Sauberhaltung von Einrichtungen, aus der ein Reinigungs-Management geworden ist. Es ist daher begrüßenswert, dass der Lambertus-Verlag in Verbindung mit der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft den 260-seitigen Sammelband „Reinigen in sozialen Einrichtungen und Diensten“ vorlegt. Gesammelter ökotrophologischer Sachverstand von sieben in hauswirtschaftlicher Lehre und hygienischem Qualitätsmanagement tätigen Fachfrauen geben in elf Kapiteln nebst Anhang-Hilfen einen profunden Überblick über Methoden, Techniken und Qualitätssicherung für Sauberkeit und Hygiene in Sozial-Einrichtungen.

Herausgeber:innen

Die siebenköpfige Autorinnengruppe zur Darstellung des Reinigungsmanagements in Sozialeinrichtungen schrieb unter Federführung von Ökotrophologin Dr. oec. troph. Inge Maier-Ruppert; sie ist an der TU München-Weihenstephan sowie an der Justus-Liebig-Universität Giessen in Lehre und Fortbildung tätig und gehört dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft an.

Weitere Autorinnen sind: Professorin Dr. oec. troph. Margot Dasbach, Diplom-Oecotrophologin Cornelia Feist, Diplom-Oecotrophologin Martina Feulner, Professorin Dr. oec. troph. Angelika Sennlaub, Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin Martina Schäfer, Ökotrophologin Annegret Reiprich.

Aufbau

Das Reinigungsmanagement für soziale Einrichtungen und Dienste wird im Band „Reinigen in sozialen Einrichtungen und Diensten“ in elf Kapiteln und einem Service-Anhang dargestellt. Der ansprechend bebilderte Band im großen Din-A-4-Format führt von der Bedeutung der Reinigung als verantwortlicher Nutzung über deren Professionalität, ihre rechtlichen und hygienischen Anforderungen, Techniken, ihren Kostenrahmen und ihre Organisationsformen und Mitarbeitenden-Führung zur Reinigung in Sondersituationen (wie Vermüllung, Immunschwäche, Sterben) bis zum Qualitätsmanagement.

Inhalte

In einem ganzheitlichen Ansatz geht die Autorinnenschaft des neuen Bandes im ersten Kapitel zum Reinigungsmanagement vom Ziel Lebensqualität und Wohlbefinden der Nutzerschaft der betreuenden Dienste und Einrichtungen aus. Die Schrift soll zugleich als Leitlinie für die Arbeit des sozialen Reinigungsmanagements verstanden wissen.

Reinigen entfernt Schmutz und ist damit Basishygiene. Sie dient somit als Existenzgrundlage. Sie ist aber nach den Darlegungen in Kapitel zwei mehr als blosse Schmutzentfernung, weil sie über Sauberkeit und Hygiene hinaus auch Werterhaltung darstellt, soziale Sicherheit und Ordnung gewährleistet und Nutzung auf Dauer sichert.

Ohne Mitwirkung der Nutzerschaft beim Reinigen ist in Kapitel drei von hauswirtschaftlicher Versorgung die Rede. Bei Einbeziehung der NutzerInnen spricht man von hauswirtschaftlicher Betreuung bzw. sogar von Therapie. Getätigt wird die Sauberhaltung von Mitarbeitenden der Einrichtungen selbst oder von fremden Dienstleistern. Bei der mitwirkenden Betreuung haben die Reinigungskräfte Anleitungskompetenzen, die Klientel bringt Alltagskompetenzen ein. Die Reinigungshandlung setzt nach DIN SPEC 77004 voraus die sechs Schritte Informieren, Planen, Entscheiden, Ausführen, Kontrollieren und Auswerten. Verkürzt ist von Plan-Do-Check-Act PDCA die Rede. Bei Betreuung/​Therapie muss die Planung einzelfallbezogen erfolgen. In den Ausführungen ist den Empfehlungen der Berufsgenossenschaft Bau zu folgen. Im Budget, das in Entgeltverhandlungen mit den Ländern festgelegt wird, addieren sich Personal- und Wirtschafts-Bedarf. Neben Wirtschaftlichkeit sollen die Einsätze auch Nachhaltigkeit verfolgen: Möglichst abbaubare, mikroorganische statt chemische Mittel verwenden. Ausreichend Raum zu Lagerung und Säuberung des Materials ist zu öffnen. Die gebäudliche Raumplanung soll auch die Reinigung im Blick haben: Möglichst einheitliche Aufteilungen, die Böden rutschfest, nicht hochglänzend, mit Kehlsockel am Wand-/​Boden-Übergang, in der Dusche Gefälle von Tür zum Abfluss. Die Wirtschaftlichkeit erfolgt über Kennzahlen, wie etwa 120 Quadratmeter Bodenreinigung pro Stunde, ergäbe für ein 30-Quadratmeter-Appartement einen Zeitaufwand von 15 Minuten. Bei Betreuung und Therapie gelten erhöhte Kennzahlen und damit höhere Kosten, was bei unter Einspar-Gesichtspunkten erfolgender Fremdvergabe nicht immer realisiert wird.

Der rechtliche Rahmen des Reinigungsmanagements ist in Kapitel vier auf Infektionsschutz und auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Dagegen existieren keine rechtlichen Regelungen für Ausbildung, Qualifikation und Fachkompetenzen der die Reinigung Leistenden. Dabei dürfen aber Alltagssicherung, Wohlfühlen und Werterhalt keineswegs übersehen werden. Vielfach ist die Gleichzeitigkeit von Arbeits- und Lebensräumen für das Reinigungspersonal und die NutzerInnen zu beachten. Für den Infektionsschutz sind nach dem Infektionsschutzgesetz betriebliche Hygienepläne zu erstellen, zu kommunizieren und zu beachten. Sie sind als Element des Reinigungskonzepts anzusehen. Weiter fordert die Gefahrstoffverordnung Regelungen für den Umgang mit gefährdenden Substanzen und deren Mitteilung in Sicherheitsblättern. Das Medizinproduktegesetz schreibt Sicherheitskontrollen vor. Die Biostoffverordnung will Schutzvorkehrungen bei Verwendung bestimmter Stoffe eingehalten wissen. Bei höher schädlichen Bioziden regelt die Biozidverordnung Schutzkleidung, Desinfektion und Entsorgung kontaminierten Materials; der aufzustellende Hygieneplan hat Reinigung, Desinfektion und Sterilisation vorzusehen. Schließlich regelt das Kreislaufwirtschaftsgesetz die Müllentsorgung. Beim Arbeitsschutz ist der Schutz der Beschäftigten vor Gefahren für Leben und Gesundheit oberste Priorität. Hygienepläne haben in das Reinigungskonzept einzugehen. Die Beschäftigten haben Schutzkleidung zu tragen und müssen in die Lage versetzt werden, Gefährdungen zu melden. Die Unfallversicherung fordert den Einsatz von Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit. Für sichere Arbeitsmittel ist zu sorgen (ergonomische Arbeitsmittel, Saug-/​Kehr-Maschinen, Reinigungswagen, rutschfeste Böden, ungefährliche Chemikalien, sichere Leitern/​Tritte). Das Reinigungspersonal ist in der Gefährdungsbeurteilung zu schulen.

Zur Umsetzung der Hygiene-Konzepte ist das eigene Kapitel fünf vorgesehen. Es geht hierbei um mehr als reine Flächenhygiene. Während Sauberkeit nur die Befreiung von aufgetragenem Schmutz bedeutet, ist Hygiene die Unterbrechung von Infektionswegen und die Beseitigung von Infektionsquellen. Betriebs- und Personalhygiene sind zu verfolgen. Die Übertragung infektiöser Keime auf Gegenstände und von dort auf Menschen sowie von Mensch zu Mensch ist zu verhindern. Durch regelmäßiges Lüften lässt sich die Übertragung von Aerosolen einschränken. Hygienemaßnahmen sind zu entwickeln und vorzustellen. Dabei darf über den Sicherheitsvorkehrungen per Abschottung die soziale Teilhabe nicht außeracht gelassen werden. In Gefährdungsstufe IV sind zwingend Desinfektionsmittel einzusetzen. Für die Kliniken sieht die KRINKO (Kommission für Krankenhausreinigung und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut) Empfehlungen zur Basishygiene vor (Händehygiene, Flächenreinigung, Abfallentsorgung, Hygiene bei hauswirtschaftlichen Verrichtungen, baulich funktionale Gestaltung). Die persönliche Hygiene verbietet Schmuck, Lack, Tätowierung im Hand- und Unterarmbereich. Die Hände sind jenseits des Waschens bei Viruzid-Kategorien A bis D zu desinfizieren. Für die Flächenhygiene gilt je nach Befall Reinigung ohne Desinfektionsmittel, präventive Desinfektion und/oder gezielte Desinfektion mit pro Zimmer neuen Reinigungswerkzeugen. Kontaminierte Flächen und Gegenstände sind zu desinfizieren. Man unterscheidet Wisch-, Scheuer- und Sprüh-Desinfektion. Im Hygieneplan werden die hygiene-relevanten Maßnahmen zusammengeführt. Im Infektionsfall muss von der Basishygiene zu Barrieremaßnahmen übergegangen werden.

Die Reinigungsarten meinen nach Kapitel sechs den Turnus, die Reinigungsmittel, die Textilien und die Dosierung bzw. Intensität. Reinigungsarten sind u.a. die Grundreinigung, Sichtreinigung, Zwischen- und Sonderreinigung. Infrage kommen mechanische und/oder chemische Reinigungsmittel (saure bzw. alkalische Mittel nach pH-Werten) sowie biozide, mikroorganismische Stoffe. Material sind Tücher/Schwämme aus Natur (Baumwolle, Viskose) bzw. aus synthetischer Produktion (Polyester, Polyamid). Die Reinigungsverfahren beschreiben Tätigkeiten und Organisationsformen wie Fußbodenreinigung textiler wie nichttextiler Böden sowie die Benutzung von Maschinen dazu: Nass-, Trockensaugmaschinen (wobei glatte Bodendüsen weniger wirksam sind als Bürstensauger), oszillierende Apparate, Dampfreiniger. Weiter werden bei den Reinigungsverfahren betrachtet das Reinigen der Einrichtung mit ihren Gegenständen sowie die Sanitär-Reinigung (mit unverdünntem WC-Reiniger sowie Abwurf des Reinigungstuchs nach Reinigung in jedem WC etwa). Ein besonderes Augenmerk gilt der Glasreinigung (ein- bis mehrmals jährlich, ggfs. mit Hubwagen). Als unentbehrliche Hilfe wird der Reinigungswagen (zur Handhabung und Bereitstellung der Reinigungsmittel an Ort und Stelle) herausgestellt.

Das der Kostenrechnung dienende Kapitel sieben summiert auf die Personalkosten (Arbeitsentgelte mit Arbeitgeber-Beiträgen zur Sozialversicherung und ggfs. Zusatzversorgung), die Gerätekosten (mit Abschreibungsbeträgen für mehrjährige Güter und einmaligem Preis für geringerwertige Güter unter 800 €), die Kosten für Verbrauchsgüter (Reinigungsmittel, Seifen, Papiere, Beutel, Wasser und Energie) und Raumkosten, soweit Räume explizit für die Reinigung genutzt werden (anteilig von den Kosten für das Gesamtgebäude berechnet). Aus diesen Gesamtkosten sind die Reinigungskosten pro Flächeneinheit des jeweiligen Bestimmungszwecks (Wohnbereich, Gemeinschaftsräume, Therapieräume) ermittelbar.

Für die Reinigungskonzepte sind nach Kapitel acht über die Organisationsformen zu bedenken, die Leitungsverantwortung, die Beteiligung der NutzerInnen, die Sauberkeitsstandards, die Hygienesicherheit. Wichtig ist das Anlegen eines Leistungsverzeichnisses. Die Schnittstellen mit anderen Diensten/​Abteilungen sind mit den jeweiligen Aufgaben zu markieren (Fremdfirma oder Eigenarbeit, Hausmeister, Pflege, NutzerInnen, Angehörige, ggfs. Tiere-Versorgung sowie Pflanzen-/​Blumen-Betreuung). Eine Aufbau- und Ablauf-Organisation ist zu fertigen. Die Eigenarbeit hat vor der Fremdvergabe der Reinigung den Vorteil der besseren Synchronisation mit dem Einrichtungs-Leitbild, der leichteren Variierbarkeit der Abläufe, der harmonischeren Abstimmung mit den Hausprogrammen der sozialen Betreuung und der Teamarbeit; nachteilig ist die breite Verantwortung im eigenen Haus. Kolonnensystem (Mitarbeitende mit speziellen Aufgaben an vielen Stellen) und Reviersystem (Mitarbeitende für lokal bestimmte eigene Bereiche) haben beide Vor- und Nachteile. Ebenso die alternative Eigenarbeit versus Fremdvergabe. Schlussendlich sollte sich die Reinigung ergebnisorientiert darstellen. Gerade im ambulanten Bereich sollen KlientInnen zur Erhaltung ihrer Alltagskompetenz mitwirken bei ihrer hauswirtschaftlich-reinigenden Betreuung. Unterstützende Prozesse gelten der Aufbereitung der Säuberungstextilien wie etwa der Waschtemperatur der Lappen und Mobbs.

Die Leitungsverantwortung hat nach Kapitel neun neben ihrem (erworbenen) hauswirtschaftlichen Wissen die Einrichtung als kommunikatives Gefüge von Reinigungsleistenden, Nutzer:innen und übrigem Personal zu sehen. Für Kommunikation ist zu sorgen, Konflikte sind auszuräumen. Wohlbefinden der Nutzer:innen soll oberste Maxime sein. Die Leitungspersönlichkeit soll beherrschen Fachwissen (siehe Planung-Ausführung-Prüfung-Verbessern als PDCA-Schema von Kapitel drei), Verantwortungsübernahme/​Identifikation, Flexibilität, Transparenz-Herstellung und Management hin zur Kundenorientierung, zur Mitarbeitenden-Wertschätzung sowie zur Materialbeschaffung und Personalrekrutierung. Einschlägige Berufsabschlüsse sind Meister:in bzw. Betriebswirt:in der Hauswirtschaft, Studienabschluss in Ökotrophologie bzw. Facilitymanagement. Bei Fremdvergabe sollten sowohl in der vergebenden Einrichtung als auch beim Fremdleister Verantwortliche benannt sein. Auch für die Zeit der Abwesenheit des Reinigungspersonals ist Sorge zu treffen (hilfsweise durch die Pflege). Bei hoher Beschäftigtenzahl stehen zwischen Reinigungsleitung und Tätigen als Zwischeninstanz Vorarbeiter:innen bzw. Teamleiter:innen.

Mit speziellem Fachwissen und Schulungen kann nach Kapitel zehn besonderen Reinigungssituationen begegnet werden. Auch Querabsprachen und Fallbesprechungen helfen in solchen Sondersituationen wie Demenz (Absprache mit der Pflege, Fortbildung Richtung Validation); bei Vermüllung lassen sich mit pädagogischen Kolleg:innen vertragliche Absprachen erzielen, bei Immunschwäche sind erhöhter Reinigungsturnus und Schutzkleidung hilfreich, psychisch Kranke benötigen Kontinuität und Verständnis für ihre Veränderungen; bei Sterbenden erleichtern Wertschätzung und olfaktorisches Wohlsein.

Das Qualitätsmanagement ist für Sozialeinrichtungen nach den SGB-Gesetzbüchern vorgeschrieben, wozu auch die Reinigung und Sauberkeit gehören. Prüfung und Verbesserung der Leistungen erhöhen nach Kapitel elf die Qualität einer Einrichtung. Gradmesser für fehlende Qualität können Beschwerden sein. Das Beschwerdemanagement soll zur Optimierung genutzt werden. Mitarbeitende sollen Formulare für ihre zu erfüllenden Aufgaben bekommen (Vorgabedokumente) und die Erbringung ihrer Leistungen in Tabellenlisten abzeichnen (Nachweisdokumente). Die angemessene Vorbereitung und Schulung in den Vorgaben ist Strukturqualität, die methodische Handhabung des Reinigungs-Instrumentariums ist Prozessqualität und das evtl. über Begehungen ermittelte Freisein von Schmutz und von Infektionen ist Ergebnisqualität.

Diskussion

Der an hauswirtschaftlichem und hygienischem Wissen reiche neue Band „Reinigen in sozialen Einrichtungen und Diensten“ gibt einen fundierten und detaillierten Überblick über die Funktionen und Implikationen von Sauberkeit und Hygiene in Sozial-Einrichtungen. Techniken und Modalitäten werden anschaulich erklärt. Zahlreiche Fotos und Skizzen dienen gerade auch typografisch einprägsam akzentuiert dem Verständnis von Tätigkeiten, über die normalerweise – auch wegen ihrer leider inferioren Bewertung – gern hinweg gesehen wird. Mit diesem Band erfährt die gebäudliche Reinigung eine besondere Wertschätzung, zumal auch dargetan wird, dass methodisches Reinigen ökonomisch zumindest eine werterhaltende Funktion hat.

Und das betreuende Einbeziehen der Klientel in das Mit-Reinigen wertet die Reinigungstätigkeit weiter auf. Denn im Alter der Nutzer:innen ergibt sich dieses Miteinander vor allem in den Hausgemeinschaften des betreuten Wohnens, sodann kann es sich auch mit psychisch labilen Personen einstellen. Aber auch in Jugend-Wohngruppen und in Kindertagesstätten werden die Kinder und Jugendlichen in die Reinigungsarbeit eingebunden. Das wertet die Reinigungstätigkeiten stark auf und führt sie an sozialarbeitliches Handeln heran, wie in Kapitel drei auf Seiten 32 ff. eindrucksvoll gezeigt wird.

Auch steckt in den historischen und geografischen Betrachtungen zur häuslichen Sauberkeit viel reizvolles Kulturwissen.

Die professionalisierte Aufwertung des Reinigens kommt auch mit der durchgängigen Anwendung des PDCA-Schemas (Plan-Do-Check-Act) von William Edwards Deming zum Ausdruck (Seiten 41, 207, 231, 237).

Bei der dem Thema geschuldeten, gebotenen Sympathie für die Einhaltung hygienischer Standards überrascht doch die ausgewogene Gratwanderung in Kapitel fünf zwischen Hygieneschutz per Kontakteinschränkung und Barriere-Aufbau auf der einen Seite und der Sicherstellung von sozialer Teilhabe auf der anderen Seite.

Im Zwiespalt zwischen der Reinigungsleistung in Eigenregie oder der Fremdvergabe an Dienstleister bezieht der Band keine Stellung. Man kann dem Dargelegten lediglich entnehmen, dass das, was die beauftragende Einrichtung durch die Rationalisierungsvorteile des Dienstleisters einspart, ihr durch den Ausschreibungsaufwand und durch die Kosten für ihre nachträgliche Kontrolle wieder verloren geht. Der Begriff der „Leistungsqualität“ (Seite 189) für die Beurteilung des Fremdleisters ist doch sehr allgemein. Die Restverantwortung, die der beauftragenden Einrichtung verbleibt (Seite 207), lässt eher auf eine Sympathie der Verfasserin für die Durchführung der Reinigung in Eigenregie schließen. Die Fremdvergabe hakt auch bei der anleitenden Betreuungs-Reinigung von Räumen Dementer mit diesen; eigenes Personal könnte hier möglicherweise sensiblere Nähe einbringen.

Wenig gehen die Verfasserin auf den hohen Anteil ausländischer Arbeitnehmer:innen beim Reinigungspersonal ein, was bei mangelnden Kenntnissen in der hiesigen Landessprache das Verständnis für Sicherheitsdatenblätter, Dosierungsvorschriften und Gefahrenbenennungen beeinträchtigen könnte. Nur bei dem Thema der Kommunikation der Reinigungskräfte mit den Nutzer:innen findet sich auf Seite 212 der etwas paternalistische Hinweis, dass Mitarbeitende aus anderen Kulturkreisen an die Lebenswelt vor Ort herangeführt werden mögen. Gerade bei der betreuten und betreuenden Reinigung sind Sprach- und Kultur-Unterschiede zu beachten. Das gilt auch für den umgekehrten Fall des Zusammentreffens ausländischer NutzerInnen mit deutschem betreuendem Reinigungspersonal.

Fazit

Der neue Band „Reinigen in sozialen Diensten und Einrichtungen“ ist ein gut lesbares, inhaltsreiches Kompendium über die Ziele und Methoden von Sauberhaltung, Wertestabilisierung und Hygiene von Räumen und Gebäuden mit sozialer Zwecksetzung. Dass Reinigen mehr als Putzen ist, wird auf Schritt und Tritt deutlich, weil die Autorinnen die Reinigungsarten und die Reinigungsverfahren nicht nur als technische und chemische Vorgänge betrachten, sondern sie jenseits ihres ökotrophologischen Sachverstands auch unter humanwissenschaftlichen, also psychologischen, kommunikativen, sozialarbeitlichen, pädagogischen und rechtlichen Gesichtspunkten begreifen. Das Reinigen von Sozialeinrichtungen erfährt mit dieser Schrift einen Professionalisierungs-Schub. Zur Alternative Eigenreinigung oder Fremdvergabe sowie zur interkulturellen Dimension des Reinigens hätte noch etwas mehr ausgesagt werden können.

Rezension von
Prof. Kurt Witterstätter
Dipl.-Sozialwirt, lehrte bis zur Emeritierung 2004 Soziologie, Sozialpolitik und Gerontologie an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen - Hochschule für Sozial- und Gesundheitswesen; er betreute zwischenzeitlich den Master-Weiterbildungsstudiengang Sozialgerontologie der EFH Ludwigshafen
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Zitiervorschlag
Kurt Witterstätter. Rezension vom 30.05.2023 zu: Inge Maier-Ruppert, Deutscher Caritasverband Deutscher Caritasverband e.V.: Reinigen in Sozialen Einrichtungen und Diensten. Leitlinie für das Reinigungsmanagement. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2023. ISBN 978-3-7841-3045-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30771.php, Datum des Zugriffs 24.07.2024.


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