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Nicole J. Saam, Heiner Bielefeldt (Hrsg.): Die Idee der Freiheit und ihre Semantiken

Rezensiert von Prof. Dr. Gertrud Hardtmann, 29.12.2023

Cover Nicole J. Saam, Heiner Bielefeldt (Hrsg.): Die Idee der Freiheit und ihre Semantiken ISBN 978-3-8376-6188-0

Nicole J. Saam, Heiner Bielefeldt (Hrsg.): Die Idee der Freiheit und ihre Semantiken. Zum Spannungsverhältnis von Freiheit und Sicherheit. transcript (Bielefeld) 2023. 359 Seiten. ISBN 978-3-8376-6188-0. D: 29,00 EUR, A: 29,00 EUR, CH: 35,70 sFr.
Reihe: Sozialtheorie.

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Thema

Freiheit wird unterschiedlich gedeutet und semantisch umgekehrt, indem faktische Unfreiheit als Freiheit ausgegeben wird.

Herausgeber

Nicole S. Saam ist Professorin für Methoden der empirischen Sozialforschung an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied der Bayrischen Akademie der Wissenschaften.

Heiner Bielefeldt ist Professor für Menschenrechte an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied der Arbeitsgruppe »Zukunftswerte« an der Bayrischen Akademie der Wissenschaften.

Aufbau

Nach einem Vorwort von Nicole J. Saam und Heiner Bielefeldt folgen die Kapitel:

  1. Zum Einstieg (zwei Beiträge)
  2. Handlungsfreiheit, Willensfreiheit, Weltoffenheit (fünf Beiträge)
  3. Akzentuierungen der Freiheit: negativ, positiv, sozial, antidemokratisch (4 Beiträge),
  4. Zur Verschränkung von Freiheit und Recht (5 Beiträge)
  5. Freiheit und Unfreiheit in Gesellschaft und Staat (4 Beiträge)
  6. Freiheit versus Sicherheit (8 Beiträge)
  7. Rückblicke und Rückfragen (ein Beitrag) und
  8. Kurzbiografien der Autoren.

Inhalt

Nicole J. Saam, Heiner Bielefeldt: Vorwort (2 Seiten)

Die Ad hoc-Arbeitsgruppe »Zukunftswerte« der Bayrischen Akademie der Wissenschaften 2019 reflektierte drei Paare von Werten: Freiheit und Sicherheit, Gemeinschaftsinteresse und Eigeninteresse, Multikulturalität und Identität. Dieser Diskussionsband ist das Ergebnis von Reflexionen und Diskussionen zum Thema Freiheit und Sicherheit.

Nicole J. Saam und Heiner Bielefeldt: Die Idee der Freiheit im Kontext des Spannungsfeldes von Freiheit und Sicherheit (19 Seiten): Vorstellung der verschiedenen Beiträge und der Einteilung in die verschiedenen Untergruppen.

I Zum Einstieg (37 Seiten)

Otfried Höffe: Die Idee der Freiheit und ihr Wert (18 Seiten): Nach einem geschichtlichen Überblick folgen Überlegungen zu ‚Freiheit von‘ und ‚Freiheit zu‘. Staatliche Einschränkungen sind notwendig, da unbegrenzte Freiheit die Freiheit der Mitmenschen bedroht. Weitere Themen sind Freiheit im elektronischen Netz, im Zeitalter der Globalisierung und Personale Freiheit und Verantwortung als das höchste Gut.

Eckart Conze: Sicherheit. Wert, Fiktion, Versprechen (17 Seiten): Corona gab dem Thema Sicherheit und Freiheit Aktualität. Sicherheit und Legitimation staatlicher Herrschaft sind zentrale Themen im modernen Staat verbunden mit Identitäts- und Gemeinschaftsbildung. Mit dem Ersten Weltkrieg entwickelten sich kulturell und ökonomisch individuelle und kollektive Verunsicherungen und führten zu falschen Sicherheitsversprechen (z.B. Faschismus).

II Handlungsfreiheit, Willensfreiheit, Weltoffenheit. (49 Seiten)

Christian Thies: Weltoffenheit und Institutionen (9 Seiten): Nach dem Handlungsbegriff von Gehlen sind Grundgegebenheiten der menschlichen Existenz, der biologische Mangel und die Weltoffenheit verbunden mit Unsicherheit und Antriebsüberschuss. Stabilisierende Institutionen ermöglichen positiv Handlungsfreiheit, erfordern aber auch kritisch Distanz wegen der Gefahr des Autoritarismus.

Gottfried Seebaß: Freiheit versus Determinismus (7 Seiten): Determinismus theologisch, philosophisch und naturwissenschaftlich geht von Alternativlosigkeit aus und negiert menschliche Freiheit (Beispiele). Die Lebenspraxis spricht dagegen.

Wolfgang Thönissen: Freiheit. Theologische Hintergründe, Aspekte und Perspektiven (13 Seiten): Anhand der Luther’schen Gnadenlehre und den anschließenden Kontroversen verweist Thönissen auf scholastische Debatten über Voluntarismus zu Lasten göttlicher Gnade. Protestantische und katholische Theologen bemühen sich um Anschluss an das moderne rechtliche und politische Freiheitsdenken. Freiheit als Unverfügbarkeit liege aller Wahl- und Willensfreiheit auch in der Begegnung mit der unbedingten Freiheit Gottes zugrunde.

Nicole Grochowina: Freiheit als personales Geschehen zwischen Mensch und Gott (8 Seiten): Die Autorin bezieht sich auf frühreformatorische Schriften von Luther: Die Gnade Gottes befreit Menschen von Selbstbezogenheit und Gottesferne. Freiheit und Bindung sind keine Widersprüche, da letztere freies Handeln voraussetzt.

Barbara Zehnpfennig: Freiheit und Autarkie. Antike Vorstellungen eines selbstbestimmten Lebens (7 Seiten): In der heidnischen Antike war Freiheit auf das Ideal menschlicher Autarkie (Apathie stoisch und Ataraxie epikureisch) orientiert. Nach Platon gründet Freiheit in der Herrschaft der Vernunft über die Triebe und der Ausrichtung auf das Gute. Doch bereits Aristoteles unterschied zwischen politisch-praktischer und kontemplativ-theoretischer Lebensweise; nur letztere ermögliche individuelle Autarkie. Die Praxis der Lebensführung stand hellenistisch im Vordergrund, allerdings elitär angesichts von Sklaverei.

III Akzentuierungen der Freiheit: negativ, positiv, sozial, radikaldemokratisch. (40 Seiten)

Georg Kohler: Negative und positive Freiheit (5 Seiten): Negative und positive Freiheit, ‚Freiheit von‘ und ‚Freiheit zu‘ – nach Kohler besteht eine Tendenz zu negativer Freiheit (übermäßige Selbstbestimmung und ‚Trennung des Guten vom Rechten‘) bei Verlust der Perspektive des An-sich-Guten.

Michael Krennerich: Politische Freiheitsrechte in der Demokratie (8 Seiten): Freiheit enthält negativ die Möglichkeit des Nein-Sagens, Rückzugs, Enthaltung und kritischer Distanz, eine Voraussetzung auch für positives politisches Engagement. Krennerich vertritt einen integralen Ansatz eines negativen und positiven Freiheitsgebrauchs. Autokratische Regime verengen das zivilgesellschaftliche Engagement, das in Demokratien unterstützt werden muss.

Nicole J. Saam: Konzepte sozialer Freiheit (14 Seiten): Soziale Freiheit wird oft durch einen verengten Bick übersehen. Normativ ausgerüstet seien Freiheitspotenziale in aktueller gesellschaftlicher Praxis (Honneth) und in feministischen Konzepten relationaler Autonomie. Nicht normativ ausgerichtet sind die Entwürfe von Aakvaag bzw. Shir-Wise einer institutionellen Vermitteltheit des Freiheitsgebrauchs. Soziale Freiheit, die einseitige Normativierung überwindet und Kontingenz einbezieht, sei eine bleibende Aufgabe.

Karsten Schubert: In Ruhe gelassen. Das Zusammenspiel von negativer und sozialer Freiheit in der Kritik der Identitätspolitik (10 Seiten): Die linke Identitätspolitik für traditionell diskriminierte Minderheiten sieht Schubert positiv, da Liberalismus und Kommunitarismus weitgehend gesellschaftlich Machtasymmetrien ausgeblendet hätten. In universalistischer Sprache habe der Liberalismus partikulare Privilegien verschleiert, während der Kommunitarismus eine Tendenz zu paternalistischer Bevormundung zeige. Radikaldemokratische Freiheit müsse bei vielfältigen partikularen Ansprüchen ansetzen.

IV Zur Verschränkung von Freiheit und Recht. (49 Seiten)

Dietmar Willoweit: Die vielen Freiheiten, die eine Freiheit und das Recht (7 Seiten): Der aktuelle Rechtspositivismus frage nicht nach den geschichtlichen und systematischen Voraussetzungen der ‚Verklammerung von Freiheit und Recht‘. Dem subjektiven Recht komme ‚ein logischer und historischer Vorrang‘ gegenüber dem objektiven Recht zu, wie sich aus dem Reziprozitätsprinzip verbindlicher Interaktionen (Rechte und Pflichten) ergebe. Universale Menschenrechte hätten eine freiheitssichernde Funktion.

Andres Funke: Freiheit als konstitutives Prinzip der Rechtsordnung (8 Seiten): Wie kann das abstrakte Freiheitsrecht konkrete Konturen erhalten? Das deutsche ‚allgemeine Freiheitsrecht‘ (Artikel2, Abs. 1 GG) weiche einer inhaltlichen Bestimmung konkreter Freiheit aus. Substantielle und triviale Fragen werden gleich behandelt (Beispiele). Beim assistierten Suizid würden z.B. die Beziehungen der Menschen und deren Werte ausgeblendet.

Jean-Pierre Wils: Assistierter Suizid und Autonomie (10 Seiten): Er kritisiert den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz. Zwar sei Liberalisierung erwünscht, doch sei die Autonomiesemantik abstrakt, kontextlos und monologisch (eine reine Privatangelegenheit), entkoppelt von medizinischen Prognosen und Moral. Sterbehilfe lasse sich so nur noch prozedural, nicht aber inhaltlich bewerten.

Heiner Bielefeldt: Freiheit als Anspruch. Eine menschenrechtliche Perspektive (10 Seiten): Er unterscheidet drei Ebenen von Freiheitsansprüchen: Als Rechtsanspruch, als ordnungsstiftendes Prinzip und als ethischer Anspruch. Menschenrechte seien unveräußerlich mit der Menschenwürde verbunden. Auch individuelle Freiheitsrechte seien auf frei gestaltete Beziehungen (z.B. Versammlungsfreiheit und Recht auf Ehe und Familie) ausgerichtet.

Elisabeth Holzleithner: Queere Freiheit und ihre Hindernisse (11 Seiten): Queer als Sammelbegriff umfasst ein Spektrum nicht binär geschlechtlich identifizierter Personen (SOGIES – sexual orientation, gender identity and expression, sex characteristics) und deren Autonomie (Lebensentwürfe, Optionen), abseits von Zwang und Manipulation. Sexuelle Orientierung wird schicksalhaft erlebt; medizinische Eingriffe bedeuten jedoch auch Einschränkungen zukünftiger Möglichkeiten. Menschenrechtswidrig sei ein Tauschhandel zwischen rechtlicher Anerkennung und körperlicher Unversehrtheit. Heute existieren noch Strafbestimmungen und Einschränkungen (z.B. Ehe) in zahlreichen Staaten, und die Vielfalt sexueller Existenzweisen ist noch nicht selbstverständlich.

V Freiheit und Unfreiheit in Gesellschaft und Staat (42 Seiten)

Manfred Prisching: Freiheit und Authentizität (9 Seiten): Nach Prisching sind Freiheit und Authentizität sowohl untrennbar als unvereinbar, da der Mensch sich nicht von Authentizität allein bestimmen lassen dürfe, diese aber gleichzeitig auch ein Akt der Freiheit sei. Es folgen Beispiele von unterschiedlicher – auch pathologischer – Authentizität, z.B. aufgrund von ‚Bauchgefühlen‘ ohne korrigierenden Verstand.

Carmen Birkle: Freiheit als Mythos am Beispiel der USA (9 Seiten): Birkle bezieht sich auf den missionarischen Gründungsmythos der USA von Freiheit – innenpolitisch und international wirksam – einerseits als gelebte Realität, andererseits als Ignoranz und Marginalisierung (Sklaverei, Bevormundung von Frauen, Rassismus).

Jörn Leonhard: Liberalismus. Konturen der historischen Semantik seit dem frühen 19. Jahrhundert (7 Seiten): Das Gesellschaftsideal des Liberalismus, war der aufgeklärte und unabhängige Bürger, aber exklusiv insofern soziale Fragen vernachlässigt wurden. Europäische Vergleiche zeigten eine weite Spannweite der Fortschrittsnarrative der Liberalen.

Rebekka von Malinckrodt: Die lichtabgewandte Seite der Freiheit (12 Seiten): Die Autorin kritisiert den Mythos, dass es im alten deutschen Reich keine Sklaverei gegeben habe; vielmehr habe es Sklavenhändler, Plantagenbesitzer und am Menschenhandel Beteiligte mit ethnisch Fremden gegeben, – die lichtabgewandte Seite in der öffentlichen Wahrnehmung.

VI Freiheit versus Sicherheit? (84 Seiten)

Erasmus Mayr: Das Verhältnis von Freiheit als Autonomie und Sicherheit (8 Seiten): Kant verband sein Freiheitsverständnis mit der sittlichen Autonomie des Menschen und moralischer Verbindlichkeit. Konflikte ergeben sich aus Kontroversen über das moralisch Richtige. Die staatliche Rechtsordnung sichert den Rahmen, in dem sich subjektive Rechte – vor allem Freiheit – verwirklichen lassen.

Katrin Meyer: Paradoxien von Freiheit und Sicherheit im Liberalismus (10 Seiten): Neoliberale und neokonservative Tendenzen wirken meist durch Steuerung und Regulierung in einer Kapitalisierungslogik zusammen, die Sicherheit und individuelle Freiheit – verbunden mit Risikobereitschaft –, anstelle von Sorge und Solidarität unterstütze.

Christoph Gusy: Die Freiheit im Sicherheitsdiskurs (7 Seiten): Neben Grundrechtsliberalismus hält der Autor sozialstaatliche und demokratietheoretische Erweiterungen für notwendig für die Sicherung der Freiheitsrechte aller Menschen. Begründungsbedürftig sei eine Einschränkung der Freiheit, – auch im Interesse der Freiheit.

Christian Walter: »Abwägung« in der Dogmatik der Grund- und Menschenrechte (9 Seiten): Walter plädiert für ein abwägendes Umgehen mit grundrechtlichen Freiheiten, wie Freiheit und Sicherheit. Eingriffe seien nach dem Verhältnismäßigkeitsprinzip rechtfertigungsbedürftig.

Johannes Eichenhofer: Freiheitschancen durch institutionelle Vertrauensarbeit (7 Seiten): Angesichts der Entwicklung der Technik sind persönliche Daten nicht mehr kontrollierbar. Deshalb sei das Vertrauen in das Datenschutzrecht für die Sicherheit notwendig.

Christoph Neuberger: Sicherheit und Freiheit in der digitalen Öffentlichkeit (12 Seiten): Ohne ein gewisses Maß an Sicherheit ist freie Internet-Kommunikation nicht möglich. Deshalb sind Regelungen gegen Hasskommunikation wichtig, da sie eine Gefahr nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Demokratie sei. Er fordert »Transparenz über Algorithmen und Datenverwendung sowie Regeln für den Umgang zwischen Nutzer:innen«.

Marie-Kristin Döbler: Freiheit und Sicherheit im Alter (12 Seiten): Freiheit zu Hause gegen Sicherheit im Heim seien falsche Alternativen, da die Realität komplexer sei. Wichtig sei vielmehr, dass Menschen freie Entscheidungen treffen können; deshalb sei es auch richtiger, von ‚Freiheiten‘ und ‚Sicherheiten‘ zu sprechen.

Katrin Kinzelbach und Eva Pils: Wehrhafte Wissenschaft. Zum akademischen Umgang mit dem autokratischen China (14 Seiten): Der Einfluss autokratischer Staaten auf die Wissenschaftsfreiheit (Bsp. China) betrifft nicht nur Studenten im Land, sondern auch deren Selbstzensur im Ausland. Die Freiheit der Forschenden müsse respektiert und die Institutionen müssen verstärkt in die Pflicht genommen werden.

VII: Rückblicke und Rückfragen. (20 Seiten)

Ein Versuch der Herausgeberinnen, die verschiedenen Beiträge in Beziehung zu setzen durch den Vergleich der vorgestellten Befunde und Positionen, ihre Gegensätze und Ergänzungen.

Kurzbiografien. (5 Seiten)

Diskussion

Ein wichtiges, außerordentlich inhaltsreiches Buch der seit 2018 eingerichteten Ad hoc-Arbeitsgruppe »Zukunftswerte« der Bayrischen Akademie der Wissenschaften. Es greift vielfältige aktuelle Themen auf wie Digitalisierung, soziale Medien, Nationalismus, Populismus und Bedeutungsverlust wertstiftender Institutionen unter dem Aspekt von Freiheit und Sicherheit, Gemeinschaftsinteresse und Eigeninteresse, Multikulturalität und Identität auf. Die in den vielen bereits von den Autoren zusammengefasst vorgestellte Komprimierung der Themen, und in der inhaltlichen Wiedergabe hier noch einmal verkürzte Darstellung, umfasst ein breites Spektrum aus soziologischer, historischer, juristischer, psychologischer, kulturwissenschaftlicher, philosophischer, politologischer, theologischer Perspektive. Die relative Kürze der Beiträge wird positiv ergänzt durch überaus reichhaltige Literaturhinweise.

Insgesamt handelt es sich um ein sehr politisches Buch, da Freiheit und Sicherheit allgemeinverbindliche Regeln voraussetzen, die nicht nur beschlossen, sondern auch durchgesetzt und evtl. verteidigt werden müssen. Deshalb eignen sich die einzelnen Beiträge sehr als Anregung zum Nachdenken über Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft. Je nach Thema und Interesse (z.B. Genderthematik, Sterbehilfe, Suizid) regen sie zum Nachdenken und zur Diskussion an und sind deshalb zum Gebrauch in der Schule, in Jugendgruppen und sozialen Verbänden geeignet, allerdings mit der Einschränkung, dass die zum Teil eher für Wissenschaftler und Experten geeigneten Beiträge nicht immer leicht lesbar sind.

Ein Gewinn für diese, so unterschiedliche Aspekte des sozialen Lebens umfassende Veröffentlichung ist die Interdisziplinarität der Autoren, die aus verschiedenen Perspektiven den Blick öffnen für die Bedeutung dieser Themen, – nicht nur individuell, sondern vor allem auch im sozialen Zusammenleben. Die Vielfalt der Perspektiven, die unterschiedlichen Akzentuierungen und Deutungen machen vor allem erkennbar, dass Freiheit nicht ein Besitz des Einzelnen ist, sondern im sozialen Miteinander nicht nur semantisch, sondern auch praktisch ausgehandelt werden muss.

Fazit

Ein wichtiges Buch über Freiheit, deren Ansprüche und Grenzen. Die große Anzahl der Autor:innen unterschiedlicher Professionen ist geeignet, die vielfältigen Aspekte von Freiheit und Sicherheit aufzuzeigen, und regt dazu an, diese auch im Alltagshandeln im Blick zu haben.

Rezension von
Prof. Dr. Gertrud Hardtmann
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Zitiervorschlag
Gertrud Hardtmann. Rezension vom 29.12.2023 zu: Nicole J. Saam, Heiner Bielefeldt (Hrsg.): Die Idee der Freiheit und ihre Semantiken. Zum Spannungsverhältnis von Freiheit und Sicherheit. transcript (Bielefeld) 2023. ISBN 978-3-8376-6188-0. Reihe: Sozialtheorie. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30833.php, Datum des Zugriffs 15.04.2024.


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