Anna Siegl: Gestärkt in das Hilfeplangespräch
Rezensiert von Prof. Dr. Christian Schrapper, 30.11.2023
Anna Siegl: Gestärkt in das Hilfeplangespräch - 40 Affirmationskarten für die Jugendhilfeplanung.
Beltz Juventa
(Weinheim und Basel) 2023.
1. Auflage.
25,00 EUR.
Kartenset; EAN: 401-917240018-7
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Autorin
Anna Siegel, 2022 Masterabschluss in Klinischer Sozialarbeit an der HAW Landshut.
Entstehungshintergrund
Das Kartenset wurde in praktischer Projektarbeit entwickelt und erprobt sowie und im Rahmen einer Masterarbeit konzeptionell ausgearbeitet.
Inhalt
Ein Set aus 40 Karten, auf der einen Seite mit direkt junge Menschen ansprechenden Aussagen, sog. Affirmationen; auf der anderen Seite Erläuterungen zu ihren Interessen und Rechten – auch mit Hinweis auf entsprechende Paragrafen des SGB VIII und I, des BGB sowie der UN-Kinderrechtekonvention auf der Rückseite; ein 8-seitiges Booklet mit Erläuterungen und Hinweisen für die Arbeit mit diesen Karten liegt ebenfalls bei.
Auf der Vorderseite sind es vor allem ICH-Aussagen, z.B.: Ich verdiene ein Zuhause; Ich bin etwas Besonderes; Ich werde geliebt und darf lieben wen ich will oder Ich bin wertvoll und lebenswert. Und handlungsbezogene Statements, wie: Ich kann selbst entscheiden, ob ich etwas gut oder nicht gut find; Ich habe die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen oder: Ich kann nein sagen und dazu stehen. Und schließlich allgemeine Positionen wie: Nur wer aufgibt, hat schon verloren; Es ist ok, zu zweifeln oder: Es gibt kein Problem ohne Lösung.
Auf den Rückseiten finden sich Erläuterungen und Konkretisierungen zu rechtlichen Regelungen rund um die Hilfeplanung. So wird z.B. zur Aussage Ich verdiene ein Zuhause auf den § 33 SGB 8 hingewiesen mit der Erläuterung: „Bei einer Vollzeitpflege kommst du für eine befristete Zeit oder auch auf Dauer in eine andere Familie. Diese muss zu die passen! (…) Deine Bedürfnisse müssen berücksichtigt werden.“ Oder zu der Aussage: Ich kann lernen, mit Grenzen umzugehen wird auf Artikel 12 Kinderrechtskonvention hingewiesen: „Deine Meinung muss je nach deinem Alter und deiner Reife berücksichtigt werden. Manchmal kann es aber sein, dass Erwachsene für dich anders entscheiden, als du möchtest. Sprich mit deinem Betreuungspersonen hierüber. Auch wenn du Entscheidungen nicht nachvollziehen kannst, solltest du zumindest gehört werden.“
Der Zusammenhang zwischen den sog. Affirmationen auf der einen und den Erläuterungen auf der anderen Seite ist mehr oder weniger nachvollziehbar, bietet aber immer einen Einstieg in ein Gespräch über Erfahrungen und Wünsche, Befürchtungen und Ärger mit der Lebenssituation in den Hilfen zur Erziehung und den Hilfeplangesprächen.
Diskussion
Das Kartenset ist ein gelungener Versuch, junge Menschen mit direkten Aussagen und Erläuterungen zu ihrer Position und Rolle, ihren Interessen und Rechten und ihren Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen auf die Entwicklung und Reflexion von Hilfen und Unterstützung aktivierend anzusprechen. Ob dies gelingt, wird sicher erheblich von den konkret handelnden Fachkräften abhängen, ihrer Beziehungsoffenheit und ihrem Interesse an den jungen Menschen. Die Karten können hierfür eine gute an anschauliche Unterstützung sein, ins Gespräch zu kommen, um mit jungen Menschen ihre konkreten Interessen zu klären und ihre Position zur Durchsetzung dieser Interessen zu stärken. Allerdings werden damit eher ältere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene angesprochen werden können, die zu den doch schon erheblichen Abstraktionsleistungen in der Lage sind, die die angebotenen Verbindungen von direkten und verstärkenden Aussagen und rechtlichen Erläuterungen als Vorbereitung und/oder Reflexion von Hilfeplangesprächen erfordern. Nur eine Randbemerkung ist, dass dieses Verfahren nicht Jugendhilfeplanung, sondern nur Hilfeplanung genannt wird.
Fazit
Im Fazit ein gutes Material, um mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine selbstbewusste und starke Vertretung ihrer Interessen und Rechte in der Hilfeplanung zu erarbeiten. Es fordert allerdings ebenso selbstbewusste und engagierte Fachkräfte, damit dieses anspruchsvolle Vorhaben gelingen kann.
Rezension von
Prof. Dr. Christian Schrapper
Prof. für Pädagogik, bis 2018 Universität Koblenz.
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